261 Menschen sind in den ersten sieben Monaten 2026 in Deutschland ertrunken – so viele wie seit 2019 nicht mehr. Besonders Flüsse und Seen bleiben gefährliche Unfallorte, junge Männer sind überdurchschnittlich häufig betroffen. Die DLRG fordert mehr Aufklärung, bessere Schwimmausbildung und warnt eindringlich vor dem Baden im Rhein.

Badetote: Höchster Wert seit 2019 – DLRG fordert mehr Aufklärung
261 Menschen sind in den ersten sieben Monaten 2026 in deutschen Gewässern ertrunken – 15 mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders der Juni verzeichnete mit über 100 Todesfällen einen dramatischen Anstieg. Auch in Düsseldorf ist die Lage angespannt: Sechs Menschen kamen bereits im Rhein ums Leben, obwohl seit einem Jahr ein striktes Badeverbot gilt.
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat heute in Düsseldorf ihre Zwischenbilanz zu den Ertrinkungsunfällen des laufenden Jahres vorgestellt. Die Zahlen zeigen einen deutlichen Aufwärtstrend: Bundesweit ertranken bis zum 31. Juli 261 Menschen – so viele wie zu diesem Zeitpunkt seit 2019 nicht mehr, als es 220 Todesfälle waren.
Dramatischer Anstieg seit Beginn der Badesaison
Während die Zahlen zu Jahresbeginn noch unter dem Vorjahresniveau lagen, kehrte sich der Trend mit Beginn der Badesaison um. Zwischen Anfang Mai und Ende Juli ertranken 189 Menschen. Der Juni stach dabei besonders heraus: Mit über 100 Todesfällen verzeichnete die DLRG den höchsten Wert für diesen Monat seit über 20 Jahren – zuletzt kamen 2003 so viele Menschen in einem Juni ums Leben. DLRG-Präsidentin Ute Vogt führt dies unter anderem auf die Hitzewelle Ende Juni zurück, die zahlreiche Menschen an Seen, Flüsse und Kanäle lockte. Nach der Hitzeperiode ging die Zahl der Unfälle im Juli zwar wieder zurück, lag mit 59 Todesfällen aber weiterhin über dem Vorjahreswert.
Die meisten Unglücke – rund 90 Prozent – ereigneten sich in frei zugänglichen Binnengewässern. Seen waren mit 110 Todesfällen die häufigste Unglücksstätte, gefolgt von Flüssen mit 78 Fällen. Auch Kanäle (17), die Ostsee (15) und Schwimmbäder (14) verzeichneten Todesopfer. An der Nordsee kam dagegen niemand ums Leben.
Junge Männer besonders gefährdet
Auffällig ist der erneute Anstieg unter jungen Menschen: In den ersten sieben Monaten verzeichnete die DLRG 75 Todesfälle in der Altersgruppe zwischen 11 und 30 Jahren – nach 49 im Vorjahreszeitraum. 95 Prozent der Betroffenen waren männlich. „Infolge von leichtsinnigem Verhalten – oft in Verbindung mit Alkohol und anderen Drogen – kommt es unter Jungen und jungen Männern immer wieder zu Badeunfällen“, erklärte Vogt. Über alle Altersgruppen hinweg lag der Anteil männlicher Opfer bei 85 Prozent. Auch unter älteren Menschen über 70 Jahren stieg die Zahl der Todesfälle auf 59 (+11), wobei hier häufig gesundheitliche Vorerkrankungen und Selbstüberschätzung eine Rolle spielen. Unter Kindern bis zehn Jahren registrierte die DLRG acht Todesfälle.
Bayern verzeichnete mit 54 Todesopfern die meisten Fälle aller Bundesländer, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 50. Auch in Berlin, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern stiegen die Opferzahlen im Vergleich zum Vorjahr.
Düsseldorf: Badeverbot am Rhein zeigt Wirkung – reicht aber nicht
Auch in Düsseldorf ist die Bilanz besorgniserregend: Seit Jahresbeginn starben sechs Menschen im Rhein. Seit dem 14. August 2025 gilt entlang des gesamten Düsseldorfer Rheinufers ein striktes Badeverbot. Stefan Albrecht, Präsident des DLRG-Landesverbandes Nordrhein, vergleicht den Aufenthalt am Fluss mit einer gefährlichen Situation im Straßenverkehr: Niemand käme auf die Idee, seinen Campingstuhl auf dem Autobahn-Standstreifen aufzubauen oder dort Kinder spielen zu lassen – am Rhein passiere aber genau das, weil er so einladend wirke.
