Im Rahmen der INTERSCHUTZ wurde das bundesweite MANV-Register offiziell in Betrieb genommen. Mit dem Register schafft die Deutsche Gesellschaft für Katastrophenmedizin e. V. (DGKM) erstmals eine strukturierte Plattform zur Erfassung und wissenschaftlichen Auswertung von Massenanfällen von Verletzten und Erkrankten (MANV).
Ziel ist es, aus realen Einsatzlagen zu lernen und die medizinisch-organisatorische Bewältigung zukünftiger Ereignisse kontinuierlich zu verbessern. Das Register versteht sich als Instrument für Forschung, Qualitätssicherung und den interdisziplinären Wissenstransfer. Langfristig soll es dazu beitragen, evidenzbasierte Empfehlungen für die Katastrophenmedizin und den Bevölkerungsschutz zu entwickeln.
Ein Meilenstein in der Katastrophenmedizin
„Das MANV-Register ist ein Meilenstein für die Katastrophenmedizin in Deutschland. Es ermöglicht uns, Erfahrungen systematisch auszuwerten und daraus konkrete Verbesserungen für die Versorgung von Betroffenen abzuleiten“, erklärt PD Dr. Andreas Follmann, Präsident der Deutsche Gesellschaft für Katastrophenmedizin. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht personenbezogene Patientendaten, sondern medizinisch-organisatorische Einsatzdaten.
Auf Basis umfangreicher Vorarbeiten wurden zunächst 498 potenzielle Datenelemente identifiziert und in einem mehrstufigen Konsensverfahren bewertet. An dem Aufbau des Registers waren insgesamt 115 Expertinnen und Experten beteiligt. Sie repräsentierten 34 Organisationen und Verbände sowie zahlreiche Einzelpersonen aus Rettungsdienst, Medizin, Wissenschaft und Bevölkerungsschutz. Weitere Fachleute beteiligten sich nach einem öffentlichen Aufruf über die DGKM und soziale Medien.
Die gesamte Entwicklung erfolgte in ehrenamtlicher Zusammenarbeit. Nach drei Konsensrunden und einer bundesweiten Online-Konsensuskonferenz wurde ein Kerndatensatz mit 97 Items festgelegt. Ergänzt wird dieser durch automatisch erhobene Daten wie Summenwerte oder Wetterinformationen. Die erfassten Inhalte reichen von Stammdaten und Einsatzgrunddaten über Schadenlage und Sichtungsprozess bis hin zu Einsatzmitteln und zeitlichen Abläufen.
Auf Vernetzung ausgelegt
Das Register ist von Beginn an auf Vernetzung ausgelegt. Über eine einheitliche MANV-ID können künftig Verbindungen zu etablierten Registern wie dem TraumaRegister DGU®, dem Deutschen Reanimationsregister oder AKTIN hergestellt werden. Dadurch sollen wissenschaftliche Analysen erleichtert und die Versorgungsforschung weiter gestärkt werden.
Eine Teilnahme am Register ist sowohl für Einzelpersonen mit Beauftragung als auch für regional zuständige Stellen möglich. Dabei können sowohl historische als auch aktuelle Einsätze erfasst werden. Damit bietet das MANV-Register die Möglichkeit, Erfahrungen aus vergangenen und aktuellen Lagen in eine bundesweite Datengrundlage einzubringen. „Das MANV-Register lebt von der aktiven Beteiligung der Anwenderinnen und Anwender.
„Je mehr Einsatzdaten aus unterschiedlichen Regionen und Szenarien zusammengeführt werden, desto größer wird der Erkenntnisgewinn für die gesamte Gefahrenabwehr und den Bevölkerungsschutz“, betont PD Dr. Follmann. Perspektivisch ist eine Erweiterung des Registers um zusätzliche Module wie CBRN und lebensbedrohliche Einsatzlagen vorgesehen.
Dank an Expertinnen und Experten
Geplant sind außerdem die Integration von Übungen und Flächenlagen sowie technische Schnittstellen zu Dokumentations- und Leitstellensoftware. Das Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin dankt ausdrücklich den zahlreichen Expertinnen und Experten, die den Aufbau des Registers mit großem ehrenamtlichem Engagement ermöglicht haben.
Das MANV-Register ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen Gemeinschaftsleistung. Die Bereitschaft so vieler Fachleute, ihre Erfahrung und Zeit einzubringen, zeigt eindrucksvoll die Bedeutung dieses Projekts für die Katastrophenmedizin und den Bevölkerungsschutz in Deutschland.
Mit dem Start des MANV-Registers beginnt ein neues Kapitel für die systematische Aufarbeitung von Großschadenslagen. Denn nur wer aus Einsätzen lernt, kann die Versorgung der Bevölkerung in zukünftigen Krisen weiter verbessern.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Katastrophenmedizin e.V.
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