Feuerwehr und THW

Waldbrandbekämpfung neu gedacht

Christian RumpChristian Rump

Die Waldbrandstatistik 2025 des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) zeigt, dass es 2025 mehr als doppelt so viele Waldbrände wie im Vorjahr gab. Und die aktuellen Entwicklungen und Zahlen für 2026 sehen nicht besser aus. Im folgenden Fachbeitrag über zukünftige Waldbrandbekämpfung beschäftigen sich unsere Autoren intensiv mit der Frage, wie und mit welchen technischen Mitteln besser reagiert werden kann.

Feuerlöschtraktor mit Dachwasserwerfer bekämpft einen Vegetationsbrand entlang eines befestigten Weges mit einem Wasserstrahl
Ein mit einem Dachwasserwerfer ausgestatteter Feuerlöschtraktor bekämpft einen großflächigen Vegetationsbrand.
KI-generiert: KI-generiert

Im Jahr 2025 vernichteten 1.175 Brände rund 2.626 Hektar Waldfläche –eine Fläche so groß wie die Insel Norderney. Die verbrannte Fläche liegt damit um ein Vielfaches über dem langjährigen Mittel von 844 Hektar (1991 bis 2024). Die größte Brandfläche gab es 2025 in Sachsen. Aufgrund des Großbrandes in der sächsischen Gohrischheide führt Sachsen die Waldbrandstatistik 2025 im Ländervergleich mit 1.894 Hektar verbrannter Fläche an. Darauf folgt mit großem Abstand und 252 Hektar Brandenburg und mit 224 Hektar Bayern.

Bei der Anzahl der Brände liegt Brandenburg mit 317 Bränden vorn, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 135 und Niedersachsen mit 128 Bränden. Aktuell halten vor allem die Brände im Hürtgenwald sowie auf der belgischen Seite der NRW-Monschau die Blaulichtorganisationen auf Trab. Auch wenn diese im europäischen Vergleich noch eher klein sind. 2026 suchten Waldbrände vor allem Spanien, Frankreich und Italien heim. Weitere regelmäßige Kandidaten sind Griechenland und Portugal.

Laut BMLEH soll jeder fünfte Brand vermutlich vorsätzlich gelegt. Rund 46 Prozent der Waldbrände entstanden aus ungeklärten Ursachen, gefolgt von Fahrlässigkeit mit ungefähr 27 Prozent. Knapp jeder fünfte Waldbrand wurde vermutlich vorsätzlich gelegt. Bei den Bränden, die auf Fahrlässigkeit zurückgeführt werden können, waren unter anderem Camper, Waldbesucher oder Kinder beteiligt.

Ein Grund sind aber auch die abnehmenden Niederschlagsmengen und die damit immer trockenwerdenden Böden. Dabei ist laut BMLEH Deutschland im europäischen Vergleich kein typisches Waldbrandland. Die Anzahl trockener und heißer Jahre und somit die Waldbrandgefahr werden aber voraussichtlich zunehmen. Mit dieser Realität müssen wir umgehen. In den trockenen und heißen Jahren 2018, 2019, 2022, 2025 und jetzt 2026 gab es bundesweit vermehrt Waldbrände. Sie gefährden oder verändern die vielfältigen Ökosysteme, sie zerstören Biotope, sie vernichten wirtschaftliche Werte der Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer.

Die Brandbekämpfung im Wald fällt in den Bereich des Bevölkerungsschutzes und Katastrophenmanagements. Zuständig hierfür sind in erster Linie die Kommunen, die Bundesländer und das Bundesministerium des Innern (BMI). Das BMLEH fördert gemeinsam mit den Ländern Maßnahmen der Waldbrandprävention. Dazu gehören noch vor der Waldbrandbekämpfung:

  • Waldbrandschutzstreifen mit standortgerechten feuerhemmenden Baumarten
  • Wundstreifen und Brandschutzschneisen
  • Feuerlöschteiche und Löschwasserentnahmestellen

Die Bundesregierung fördert zudem die Vorsorge vor Waldbränden mit diversen Forschungs- und Entwicklungsprojekten.

Auf europäischer und internationaler Ebene engagiert sich Deutschland im „Global Fire Management Hub“ der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO), in der G7 Waldbrand-Charter und in der von Deutschland initiierten FOREST EUROPE-Plattform zu Waldrisiken, um den Dreiklang Prävention–Bekämpfung–Wiederaufbau weiterzuentwickeln. So ist es auf der Seite des BMLEH zu lesen. Doch wie die aktuellen Fälle zeigen, scheint dies alles nicht auszureichen.

Laut diverser Wetterfröschen sind die ganz heißen Tage nun vorbei. Und es gibt zumindest Hoffnung auf kleinere Regenmengen. Also ist die Zeit der großen und andauernden Brandbekämpfung hoffentlich nun vorbei. Und Zeit, die Bedingungen für die kommenden Jahre endlich zu verbessern. Bis zum nächsten Sommer sollten bessere Strukturen sowie bessere Ausstattungen der Rettungskräfte geplant und umgesetzt werden. Politik und Verantwortliche müssen endlich einmal mit Weitblick an das Thema ran, ihr Mindset endlich ändern. Aber das ist in Deutschland wie bei so vielen Themen eher schwierig bis unmöglich. Die Drohnenabwehr ist nur ein weiteres Beispiel, wo jegliche Weitsicht fehlt. Aber wenn nicht jetzt, wann dann?

Kombiniertes Säulen- und Liniendiagramm zur Waldbrandstatistik von 2010 bis 2025 mit betroffener Fläche in Hektar und Anzahl der Brände
Interaktive Grafik zur Waldbrandstatistik.
Grafik: BMLEH

Zum Einsatz kommen vor allem Feuerwehren mit ihren normalen Löschmitteln, diese sind für den Wald oft ungeeignet. Einige Kommunen können vielleicht sogar auf Mercedes-Benz UNIMOGs zurückgreifen, die speziell für die Waldbrandbekämpfung ausgelegt sind. Herangezogen werden auch Mittel des THWs, Wasserwerfer der Polizei oder Hubschrauber von Polizei und Bundeswehr. Aber selbst die NH90-Transporthubschrauber der Bundeswehr können nur einen Löschwasser-Außenlastbehälter vom Typ Bambi Bucket mitführen.

