Gewalt gegen Polizei: Neue Fälle in MV, Höchststand im Bundeslagebild

In Mecklenburg-Vorpommern wurden binnen weniger Tage zwei Polizeibeamte bei Einsätzen verletzt. Innenminister Christian Pegel fordert konsequente Verfolgung von Angriffen auf Einsatzkräfte. Das aktuelle BKA-Bundeslagebild bestätigt: Bundesweit registrierte Gewalttaten gegen Polizei und Rettungskräfte bleiben auf hohem Niveau.

Gewalt: Polizeibeamte der Polizei Nordrhein-Westfalen in blauen Uniformen mit Schutzwesten und Dienstwaffen bei einem Einsatz im Stadtgebiet
Zwei Polizeibeamte in MV verletzt: Gewalt gegen Einsatzkräfte bleibt hoch
Foto: pexels/ Erka P/ KI bearbeitet

Gewalt gegen Einsatzkräfte: Zwei Polizeibeamte in Mecklenburg-Vorpommern binnen weniger Tage verletzt

Innerhalb weniger Tage sind in Mecklenburg-Vorpommern zwei Polizeibeamte bei Einsätzen verletzt worden. Am 7. September wurde ein Beamter in Garlitz bei einer Widerstandshandlung an der Hand verletzt. Ein weiterer Polizist wurde bei einem Einsatz in einer Erstaufnahmeeinrichtung am Handgelenk verletzt. Beide Beamte waren anschließend nicht dienstfähig, wie die Polizei mitteilte.

Innenminister Pegel: „Gewalt darf nicht zum Risiko des Helfens werden“

Landesinnenminister Christian Pegel äußerte sich mit deutlichen Worten zu den beiden Vorfällen: „Dass Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte bei der Ausübung ihres Dienstes verletzt werden, darf uns nicht kaltlassen. Sie müssen darauf vertrauen können, dass Angriffe auf sie ernst genommen und konsequent verfolgt werden.“ Pegel ordnete die beiden Fälle in einen größeren Zusammenhang ein: Auch Feuerwehr und Rettungsdienst seien bei ihrer Arbeit zunehmend mit Aggression und Gewalt konfrontiert. „Wir dürfen nicht akzeptieren, dass Gewalt zum Risiko des Helfens wird“, so der Minister. Wer Einsatzkräfte angreife, treffe Menschen, die Verantwortung für andere übernehmen – der Staat müsse hier eine klare Grenze ziehen. Den beiden verletzten Beamten wünschte Pegel eine schnelle und vollständige Genesung.

Landesstatistik: Zahl der Widerstands- und Angriffsdelikte 2025 rückläufig

Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik wurden im Jahr 2025 in Mecklenburg-Vorpommern 540 Fälle von Widerstand sowie 519 Fälle von tätlichem Angriff auf Vollstreckungsbeamte und gleichgestellte Personen erfasst. Beide Zahlen sind gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken. 96,4 Prozent aller Opfer von Widerstand und tätlichem Angriff waren dabei Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte.

Die beiden Fälle aus Mecklenburg-Vorpommern reihen sich in einen bundesweiten Trend ein, den das Bundeskriminalamt (BKA) Ende Dezember 2025 mit seinem Bundeslagebild „Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamtinnen und Polizeivollzugsbeamte 2024“ belegt hat. Demnach wurden 2024 bundesweit 46.367 Gewalttaten gegen Polizeikräfte registriert – ein leichter Anstieg um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2015 haben die Gewalttaten gegen Vollzugsbeamte um 38,5 Prozent zugenommen, die Zahl der betroffenen Polizistinnen und Polizisten stieg mit 67,2 Prozent sogar noch stärker. Insgesamt wurden 2024 bundesweit 106.875 Polizeikräfte Opfer einer gegen sie gerichteten Gewalttat, 87,0 Prozent davon im Zusammenhang mit Widerstandshandlungen und tätlichen Angriffen.

Auch Rettungskräfte sind laut BKA zunehmend betroffen: Bei sonstigen Rettungskräften – insbesondere Beschäftigten von Rettungsdiensten und Technischem Hilfswerk – wurden 2024 mit 2.916 Opfern die höchsten Zahlen seit 2018 verzeichnet. Die Fallzahlen bei Feuerwehr und sonstigen Rettungskräften blieben laut BKA gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant.

Ein besonders schwerwiegender Fall aus dem Berichtsjahr 2024 verdeutlicht die Gefahrenlage: Bei dem einzigen vollendeten Tötungsdelikt gegen einen Polizeibeamten handelte es sich laut BKA um den Mord an dem Polizeibeamten Rouven Laur in Mannheim. Insgesamt sank die Zahl der Tötungsdelikte gegen Polizeikräfte 2024 auf 34 Fälle (2023: 40), wobei 33 davon im Versuchsstadium blieben.

Bund kündigt schärferes Gesetz an

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt äußerte sich anlässlich der Veröffentlichung des Bundeslagebilds: „Die Zahlen aus dem Lagebild sprechen eine klare Sprache. Gewalt gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte ist längst kein Ausnahmefall mehr, sondern gehört für viele leider zum Alltag.“ Respekt und Rücksicht gingen zunehmend verloren, so Dobrindt. Wer diejenigen angreife, die helfen, schützen und retten, greife den Rechtsstaat an. Gemeinsam mit Bundesjustizministerin Stefanie Hubig werde daher ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Strafen verschärfe, Verfahren beschleunige und die Sicherheit der Einsatzkräfte im täglichen Dienst stärken solle.

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