Mit der Indienststellung des ersten von zwei neuen Polizeihubschraubern erweitert Niedersachsen seine Möglichkeiten bei Einsätzen aus der Luft. Am 12. August 2026 wurde auf dem Hannover Airport ein Airbus H145 D3 offiziell in Dienst gestellt. Die Maschine ersetzt dabei nicht nur einen mehr als zwei Jahrzehnte alten Hubschrauber – sie bringt auch neue Fähigkeiten für Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr und Katastrophenschutz mit.
Der H145 gehört zur Vier-Tonnen-Klasse und ist als zweimotoriger Mehrzweckhubschrauber für unterschiedliche Einsatzprofile ausgelegt. Weltweit wird die Plattform unter anderem für Luftrettung, Polizei, Such- und Rettungseinsätze sowie weitere Spezialaufgaben eingesetzt. Niedersachsen nutzt die Fähigkeiten des H145 D3 künftig für Fahndungen und Vermisstensuchen ebenso wie für Großschadenslagen und den Bevölkerungsschutz.
Neue Fähigkeiten für die Polizei
Die beiden neuen Maschinen ersetzen schrittweise zwei 26 Jahre alte Hubschrauber des Typs MD902. Gleichzeitig erweitert sich das Einsatzspektrum. Erstmals stehen der niedersächsischen Polizeihubschrauberstaffel unter anderem eine Rettungs- und Bergewinde sowie ein Abgleitbalken für Spezialeinsatzkräfte zur Verfügung.
Die Rettungswinde ermöglicht Einsätze dort, wo eine Landung nicht möglich oder sinnvoll ist. Damit kann der Hubschrauber beispielsweise bei Rettungsaktionen in schwierig zugänglichem Gelände eingesetzt werden. Der Abgleitbalken wiederum erlaubt es, speziell ausgebildete Einsatzkräfte aus der Luft abzusetzen.
Auch die Beobachtung und Suche profitieren von der neuen Ausstattung. Eine hochauflösende Wärmebildtechnik und leistungsfähige Suchscheinwerfer sollen den Besatzungen helfen, Personen auch bei schlechten Sichtverhältnissen oder in unübersichtlichem Gelände zu finden. Moderne Kommunikations- und Missionssysteme sowie Hinderniswarnsysteme ergänzen die technische Ausstattung.
820 Liter Löschwasser aus der Luft
Eine besondere Rolle spielt der H145 D3 auch beim Bevölkerungsschutz. Niedersachsen kann die Maschinen künftig bei Wald- und Vegetationsbränden zur Unterstützung der Feuerwehren einsetzen. Dafür steht ein Löschwasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von bis zu 820 Litern zur Verfügung.
Damit wird der Hubschrauber zu einem zusätzlichen Werkzeug bei großflächigen Bränden. Während Einsatzkräfte am Boden die Brandbekämpfung organisieren, kann die Besatzung aus der Luft Bereiche erreichen, die für bodengebundene Fahrzeuge schwer zugänglich sind. Gleichzeitig liefert der Blick aus der Luft wichtige Informationen über die Ausbreitung eines Brandes.
Gerade für Niedersachsen ist diese Fähigkeit relevant. Das zweitgrößte Flächenland Deutschlands verfügt über große Wald- und Moorgebiete. Hinzu kommen die Nordseeküste und die Ostfriesischen Inseln sowie dicht besiedelte Ballungsräume. Die Einsatzorte können entsprechend weit auseinanderliegen.
Zwei Triebwerke und moderne Avionik
Der H145 ist mit zwei Turbinen ausgestattet und verfügt über die Helionix-Avionik von Airbus. Zum System gehört unter anderem ein Vier-Achs-Autopilot, der die Besatzung bei anspruchsvollen Flugmanövern unterstützt.
Die aktuelle H145-Generation besitzt zudem einen Fünfblatt-Hauptrotor. Nach Angaben von Airbus erhöht dieser gegenüber der vorherigen Vierblatt-Ausführung die Nutzlast um 150 Kilogramm. Der lagerlose Rotor kommt außerdem mit weniger Komponenten aus, was den Wartungsaufwand reduzieren soll.