Mit der ab 2027 zulaufenden Boeing CH-47 Chinook können es bis zu drei gleichzeitig sein. Jeder dieser roten, faltbaren Außenlastbehälter fasst rund 2.000 Liter Löschwasser. Also gerade mal ein Fünftel der Löschwassermenge, die zum Beispiel die Löschflugzeuge in Griechenland oder Spanien pro Anflug abwerfen können (10.000 Liter). Laut Medienangaben hat Deutschland nur ein einziges Löschflugzeug, die „Hexe 1“ im Harz. Dabei handelt es sich um eine umgerüstete Agrarmaschine. Im Hürtgenwald und in der Vergangenheit auch bei anderen Bränden kamen zudem Bergepanzer der Bundeswehr zum Einsatz.

It`s cool – man: Von der Pioniermaschine (UPM) zur Löschmaschine

KENBRI, der Feuerwehrspezialist aus den Niederlanden und FENDT, der Traktorspezialist aus dem Allgäu haben gemeinsam das Konzept der Universellen Pioniermaschine (UPM) für die Pioniertruppe um die Fähigkeit für den Einsatz gegen Wald- und Vegetationsbrände erweitert. Dabei betreibt der Großtraktor FENDT 942 (415 PS stark, eigenbeweglich und marschkolonnenfähig mit bis zu 65 Stundenkilometer) das COOL-FIRE System von KENBRI.

Die Hochdrucktechnik an Front- und / oder Heckanbau reduzieren den Wasserverbrauch und erhöhen durch das Zerstäuben des Löschwassers den Löscherfolg, so der Anbieter. Die Löschmonitore können separat bedient werden. Ebenfalls an beiden Tanks sind Löschschläuche angebracht, um auch eine abgesessene Brandbekämpfung zu ermöglichen.

KENBRI hat auf die Autarkie des Löschtraktors großen Wert gelegt. Deshalb ist der Tank durch ein von der Kabine aus zu bedienendes Saugrohr binnen kürzester Zeit befüllt werden.

Sprühdüsen an Front und Heck erhöhen die Überlebensfähigkeit von Traktor und Besatzung. Optional ist der Traktor mit einer geschützten Kabine erhältlich. Damit kann er auch in Gegenden mit (Weltkriegs-)Munitionsresten und anderer Splittergefahr eingesetzt werden. Ebenfalls als Option – die durchgehende Stahlplatte am Fahrzeugboden, welche gegen mechanische Beschädigung und Hitze schützt.

Als Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderer Waldbrandlöschfahrzeuge ist die Rückfahreinrichtung. Diese ermöglicht dem Bediener binnen weniger als 1 Minute den Bedienstand zu drehen und mit bis zu 30 Stundenkilometern in Gegenrichtung den Gefahrenbereich zu verlassen.

Umdenken zur Bedienung ist nicht nötig – dies erledigt der Traktor. Gerade in einer lebensgefährlichen Situation, eine im wahrsten Sinne des Wortes – lebensrettende Lösung.

Schneisen zum Schutz gegen die Ausbreitung von Wald- und Vegetationsbränden werden oft per Handarbeit geschaffen. Im Hürtgenwald wurden Bergepanzer der Bundeswehr dazu herangeholt. Das „System Traktor“ greift zum Beispiel auf den Forstmulcher zurück und schafft damit bis zu 3 km Schneisen pro Stunde.

Mit circa. 10.000 Liter Löschwasser markieren Löschpanzer auf den Fahrgestellen des LEOPARD 1 oder T55 die Obergrenze der mitgeführten Wassermenge. Die Bundeswehr betreibt auch zwei umgerüstet Schützenpanzer Marder 1A3 als Feuerlöschfahrzeug. Allerdings nehmen diese ehemaligen Kampfpanzer auch die Kostenführerschaft im Betrieb und im Unterhalt. Und diese Systeme sind Mangelware.

Wird ein Großtraktor auf eine möglichst große Löschwassermenge ausgelegt, so kann auch dieser 10.000 Liter Löschwasser ohne Anhänger, also direkt am Fahrzeug mitführen. Auch die Besatzung ist sowohl gegen die Bedrohung von Flammen und Splitter und Blast von eventuell detonierender Munition geschützt.

Beschaffungs- und Unterhaltskosten der Traktoren betragen jedoch nur einen Bruchteil der Kosten eines Löschpanzers. Und Traktoren sind in den meisten Regionen schnell und flexibel über die örtlichen Bauern in größeren Zahlen verfügbar. Über gepoolte Löschsysteme auf Kreis- oder Länderebenen könnten diese dann schnell für den Brandbekämpfungseinsatz erweitert werden.

Feuerlöschtraktor Kenbri / Fendt
Roter Fendt-Traktor mit Kenbri-Löschanlage und Erdschieber bei Bodenarbeiten im Gelände zur Anlage von BrandschneisenFendt-Traktor mit Kenbri Agrifire-Löschsystem bei der Wasserabgabe über Heckdüsen in bewachsenem GeländeKombiniertes Säulen- und Liniendiagramm zur Waldbrandstatistik von 2010 bis 2025 mit betroffener Fläche in Hektar und Anzahl der BrändeGroßtraktor FENDT 942 mit dem COOL-FIRE System von KENBRI als Frontanbau.Kenbri-Löschtraktor mit Fronträumschild gibt bei einer Geländeerprobung Wasser über einen Löschwerfer abTraktor der Marke Fendt mit Kenbri Agrifire Pro 4.500 Löschaufbau entnimmt mit ausfahrbarem Saugrohr Wasser aus einem GewässerFeuerwehrmann in Schutzkleidung mit Löschlanze bei der Vegetationsbrandbekämpfung neben einem Traktor mit Fronttank im GeländeGroßtraktor FENDT 942 mit dem COOL-FIRE System von KENBRI als Frontanbau.Übersichtsgrafik der Universellen Pioniermaschine UPM von Fendt und Kenbri mit modularem Feuerlöschsystem für den GeländeeinsatzGrafik zur Rückfahreinrichtung eines Fendt-Traktors mit drehbarem Fahrerarbeitsplatz für BrandbekämpfungseinsätzeFendt-Traktor mit TMC Cancela TFT-225 Forstmulcher beim Anlegen einer Brandschutzschneise am WaldrandRoter Fendt-Traktor mit Kenbri-Frontanbau, Coolfire-Löschsystem und Räumschild auf einem befestigten Freigelände vor einer HalleKenbri-Großtraktor mit montiertem Räumschild fährt auf einem unbefestigten Waldweg zur VegetationsbrandbekämpfungGroßtraktor FENDT 942 mit dem AGRIFIRE PRO 4.500 System von KENBRI als Frontanbau.Schematische Grafik zum Vergleich des logistischen Aufwands zwischen einem Löschpanzer und einem Fendt-Traktor mit Löschmodul4 / 15