Die Stadt setzt das Badeverbot mit verschiedenen Maßnahmen durch: Bereits 110 Verfahren wurden 2026 gegen Verstöße eingeleitet, städtische Mitarbeiter führten mehr als 3.400 Aufklärungsgespräche an den Rheinufern. Die Düsseldorfer Feuerwehr musste bis Ende Juli 52 Mal zu Rettungseinsätzen unter dem Stichwort „Person im Rhein“ ausrücken. Für Albrecht darf sich die Präventionsarbeit jedoch nicht allein auf das Verbot verlassen: „Aufklären, aufklären, aufklären an allen Ecken und Möglichkeiten, wo das ist. Und natürlich dürfen sich die Kommunen nicht darauf zurückziehen: Wir haben ja verboten, jetzt ist die Welt gut – sondern auch aktiv immer wieder dafür werben: Bleibt vom Rhein weg.“
Er appellierte eindringlich an die Bevölkerung: „Niemand badet oder schwimmt im Rhein, nicht weil es an der einen oder anderen Stelle – und zunehmend – verboten ist, sondern weil es einfach vernünftig ist, es nicht zu tun.“ Zugleich mahnte er: „Bitte nehmen Sie die Gefahren, vor denen wir warnen, ernst. Nehmen Sie sie nicht auf die leichte Schulter und halten Sie sich von dieser Gefahr in Ihrem eigenen Interesse fern.“
Albrecht verwies zudem auf die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen: „Von den 90 Ertrunkenen in Flüssen ist etwa die Hälfte im Rhein ertrunken.“ Auch die Kanäle rückten zunehmend in den Fokus: „Die Zahl der Ertrunkenen in Kanälen hat sich verdreifacht. Das ist ein Gefahrenpotenzial, das man definitiv sehen muss.“
Live-Demonstration: Rettung aus dem Rhein
Passend zum Thema präsentierten Einsatzkräfte der DLRG im Anschluss an die Pressekonferenz eine Live-Demonstration auf dem Rhein. Vor den Augen der anwesenden Journalisten simulierten die Rettungsschwimmer die Bergung einer erschöpften Person aus dem Wasser. Auch security-network.com war Live dabei: Ein Rettungsboot näherte sich der vermeintlich in Not geratenen Person, die anschließend an Bord gezogen und versorgt wurde. Die Übung veranschaulichte praxisnah, wie schnell professionelle Hilfe bei einer Erschöpfung im Wasser greifen muss – und unterstrich damit einmal mehr die Botschaft der DLRG, dass gerade in Flüssen wie dem Rhein Kräfte und Strömung häufig unterschätzt werden.
DLRG fordert mehr Schwimmunterricht und nationale Präventionsstrategie
Nach Einschätzung der DLRG verlässt weiterhin die Mehrheit der Kinder die Grundschule, ohne ein Schwimmabzeichen abgelegt zu haben oder überhaupt sicher schwimmen zu können. Vogt sieht hier auch den Bund in der Pflicht: Mit dem Modellprojekt „Deutschland lernt schwimmen“ wolle der Bundestag gemeinsam mit DLRG und Deutschem Schwimm-Verband in den kommenden vier Jahren mehrere Hebel in Bewegung setzen, um vor allem in strukturschwachen und sozial benachteiligten Regionen die Schwimmausbildung zu verbessern. Nachhaltig verbessern werde sich die Lage aber erst, wenn Bund, Länder und Kommunen deutlich mehr in marode Schwimmbäder und den schulischen Schwimmunterricht investierten.
Zudem vermisst die DLRG in Deutschland flächendeckende Aufklärungskampagnen sowie eine nationale Strategie zur Verringerung tödlicher Unglücke im Wasser, wie sie die Weltgesundheitsorganisation WHO von ihren Mitgliedsstaaten fordert. Die DLRG selbst wirbt mit der Kampagne „Du bist die Aufsicht“ für mehr Verantwortungsbewusstsein bei Aufsichtspersonen.

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