KRITIS

Niedrigwasser am Rhein: Rekordtiefstände, wachsende Schadstoffbelastung und ein Wirtschaftszweig unter Druck

Der Rhein erreicht 2026 einen historischen Tiefstand – mit Folgen für Wasserqualität, Wirtschaft und Trinkwasserversorgung. UBA-Wasserexperte Bernd Kirschbaum erklärt im Interview, warum sich Niedrigwasser nicht mehr allein über Verdünnung lösen lässt. Fachleute fordern beim Rheintag in Koblenz ein Umdenken bei Schifffahrt, Wasserentnahme und Flächenmanagement.

Rhein: Gütermotorschiff Michaelangelo transportiert Fracht auf einer Wasserstraße mit einem schwarzen Pkw auf dem Achterdeck
Niedrigwasser am Rhein: Frachtschiffe fahren mit reduzierter Ladung
Foto: pexels/ Wolfgang Vrede

Niedrigwasser am Rhein: Rekordtiefstände, wachsende Schadstoffbelastung und ein Wirtschaftszweig unter Druck

Der Rhein hat 2026 einen historischen Tiefstand erreicht – mit Folgen für Wasserqualität, Binnenschifffahrt, Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung. Datenanalysen zeigen: Das Niedrigwasser ist längst kein Einzelfall mehr, sondern Teil eines langfristigen Trends. Fachleute aus Wissenschaft und Behörden diskutieren nun, wie sich Deutschland darauf einstellen muss.

Historischer Tiefstand am Pegel Kaub

Am 14. August 2026 fiel der Rhein am Pegel Kaub – dem Nadelöhr der Rheinschifffahrt – auf unter 10 Zentimeter, so niedrig wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Der bisherige Rekord lag bei 25 Zentimetern, aufgestellt im Dürresommer 2018. Bis zum 2. September stieg der Pegel zwar wieder auf 60 Zentimeter, dennoch können Frachtschiffe weiterhin nicht mit voller Ladung fahren. Auch Elbe und Donau verzeichneten in diesem Sommer vielerorts neue Tiefstwerte. Am Mittelrhein kommen die meisten Frachter nicht mehr durch – durchgehende Transporte zwischen Ober- und Niederrhein sind kaum noch möglich. Der Binnenschifffahrtsverband spricht von einem „zweigeteilten“ Rhein.

Eine Erholung ist kurzfristig nicht in Sicht: „Eine deutliche Erholung der Wasserstände bundesweit ist bis Mitte September aktuell unwahrscheinlich“, sagt Bernd Kirschbaum, Wasserexperte beim Umweltbundesamt (UBA), im Gespräch mit security-network.com unter Verweis auf den Niedrigwasserbericht der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) vom 3. September 2026.

Kein Einzelfall, sondern ein langfristiger Trend

Dass der Sommer 2026 extrem, aber nicht unerwartet ist, zeigt eine Datenanalyse des Wissenschaftsmagazins Quarks (Marie Eickhoff, 19.08.2026). Für die Auswertung wurden mit der sogenannten P10-Methode tägliche Durchflussdaten von 17 Pegelstationen an Rhein, Elbe, Donau, Weser und Oder seit 1960 untersucht. Ein Tag gilt dabei als Niedrigwassertag, wenn die Wassermenge zu den niedrigsten zehn Prozent der Werte der Referenzperiode 1961 bis 1990 gehört.

Das Ergebnis: Deutschlands Wasserstraßen verbringen einen deutlich größeren Teil des Jahres im Niedrigwasser als früher. Sechs der zehn Jahre mit den meisten Niedrigwassertagen liegen in der Zeit ab 2015, an vielen Messstellen wurden die Rekordtiefstände in den vergangenen elf Jahren aufgestellt. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung an der Elbe: Dort ist die durchschnittliche Zahl der Niedrigwassertage pro Jahr seit den 1960er-Jahren von 26 auf 120 Tage gestiegen. Auch die Hauptsaison hat sich verschoben und verlängert: Zwischen 1961 und 1990 gab es im Mai und Juni kaum Niedrigwasser, heute müssen Schiffer regelmäßig damit rechnen. Von Juli bis Oktober zählen Rhein, Elbe, Donau, Weser und Oder inzwischen rund 50 Niedrigwassertage pro Jahr – früher waren es etwa 20.