Waldbrandbekämpfung: Löschunterstützung aus der Luft

Doppelt so viel, nämlich 20.000 Liter Löschwasser kann durch die Airbus A400M abgesetzt werden. Ende Juli hat die französische Luftwaffe erstmals die Löschvariante ihres Transportfliegers erfolgreich eingesetzt. Spanien hat diesen Umrüst-Kit von Airbus ebenfalls bestellt, muss aber noch auf die Auslieferung warten. Und Deutschland? Bisher Fehlanzeige. Dabei hat Deutschland bisher 60 Airbus A400M in der Luftwaffe. Aber kein einziges Löschsystem.

Man stelle sich einmal vor, fünf A400M fliegen im Formationsflug, oder zumindest hintereinander gleichzeitig ein Brandgebiet an und werfen ihr Löschwasser ab. Damit könnte man endlich einmal Wirkung im Ziel erreichen. Das würde soviel Löschwasser für bei 50 NH-90 Hubschrauberflügen entsprechen, aber eben gleichzeitig und in kürzerer Zeit. Auch aus europäischer Sicht würde dies Sinn ergeben. Ein Löschcontainerpool der EU, zum Beispiel über das European Air Transport Command (EATC) in Eindhoven, Niederlande, abrufbar und aus EU-Töpfen finanziert. Deutschland ist in der EU für fast alle Bereich der größte Geldgeber, macht daraus aber kaum wirklich zählbaren Einfluss.

In Europa gibt es neben Deutschland mit Belgien und Luxembourg (acht Maschinen in gemeinsamer Nutzung), Frankreich (50 Maschinen bestellt), Spanien (20 Maschinen bestellt) sowie Großbritannien (22 Maschinen bestellt). Wenn man sich diese europäische Nutzerliste so anschaut, dann bis auf Großbritannien alle Staaten dieses Jahr von großen Waldbränden betroffen.

Aber nicht nur die Löschkits für den A400M müssten beschafft werden, sondern auch die Flughäfen auf solche Einsätze hin vorbereitet. Köln, Kassel-Calden, Hamburg, Leipzig, Berlin und weitere müssten für die Abfertigung der A400M und vor allem zur schnellen Wasseraufnahme befähigt werden. Jetzt, damit im kommenden Sommer die Fähigkeit dann hoffentlich zur Verfügung steht.

Das Problem wurde aber schon weiter oben benannt, der Föderalismus in Deutschland und die zersplitterten Zuständigkeiten. Die Brandbekämpfung ist Aufgabe der Kommunen und maximal Bundesländern. Die Luftfahrzeuge gehören aber der Bundeswehr und dem Bund. Dieser müsste damit auch die Systeme beschaffen. In Deutschland steht man sich mal selber wieder im Weg. Einfach einmal zusammen an einem Strang ziehen.

Und nicht nur die A400M wäre eine Option. Auch die Lockheed Marti C-130 Hercules kann mit entsprechenden Systemen bestückt werden. Die Bundeswehr besitzt insgesamt sechs Transportflugzeuge des Typs Lockheed Martin C-130J Super Hercules. Die Flotte ist vollständig ausgeliefert und setzt sich aus drei Maschinen der Langvariante C-130J-30 sowie drei Tankflugzeugen der Version KC-130J zusammen.

Optionen über Optionen, die nicht genutzt werden, zumindest nicht in Deutschland.

Und LEONARDO ist mit der Löschvarianten der C-27J Spartan in der Erprobungsphase (Security Network berichtete): Neben den genannten Typen nutzen auch die C-130 Varianten, die CASA C-295 und zukünftig die Embraer C-390 Millennium, das Modular Airborne Fire Fighting System (MAFFS). Dieses Löschsystem wurde zu Beginn der 1970er-Jahre erst mal eingesetzt und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. MAFFS kann sowohl für direkte Löscheinsätze als auch zur Eindämmung von Bränden genutzt werden.

Die Roll-on / Roll-off Systeme

Für die C-130 gibt es laut Lockheed Martin mehrere Kit-Anbieter, das bekannteste ist wohl das Modular Aerial Firefighting System (MAFFS; System zur Feuerbekämpfung aus der Luft). MAFFS ist ein palettiertes System, das einen unter Druck stehender Feuerlöschmittel-Tank beinhaltet. Der Tank verfügt über mehrere Zellen, die in der Ursprungsvariante 2.700 US-Gallonen an Feuerlöschmittel aufnehmen konnte.

Das System zur Brandbekämpfung wurde für die U.S. Air National Guard entwickelt und später auch von Italien, Portugal, Griechenland, Tunesien, der Türkei sowie Brasilien eingeführt. Die neuere Variante MAFFS II soll laut Hersteller innerhalb von einer Stunde in die Maschine eingerüstet werden können. Und sie kann mit 11.356 Litern auch mehr Löschmittel fassen. Der Tank besteht nun aus Kohlefaser und hat einen integrierten Kompressor.

