Sabotage, Spionage, Drohnen: BKA registriert 165 Verdachtsfälle 2026

Ein internes BKA-Lagebild zeigt: Deutschland verzeichnet 2026 bereits mehr als 165 Sabotageverdachtsfälle. Dazu zählen aktuelle Anschläge auf Umspannwerke in Brandenburg und NRW sowie zahlreiche Spionage- und Drohnenvorfälle. Sicherheitsbehörden vermuten hinter vielen Taten russische Akteure.

BKA: Freiluftschaltanlage eines Umspannwerks mit Gittermasten, Isolatoren und Hochspannungsleitungen vor klarem Himmel
Hybride Bedrohung: BKA verzeichnet über 165 Sabotagefälle in diesem Jahr
Foto: pexels/ Robert So

BKA zählt mehr als 165 mutmaßliche Sabotageakte im laufenden Jahr

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat in diesem Jahr bereits mehr als 165 Sabotageverdachtsfälle bundesweit registriert. Das geht aus einem internen Lagebild der Behörde hervor, das NDR, WDR und der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) vorliegt und über das auch der Deutschlandfunk und der SPIEGEL berichteten. Die Auflistung stammt demnach aus der Arbeit des Gemeinsamen Abwehrzentrums Hybrid (GAZ-Hybrid), das Mitte Juni in Berlin eingeweiht wurde. Laut SPIEGEL trägt die Analyse den Titel „Lageupdate Hybride Bedrohung“.

Nach SPIEGEL-Angaben entfielen die meisten Sabotage-Verdachtsfälle auf Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hatte das BKA für das Gesamtjahr 2025 rund 320 Sabotageverdachtsfälle gezählt.

Sabotageakte definiert das Lagebild laut SPIEGEL als „bewusste Beeinträchtigung wirtschaftlicher, wissenschaftlicher, militärischer, sicherheitsbehördlicher oder politischer Prozesse“ – darunter fallen etwa Manipulationen an Stromleitungen und Bahntrassen oder geplante Brandanschläge.

Anschläge auf Umspannwerke in Brandenburg und NRW

Zu den im Lagebild erfassten Fällen zählen auch zwei Anschläge auf Umspannwerke, die sich in dieser Woche ereigneten: am Dienstagmorgen in Jänschwalde in Brandenburg und am Mittwoch in Bergheim bei Köln in Nordrhein-Westfalen. Nach Angaben von NDR, WDR und SZ kamen dabei selbstgebaute Geschosse zum Einsatz, die wie überdimensionierte Silvesterraketen wirken und aus Rohren abgefeuert werden. An ihnen befestigte Metallhaken und Kupferdrähte legen sich über Hochspannungsleitungen und verursachen so einen Kurzschluss.

Laut Deutschlandfunk-Berichterstattung wollen Anwohner in Bergheim Blitze gesehen und Explosionen gehört haben. Die Polizei geht von einer vorsätzlichen Tat aus und durchsuchte im Nachgang umliegende Felder nach Spuren.

Staatsanwaltschaften ermitteln inzwischen wegen des Verdachts auf Terrorismus beziehungsweise verfassungsfeindliche Sabotage. Ein Zusammenhang zwischen beiden Taten gilt als wahrscheinlich; Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) hält ihn laut SPIEGEL für plausibel und schließt nicht aus, dass fremde Mächte dahinterstecken könnten. Die Täterschaft ist bislang unklar.

Die Vorfälle weckten laut SPIEGEL Erinnerungen an den Stromausfall in Berlin zum vergangenen Jahreswechsel, bei dem Teile der Hauptstadt tagelang ohne Strom waren. Die damalige Sabotage an einem zentralen Stromkabel wurde Linksextremisten zugeordnet.

24 Ermittlungsverfahren wegen Spionageverdachts

Neben den Sabotagefällen verzeichnet das BKA-Lagebild laut NDR, WDR und SZ in diesem Jahr bereits 24 Ermittlungsverfahren wegen Spionageverdachts, die vom Generalbundesanwalt und den Schwerpunktstaatsanwaltschaften der Länder eingeleitet wurden. Zwölf davon betreffen demnach Cyberspionage. Hinzu kommen 40 weitere Prüfvorgänge in diesem Deliktsfeld.

Die Polizeien in Bund und Ländern sollen seit Jahresbeginn insgesamt 112 Straftaten mit Bezug zu Spionage festgestellt haben. Mehr als 60 Fälle entfielen demnach auf sogenanntes sicherheitsgefährdendes Abbilden, etwa das unerlaubte Fotografieren oder Filmen militärischer Einrichtungen oder Rüstungsgüter. In 26 weiteren Fällen wird laut BKA sogar Agententätigkeit zu Sabotagezwecken vermutet.

Bei den Spionagefällen liegen die regionalen Schwerpunkte anders als bei der Sabotage: Das Lagebild nennt hier Brandenburg mit 23 Straftaten, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein mit je 21 sowie Niedersachsen mit 15 Delikten.

Weiterhin viele verdächtige Drohnensichtungen

Auch die Zahl verdächtiger Drohnensichtungen bleibt den Angaben zufolge auf hohem Niveau: Von Januar bis Ende August wurden bundesweit 747 entsprechende Vorfälle registriert, bei denen insgesamt 1.068 Drohnen über Anlagen der kritischen Infrastruktur, militärischen Einrichtungen und Rüstungsunternehmen gezählt wurden. Im gesamten Jahr 2025 waren es nach BKA-Angaben rund 1.300 Drohnen-Sachverhalte.

Nur selten gelingt es den Behörden, die Piloten der Drohnen zu identifizieren – häufig stellt sich zudem heraus, dass die Überflüge keinen Spionagehintergrund hatten. Eine Ausnahme bildet ein Fall aus dem Juli: In Bayern wurde ein moldauischer Staatsangehöriger festgenommen, der mit einer Drohne das Rüstungsunternehmen KNDS ausgespäht haben soll. Die Ermittler gehen davon aus, dass er im Auftrag staatlicher Stellen in Russland gehandelt haben könnte.

Als einen der bekanntesten Sabotagefälle der vergangenen Monate nennt der SPIEGEL zudem den versuchten Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle, bei dem eine mit Sprengstoff bestückte Drohne nahe einem ukrainischen Transportflugzeug gefunden worden war. Die Bundesregierung habe dafür ungewöhnlich schnell und deutlich Russland verantwortlich gemacht.

Gewalt gegen Wachmann in Niedersachsen

Nach Informationen von NDR, WDR und SZ kam es bereits am 9. August zu einem weiteren auffälligen Vorfall: An einer Erdgasaufbereitungsanlage im niedersächsischen Großenkneten im Landkreis Oldenburg wurden nachts Drohnen gesichtet. Ein Wachmann, der bei der Suche nach den Piloten mit seinem Auto am Zaun der Anlage entlangfuhr, soll zwei dunkel gekleidete Personen entdeckt und angesprochen haben.

Laut einem Polizeibericht schlugen die Tatverdächtigen daraufhin den Kopf des Wachmanns auf die Motorhaube des Fahrzeugs, der Mann stürzte zu Boden. Die Verdächtigen trugen demnach Sturmhauben und Handschuhe und flüchteten; eine Fahndung nach ihnen blieb erfolglos.

Einordnung als hybride Bedrohung

Hinter vielen dieser Vorfälle wird laut SPIEGEL Russland vermutet. Experten und mittlerweile auch Regierungspolitiker sprechen von einer hybriden Kriegsführung des Kreml, zu der neben Sabotage auch Desinformationskampagnen und Cyberangriffe gezählt werden – also verschleierte Attacken anonymer Täter.

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