Inside LÜKEX 26: Übungssteuerung und Desinformation im Fokus – Tag 2

Lena BerghoffLena Berghoff

Am zweiten Tag von LÜKEX Inside, dem Begleitprogramm der LÜKEX 2026, standen die Steuerung der bundesweiten Krisenmanagementübung und der Umgang mit Informationen und Desinformation rund um Klimawandel und Extremwetter im Mittelpunkt. In LÜKEX TV, dem speziell für die Übung konzipierten Programmpunkt, gaben Vertreter des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), der Länder und der Malteser Einblicke in den aktuellen Übungsverlauf. Am Nachmittag ging es um die Frage, wie Informationen über Klimawandel und Extremwetter eingeordnet und wie Desinformation in Krisensituationen begegnet werden kann. Auch an Tag zwei nahm Security Network am Begeitprogramm der Übung teil.

LÜKEX 2026: Der Schwerpunkt der Übung liegt auf dem Krisenmanagement und der Aufrechterhaltung der Staats- und Regierungsfunktion.
Der Schwerpunkt der Übung liegt auf dem Krisenmanagement und der Aufrechterhaltung der Staats- und Regierungsfunktion.
Foto: THW/ Dirk Meißner

Einblicke in die Übungssteuerung

Der Vormittag bei LÜKEX Inside begann mit Einblicken in die dezentrale Übungssteuerung in Niedersachsen. Lukas Czeszak vom Innenministerium Niedersachsen stellte in einer Live-Schaltung die Arbeit der dortigen Dezentralen Übungssteuerung (DÜST) vor. Sein Zwischenfazit fiel positiv aus: „Die Struktur hat sich sehr gut bewährt.“ Der Schwerpunkt des Tages liege insbesondere auf der Betroffenheit der Menschen.

Ergänzend dazu veranschaulichten Videos den Aufbau und die Steuerung der Übung sowie die Arbeit der Zentralen Übungssteuerung (ZÜST). Anschließend ordnete Dr. Niko Janicke vom BBK den aktuellen Stand ein. Er ist Referatsleiter für „Strategische Krisenmanagementübungen zwischen Bund und Ländern“.

Auch bei einer Live-Schaltung zur Dezentralen Übungssteuerung der Malteser in Köln wurde deutlich, worauf es bei der Übung ankommt. Axel Rottländer erläuterte die Motivation der Hilfsorganisation, sich an LÜKEX zu beteiligen: „Erstens sehen wir uns in der Verantwortung für den Bevölkerungsschutz, dass wir da mitwirken können.“ Zugleich gehe es darum, die eigenen Strukturen auf Krisen vorzubereiten: „Auch wir Malteser wollen intern uns resilient machen.“

Die Übung biete dafür einen konkreten Anlass. „Die LÜKEX ist die erste große Übung, wo wir unser neues Krisenmanagementsystem mal testen wollen“, sagte Rottländer. Neben den unmittelbar mit der Übung befassten Bereichen waren auch weitere interne Einheiten eingebunden. Die Zusammenarbeit folgt dabei dem Subsidiaritätsprinzip: Herausforderungen sollen zunächst auf der Ebene gelöst werden, auf der sie entstehen. Erst wenn die dortigen Möglichkeiten nicht ausreichen oder Entscheidungen auf einer höheren Ebene erforderlich sind, werden weitere Stellen einbezogen.

Die technische Vorbereitung habe im Wesentlichen funktioniert. Nach vorherigen Tests sei im Verlauf der Übung allerdings noch ein Problem mit einem Rechner aufgefallen, über den die Audioübertragung gesteuert wurde. Dieses habe sich beheben lassen. Als wichtige Erkenntnis nannte Rottländer außerdem die Bedeutung klarer Zuständigkeiten – insbesondere für Personen, die bislang wenig Erfahrung mit der Arbeit in Stabsstrukturen haben. Wer ist wofür verantwortlich? Wo gehöre ich hin und an wen muss ich mich wenden? Solche Fragen seien für die Zusammenarbeit entscheidend.

Im Mittelpunkt stehe nicht, möglichst kreative Lösungen zu entwickeln. Vielmehr gehe es darum, Kommunikationswege, Abläufe und Prozesse zu überprüfen und das neue Krisenmanagementsystem in der praktischen Anwendung zu erproben. Die Zusammenarbeit mit der Zentralen Übungssteuerung in Ahrweiler laufe gut. Für den weiteren Verlauf sei zudem vorgesehen, die organisationsübergreifende Zusammenarbeit stärker in den Blick zu nehmen.