Dies soll eine deutlich kürzere Durchlaufzeit zwischen den Einsätzen der Brandbekämpfung ermöglichen. MAFFS II on Aero Union (heute das Joint Venture Maffs Corp.) ist mit den Varianten C-130H und C-130J kompatibel und verteilt das Feuerlöschmittel durch eine Klappe in der Fallschirmabsetztür in der Seite. Dadurch bleibt die Frachtklappe geschlossen und der Druck in der Kabine erhalten. MAFFS II kann bis zu acht getrennte Sprühstöße durch eine Düse abgeben. MAFFS II kann bis zu 700 US-Gallons/Sekunde ausstoßen.

Zudem wurde ein modulares Luft-Sprühsystem für Marokko entwickelt. Das System ist in sich geschlossen und umfasst zwei palettierte Tanks mit je 6.813 Litern. Diese werden auf der Rampe befestigt und versorgen den hydraulischen Ausleger und das Sprühmodul. Die Flüssigkeit wird in den Luftstrom der Rampe abgegeben.

Als weiteres System wird das RADS von Coulson Aviation USA angeboten. Es handelt sich um ein Gravity Drop Retardant Delivery System (RDS) und besteht aus einsatzspezifischen Komponenten, die in weniger als 30 Minuten installiert oder entfernt werden können. Laut Hersteller ist es derzeit die effektivste Methode zur Ausbringung von Brandbekämpfungsmitteln aus der Luft. Das RDA macht sich die Schwerkraft zunutze und hat eine Höhen- und Fluggeschwindigkeitskompensation integriert. Es bietet einen konstanten Durchfluss für eine gleichmäßige Flammschutzmittel-Abdeckung bis zu Coverage Level (CL) 12.

Die gleichmäßigen Bodenbedeckungsgrade aus größeren Höhen bieten einen zusätzlichen Schutz für Maschine und Crew, aber das System wurde auch optimiert für die Durchführung von Brandbekämpfungseinsätzen im direkten Angriff sowie den Einsatz von Löschmitteln bei niedriger Fluggeschwindigkeit und in geringer Höhe.

Die Tankkapazität umfasst bis zu 5.000 US-Gallonen Retardant. Dank einer Entleerungsrate von 1.600 US-Gallons/Sek. ist der Tank in unter drei Sekunden leer und der Feuerangriff beendet. Das RADS benötigt kein weiteres Besatzungsmitglied, das Steuergerät und die Cockpit-Schnittstelle bieten dem Bediener eine Technologie zur Anpassung der Durchflussrate in Echtzeit, was zu einer optimalen Abdeckung der Abwurfzone und Genauigkeit führen soll. Laut Hersteller ist es zudem günstiger und leichter als Konkurrenzsysteme.

Die als Schwerer Transporthubschrauber (STH) Boeing CH-47 Chinook kann immerhin drei Löschwasser-Außenlastbehälter vom Typ Bambi Bucket oder Smokey I mit je 5.000 Litern tragen. Die CH-53G kann nur einen aufnehmen, der NH90 nur dem Bambi Bucket mit 2.000 Litern. Die Hubschrauber müssen für den Einsatz in fernen Einsatzgebieten aber erst aufwendig transportiert werden.

Der Einsatz der C-130J zur Brandbekämpfung kann schneller und mit weniger Aufwand erfolgen. Und dank der 2022 aufgestellten deutsch-französische Lufttransportstaffel mit Dienstsitz in Évreux in der Normandie stehen den beiden Nationen gleich zehn dieser Luftfahrzeuge zur Verfügung. Jetzt wäre es an der Zeit, über entsprechende Brandbekämpfungs-Kits die Luftfahrzeuge um eine weitere und dringend benötigte Fähigkeit zu erweitern. Die Kits sind marktverfügbar und daher schnell zu beschaffen. Voraussetzung ist der entsprechende politische Wille für Deutschland und Europa.

Im Juli 2022 führte auch Airbus in Spanien erstmals Test mit einem entsprechenden Brandbekämpfungssystem für den A400M durch. Bei der Airbus-Feuerlöschlösung für die A400M handelt es sich um ein sogenanntes Roll-on/Roll-off-Kit (RORO), das keine Änderungen am Flugzeug erfordert und sich daher in jeder A400M einsetzen lässt. Das Wasser befindet sich in einem festen Tank im Laderaum und wird von zwei voneinander unabhängigen Türen zurückgehalten. Diese sind mit zwei Flutrohren verbunden, sodass das Wasser bei Aktivierung der Ableitung durch zwei Abschnitte am Ende der Rampe ausgestoßen wird. Insgesamt bis zu 20 Tonnen Wasser in weniger als zehn Sekunden. Neben Löschwasser kann das System auch Löschmittel bzw. Retardant ausgestoßen werden. Bei den Tests wurden so mit den 20.000 Liter Löschmittel am Boden auch hoch konzentrierte Linien von über 400 Metern Länge gebildet.

Die Tanks können in weniger als 10 Minuten mit Standard-Hochdruckpumpen am Boden befüllt werden. Der A400M zeichnet sich durch seine Fähigkeit aus, auf kurzen und unbefestigten Start- und Landebahnen zu starten und zu landen sowie auf einer Vielzahl von Flugplätzen und Flugfeldern zu landen.

Airbus A400M der Luftwaffe im Tiefflug bei der Erprobung der luftgestützten Brandbekämpfung mit roter Löschflüssigkeit
Der Airbus A400M als Brandbekämpfer. Das Foto stammt noch von den Tests und nicht den realen Einsätzen in Frankreich.
Foto: Airbus

Redardant sind Brandhemmer und helfen dabei, Sperrlinien zu ziehen und die Ausbreitung großer Feuer einzudämmen. Frankreich setzt den Militärtransporter erstmals gegen die schweren Brände bei Bordeaux ein.

In Deutschland bietet zum Beispiel Dönges das Retardant MAK-1 an. Das sogenannte „Longterm-Retardant“ Löschmittel ist in seiner Funktion ein Flammschutzmittel mit Verzögerungseffekt. Es dient dazu, die Ausbreitung von Feuer zu verlangsamen, die Intensität zu verringern oder zu stoppen. Erreicht wird dies durch chemische Reaktionen, die die Verbrennung verzögern.