Grund ist laut Quarks-Analyse der veränderte Wasserkreislauf: Die jährliche Niederschlagsmenge selbst hat sich kaum verändert, wohl aber ihre Verteilung. Der Regen fällt heute vor allem im Winter, ein wachsender Teil davon als Starkregen, der oberflächlich abfließt statt zu versickern und Grundwasser zu bilden. Auch der Frühjahrsregen, der die Speicher auffüllen könnte, blieb zuletzt häufig aus – der März 2025 zählt zu den regenärmsten seit Messbeginn 1881. Hinzu kommt: Wegen höherer Temperaturen bleibt in den Mittelgebirgen weniger Schnee liegen, der sonst als Wasserspeicher wirkt und Grundwasser kontinuierlich auffüllt – ein Effekt, der an Rhein und Donau inzwischen fehlt. Noch puffert die Gletscherschmelze in den Alpen die Niedrigwassereffekte am Rhein ab: In heißen Phasen stammt laut Enno Nilson von der BfG bis zu einem Fünftel des Rheinwassers aus den Gletschern, normalerweise nur ein kleiner einstelliger Prozentanteil. Dieser Puffer schwindet jedoch mit dem Rückgang der Gletscher. Klimamodelle zeigen laut Quarks, dass Deutschlands wichtigste Schifffahrtsstraßen in sommerlichen Niedrigwasserphasen bis Ende des Jahrhunderts bei ungebremstem Klimawandel 20 bis 30 Prozent weniger Wasser führen könnten als bisher.

Nicht nur eine Frage der Menge: Wasserqualität unter Druck

Niedrigwasser ist nach Einschätzung des Umweltbundesamts nicht nur ein mengenmäßiges, sondern auch ein qualitatives Problem. Während dürrer Witterungsperioden gehen die Einleitungen kommunaler Kläranlagen nur geringfügig zurück, während die natürliche Wasserführung der Gewässer deutlich abnimmt. Dadurch steigt der Anteil gereinigten Abwassers am Gewässerabfluss, und bei gleichbleibender Stofffracht führt die geringere Verdünnung zu höheren Schadstoffkonzentrationen.

„Bei Niedrigwasser steigt die Konzentration von Schadstoffen in Flüssen, weil weniger Wasser zur Verdünnung von gereinigtem Abwasser aus Kläranlagen und anderen Stoffeinträgen vorhanden ist“, bestätigt Kirschbaum. Besonders relevant seien langlebige Stoffe wie Arzneimittelrückstände, Pestizide, Biozide und Industriechemikalien, die herkömmliche Kläranlagen teilweise nicht vollständig entfernen – Modellierungen der BfG zeigten, dass die höchsten Spurenstoffkonzentrationen vor allem bei Niedrigwasser auftreten. Auch abseits der Kläranlagenabläufe könnten diffuse Einträge, etwa von Pestiziden, unter Niedrigwasserbedingungen zu einem größeren Problem werden.

Hinzu kommt die Temperatur: Im Rhein wurden Anfang August abschnittweise mehr als 26 Grad Celsius gemessen. Warmes Wasser enthält weniger Sauerstoff und erhöht den Stoffwechsel vieler Organismen; geringere Wassertiefen und eine langsamere Fließgeschwindigkeit erschweren zusätzlich die Durchmischung und damit den Sauerstoffeintrag aus der Atmosphäre. Treffen diese Stressoren gleichzeitig auf, spricht man laut UBA von multiplem Stress – Lebewesen reagieren dadurch etwa empfindlicher auf Schadstoffbelastung als sonst. Ein Beispiel für die Folgen: Im Sommer 2022 führte multipler Stress aus hoher Salzbelastung durch Bergbau, Niedrigwasser und hohen Temperaturen in der Oder zu einem massiven Fischsterben, ausgelöst durch eine Massenentwicklung der giftigen Alge Prymnesium parvum.