Airbus gibt für den H145 eine Reisegeschwindigkeit von bis zu rund 241 km/h und eine Reichweite von etwa 650 Kilometern mit Standardtanks an. Für die niedersächsischen Polizeihubschrauber wird eine Reichweite von rund 600 Kilometern angegeben.
Die Maschinen können von zwei Pilotinnen oder Piloten geflogen werden und zusätzlich bis zu acht weitere Personen aufnehmen. Damit bietet der Hubschrauber auch bei Transportaufgaben zusätzliche Möglichkeiten.
Wärmebild, Kommunikation und Hinderniswarnung
Bei polizeilichen Einsätzen kommt es häufig darauf an, aus der Luft möglichst schnell ein Lagebild zu gewinnen. Genau hier spielt die Missionsausstattung eine wichtige Rolle.
Die Wärmebildtechnik kann bei der Suche nach vermissten Menschen helfen oder bei Fahndungen eingesetzt werden. Suchscheinwerfer ermöglichen die Unterstützung bei nächtlichen Einsätzen. Kommunikations- und Missionssysteme sorgen dafür, dass Informationen zwischen Luftfahrzeug und Einsatzkräften am Boden ausgetauscht werden können.
Hinderniswarnsysteme erhöhen dabei die Sicherheit der Besatzung. Gerade bei Einsätzen in geringer Höhe, in unübersichtlichem Gelände oder bei schwierigen Sichtbedingungen ist die Kenntnis möglicher Hindernisse entscheidend.
Auch für Rettung und Katastrophenschutz
Der H145 D3 ist damit nicht ausschließlich ein Werkzeug der Polizei. Die Maschine kann auch bei Großschadenslagen eingesetzt werden, wenn schnelle Unterstützung aus der Luft benötigt wird.
Bei Hochwasser kann der Hubschrauber zur Lageerkundung oder zur Unterstützung von Einsatzkräften dienen. Bei Waldbränden kommen die Beobachtungsmöglichkeiten und der Löschwasserbehälter zum Einsatz. Die Rettungswinde erweitert wiederum die Möglichkeiten bei Rettungs- und Bergeeinsätzen.
Damit verbindet die Plattform mehrere Fähigkeiten: Beobachten, Transportieren, Retten und Unterstützen bei der Brandbekämpfung.
Eigene Wartung soll Einsatzbereitschaft sichern
Für die technische Einsatzbereitschaft setzt Niedersachsen auf die eigene Polizeihubschrauberstaffel. Wartungen, Instandsetzungen und technische Anpassungen werden von speziell qualifizierten Fachkräften innerhalb der Staffel durchgeführt.
Das soll dazu beitragen, die Verfügbarkeit der Maschinen hoch zu halten und notwendige technische Arbeiten ohne externe Abhängigkeiten durchführen zu können.
Insgesamt investiert Niedersachsen 42,7 Millionen Euro in die beiden neuen Polizeihubschrauber. Die Beschaffung erfolgte gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern. Über das Logistik Zentrum Niedersachsen wurde eine europaweite Ausschreibung für insgesamt vier Luftfahrzeuge durchgeführt. Den Zuschlag erhielt Airbus Helicopters Deutschland im August 2023.
Der zweite niedersächsische H145 D3 soll im September 2026 ausgeliefert werden.
Ein Hubschrauber für viele Einsatzlagen
Mit dem H145 D3 erhält die niedersächsische Polizei damit nicht lediglich einen modernen Ersatz für ältere Maschinen. Entscheidend ist der Zugewinn an Fähigkeiten: Rettungswinde, Wärmebildtechnik, moderne Missionssysteme und die Möglichkeit zur Aufnahme von Löschwasser machen den Hubschrauber zu einer vielseitigen Einsatzplattform.
Für die Polizei bedeutet das neue Möglichkeiten bei Fahndungen und Vermisstensuchen. Für Feuerwehr und Katastrophenschutz kommt zusätzliche Unterstützung bei Waldbränden, Hochwasser und anderen Großschadenslagen hinzu.
Der H145 D3 zeigt damit, wie sich moderne Polizeihubschrauber zunehmend zu multifunktionalen Plattformen für Polizei und Bevölkerungsschutz entwickeln.

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