„Retardants“ gehören zu den wirksamsten Mitteln zum Aufbau von Schutzstreifen und Brandschneisen vor dem sich nähernden Feuer und werden daher heutzutage weltweit in großem Umfang zur Bekämpfung von Waldbränden eingesetzt – entweder aus der Luft oder vom Boden aus, so die Anbieter. Im Gegensatz zu Schaummitteln benötigen Retardants für die Wirksamkeit nicht unbedingt Wasser, sodass auch bei extremer Hitze die Verdunstung des Wassers keine Rolle für die Effektivität des Löschmittels spielt.

Als Vorteile werden unter anderem angeführt:

  • gleichmäßige Abdeckung gewährleistet maximale Wirksamkeit
  • Brände, die in Flächen mit Retardant laufen, fallen in sich zusammen und können leichter bekämpft werden
  • sehr schnelle Schaffung von „Riegeln“ – unabhängig von Geländeform (ggfs. auch an Front möglich)
  • kann bereits Tage, Wochen oder Monate im Voraus angewendet werden -> wirkt auch, wenn Wasser verdampft ist
  • Boden- oder luftgebundener Einsatz möglich
  • Anwendung 24/7 – also auch nachts (unabhängig von Tages- oder Jahreszeiten)
  • kann frühzeitig angewendet werden, wenn aufgrund von Wetterbedingungen Flugzeuge/ Hubschrauber nicht eingesetzt werden können
  • punktgenaue oder breit gestreute Anwendung möglich – das Löschmittel weist eine hohe Toleranz auf
  • interessant auch gerade zum Schutz von Siedlungen („WUI“)

Video des A400M-Löschmitteleinsatzes

Einsatzdrohnen in der Brandbekämpfung

Drohnen eröffnen Einsatzkräften neue Möglichkeiten bei der Lageerkundung und Gefahrenbeurteilung. Bei der Waldbrandbekämpfung gelangen sie in Bereiche, die für Menschen unzugänglich oder zu gefährlich sind, und liefern aus der Luft wertvolle Informationen in Echtzeit. Gerade bei Bränden können sie damit eine wichtige Ergänzung zu den klassischen Einsatzmitteln der Feuerwehr darstellen.

Zur Lageeinschätzung lassen sich Einsatzorte mit Drohnen schneller erfassen, Gefahren frühzeitig erkennen und Entscheidungen fundierter treffen. Das reicht von der unmittelbaren Erkundung einer Einsatzstelle bis hin zur großflächigen Lageübersicht für die Einsatzleitung.

Auch bei Gefahrstofflagen, bei der Identifizierung sicherer Zugangswege sowie für Einsatzdokumentation und spätere Analyse leisten BOS-Drohnen einen wichtigen Beitrag. In kürzester Zeit ermöglichen sie einen umfassenden Überblick und machen Gefahren sichtbar, die vom Boden aus nur schwer oder verzögert erkannt werden können.

Besonders in unübersichtlichen, schwer zugänglichen oder unsicheren Einsatzbereichen liefern Drohnen entscheidende Informationen aus der Luft. Führungskräfte erhalten dadurch eine zusätzliche Informationsbasis, um Einsatzmaßnahmen schneller und gezielter zu koordinieren.

Leistungsstarke Wärmebild- und Zoomkameras ermöglichen es, Glutnester, Brandherde oder andere Gefahrenquellen auch über größere Distanzen zu erkennen und zu bewerten. Das ist insbesondere bei schlechten Sichtverhältnissen und in der Nacht von Bedeutung.

Die Kombination verschiedener Sensoren ermöglicht dabei eine deutlich umfassendere Lagebeurteilung als mit einer herkömmlichen Kamera allein. Gerade bei Dach-, Industrie- oder Waldbränden können Wärmebilder wichtige Hinweise auf die weitere Ausbreitung des Brandes oder verborgene Hitzequellen geben.

Auch bei der Suche und Personenrettung von vermissten oder verletzten Personen kann moderne Sensortechnik einen entscheidenden Beitrag leisten. Wärmebildkameras machen selbst geringe Temperaturunterschiede sichtbar und unterstützen dadurch die Lokalisierung von Personen – etwa in unwegsamem Gelände, bei Dunkelheit oder eingeschränkter Sicht.

Die gewonnenen Informationen können unmittelbar an die Einsatzleitung weitergegeben werden. Einsatzkräfte lassen sich dadurch gezielter koordinieren und Suchbereiche effizienter eingrenzen.

Drohnen schaffen zudem eine wichtige Grundlage für die Dokumentation von Einsatzlagen. Im Katastrophenschutz, beispielsweise bei großflächigen Waldbränden, ermöglichen Luftbilder einen unmittelbaren Überblick über betroffene Gebiete und den Verlauf eines Schadensereignisses.

Die Aufnahmen können nicht nur während des Einsatzes zur Lagebeurteilung genutzt werden. Sie unterstützen auch die spätere Dokumentation, Analyse und Einsatznachbereitung.

Moderne Einsatzdrohnen sind für anspruchsvolle Einsatzbedingungen ausgelegt und können – abhängig von Plattform und Ausstattung – auch bei Regen, Staub und niedrigen beziehungsweise hohen Temperaturen eingesetzt werden.

Als langjähriger Systemlieferant für Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, THW und Katastrophenschutz stellt Dönges Drohnenlösungen bereit, die auf die Anforderungen von Einsatzkräften abgestimmt sind – von der Auswahl der geeigneten Plattform über Zubehör und Schulung bis hin zu Service und Support.

DJI Agras T100 als Wirkmittelträger

Ursprünglich für die Landwirtschaft konzipiert, stößt die DJI Agras T100 mit einer Spannweite von 3,22 Metern und einer Nutzlastkapazität von bis zu 100 Kilogramm in eine neue Leistungsklasse vor. Dönges erschließt mit dem Schwerlast-System ein weiteres Einsatzgebiet: die präventive Brandhemmung durch das Ausbringen von Retardants. Diese Flammschutzmittel unterbrechen die chemische Verbrennungskette oder bilden isolierende Schutzschichten. Dadurch lässt sich die Entzündbarkeit von Vegetation deutlich reduzieren.

