Gefahr beim Baden: Zwei Todesfälle durch Vibrionen im Sommer 2026

17 Infektionen und zwei Todesfälle: Das RKI registriert 2026 ungewöhnlich viele Vibrionen-Fälle. Besonders warme Gewässer begünstigen die Bakterien.

Vibrionen: Person badet in einem Gewässer mit grafischer Einblendung von stäbchenförmigen Bakterien unter der Wasseroberfläche
Warme Gewässer können die Vermehrung von Vibrionen begünstigen. Besonders die Ostsee gilt im Sommer als relevantes Gebiet.
KI-generiert: CPM/ Lena Berghoff

Gefahr beim Baden: 17 Infektionen und zwei Todesfälle hat das Robert Koch-Institut in diesem Jahr bislang registriert. Hohe Wassertemperaturen schaffen günstige Bedingungen für die Bakterien. Besonders gefährdet sind ältere und immungeschwächte Menschen.

Vibrionen kommen natürlicherweise in Salz- und Süßwasser vor. In Deutschland werden die Bakterien insbesondere in der Ostsee, aber auch in küstennahen Bereichen der Nordsee und selten in Binnengewässern gefunden. Bei hohen Wassertemperaturen können sie sich stark vermehren. Das zeigt sich auch in der Infektionssaison 2026: Das Robert Koch-Institut (RKI) hat bis Ende Juli 17 in Deutschland erworbene Vibrionen-Infektionen registriert. Zwei der Betroffenen starben.

17 Fälle und zwei Todesfälle

Nach Angaben des RKI handelt es sich bei den beiden Verstorbenen jeweils um ältere Menschen. Die beim RKI erfassten Fälle liegen damit bereits deutlich über den Vergleichswerten der vergangenen Jahre. Bis zum 12. Juli waren 2023 ein Fall, 2024 neun Fälle und 2025 vier Fälle registriert worden. Insgesamt wurden in den drei Vorjahren jeweils ein bis zwei Todesfälle gemeldet.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt für die bislang 17 Fälle im Jahr 2026 zehn Männer und sieben Frauen im Alter zwischen drei und 95 Jahren. Das Medianalter liegt bei 70 Jahren. Die beiden Todesfälle standen laut BfR mit einem Aufenthalt an der Ostsee in Zusammenhang.

Wärme begünstigt die Vermehrung

Vibrionen sind stäbchenförmige, meist salztolerante Bakterien. Sie kommen weltweit in Meeren, Brackwasser, Flussmündungen, Bodden und Lagunen, aber auch in Binnenseen vor. Besonders günstige Bedingungen finden sie bei einem Salzgehalt von etwa 0,5 bis 2,5 Prozent und Wassertemperaturen von mehr als 20 Grad Celsius. Diese Bedingungen sind unter anderem für die Ostsee typisch.

Auch der ADAC weist darauf hin, dass sich insbesondere Vibrio vulnificus bei Wassertemperaturen von 20 Grad und mehr stark ausbreiten kann. Dabei kann die Bakteriendichte auch dann noch über Wochen erhöht bleiben, wenn das Wasser bereits wieder kühler geworden ist.

Nach Angaben des RKI begann die Saison 2026 für in Deutschland erworbene Vibrionen-Infektionen vergleichsweise früh. Als einen Hintergrund nennt das RKI die bereits im Juni aufgetretene Hitzewelle. Bei Wassertemperaturen über 20 Grad können sich Vibrionen in Oberflächengewässern extrem vermehren, ab 18 Grad bereits stark.

Infektion meist über kleine Wunden

Für Badende besteht das Risiko vor allem dann, wenn Vibrionen über verletzte Haut in den Körper gelangen. Dabei können bereits kleine oder zunächst unbemerkte Hautverletzungen als Eintrittspforte dienen. Der ADAC nennt beispielsweise auch einen blutig gekratzten Mückenstich.

