Elf Tage im Kampf gegen die Flammen: Das deutsche EU-Waldbrandmodul in Serbien

Nach elf Tagen ist der Einsatz des deutschen EU-Waldbrandmoduls in Serbien beendet.
54 Einsatzkräfte bekämpften großflächige Waldbrände im Naturschutzgebiet „Deliblatska Pescara“. Ein Rückblick auf schwieriges Gelände, enge Zusammenarbeit und wichtige taktische Erkenntnisse.

Einsatzkräfte des deutschen EU-Waldbrandmoduls posieren mit EU- und Deutschlandflagge vor zwei roten Katastrophenschutz-Einsatzfahrzeugen
Abschlussfoto der EU-Waldbrandeinheit aus NRW am Einsatzort in Serbien
Foto: Feuerwehr und Rettungsdienst Bonn

Nach elf Tagen im Einsatzgebiet ist der Einsatz des deutschen EU-Waldbrandmoduls GFFF-V DE1 in Serbien beendet. Die Einsatzkräfte kehrten am Dienstag, 1. September, an ihre Heimatstandorte zurück. Seit ihrer Ankunft am 24. August unterstützten sie die serbischen Einsatzkräfte bei der Bekämpfung großflächiger Waldbrände im rund 30.000 Hektar großen Naturschutzgebiet „Deliblatska Pescara“ östlich von Belgrad.

Das GFFF-V DE1 ist das erste und einzige deutsche Modul des europäischen Katastrophenschutzverfahrens für die Waldbrandbekämpfung mit Löschfahrzeugen. Initiator und Ausgangspunkt ist die Feuerwehr Bonn, wie David Bormann, Pressesprecher von Feuerwehr und Rettungsdienst Bonn und Media Officer des Einsatzes, gegenüber security-network.com erläuterte. Für den Serbien-Einsatz schlossen sich die Feuerwehren aus Düsseldorf, Leverkusen, Königswinter und Ratingen an, unterstützt durch weitere Einsatzkräfte aus Niedersachsen mit speziellen Waldbrandlöschfahrzeugen.

Insgesamt waren 54 Einsatzkräfte im Einsatz, davon 20 aus Bonn – zusammengesetzt aus Berufs- und freiwilliger Feuerwehr. Die Bonner Kräfte gliederten sich in sieben Managementfunktionen (darunter Teamleitung, Verbindungsperson zur örtlichen Einsatzleitung und Media Officer), zwei im Zweischichtbetrieb arbeitende Brandbekämpfungseinheiten mit jeweils einem Zugführer und einer gleichzeitig als Notfallsanitäter/in tätigen Führungsassistenz, einen Kfz-Mechaniker sowie eine Rettungswagenbesatzung. Bormann beschreibt das als „eine ganz, ganz effiziente Doppelnutzung von sehr routinierten, sehr gut trainierten Kolleginnen und Kollegen, die hier Hand in Hand arbeiten“.

Ergänzt wurde das Modul durch sechs Fachberater der Hilfsorganisation @fire, die ihre Expertise in Vegetationsbrandbekämpfung, Wetter und Einsatztaktik einbrachten und laut Zwischenstandsmeldung teils auch direkt auf den Löschfahrzeugen mitarbeiteten. Vier Einsatzkräfte der Johanniter-Unfall-Hilfe stellten gemeinsam mit der modul-eigenen Logistik die autarke Versorgung sicher – von zwei warmen Mahlzeiten täglich über kalte Zwischenmahlzeiten bis zur sanitären Infrastruktur im Camp. Die medizinische Versorgung übernahmen Notfallsanitäter innerhalb der Teams sowie ein eigener Rettungswagen.

Direkter Einsatz nach der Ankunft

Bereits bei der Anfahrt am 24. August war deutliche Rauchentwicklung sichtbar. Das zugewiesene Camp war zunächst durch eine Feuerflanke blockiert, die die Zufahrtsstraße versperrte. Aufgrund der hohen Brandaktivität wurde das Modul umgehend eingesetzt.

In den folgenden Tagen arbeiteten die beiden Brandbekämpfungsteams im Tag- und Nachtschichtbetrieb an verschiedenen Einsatzstellen. Bekämpft wurden sowohl Unterholzbrände als auch sogenannte Wipfelfeuer, bei denen ausgewachsene Bäume in den Baumkronen brennen und sich mit erheblicher Geschwindigkeit ausbreiten. Zum Einsatz kamen dabei Hubschrauber zur Reduktion der größten Brandintensität sowie Bodenkräfte an Straßen und sogenannten Dozer Lines – von Bulldozern freigeräumten Schneisen. Zu den Aufgaben zählten die Bekämpfung von Bodenfeuern, die Verteidigung und Kontrolle von Brandschneisen, Nachlöscharbeiten sowie der Schutz gefährdeter Bereiche und Objekte. Eingesetzt wurden dafür geländegängige Löschfahrzeuge, Löschrucksäcke, Handwerkzeuge und umfangreiche Schlauchleitungen.