Trinkwasser: Nach UBA-Einschätzung weiterhin gesichert

Trotz der angespannten Lage gibt Kirschbaum bei der Trinkwasserversorgung Entwarnung: „Die Trinkwasserversorgung entlang des Rheins ist nach unserer Kenntnis auch bei niedrigem Wasserstand weiterhin gesichert.“ Wasserwerke in Rheinnähe speisen sich in der Regel aus Grundwasser umliegender Grundwasserleiter sowie aus Uferfiltrat; sinkt die verfügbare Menge an Uferfiltrat, lasse sich das durch die Steuerung verschiedener Brunnengalerien ausgleichen. Eine pauschale Grenze, ab der es zu Problemen bei der Trinkwassergewinnung kommen könnte, gebe es nicht – das sei jeweils nur für ein konkretes Versorgungsgebiet zu beurteilen. Auch nach Angaben des UBA sind die deutschen Wasserressourcen insgesamt um ein Vielfaches größer als der tatsächliche Verbrauch, fraglich sei aber, ob künftig an jedem Ort und zu jeder Zeit genug Wasser zur Verfügung stehe.

Genau hier setzt eine Debatte an, die Fachleute beim 8. BWK Rheintag in Koblenz Anfang September diskutierten. Der Koblenzer Hochschulprofessor Lothar Kirschbauer plädierte dort dafür, künftig auch einzelne Trinkwassernetze und -speicher stärker zu vernetzen: Damit ließen sich in Dürrezeiten Gebiete mit Wassermangel aus Regionen mit ausreichendem Wasservorkommen versorgen. Denkbar seien auch Überleitungen, mit deren Hilfe bei Hochwasser Wasser in andere Gebiete geleitet und dort gespeichert werden könnte – eine entsprechende Planung gebe es etwa bereits in der Nordeifel.

Binnenschifffahrt: Weniger Ladung, höhere Kosten, weniger Transporte

Für die deutsche Wirtschaft ist der Rhein als Transportweg zentral. „Der Rhein ist eine der wichtigsten Wasserstraßen Europas“, betont Kirschbaum. Zahlreiche Industrieunternehmen entlang des Flusses, vor allem aus der Chemie- und Stahlbranche, seien auf regelmäßige, große Rohstofflieferungen per Schiff angewiesen. Sinken die Pegel, können Binnenschiffe nur noch einen Bruchteil ihrer üblichen Ladung transportieren – Großcontainerschiffe lohnen sich wirtschaftlich erst bei einem Tiefgang von rund 2,80 Metern, den die großen deutschen Flüsse inzwischen über Monate nicht mehr bieten. Das zwingt Betriebe, ihre Produktion zu drosseln, mit Folgewirkungen für nachgelagerte Industrien, die nach dem Just-in-Time-Prinzip arbeiten. Schon wenige Tage Verzögerung können laut Kirschbaum zu Produktionsausfällen, steigenden Transportkosten, Versorgungsengpässen bei Tanklagern, Kraftwerken oder Baustellen sowie zu Vertragsstrafen führen. Zusätzlich verlangen Reedereien Zuschläge, sobald der Wasserstand an wichtigen Engstellen zu niedrig steht.

Besonders betroffen sind die Gütergruppen, die den Großteil der Rheintransporte ausmachen: flüssige Mineralölerzeugnisse, Kohle, Steine und Erden sowie Eisenerze. Als die Engstelle bei Kaub Ende Juli wegen der stark gefallenen Pegel kaum noch oder nur mit deutlich reduzierter Ladung befahrbar war, stiegen die Frachtraten spürbar – was laut Kirschbaum zu regionalen Preisunterschieden bei Kraftstoffen beitrug, da der Transport von Raffinerieprodukten per Binnenschiff eingeschränkt war. ThyssenKrupp Steel meldete, dass sich das Niedrigwasser bereits auf die Rohstoffversorgung des Werks in Duisburg auswirkt; der Konzern musste die Hochofenproduktion leicht drosseln.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts unterstreichen den langfristigen Trend: Der Güterverkehr auf Deutschlands Wasserstraßen ist zwischen 2017 und 2025 von 223 auf 172 Millionen Tonnen eingebrochen – ein Rückgang um 23 Prozent. Gewonnen hat dabei vor allem die Straße, der Güterverkehr auf der klimafreundlicheren Schiene stagniert. Zur Einordnung: Eine einzige Schiffsladung entspricht dem Transportvolumen von 100 Lkw. Ein Teil des Rückgangs lässt sich mit Strukturwandel erklären – die Kohletransporte haben sich seit 2014 mehr als halbiert, weil Kraftwerke vom Netz gehen –, doch auch der Transport anderer Güter wie Nahrungsmittel oder Metalle ist seit 2018 um mehr als 20 Prozent eingebrochen. „2018 war ein Meilenstein, da ging das los. Das war wie so ein Aufwachen“, zitiert tagesschau.de den WSV-Hydrologen Bernhard Mott. Manche Unternehmen seien danach dem Transportweg Wasser dauerhaft den Rücken gekehrt.