Besonders Vibrio vulnificus kann schwere Wundinfektionen verursachen. Typische erste Anzeichen können eine zunehmende Rötung oder Blasenbildung sein. In schweren Fällen können Haut und tieferliegendes Gewebe betroffen sein und eine lebensbedrohliche Sepsis entstehen. Die Inkubationszeit liegt laut ADAC bei etwa 12 bis 72 Stunden.

Vibrionen können außerdem über Lebensmittel aufgenommen werden. Das BfR nennt insbesondere rohe Austern sowie nicht ausreichend erhitzte Meeresfrüchte, Muscheln und Krebstiere. Lebensmittelbedingte Infektionen können unter anderem Durchfall, Übelkeit und Erbrechen verursachen. In Deutschland spielen solche Infektionen laut ADAC im Vergleich zu Infektionen nach Wasserkontakt allerdings keine wesentliche Rolle.

Ältere und Vorerkrankte besonders gefährdet

Nicht jeder Kontakt mit Vibrionen führt zu einer Erkrankung. Das Risiko für schwere Verläufe ist jedoch bei bestimmten Personengruppen erhöht. Dazu gehören insbesondere ältere und immungeschwächte Menschen. Auch Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes sowie Leber- oder Herzerkrankungen zählen laut BfR zu den Risikogruppen.

Menschen mit offenen oder schlecht heilenden Wunden sollten bei sommerwarmen Meerwasser ab etwa 20 Grad besonders vorsichtig sein. Das BfR empfiehlt, mit solchen Wunden warmes Meerwasser möglichst zu meiden. Kommt eine offene Wunde dennoch mit dem Wasser in Kontakt, sollte sie gründlich mit sauberem Wasser gereinigt und anschließend beobachtet werden.

Schnelle Behandlung kann entscheidend sein

Vibrionen-Infektionen sind in Deutschland weiterhin selten. Gerade deshalb können sie als Ursache einer Wundinfektion zunächst übersehen werden. Der ADAC empfiehlt, nach dem Baden bei zunehmender Rötung oder anderen auffälligen Veränderungen der Haut umgehend ärztliche Hilfe zu suchen und auf den Kontakt mit Meerwasser hinzuweisen.

Bei einem entsprechenden Verdacht können Vibrionen nachgewiesen werden. Nach Angaben des ADAC wird bei Verdacht unmittelbar eine Antibiotikatherapie begonnen. Sind bereits tiefere Hautschichten betroffen, können zusätzlich chirurgische Eingriffe erforderlich sein. Das RKI weist darauf hin, dass die Infektionen bei schneller und ausreichend dosierter Antibiotikatherapie auch bei Risikopatienten meist gut behandelbar sind.

Klimawandel könnte Risiko erhöhen

Die Entwicklung wird auch mit steigenden Wassertemperaturen in Verbindung gebracht. Das BfR geht davon aus, dass die globale Erwärmung und die damit verbundenen höheren Temperaturen von Meer- und Oberflächengewässern weltweit zu einer Zunahme von Vibrio-Infektionen führen könnten. Besonders betroffen sind demnach küstennahe und oberflächennahe Gewässer.

In Deutschland treten die gemeldeten Infektionen vor allem zwischen Juni und September auf. Laut BfR kann sich der Zeitraum durch längere Wärmeperioden inzwischen auf angrenzende Monate ausweiten. Gleichzeitig weist das BfR darauf hin, dass die offiziellen Meldedaten nicht sämtliche Vibrio-Infektionen abbilden: Vor allem mild bis moderat verlaufende Durchfallerkrankungen werden häufig nicht erfasst.

Seit 2020 besteht in Deutschland eine Meldepflicht für Vibrio-Infektionen. Die bislang 17 registrierten Fälle des Jahres 2026 zeigen vor allem eines: Bei warmen Gewässern kann das Risiko für bestimmte Personengruppen steigen. Für die große Mehrheit der Badenden bleiben Vibrionen-Infektionen jedoch selten.

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