Das Einsatzgebiet liegt auf einer historisch gewachsenen Sanddüne, die einst gezielt bepflanzt wurde, um den Austrag von Flugsand zu verhindern, und die heute als Nationalpark ausgewiesen ist. Der sandige Untergrund, eine ausgeprägte Topografie mit Steigungen und Gefällestrecken sowie eine extrem dichte Vegetation – von niedrigem, teils dornigem Bewuchs über mannshohe Büsche bis zu hohen Pinien und Nadelbäumen – erschwerten den Einsatz erheblich. Nur wenige, schwer befahrbare Wege standen zur Verfügung, die selbst mit hochgeländegängigen Löschfahrzeugen nur mit erheblicher Mühe zu befahren waren. Im Vergleich zu vorangegangenen Einsätzen in Spanien und Portugal, wo eher steiniger, harter Untergrund mit weniger dichter Vegetation vorherrscht, stellte die Kombination aus Sand und dichtem Bewuchs laut Bormann eine neue Herausforderung dar. „Das war eine der wichtigsten Herausforderungen bei diesem Einsatz“, so Bormann, „dass das natürlich einerseits schwer passierbares Gelände ist, wenig Wege beinhaltet, wenig Straßen.“

Von der aktiven Bekämpfung zur Kontrollphase

Nachdem in den ersten Tagen die höchste Brandintensität reduziert werden konnte, verlagerte sich der Einsatzschwerpunkt auf die Kontrolle des großflächigen Brandgebietes. Die Einsatzkräfte suchten systematisch nach Glutnestern – auch in Wurzeln und alten Baumstämmen –, kontrollierten die Übergangsbereiche zwischen verbrannten und unverbrannten Flächen und prüften schwer zugängliche Bereiche. Durch die Ablösung der Kräfte im Schichtbetrieb konnte eine kontinuierliche Präsenz im Einsatzgebiet sichergestellt werden.

Gegen Ende des Einsatzes frischte der Wind wieder deutlich auf, was laut Bormann jeweils zeigt, ob die vorangegangenen Nachkontrollen erfolgreich waren. An einzelnen Stellen kam es tatsächlich zu erneuter Rauchentwicklung und schneller Ausbreitung auf mehrere hundert Quadratmeter. Durch die durchgehende Präsenz rund um die Uhr gemeinsam mit serbischen Kräften und die vorherige Abkühlung stark betroffener Bereiche – auch mithilfe von Hubschraubereinheiten – kam es jedoch zu keinem erneuten großflächigen Brand.

Die Koordination von Boden- und Lufteinsatz spielte während des gesamten Einsatzes eine zentrale Rolle. Unter Führung der serbischen Einsatzleitung wurden gemeinsam mit internationalen Einheiten – darunter ein tschechisches AFFF-H-Modul – gezielte Löschwasserabwürfe aus der Luft durchgeführt. Die deutschen Kräfte am Boden identifizierten kritische Bereiche und übermittelten diese, in einer späteren Phase über ein gemeinsam genutztes digitales Kommunikationssystem, direkt an die Hubschrauberbesatzungen. Umgekehrt lieferte die Luftbeobachtung Hinweise auf neue Rauchentwicklungen, die unmittelbar an die Bodeneinheiten weitergegeben wurden, sodass mögliche Entstehungsbrände frühzeitig bekämpft werden konnten.

Zeitweise waren rund 20 Einsatzkräfte mit fünf Einsatzfahrzeugen durchgehend im Einsatzgebiet präsent, wobei zahlreiche Abschnitte aufgrund des unwegsamen Geländes zu Fuß erkundet und kontrolliert werden mussten.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Eine Sprachbarriere gab es nach Angaben Bormanns nicht: Die serbischen Verbindungskräfte, die die deutsche Einheit begleiteten, sprachen sehr gut Englisch. „Wir konnten uns mit Englisch super verständigen“, so Bormann. „Das war auch fachlich ein Austausch auf Augenhöhe.“ Lediglich im Alltag, etwa beim Einkauf in ländlichen Supermärkten, kam gelegentlich eine Übersetzungs-App zum Einsatz. Serbien ist selbst Teilnehmerstaat des EU-Katastrophenschutzverfahrens und war im Sommer bereits selbst in Spanien im Einsatz; die serbischen Verbindungskräfte sind entsprechend EU-trainiert.