Beeindruckend sind insbesondere die Leistungsdaten bei der Flächenbehandlung. Innerhalb einer Flugzeit von rund sechs Minuten können – abhängig von den Einsatzbedingungen – etwa ein bis anderthalb Hektar behandelt werden. Entscheidend ist dabei jedoch die richtige Einsatztaktik. Der Fokus liegt nicht auf einer flächigen Ausbringung, sondern auf dem strategischen Anlegen von Riegelstellungen, also brandhemmenden Streifen. Diese können die Ausbreitung eines Feuers hemmen oder ein Überspringen auf weitere Flächen verhindern.

Aussteller präsentiert eine große DJI-Agras-Drohne an einer Waldbrand-Wand sowie ein kleineres Fluggerät auf einer Fachmesse
Mächtig groß ist die DJI Agras T100 (hier ohne Akku) mit ihren 3,22 m Spannweite.
Foto: CPM / Christian Rump

Ein besonderer Vorteil des Systems liegt dabei in der Möglichkeit, solche Riegelstellungen auch in unwegsamem Gelände und aus sicherer Entfernung anzulegen. Die Ausbringung kann weitgehend automatisiert erfolgen. Für eine hohe Präzision werden vorprogrammierte, GPS-gestützte Flugmissionen genutzt. Die Drohne arbeitet dabei zuvor definierte Flugmuster ab. Das erleichtert eine gleichmäßige Ausbringung und entlastet die Einsatzkräfte.

Trotz der technischen Möglichkeiten bestehen derzeit noch regulatorische Fragestellungen. Florian Blume, Drohnenspezialist bei Dönges, verweist insbesondere auf die noch nicht abschließend geklärten Zuständigkeiten für Beschaffung und Betrieb, etwa unter Einbeziehung von Forst- und Wasserbehörden.

Mit bis zu 59 Minuten Flugzeit und einer Nutzlast von bis zu sechs Kilogramm bietet die DJI Matrice 400 eine leistungsfähige Plattform für die luftgestützte Lageerkundung. In Kombination mit verschiedenen Nutzlasten kann sie als fliegendes Aufklärungs- und Lageführungsinstrument eingesetzt werden.

Mit der Zenmuse H30T verfügt die Matrice 400 über eine hochauflösende Wärmebildkamera mit 1280 × 1024 Pixeln. Temperaturunterschiede lassen sich damit aus der Luft sichtbar machen. Laut DJI können Temperaturen von bis zu 1.600 °C erfasst werden. Gerade bei Glutnestern, Dachbränden oder Waldbränden kann diese Funktion wertvolle zusätzliche Informationen liefern. Aus der Luft lässt sich die Ausbreitung eines Feuers beobachten, ohne Einsatzkräfte unmittelbar in besonders gefährdete Bereiche schicken zu müssen. Die Drohne kann damit die bodengebundene Erkundung ergänzen und der Einsatzleitung ein zusätzliches Lagebild liefern.

Die Wärmebildkamera kann zudem bei der Suche nach Personen unterstützen. Ergänzend verfügt die H30T über Nachtbildfunktionen und einen NIR-Zusatzsensor. Dadurch kann die Drohne auch bei schwierigen Lichtverhältnissen eingesetzt werden.

Die Matrice 400 kann aktuelle Luft- und Wärmebilder von der Einsatzstelle liefern. Brandverlauf, Rauchentwicklung, Gebäudestrukturen und mögliche Gefahrenbereiche lassen sich dadurch aus einer zusätzlichen Perspektive beurteilen. Für die Einsatzleitung entsteht so ein aktuelles Lagebild, das bei der Koordination der Einsatzkräfte und der weiteren taktischen Planung unterstützen kann.

Der Laser-Entfernungsmesser der Zenmuse H30T kann Objekte und Punkte in Entfernungen von bis zu 3.000 Metern erfassen und deren Position bestimmen. Damit lassen sich beispielsweise Brandherde oder andere relevante Punkte für die Einsatzleitung räumlich zuordnen. Und mit dem Zenmuse S1 Spotlight kann die Matrice 400 Einsatzbereiche aus der Luft beleuchten. Das kann bei nächtlichen Einsätzen beispielsweise zur Ausleuchtung von Einsatzstellen, Zufahrten oder Suchbereichen beitragen. Mit dem Zenmuse V1 Lautsprecher besteht zudem die Möglichkeit, Durchsagen aus der Luft zu übertragen. Denkbar sind beispielsweise Evakuierungsanweisungen oder Hinweise an Personen in einem Gefahrenbereich. Laut DJI erreicht der Lautsprecher unter Laborbedingungen bis zu 127 dB in einem Meter Entfernung und eine effektive Reichweite von bis zu 500 Metern.

Deutlich kompakter ist die DJI Matrice 4T. Gegenüber der Matrice 400 bietet sie vor allem Vorteile beim Transport, bei der schnellen Bereitstellung und bei den Anschaffungskosten. Dadurch eignet sie sich insbesondere für Feuerwehren, die eine kompakte Drohnenlösung für die schnelle Lageerkundung suchen. Die Drohne wiegt inklusive Propellern rund 1,2 Kilogramm und kann laut DJI innerhalb von etwa 30 Sekunden einsatzbereit sein. Die maximale Flugzeit beträgt unter idealen Bedingungen bis zu 49 Minuten.

Auch die Matrice 4T kombiniert optische Kameras mit Wärmebildtechnik und weiteren Sensoren. Damit kann sie bei der Erkundung von Brandstellen, der Suche nach Personen sowie bei der Kontrolle von Glutnestern eingesetzt werden.

Während die Matrice 400 ihre Stärken insbesondere bei größeren Einsatzlagen und umfangreicheren Nutzlastkonzepten ausspielt, punktet die Matrice 4T mit ihrer kompakten Bauweise und der schnellen Verfügbarkeit. Für viele Feuerwehren kann sie damit einen niedrigschwelligen Einstieg in die professionelle luftgestützte Einsatzaufklärung darstellen.

Die Verbreitung steht erst am Anfang

Die technische Entwicklung zeigt, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen bei Feuerwehr und Katastrophenschutz inzwischen sind. Von der klassischen Lageerkundung über Wärmebildaufnahmen und Personensuche bis hin zur präventiven Brandhemmung reichen die heutigen Anwendungsszenarien.