Anders als bei extremem Hochwasser werden Flüsse bei Niedrigwasser nicht für die Schifffahrt gesperrt. „Bei Niedrigwasser besteht die Gefahr, dass Schiffe sich auf Sandbänken festfahren“, erklärt Jörn Heilmann von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) gegenüber tagesschau.de. Allein auf dem Rhein zwischen Baden-Baden und der niederländischen Grenze habe es in der Vergangenheit bis zu 30 solcher Vorfälle pro Jahr gegeben, vor allem wenn die Pegel in kurzer Zeit stark fallen. In diesem Jahr hätten sich die Kapitäne aber offenbar auf die Lage eingestellt: Sie führen vorsichtiger und laden weniger, bislang gebe es nur wenige Festfahrungen.

Wie sich Industrie und Schifffahrt anpassen

Dass sich Unternehmen auf Niedrigwasserlagen einstellen können, zeigt das Beispiel BASF. Nach dem hohen Millionenschaden durch das extreme Niedrigwasser 2018 am Standort Ludwigshafen – reguläre Frachter konnten den Standort damals nicht mehr erreichen, Logistikketten rissen – baute der Konzern seine Vorsorge deutlich aus: mit zusätzlichen Niedrigwasserschiffen wie der „Gas 94“ (2021) und der „Stolt Ludwigshafen“ (2023, Tragfähigkeit über 800 Tonnen auch bei extremem Niedrigwasser), höheren Lagerkapazitäten und weiteren Transportmöglichkeiten. „BASF ist so 2026 besser aufgestellt als noch 2018“, sagt Kirschbaum.

Auch auf behördlicher Seite hat sich seit 2018 einiges getan: Die BfG berechnet Pegel-Prognosen inzwischen für bis zu sechs Wochen im Voraus – früher reichte der Blick nur 48 Stunden weit. An Bord zeigen elektronische Flusskarten mit Radar- und Transpondersignalen den Verlauf der Fahrrinne genauer an. Am Mittelrhein will der Bund zudem Engstellen entschärfen, indem er das Flussbett ausbaggert und die Fahrrinne vertieft – viel mehr als „den ein oder anderen Zentimeter“ bringe das laut Mott aber nicht, solange grundsätzlich Wasser fehle. Seit 2018 existiert außerdem der „Aktionsplan Niedrigwasser Rhein“, ein Achtpunkteplan, der laut dem Koblenzer Professor Kirschbauer dazu beigetragen habe, dass das Niedrigwasser 2026 besser gehandhabt werden konnte. Kirschbauer selbst forderte beim Rheintag, dass sich die Rheinschifffahrt künftig stärker umrüsten müsse – auf kleinere, leichtere Schiffe mit geringerem Tiefgang und, seitens der Werften, auf Schiffe mit breiterem Rumpf und speziellem Antrieb.

Ein weiterer Ansatz, der beim Rheintag diskutiert wurde: mehr Flächen schaffen, die Wasser aufnehmen und speichern können. Kirschbauer schlug vor, Wasser in Hochwasserphasen an den Zuflüssen des Rheins und, wo möglich, in den Rheinauen zurückzuhalten, statt es abfließen zu lassen – als Reserve für Niedrigwasserphasen. Thomas Schmid, Landesvorsitzender des Wasserwirtschaftsverbands BWK Hessen/Rheinland-Pfalz, forderte in diesem Zusammenhang eine Renaturierung der Flussauen, auch an den Zuflüssen. Zudem kritisierte Kirschbauer, dass Wasserentnahmen aus dem Rhein bislang kaum koordiniert seien: „Im Moment entnimmt jeder im Promille-Bereich Wasser aus dem Rhein, ohne die Summenwirkung zu beachten. Das muss länderübergreifend koordiniert werden.“ Der BWK leitete aus den Erkenntnissen des Rheintags vier Thesen ab, die der rheinland-pfälzischen und hessischen Landesregierung vorgelegt werden sollen: Ausbau der Retentionsräume, bessere Koordination der Wasserentnahme, mehr Sorgfalt bei der Trinkwassernutzung sowie ein Ausbau des Rheins – allerdings, wie Schmid betonte, nur unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte.

