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Resilienz beginnt vor der Krise – Bonn setzt auf neue Zusammenarbeit in Europa

André LuhmerAndré Luhmer

Vom 11. bis 13. Oktober 2026 luden die Intermediäre Europäische Genossenschaft EQA und die grenzübergreifende Plattform GIQS e.V. in die UN-Stadt Bonn zu einer zweieinhalbtägigen Veranstaltung ein. Mit dem Thema Katastrophenvorsorge und Resilienz brachten sie Verantwortungsträger zusammen, die häufig in getrennten Strukturen arbeiten: zivile Soforthelfer, Landwirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Bevölkerungsschutz und Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Drei Veranstaltungsbausteine – Makeathon-Ideenschmiede, Verleihung der Europäischen Resilienz Awards und ein Dialogforum – verbanden praktische Problemlösung, fachlichen Austausch und europäische Vernetzung.

Preisträger präsentieren Skulpturen und Ehrenpreise bei der Verleihung des Resilienzpreises im UniClub Bonn vor einer Projektionsleinwand
Die Ausgezeichneten präsentieren ihre Skulpturen und Ehrenpreise bei der Verleihung des Resilienzpreises im UniClub Bonn. Im Hintergrund zeigt eine Projektionsleinwand eine Präsentation zu einem Vorhaben für klimaresiliente Stadtentwicklung.
Foto: André Luhmer

Politischen Rückenwind erhielt die Initiative durch Grußworte des nordrhein-westfälischen Ministers und Schirmherrn Nathanael Liminski, der Europaabgeordneten Lena Düpont, Vizevorsitzende der parlamentarischen Intergroup für Resilienz, Katastrophenmanagement und Bevölkerungsschutz, sowie Maciej Popowskis, Generaldirektor für Europäischen Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe (DG ECHO) der Europäischen Kommission.

Mit Landrat Dr. Ralf Nolten (Kreis Düren) und Bürgermeister Ingo Pfennings (Schleiden) beteiligten sich zudem zwei kommunale Verantwortungsträger, die bei schweren Katastrophenereignissen selbst Verantwortung für das Krisenmanagement und die Koordination kommunaler Krisenstäbe übernommen haben.

Beim 24-Stunden-Makeathon entwickelten transdisziplinäre Teams drei konkrete Lösungskonzepte. Vier Praxisnetzwerke brachten ihre Erfahrungen und Bedarfe ein und arbeiteten gemeinsam mit Wissenschaft und Technologiepartnern an digitalen Lösungsansätzen. Eine hochkarätig besetzte Fachjury bewertete die Ergebnisse insbesondere hinsichtlich Praxisnutzen, Umsetzbarkeit und Übertragbarkeit.

Ein besonderer Höhepunkt war der Abendempfang am 12. Oktober im Universitätsclub Bonn unter dem Motto „Resilienz braucht das WiR“. Bonns Oberbürgermeister Guido Déus würdigte die Veranstaltung im Kontext des Jubiläums „30 Jahre Bonn als UN-Stadt“ und hob die Bedeutung verlässlicher Partnerschaften und grenzübergreifender Zusammenarbeit hervor.

Gemeinsam mit ihm wurden im Rahmen der erstmaligen Verleihung des Europäischen Resilienz-Awards vier beteiligte Praxisnetzwerke gewürdigt: die Stiftung Ahrtal, die Elektroseelsorger, das landwirtschaftliche Verbundprojekt „LuKaS“, vertreten durch Dr. Christoph Bader (HSWT/TUM), sowie die Fach-Task-Force zur Wiederherstellung landwirtschaftlicher Bodenwerte und Mobilisierung landwirtschaftlicher Betriebe in Krisen, vertreten durch Markus Wipperfürth und verbunden mit der Universität Bonn und dem Lagezentrum für Agrarbetriebe der Europäischen Genossenschaft EQAsce.

Die Auszeichnungen sind Miniatur-Bronzeskulpturen des Kunstwerks „HOPE“ des Bonner Künstlers Dennis Josef Meseg und stehen symbolisch für Hoffnung, Solidarität und Zusammenhalt.

Das Dialogforum am 13. Oktober rückte zentrale Herausforderungen wirksamer Krisenvorsorge in den Mittelpunkt: eine gesicherte Stromversorgung, die schnelle Verfügbarkeit gemeinsamer Lagebilder und die Handlungskompetenz aller Beteiligten. Als verbindendes Leitmotiv kristallisierten sich dabei die „drei V“ der Resilienz heraus: Verantwortung, Vertrauen und Vernetzung. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie staatliche Stellen, Wirtschaft, Wissenschaft und zivile Helfernetzwerke ihre jeweiligen Kompetenzen künftig enger miteinander verbinden können.

Gerade für die IKT-Branche eröffnet sich hier ein wichtiges Handlungsfeld. Digitale Lösungen für öffentlich-private Zusammenarbeit benötigen nicht nur technische Innovationen, sondern auch verlässliche Einsatzperspektiven, tragfähige Finanzierungsmodelle und eine dauerhafte Einbindung in bestehende Strukturen. So können technologische Entwicklungen zu nachhaltigen Investitionen in die Krisenfestigkeit unserer Gesellschaft werden.

Die Ergebnisse der zweieinhalb Veranstaltungstage sollen nun in eine dauerhafte Zusammenarbeit auf deutscher und europäischer Ebene münden. Die geplante „Bonner Resilienz-Werkstatt für Europa“ soll bereits Ende 2026 einen ersten Bericht vorlegen. Zugleich werden neue Projektkonsortien rund um „Smart.NaKri.Net“ angestrebt.

Die geplante digitale Cloud-Plattform soll vorhandene Ressourcen und Fachwissen sektorübergreifend vernetzen und sowohl im Alltag als auch in Krisensituationen nutzbar machen. Damit sollen Kommunikation, Zusammenarbeit und Handlungsfähigkeit öffentlicher Stellen, Unternehmen und ziviler Helfernetzwerke nachhaltig verbessert werden.

Die zentrale Erkenntnis aus Bonn: Wirksame Resilienz beginnt nicht erst in der Krise, sondern entsteht durch Vertrauen, gemeinsame Vorbereitung und verlässliche Zusammenarbeit.

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