Auch Janicke betonte, dass nicht jeder geplante Übungsimpuls zwingend umgesetzt werden müsse. „Wenn wir dann nicht alles einspielen, dann spielen wir nicht alles ein“, erklärte er. Entscheidend sei, aus dem Übungsverlauf Erkenntnisse zu gewinnen. „Es passieren immer Dinge in der Übung. Das ist normal, dafür übt man auch und zieht auch Erkenntnisse draus.“

Klima und Hitze als Herausforderung für die Krisenkommunikation

Am Nachmittag rückte die Kommunikation rund um Klimawandel und Extremwetter in den Mittelpunkt. Im Gespräch mit Lea Grosse, Umweltpsychologin und Kommunikationstrainerin, und Theresa Leisgang, freie Journalistin und Mitgründerin des Netzwerks Klimajournalismus Deutschland, ging es darum, wie Klimarisiken vermittelt werden und welche Rolle Desinformation dabei spielt.

Leisgang übte dabei auch Selbstkritik an der journalistischen Berichterstattung über die Hitze im Sommer 2026: „Als Journalistin muss ich sagen, haben wir da leider diesen Sommer keinen guten Job gemacht.“ Die Klimakrise müsse stärker in der medialen Öffentlichkeit stattfinden. „Solange innerhalb der Medien nicht die Aufmerksamkeit auf die Klimakrise da ist, kann sie auch nicht in der ganzen Gesellschaft da sein.“

Dabei sei nicht nur entscheidend, welche Informationen veröffentlicht werden, sondern auch, wo sie die Menschen erreichen. „Die Menschen sind auf ihren Social-Media-Kanälen, und das heißt, da eine Präsenz aufzubauen … Warnungen, die müssen dort verfügbar sein, wo die Leute sich auch tatsächlich aufhalten“, sagte Leisgang. Auch der Hitzesommer 2026 sei vorhersehbar gewesen.

Nach Angaben von Leisgang gab es im Jahr 2026 weit über 15.000 Hitzetote. Zum Vergleich verwies sie auf die Hitzewelle in Frankreich im Jahr 2003, bei der rund 15.000 Menschen ums Leben kamen. Die Folgen extremer Hitze beträfen dabei nicht nur unmittelbar gefährdete Gruppen. Eine Überlastung des Gesundheitssystems könne auch die Versorgung anderer Notfallpatienten beeinträchtigen. Diese Einschätzung gab Leisgang mit Bezug auf Lea Dohm von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit wieder.

Wie Desinformation wirkt

Lea Grosse lenkte den Blick auf die psychologischen Mechanismen hinter der Verbreitung von Falschinformationen. „Je öfter ich eine Information sehe, desto wahrscheinlicher ist es, dass ich die auch glaube“, erklärte sie. Wiederholung könne also beeinflussen, was Menschen für glaubwürdig halten. „Wir Menschen sind weniger rationale Wesen, als wir denken.“

Die Unterscheidung zwischen verlässlichen Informationen und Falschmeldungen werde zudem schwieriger. „Die schlechte Nachricht ist, wir erkennen das gar nicht mehr so einfach, weil Falschinformationen immer besser werden und richtigen Informationen immer mehr gleichen.“ Auch Missinformation in Form von „gefährlichem Halbwissen“ könne problematisch sein.

Für die Krisenkommunikation bedeutet das: Informationen müssen nicht nur schnell und verständlich verbreitet werden. Sie müssen auch so aufbereitet sein, dass Menschen sie einordnen und von irreführenden Inhalten unterscheiden können. Gleichzeitig sollten Behörden und andere Akteure dort präsent sein, wo sich die Bevölkerung tatsächlich informiert.

Leisgang verband damit auch eine Erwartung an die laufende Übung: „Ich hoffe sehr, dass das LÜKEX-Training, was diese Woche läuft, zumindest auf der behördlichen Ebene diese Kommunikationswege klarer und schneller macht.“

Übungsstand am zweiten Tag

Zwischen den Programmpunkten informierte Dr. Niko Janicke erneut über den Stand der laufenden Übung. Die Vorbereitungen für LÜKEX 2026 hatten sich über knapp drei Jahre erstreckt. Bis zum Nachmittag waren 1.701 Übungseinlagen eingespielt worden. Das entsprach 55 Prozent des vorgesehenen Umfangs.

Der zweite Tag von LÜKEX Inside verband damit praktische Einblicke in die Steuerung der Übung mit der Frage, wie Krisenkommunikation unter den Bedingungen einer komplexen Informationslage gelingen kann. Neben funktionierenden Abläufen innerhalb der beteiligten Organisationen bleibt auch die verständliche und verlässliche Kommunikation gegenüber der Bevölkerung ein zentraler Bestandteil der Krisenbewältigung.

Tag drei und damit der letzte Übungstag der LÜKEX 2026 startet am morgigen Freitag um 10:30 Uhr mit einem Blick auf den Stand der Übung durch Dr. Nico Janicke.

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Verwendete Schlagwörter

BevölkerungsschutzDesinformationKrisenkommunikationKrisenmanagementLÜKEX 2026LÜKEX Inside

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