Resilienzwoche: Hessen und Frankfurt stärken gemeinsam den Bevölkerungsschutz
Wie müssen Staat und Gesellschaft auf Krisen, Katastrophen und eine veränderte sicherheitspolitische Lage vorbereitet sein? Darüber hat Innenminister Roman Poseck im Rahmen der stadtweiten Bevölkerungsschutz-Übung „ÜB’s! 2026″ in Frankfurt diskutiert. Unter dem Titel „Zivilschutz in der Stadt Frankfurt. Worauf müssen wir uns vorbereiten?“ stand insbesondere die Frage im Mittelpunkt, welche Lehren aus aktuellen Krisen und der veränderten geopolitischen Lage für die Vorsorge und Widerstandsfähigkeit von Staat und Gesellschaft gezogen werden müssen.
In der Podiumsdiskussion ging es unter anderem um die materielle und organisatorische Vorbereitung auf länger andauernde Krisenlagen, die Eigenvorsorge der Bevölkerung sowie die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements. Der Termin ist zugleich Teil der Resilienzwoche der Hessischen Landesregierung, mit der unter Federführung des Innenministeriums landesweit für Krisenprävention, Eigenvorsorge und Selbstschutz sensibilisiert wird.
Übungen als Ergänzung zu moderner Ausstattung
Poseck erklärte, Hessen habe seinen Katastrophenschutz in den vergangenen Jahren erheblich gestärkt: Seit 2008 seien mehr als 100 Millionen Euro investiert und die Zahl der Landesfahrzeuge von unter 300 auf rund 900 mehr als verdreifacht worden. Man verfüge heute über moderne und leistungsfähige Strukturen. Gleichzeitig sei klar, dass Bevölkerungsschutz eine Daueraufgabe sei — die veränderte Bedrohungslage verlange, Konzepte, Ausstattung und Fähigkeiten kontinuierlich zu überprüfen und weiterzuentwickeln.
Gute Ausstattung allein reiche jedoch nicht aus, so Poseck. Krisenbewältigung müsse vorbereitet und geübt werden — genau deshalb seien Übungen wie „ÜB’s!“ so wertvoll. Wenn eine außergewöhnliche Lage eintrete, müssten Entscheidungswege, Kommunikation und Zusammenarbeit funktionieren. Das lasse sich nicht erst in der Krise organisieren, sondern müsse vorher trainiert werden — das gelte für die kommunale Ebene ebenso wie für das Land.
Beteiligung an der Krisenmanagementübung LÜKEX
Deshalb beteilige sich Hessen auch an der länder- und ressortübergreifenden Krisenmanagementübung LÜKEX. Im November würden Bund, Länder und weitere Akteure anhand des Szenarios einer extremen Hitzewelle nach langjähriger Trockenperiode erneut gemeinsam das strategische Krisenmanagement trainieren. Solche Übungen helfen laut Poseck dabei, Strukturen und Abläufe einem Praxistest zu unterziehen, Schwachstellen zu erkennen und aus den gewonnenen Erfahrungen zu lernen.
Poseck berichtete zudem, er sei am selben Morgen bereits in einem REWE-Einkaufsmarkt in Frankfurt gewesen und habe einen Notvorrat gepackt. Krisenvorsorge und Selbstschutz seien wichtig, um im Ernstfall vorbereitet zu sein.
Eigenvorsorge entlastet Einsatzkräfte
Mit der Resilienzwoche rücke man in dieser Woche bewusst die Krisenvorsorge in den Mittelpunkt. Man wolle die Menschen informieren und dafür sensibilisieren, dass Resilienz alle angehe, so Poseck. Denn zur Krisenfestigkeit gehöre auch die Eigenvorsorge jedes Einzelnen. Staatliche Strukturen könnten viel leisten, aber gerade bei langanhaltenden und großflächigen Lagen könnten nicht überall gleichzeitig Hilfskräfte sein. Wer sich mit möglichen Krisensituationen auseinandersetze und grundlegende Vorsorge treffe, stärke nicht nur die eigene Sicherheit, sondern entlaste zugleich die Einsatzkräfte und helfe damit der gesamten Gesellschaft.
Das Fundament des Bevölkerungsschutzes seien schließlich die vielen Menschen, die sich haupt- und ehrenamtlich für die Sicherheit anderer einsetzten. Ohne die Ehrenamtlichen in Feuerwehren und Hilfsorganisationen wäre das leistungsfähige Hilfeleistungssystem nicht denkbar. Dieses Engagement verdiene Dank, Anerkennung und bestmögliche Rahmenbedingungen.