Die Zusammenarbeit vor Ort war eng: Serbische Fahrzeuge transportierten Löschwasser zu Übergabepunkten, von wo es die deutsche Einheit über lange Schlauchleitungen zu den Einsatzstellen weiterförderte. Serbische Einsatzkräfte akzeptierten laut Bormann auch deutsche taktische Vorschläge ohne Vorbehalte. Es sei, so Bormann, „ein absoluter Einsatz auf Augenhöhe“ gewesen. Da es in Serbien landesweit nur wenige hundert Feuerwehreinsatzkräfte gibt, stellte die deutsche Einheit mit 54 Kräften und 20 Fahrzeugen eine erhebliche zusätzliche Kapazität dar.

Für die Koordination auf höherer Ebene sorgten Verbindungskräfte, die den Informationsaustausch zwischen der serbischen Einsatzleitung, dem deutschen Modul und weiteren internationalen Einheiten sicherstellten. Übergeordnet erfolgte die Abstimmung mit dem Emergency Response Coordination Centre (ERCC) der Europäischen Union, dem Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern (GMLZ) sowie den Innenministerien der beteiligten Länder. Das BBK und das GMLZ organisierten zudem praktische Aspekte wie Mautbefreiung, Grenzübertritte und Polizeieskorten – unter anderem durch die ungarische und serbische Polizei – für die rund 2.000 Kilometer lange Anreise.

Der Einsatz beginnt zu Hause

Die Alarmierung erfolgte in der Nacht von Freitag auf Samstag gegen Mitternacht, die Abfahrt bereits am folgenden Morgen um 10 Uhr. In dieser kurzen Zeit mussten insbesondere die freiwilligen Feuerwehrkräfte ihre Arbeitgeber erreichen und die Freistellung klären. Parallel organisierte das Backoffice der Feuerwehr Bonn in einer Nachtschicht Dienstplananpassungen und Vertretungsregelungen – etwa für eine kurzfristig umbesetzte Brandsicherheitswache. Auch bei den Berufsfeuerwehrkollegen auf den Wachabteilungen mussten Dienstpläne kurzfristig angepasst werden. Die Anreise selbst führte über eine Zwischenübernachtung in Regensburg und zwei weitere Reisetage nach Serbien.

Wie es in der abschließenden Pressemitteilung heißt, mussten auch bei diesem – bereits vierten – internationalen Waldbrandeinsatz des Moduls in diesem Jahr Dienste kurzfristig übernommen sowie private und familiäre Termine verschoben werden. Die beteiligten Feuerwehren, @fire und die Johanniter-Unfall-Hilfe bedankten sich entsprechend bei Familien, Arbeitgebern, Kolleginnen und Kollegen sowie den Heimatdienststellen für die Unterstützung.

Erfahrene Einheit, positive Bilanz

Der Großteil der 20 Bonner Einsatzkräfte verfügt über Erfahrung aus vorherigen Auslandseinsätzen in Griechenland, Spanien, den Niederlanden oder dem Kreis Düren; nur wenige Kräfte waren zum ersten Mal im Einsatz. Auch bei den anderen beteiligten Feuerwehren waren wiederholt dieselben, erfahrenen Kräfte im Einsatz.

Die Rückmeldungen zum Serbien-Einsatz fielen laut Bormann durchweg positiv aus – sowohl von serbischer Einsatzleitung als auch von der Europäischen Union. Offene Punkte aus dem Debriefing seien vergleichsweise kleine Stellschrauben für künftige Einsätze. Die endgültige Auswertung obliegt der zuständigen Abteilung „Großeinsatzlagen, Katastrophenschutz und Großveranstaltungen“ der Feuerwehr Bonn. Für 2028 steht zudem die nächste reguläre EU-Zertifizierung des Moduls an.

Als zentrale taktische Erkenntnis nannte Bormann die Unterscheidung zwischen offensiver und defensiver Brandbekämpfung. Die zentrale Frage laute dabei immer, so Bormann: „Kann ich diesen Waldbrand überhaupt aktiv bekämpfen oder muss ich ihn vielleicht eher defensiv an geeigneter Stelle aufhalten?“ Vollentwickelte Waldbrände werden aufgrund der Gefährdung und des hohen Ressourcenaufwands in der Regel nicht direkt angegriffen, sondern an geeigneten Stellen – etwa entlang von Brandschneisen oder natürlichen Barrieren – gestoppt. Wetterfaktoren wie Temperatur, Wind und Taupunkt bilden dabei eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Manche Fachberater seien inzwischen „schon halbe Meteorologen“, sagt Bormann – nötig, um einzuschätzen, wann sich der volle Einsatz lohnt und wann eher Zurückhaltung angebracht ist. Diese im Auslandseinsatz gewonnenen Erfahrungen fließen nach Angaben Bormanns auch in nationale Einsätze ein, etwa bei den Waldbränden im Hürtgenwald.

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