Für Florian Blume, Drohnenspezialist bei Dönges, steht die Entwicklung dabei erst am Anfang: „Die Verbreitung der Drohnen in den Feuerwehren hat gerade erst begonnen und wird in Zukunft noch stark ansteigen.“

Damit dürfte die Drohne zunehmend vom zusätzlichen Erkundungsmittel zu einem festen Bestandteil moderner Einsatzkonzepte werden. Entscheidend wird dabei nicht allein die Leistungsfähigkeit der Technik sein, sondern vor allem ihre Einbindung in bestehende Führungs-, Kommunikations- und Einsatzstrukturen.

ProSwarma macht aus jeder Plattform einen Drohnenträger

Die Hörnlein Gruppe stellt das System ProSwarma vor. Damit soll aus jeder Plattform – zu Land und zur See – einfach ein autonomer Drohnenträger gemacht werden können. Mit dem Konzept werden gerade auch bei Großschadens- oder Einsatzlagen weniger Spezialisten benötigt und die Einsatzkräfte entlastet. Viele Arbeiten werden vom System übernommen. Und sorgt so für einen kontinuierlichen Einsatz.

Mit der von Hörnlein im Geschäftsbereich Defence entwickelten Systemwelt „ProSwarma“ sind Drohnen-Teams und Drohnen-Schwärme in Sekunden einsatzbereit, vollautomatisch mit Payload bestückt, missionsspezifisch konfiguriert und autonom gestartet. Start und Landung erfolgen autonom aus mobilen oder fahrzeugintegrierten Hangars heraus.

Nach Auftragserfüllung wird der Schwarm automatisch neu rekonfiguriert und ist in kürzester Zeit erneut einsatzbereit. Jedes UAV bringt damit Wirkung, Sensorik oder Versorgung exakt dorthin, wo sie lagebedingt benötigt wird.

Mercedes-Benz G-Klasse als mobile Startplattform für einen Drohnenschwarm in bergigem Gelände
Hangar-Montage für einen mobilen Einsatz an einer G-Klasse. Die Plattform ist nur exemplarisch. Start und Landung erfolgt automatisch, kein Bediener muss dazu aussteigen.
Foto: Hörnlein

ProSwarma ist ein standardisiertes, modulares Startsystem für Loitering Munition, c-UAS-Interceptoren und sUAV unterschiedlichster Hersteller. Damit bietet es die Flexibilität und schnelle Anpassbarkeit, die heutige Anwender benötigen.

Mit ProSwarma wird eine modulare, hersteller- und typunabhängige Einsatzinfrastruktur für Drohnen jeglicher Art geboten. Die industrielle Fertigung erfolgt bei der Hörnlein Group, wo auf jahrzehntelanges Automotive- und Maschinenbau-Know-how in der automobilen Serienproduktion zurückgegriffen werden kann.

Der Ausgangspunkt ist dabei immer dieselbe zivile Basis: eine ursprünglich zivil entwickelte Start- und Integrationsinfrastruktur für unbemannte Luftfahrzeuge, das jetzt konsequent an den militärischen Einsatzzweck angepasst wurde. Hörnlein betont dabei, dass sie ganz bewusst keine eigenen Drohnen, entwickeln, sondern das den Drohnen-Profis überlassen. .Hörnlein erweitert die Drohneneigenschaften durch genau diese Start-, Integrations- und Missionsinfrastruktur, über die unterschiedlichste Systeme betrieben werden können – unabhängig von Hersteller, Bauform oder Startverfahren. Aus derselben Architektur heraus können sUAV im Gewichtsbereich von Nano- bis hin zu rund 15 kg schweren Systemen für Aufklärung und Versorgung, Loitering Munition sowie Counter-UAS-Interceptoren eingesetzt werden. Entscheidend ist: Diese Systeme wird dabei nie isoliert betrachtet. Alles folgt demselben Baukastenprinzip: Ob Polizeifahrzeug, Feuerwehrfahrzeug, ziviler Paketdienst oder geschütztes Militärfahrzeug – alle greifen auf dieselbe modulare Hangar-Plattform zurück, unterschiedliche Drohnentypen lassen sich einfach per Wechseleinsatz und Software-Connectivity integrieren.

Konkret ist der Hangar gleichzeitig Transportbehälter und Startautomatik. Er nimmt die Drohne magazinartig auf, sichert sie während der Fahrt gegen Schock und Vibration – exakt hier greift die Automotive-Erfahrung von Hörnlein – und übernimmt beim Einsatz den gesamten physischen Ablauf: Öffnen, Ausrichten, Freigeben und den eigentlichen Startvorgang in die Luft, vollautomatisch und ohne dass jemand die Drohne von Hand anfassen muss. Der Soldat muss also weder einen Koffer öffnen noch die Drohne von Hand zusammenbauen und werfen – das Handling, das bislang Zeit und Exposition gekostet hat, übernimmt der Hangar selbst.

Genauso integriert sind Klimatisierung und Thermomanagement, ebenso wie das Batteriemanagement: Die Drohne wird im Hangar nicht nur mechanisch gesichert, sondern auch klimatisch und energetisch in einem einsatzbereiten Zustand gehalten, unabhängig von Außentemperatur oder Standzeit. Erst dieses Zusammenspiel aus mechanischer Sicherung, Thermomanagement und Batteriemanagement macht den Hangar zu einer echten Startautomatik und nicht nur zu einer Transportbox.

Damit dieses Zusammenspiel aus Hardware verschiedenster Hersteller auch tatsächlich funktioniert, hat Hörnkein eine eigene Software entwickelt, die sowohl Drohnen- als auch Fahrzeughersteller in das ProSwarma-Gesamtsystem integriert. Sie übernimmt die Kommunikation zwischen Trägerplattform, Hangar und Drohne, hält das System aber gleichzeitig erweiterungs- und updatefähig, damit neue Drohnentypen oder Fahrzeugplattformen jederzeit nachrüstbar sind, ohne die Hardware zu tauschen. Damit will die Firma im Kern dem Software Defined Defense (SDD)-Ansatz folgen. Das Prinzip funktioniert im zivilen wie im militärischen Bereich gleichermaßen: Einsatzwert entsteht zunehmend durch Software-Updates statt durch neue Hardware. Damit kann Hörnlein das System auch in Zukunft verbessern und neue Fähigkeiten anbieten, ohne dass die Hardware getauscht werden muss.