Man müsse Krisen vom möglichen Ernstfall her denken, so Poseck abschließend. Dazu gehörten moderne Technik und belastbare Strukturen ebenso wie Ausbildung, regelmäßige Übungen, Eigenvorsorge und ein starkes Ehrenamt. Bevölkerungsschutz sei eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der Bund, Länder, Kommunen, Hilfsorganisationen und Bevölkerung zusammenwirken müssten. Übungen wie „ÜB’s!“ leisteten dazu einen wichtigen Beitrag. Frankfurt zeige damit, wie ernst eine moderne Großstadt ihre Krisenvorsorge nehme.
Frankfurt trainiert komplexe Krisenlagen
Die Bevölkerungsschutz-Übung „ÜB’s!“ wurde 2025 erstmals durchgeführt. Bei der mehrtägigen und stadtweiten Übung werden sowohl das städtische Krisenmanagement als administrativ-organisatorische Komponente als auch die operativ-taktischen Führungsstrukturen trainiert.
Bei der Premiere im vergangenen Jahr basierte das Übungsszenario auf einer fiktiven hybriden Bedrohungslage. Simuliert wurden unter anderem Cyberangriffe, Sabotageakte, Desinformation sowie die Unterbringung und Versorgung eines Bundeswehrkonvois. Erstmals wurde dabei auch das Zusammenwirken von Verwaltungs- und Katastrophenschutzstab intensiv erprobt.
Bei „ÜB’s! 2026″ vom 8. bis 10. September steht insbesondere das Prozesstraining im Mittelpunkt. An drei jeweils in sich abgeschlossenen Übungstagen werden konkrete Abläufe der Stabsarbeit trainiert. Der Stab für außergewöhnliche Ereignisse und der Führungs- beziehungsweise Katastrophenschutzstab der Feuerwehr üben parallel. Durch unterschiedliche personelle Besetzungen sollen möglichst viele Beteiligte praktische Erfahrungen sammeln und ihre Handlungssicherheit für reale Krisenlagen erhöhen.
Gezielte Stärkung des Brand- und Katastrophenschutzes
Die Stärkung des Brand- und Katastrophenschutzes ist ein Schwerpunkt der Hessischen Landesregierung. Das Land investiert seit Jahren in Feuerwehrfahrzeuge, Feuerwehrhäuser und moderne Technik sowie in die Aus- und Fortbildung der Einsatzkräfte an der Hessischen Landesfeuerwehrschule. Im Katastrophenschutz hat das Land seit 2008 mehr als 100 Millionen Euro investiert und die Zahl der Landesfahrzeuge von unter 300 auf rund 900 mehr als verdreifacht.
Zu den Investitionen in den Katastrophenschutz gehören unter anderem Einsatzleitwagen, Gerätewagen für Hochwasser- und Wasserrettungseinsätze, Abrollbehälter für Starkregen, Sturm, Waldbrand und Löschwasserversorgung sowie Wechselladerfahrzeuge und hochgeländegängige Gerätewagen Katastrophenschutz. Damit werden die Fähigkeiten des Katastrophenschutzes insbesondere auch mit Blick auf Extremwetterereignisse und länger andauernde Krisenlagen gestärkt.
Hessenweit wurden allein im Jahr 2025 134 Fahrzeuge und 58 Baumaßnahmen an Feuerwehrhäusern mit mehr als 21 Millionen Euro gefördert. Damit hat das Land mehr als 90 Prozent aller eingegangenen förderfähigen Anträge bewilligt und trotz der schwierigen Gesamthaushaltslage das hohe Förderniveau der Vorjahre gehalten. Seit 2016 hat das Land die Beschaffung von mehr als 1.770 Einsatzfahrzeugen und rund 600 Baumaßnahmen mit insgesamt mehr als 200 Millionen Euro unterstützt.
Auch im Jahr 2026 investiert die Hessische Landesregierung weiter gezielt in den Brand- und Katastrophenschutz und stellt dafür erneut mehr als 21 Millionen Euro bereit. Hinzu kommen Mittel unter anderem für die bewährten Landesbeschaffungsaktionen für TSF-W-Fahrgestelle, Mittlere Löschfahrzeuge (MLF) und Löschgruppenfahrzeuge (LF 10). Mit neuen Lieferverträgen sollen die hessischen Städte und Gemeinden weiterhin bei Vergabeverfahren entlastet und die Feuerwehren mit leistungsfähigen Fahrzeugen ausgestattet werden.
Mit WhatsApp immer auf dem neuesten Stand bleiben!
Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal, um die Neuigkeiten direkt auf Ihr Handy zu erhalten. Einfach den QR-Code auf Ihrem Smartphone einscannen oder – sollten Sie hier bereits mit Ihrem Mobile lesen – diesem Link folgen:











