20.000 Liter aus der Heckrampe: Das steckt hinter dem A400M-Löschkit

Ein herausnehmbarer Tank im Frachtraum, keine feste Umrüstung, bis zu 20.000 Liter Löschmittel über die Heckrampe: Das Roll-on/Roll-off-System macht die A400M zur fliegenden Löschplattform. Airbus hat die Technik in Spanien und Frankreich getestet – zertifiziert ist sie aber noch nicht.

Airbus
Die A400M gehört zu den leistungsfähigsten Militärtransportern Europas – mit dem neuen Kit soll sie künftig auch Waldbrände bekämpfen.
Foto: Airbus Defence and Space

Airbus A400M: Wie das Roll-on/Roll-off-Löschkit den Militärtransporter zum Feuerlöscher macht

Der Airbus A400M gilt als einer der leistungsfähigsten Militärtransporter Europas – künftig soll er aber auch bei der Bekämpfung von Waldbränden eine tragende Rolle spielen. Möglich macht das ein speziell entwickeltes Löschkit, das den Riesenflieger binnen kurzer Zeit in eine Löschplattform verwandelt, ohne dass am Flugzeug selbst dauerhafte Änderungen vorgenommen werden müssen.

Roll-on/Roll-off-Prinzip als Kern der Technik

Herzstück des Systems ist ein herausnehmbarer, mobiler Tank, der im Frachtraum der A400M montiert wird. Dieses Roll-on/Roll-off-Design (Ro-Ro) ist der entscheidende Vorteil gegenüber klassischen Löschflugzeugen: Da keine feste Umrüstung des Flugzeugs nötig ist, kann jede A400M einer Flotte innerhalb kurzer Zeit zur Löschmaschine umfunktioniert und anschließend ebenso schnell wieder für reguläre Aufgaben wie Truppen- und Materialtransporte oder medizinische Evakuierungen eingesetzt werden.

Über die Heckrampe gibt der Tank Wasser oder Löschmittel per Schwerkraft ab. Die Kapazität liegt bei bis zu 20.000 Litern pro Abwurf – deutlich mehr als bei herkömmlichen Löschflugzeugen, die zwischen 2.000 und gut 6.000 Litern pro Start fassen. Lediglich umgebaute Jumbo-Jets auf Basis der Boeing 747 kommen mit bis zu 72.700 Litern pro Flug auf noch größere Mengen. Ein weiterer praktischer Vorteil: Die Tanks lassen sich in unter zehn Minuten mit Standard-Bodenpumpen wiederbefüllen.

Neben dem klassischen Wasserabwurf kann das System auch Brandhemmer versprühen. Dieser wird genutzt, um Sperrlinien zu ziehen und so die Ausbreitung großer Feuer einzudämmen.

Vorteile durch die Flugeigenschaften der A400M

Die technischen Eigenschaften des Löschkits allein erklären nicht den gesamten Nutzen – sie wirken vor allem in Kombination mit den Flugeigenschaften der A400M. Das Flugzeug kann auf kurzen und unbefestigten Landebahnen starten und landen, wodurch es von Flugplätzen operieren kann, die näher an den Brandgebieten liegen als klassische Basen. Zusammen mit hoher Manövrierfähigkeit ermöglicht dies grundsätzlich auch Tag- und Nachteinsätze nach aktuellen Sicherheitsstandards.

Unabhängige Tests bestätigen Wirksamkeit

Bevor das System praktisch zum Einsatz kam, hatte Airbus es in den vergangenen Jahren mehrfach testen lassen – zunächst in Spanien, anschließend Ende April 2025 in Nîmes-Garons in Frankreich. Die französischen Tests führte das CEREN durch, das Test- und Forschungszentrum der Entente-Valabre. Die staatliche Einrichtung ist vom französischen Innenministerium autorisiert, Ausrüstung zur Waldbrandbekämpfung zu prüfen, und gilt international als Autorität auf diesem Gebiet.

Bei den sogenannten Cup-Grid-Tests ließ die A400M mehrfach Löschmittel über einem definierten Testfeld ab. Anhand eines Rasters aus Messbechern konnten die Prüfer so die Verteilung und Konzentration des Löschmittels am Boden präzise erfassen. Die Abwürfe erfolgten in Höhen von unter 30 Metern und bei Geschwindigkeiten um 230 km/h.

Jo Müller, Head of Sustainability and Communications bei Airbus Defence and Space, ordnete die Testreihe so ein: „Following initial tests conducted in Spain, the successful completion of these tests in Nîmes is a crucial step forward in our ambition to shape an ecosystem of firefighting capabilities. The A400M’s exceptional versatility, combined with the rapid deployment capabilities of this kit, offers a game-changing asset to complement existing technologies and platforms on the ground, in air and in space.“

Noch keine Zertifizierung

Trotz erfolgreicher Testkampagnen und erster Einsätze ist das System technisch weiterhin nicht abgeschlossen. Airbus bestätigte, dass sich das Löschkit nach wie vor in der Entwicklungs- und Zertifizierungsphase befindet; aktuell existiert lediglich ein Prototyp. Auch die militärischen Besatzungen müssen für den Einsatz eigens geschult werden, da Löschflüge knapp über dem Feuer als besonders anspruchsvoll und gefährlich gelten.

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