Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe von 2021 zieht das Deutsche Rote Kreuz Bilanz und fordert weitere Investitionen in den Bevölkerungsschutz. Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse sieht das DRK Fortschritte, mahnt jedoch eine bessere Ausstattung, stärkere Vorsorge und eine flächendeckende Helfergleichstellung an.
Fünf Jahre nach der Flut: DRK fordert stärkeren Bevölkerungsschutz
Fünf Jahre ist es her, dass andauernde Regenfälle in Teilen Nordrhein-Westfalens und in Rheinland-Pfalz zu extremen Überflutungen führten. Die traurige Bilanz der Hochwasserkatastrophe: mehr als 180 Menschen verloren ihr Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt und unzählige Häuser, Betriebe und Einrichtungen zerstört. „Das Deutsche Rote Kreuz hat damals unmittelbar Soforthilfe geleistet und ist bis heute zur Stelle, wo Hilfe benötigt wird“, sagt der Vizepräsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Jürgen Christmann. Und: „Die Katastrophe zeigt, dass es unerlässlich ist, den Bevölkerungsschutz in Deutschland weiter zu stärken.“
Lehren aus der Flutkatastrophe
„Wir werden in Zukunft verstärkt mit Extremwetterlagen rechnen müssen“, erklärt Christmann, der damals als einer von rund 3.000 Helfenden direkt vor Ort den Einsatz des DRK begleitet hat. „Darauf müssen wir uns noch besser vorbereiten. Schließlich beginnt die beste Hilfe lange vor einer Katastrophe.“ Gemeint sind damit vor allem ausreichende Investitionen in Ausbildung, in eine moderne Ausrüstung und in widerstandsfähige Strukturen.
DRK baut Fähigkeiten im Bevölkerungsschutz aus
Die Erfahrungen von damals hat das DRK bereits intern in die Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzes einfließen lassen. Mit dem Ausbau von Vorhaltungen, der Weiterentwicklung mobiler Betreuungsstrukturen, zusätzlicher Ausbildung und dem Neubau eines großen Bevölkerungsschutzzentrums in Luckenwalde hat das DRK wichtige Schritte unternommen, um seine Reaktionsfähigkeit bei großen Schadenslagen weiter zu erhöhen.
„Wir sind heute besser vorbereitet als vor fünf Jahren. Aber wir sind noch nicht dort, wo wir angesichts zunehmender Starkregenereignisse, Hochwasser, Hitzeperioden, Waldbrände und möglicher großflächiger Ausfälle kritischer Infrastruktur sein müssen“, so Jürgen Christmann. „Bevölkerungsschutz darf nicht nur nach Katastrophen politisch wichtig sein. Er muss als dauerhafte staatliche Vorsorge verstanden, verlässlich finanziert und gemeinsam mit den Hilfsorganisationen praktisch umgesetzt werden.“
Drei zentrale Forderungen des DRK
Der DRK-Vizepräsident nennt hier einige zentrale Forderungen: Erstens muss die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung gestärkt werden. Bürgerinnen und Bürger benötigen niedrigschwellige Informationen, regelmäßige Bildungsangebote, Erste-Hilfe- und Selbstschutzkompetenzen sowie klare Warn- und Handlungsempfehlungen. Zweitens müssen die anerkannten Hilfsorganisationen über ausreichende und moderne Ausrüstung verfügen – von geländegängigen Fahrzeugen über Strom-, Trinkwasser- und Kommunikationskapazitäten bis hin zu mobilen Betreuungs- und Pflegeeinheiten. Drittens braucht es endlich eine flächendeckende Helfergleichstellung. „Wer ehrenamtlich im Bevölkerungsschutz hilft, braucht gleiche Rechte bei Freistellung, sozialer Absicherung, Verdienstausfall und Versicherungsschutz – unabhängig davon, ob er oder sie bei Feuerwehr, THW oder einer anerkannten Hilfsorganisation wie dem DRK im Einsatz ist“, sagt Christmann.
Bevölkerungsschutz dauerhaft stärken
Das DRK sieht im Bevölkerungsschutz eine gemeinsame Aufgabe von Staat, Hilfsorganisationen und Bevölkerung. Die Flutkatastrophe von 2021 bleibt Mahnung und Auftrag zugleich: „Deutschland muss Krisen nicht nur bewältigen, sondern ihnen besser vorbeugen können“, so der DRK-Vizepräsident. „Deshalb begrüßen wir es, dass die Bundesregierung das Thema nun verstärkt angeht und mit dem Pakt für den Bevölkerungsschutz wichtige Maßnahmen ergreift. Das Thema gehört aber auch weiterhin auf die Tagesordnung.“
Quelle: DRK
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