Kern ist das Plug-and-Fight-Prinzip. Dr.-Ing. Alexander von Niessen, Geschäftsführender Gesellschafter der Hörnlein Unternehmensgruppe: „Wir liefern das ,Plug‘ – eine offene, gewichtsoptimierte Integrationsplattform, die genauso für zivile Sensorik wie für unterschiedlichste Nutzlasten unserer Partnerhersteller funktioniert und die wir sowohl an die Fahrzeug- und Plattformhersteller als auch an die sUAV- und Loitering-Munition-Hersteller andocken. Das „Fight” bringt dabei der jeweilige Drohnenhersteller mit, die Trägerplattform der jeweilige Fahrzeughersteller – wir befähigen beide Partner zum gemeinsamen Zusammenspiel. So lassen sich neue Drohnentypen wie auch neue Trägerfahrzeuge innerhalb kürzester Zeit an unsere Infrastruktur andocken und missionsspezifisch konfigurieren.“

Das System ist dank Software Defined Defense (SDD)-Ansatz hochflexibel. Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie schnell sich Drohnen hinsichtlich Software, Geometrie und Einsatzkonzept verändern. Daher lautet das Designprinzip von ProSwarma „Standard außen, adaptiv innen”: Der Großteil des Hangars bleibt standardisiert, nur ein definierter, drohnenindividueller Bereich wird je Drohnentyp angepasst werden müssen.

Das eröffnet eine strategische Möglichkeit: Blaulichtorganisationen oder andere Nutzer können sich kurzfristig mit dem ProSwarma-System ausrüsten und damit eine Grundbefähigung schaffen. Danach kann der Nutzer anschließend jede Drohneninnovation nutzen, die auf den Markt kommt – das ProSwarma-System selbst bleibt dabei die Konstante. Man muss also nicht mit jeder neuen Drohnengeneration auch die gesamte Start- und Missionsinfrastruktur neu beschaffen, so Hörnlein.

Mobile Hörnlein-Drohnenstation auf einer Wiese beim vertikalen Start einer ProSwarma-Drohne
Das ProSwarma-System von Hörnlein: Selbststart einer Drohne aus dem Hangar heraus.
Foto: Hörnlein

Der Anbieter setzt dabei auf eine zivile Basis. So lassen sich Polizei- oder Rettungsfahrzeuge mit ProSwarma-Hangars ausstatten, um automatisiert und platzsparend ein sUAV zu starten – für Observation und Lagefeststellung, etwa bei Verkehrskontrollen, Fahndungen oder Großlagen, ohne dass Beamte die Drohne manuell vorbereiten oder bedienen müssen. Ich benötige keinen technischen Experten mehr im Einsatzfahrzeug. Denn alles ist bereits vorbereiten und voll automatisiert. Auch palettierte Systeme mit mehreren Hangars sind möglich. So können Lkws mit Wechselladesystem Container oder Flatbeds absetzen und das System arbeitet bei Bedarf 24/7 zur Aufklärung, Lageüberwachung oder Ausbringung von Retardant.

Per Klick lässt sich ein sUAV starten, um bei einem Brand, einem Hochwasser oder einem sonstigen Unglücksfall schnell ein Lagebild zu gewinnen – oder um Notfallmaterialien wie Schwimmwesten, Nahrungsmittel und Verbandsmaterial in schwer zugängliches Gelände zu verbringen.

Das ist die eigentliche Basis, auf der das System entwickelt wurde: zivile Infrastruktur für unbemannte Luftfahrzeuge. Für welchen Zweck und mit welcher Nutzlast diese Infrastruktur eingesetzt wird, entscheidet am Ende der Anwender bzw. das Missionsprofil.

Dabei ist die Plattformfrage selbst zweitrangig: ProSwarma kann auf nahezu jeder Plattform eingesetzt werden – bemannt oder unbemannt, zu Land, zu Wasser oder perspektivisch auch in der Luft. Das reicht von geschützten Fahrzeugen über UGV bis hin zu containerisierten Lösungen oder stationären Anwendungen, etwa zum Schutz kritischer Infrastruktur.

Laut Hersteller ist das System serienreif und für die kostengünstige Massenproduktion verfügbar. Das heißt: schnelle Skalierbarkeit in industrielle Masse. Dabei ist das System modular und an sehr viele unterschiedliche UAS-Typen anpassbar. Hörnlein setzt spezielle Materialien ein, um die Hangars konsequent beim Gewicht zu optimieren. Das ist besonders bei der Kombination mit UGVs entscheidend: Gewicht ist Reichweite bei den UGV. Jedes eingesparte Kilogramm am Hangar erhöht die operative Reichweite und Nutzlastkapazität der Trägerplattform. Sollte ProSwarma einmal von größeren UAVs – sogenannten Mutterschiffen – aus eingesetzt werden, dann ist dieser Faktor noch einmal bedeutender.

Die Module basieren zudem auf einem standardisierten Raster auf Basis von EUR-1-Paletten und lassen sich flexibel in die Containerlogik integrieren. Dadurch können sie effizient produziert, transportiert und instandgesetzt werden – ProSwarma folgt einem durchgängigen Ansatz von der Industrie ins Gefecht.

Weitere Vorteile laut Hörnlein sind:

  • Reduzierung des Personalbedarfs von ≥70 Prozent über alle Missionstypen hinweg im Vergleich zum manuellen Start.
  • 100 Prozent automatisierter Start — kein manueller Eingriff durch den Nutzer ist notwendig.
  • Optimierung des Startsystems für das hochbewegliche Gefecht
  • 24/7-Bereitschaftsfähigkeit.
  • Möglichkeit der industrielle Fertigung — niedrige Stückkosten als die Antwort auf Sättigungsversuche des Gegners.

 

Autoren: AF & Christian Rump

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