Auch spürbar bei Verbrauchern, Landwirtschaft – und im Flussbett selbst

Ob die Folgen bereits bei Verbraucherpreisen ankommen, lässt sich laut Kirschbaum nicht eindeutig sagen. Das Niedrigwasser erhöhe insgesamt die Kosten für Vorprodukte, vor allem aus der chemischen Industrie – da diese in vielen Endprodukten stecken, könne sich das breit verteilen, auch wenn der Effekt pro Einzelprodukt meist klein und schwer isolierbar sei. Bei Energie ließen höhere Frachtraten für Kohletransporte die Erzeugungskosten steigen, auch die Wasserkraft leide; am Strommarkt bestimme aber der Merit-Order-Effekt den Preis, sodass unklar sei, ob das beim Verbraucher ankomme. Bei Lebensmitteln könnten höhere Kosten entstehen, weil Binnenschiffe auch Agrargüter wie Getreide, Raps und Düngemittel transportieren.

Auch die Landwirtschaft leidet unter der anhaltenden Trockenheit. Hitze und Trockenheit wirkten sich direkt auf die Ernteerträge aus, so Kirschbaum, auch wenn sich der Effekt wegen weiterer Faktoren wie Schädlingsdruck oder Produktionskosten nicht exakt quantifizieren lasse. Kritisch werde es vor allem, wenn der Wasserspeicher im Boden durch vorangegangene Trockenheit bereits reduziert sei – dann könnten schon kurze Regenpausen zu Ertragsverlusten führen. Ein Nebeneffekt aus Umweltsicht: Trockenheit und Ernteausfälle führten häufig zu Nährstoffüberschüssen von Stickstoff und Phosphor, weil Pflanzen die Düngemengen nicht vollständig aufnehmen könnten, mit negativen Folgen für Wasserqualität, Artenvielfalt und Treibhausgasemissionen. Zudem steige bei trockenen Böden die Gefahr der Winderosion, die Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenwachstum über Jahre hinweg beeinträchtigen könne.

Ein Nebeneffekt des Niedrigwassers sorgte zuletzt vielerorts zusätzlich für Aufsehen: freigelegte Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. „Bei Niedrigwasser sinkt der Pegel von Flüssen und Seen stark ab. Dadurch werden Bereiche des Flussbetts und Ufers sichtbar, die normalerweise unter Wasser liegen“, erklärt Kirschbaum. Dort könnten noch Waffen, Granaten und Munition liegen, die Soldaten am Kriegsende weggeworfen hätten oder die nach 1945 zur Entsorgung in Flüsse gebracht worden seien. Genaue Zahlen zu noch vorhandenen Kampfmitteln gebe es nicht – Funde sollten niemals angefasst oder bewegt werden, da die alte Munition trotz ihres Alters noch gefährlich sein könne.

Fazit: Anpassung statt Verdünnung

Sowohl UBA als auch Quarks-Datenanalyse und die Fachleute beim Rheintag in Koblenz kommen zu einem ähnlichen Schluss: Niedrigwasser lässt sich nicht mehr allein durch Verdünnung oder punktuelle Maßnahmen beherrschen. Nötig seien laut UBA gezielte Maßnahmen an den Quellen von Schadstoffeinträgen sowie eine weitergehende Abwasserbehandlung an besonders belasteten Gewässern – flankiert von wirksamem Klimaschutz, um die Belastung der Gewässer langfristig zu begrenzen. Auf die Frage, ob sich Deutschland künftig häufiger auf solche Extremphasen einstellen muss, antwortet Kirschbaum knapp: „Ja, darauf deuten die Klimaprognosen hin.“

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