Rotortrade-Report: Hubschrauberflotte schrumpft, Nachfrage steigt

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Der Hubschrauberhändler Rotortrade warnt in seinem Marktbericht 2024/2025 vor einer wachsenden Lücke zwischen Flotte und Nachfrage. CEO Philippe Lubrano nennt begrenzte Produktionskapazitäten und rund 30 Prozent höhere Herstellerpreise als Ursachen. Die genauen Daten lesen Sie hier:

Hangar mit Rotortrade-Logo und offenem Hallentor, darin drei Hubschrauber in der Wartung
Die MRO-Einrichtung von Rotortrade im französischen Tallard
Foto: Rotortrade

Rotortrade-Report: Hubschraubermarkt zwischen hoher Nachfrage und knapper Flotte

Der Hubschrauberhändler Rotortrade warnt in seinem „Global Helicopter Market Report 2024/2025“ vor einer wachsenden Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Der Bericht trägt den Untertitel „High Demand vs. Fleet Shortages: Can the Industry Keep Up?“. Die Daten stammen überwiegend aus dem Jahr 2024, die jüngsten Angaben reichen bis Januar 2025. Neuere Zahlen sind darin nicht berücksichtigt. Die Einschätzungen stammen von Rotortrade-CEO Philippe Lubrano. Das Unternehmen hat selbst ein Interesse am Gebrauchtmarkt, denn es handelt mit neuen und gebrauchten Hubschraubern.

Die Flottenzahlen im Report stammen von der Marktforschungsfirma JETNET und beziehen sich auf 2024. Bei den Turbinenhubschraubern liegen nach diesen Daten Nordamerika mit 41 Prozent und Europa mit 22 Prozent vorn. Asien kommt auf 16 Prozent, Südamerika, Afrika und Australien/Ozeanien zusammen auf 21 Prozent.

Unter den Herstellern führt Airbus mit 9.482 Turbinenhubschraubern vor Bell mit 7.654 und Leonardo mit 2.263. Es folgen die Robinson R66 mit 1.075 und Sikorsky mit 808 Maschinen.

Bei den Kolbenhubschraubern dominiert Robinson mit 8.050 Maschinen, davon 3.693 R44 Raven II. Schweizer kommt auf 598, Enstrom auf 397 Hubschrauber. Nordamerika stellt mit 3.592 Einheiten rund 40 Prozent dieser Flotte, in Europa sind es 1.860, in Asien 780. Als Treiber nennt der Report Flugschulen, Strafverfolgungsbehörden und private Halter.

Als Ursachen der Knappheit nennt Lubrano begrenzte Produktionskapazitäten der Hersteller, anhaltende Lieferkettenprobleme und vorsichtige Produktionsstrategien als Folge früherer Marktschwankungen. Statt die Produktion zu steigern, hätten die Hersteller die Preise in den vergangenen Jahren um rund 30 Prozent erhöht. Das führe zu intensivem Wettbewerb, besonders bei gebrauchten Maschinen. Die Branche leide unter einer schrumpfenden Flotte bei steigender Nachfrage aus zivilem, Rettungs- und Verteidigungsbereich. Aus seiner Sicht sei das die ideale Situation für den Gebrauchtmarkt.

Das Durchschnittsalter der weltweiten Flotte liegt laut Report bei über 40 Jahren.

Nachfrage durch Militär, Katastrophenschutz und Offshore

Als Nachfragetreiber führt der Report geopolitische Spannungen und höhere Militärausgaben an, vor allem in Europa im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Hinzu kommen der Bedarf im Katastrophenschutz, etwa bei Waldbränden und Überschwemmungen, sowie Offshore-Energie, Rettungsdienst und VIP-Transport. Bloomberg Intelligence sieht laut Report eine starke Nachfrage nach Offshore-Hubschraubern, besonders nach zweimotorigen Mustern.

Gebremst wird das Wachstum dem Report zufolge durch drei Faktoren: einen weltweiten Mangel an Piloten und Technikern, knappe Ersatzteile, die Maschinen lange am Boden halten, sowie die Finanzierung.

Bis 2029 erwartet der Report ein starkes Wachstum, getragen von Rettungsdienst, Offshore-Energie und Militär. Lieferengpässe und Personalmangel könnten die Flottenerweiterung allerdings bremsen. Nachhaltigkeit entwickle sich vom Thema zur regulatorischen Anforderung, etwa durch nachhaltigen Flugkraftstoff (SAF) und Hybrid-Elektrik.

Regional sieht der Report den Nahen Osten als kommenden Wachstumsmarkt, unter anderem wegen Saudi-Arabiens Luftfahrtplänen im Rahmen der „Vision 2030“ und der Fußball-WM 2034. In Lateinamerika treiben Brasilien und das Militär die Nachfrage. Afrika machte 2024 nach Angaben von Rotortrade 35 Prozent des eigenen Geschäfts aus. Für 2025 prognostiziert das Unternehmen einen Umsatz von 260 Millionen US-Dollar. Das ist eine Eigenprognose aus dem Report, ob sie erreicht wurde, geht daraus nicht hervor.

eVTOLs: Ergänzung statt Konkurrenz

Zu den elektrischen Senkrechtstartern (eVTOL) zitiert der Report Cirium mit Stand Januar 2025. Demnach lagen Bestellzusagen von 26 Herstellern für knapp 12.000 Einheiten vor, angeführt von Eve Air Mobility (2.950) und Vertical Aerospace (1.552). Einige europäische Hersteller meldeten Insolvenz an. Für 2025 bis 2030 erwartet der Report nur geringen Einfluss auf klassische Hubschrauber. Mittelfristig könnten eVTOLs leichte Hubschrauber im urbanen Verkehr ersetzen, nicht aber mittlere und schwere Muster. Lubrano sieht sie als Ergänzung, nicht als Wettbewerber.

Hersteller mit hohen Auftragsbeständen

Die Herstellerzahlen im Report beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume und sind daher nicht direkt vergleichbar.

Airbus Helicopters verzeichnete im Gesamtjahr 2024 einen Auftragseingang von 10.071 Millionen Euro, einen Umsatz von 7.900 Millionen Euro und ein EBITA von 818 Millionen Euro. Das Unternehmen lieferte 361 Hubschrauber aus, der Auftragsbestand stieg auf 893 Maschinen. Genannt werden unter anderem 58 Super Puma und 38 H225 für die Bundespolizei.

Leonardo Helicopters kam in den ersten neun Monaten 2024 auf 5.867 Millionen Euro Auftragseingang, 5.249 Millionen Euro Umsatz und 465 Millionen Euro EBITA. Der Auftragsbestand lag bei 15.146 Millionen Euro.

Bell meldete für das vierte Quartal 2024 einen Umsatz von 1,1 Milliarden US-Dollar. Die kommerziellen Auslieferungen sanken auf 78 Einheiten, im Vorjahresquartal waren es 91. Der Auftragsbestand lag bei 7,5 Milliarden US-Dollar.

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