70 Jahre Bevölkerungsschutz-Magazin: Vom Atomzeitalter zur Krisenvorsorge

Seit 1956 hat sich das Bevölkerungsschutz-Magazin mehrfach verändert. Ein Blick auf 70 Jahre zwischen Atomzeitalter, Kaltem Krieg, Katastrophenschutz und moderner Krisenvorsorge.

Grafische Zeitleiste mit historischen Covern des Zivilschutz-Magazins und der aktuellen BBK-Fachzeitschrift Bevölkerungsschutz
Der Zeitstrahl zeigt die Entwicklung des Bevölkerungsschutz-Magazins von der 1956 gegründeten „ZB-Illustrierten“ bis zum heutigen „Bevölkerungsschutz-Magazin“.
Foto: BBK, Collage: CPM/ Lena Berghoff

70 Jahre Bevölkerungsschutz-Magazin: Vom Atomzeitalter zur Krisenvorsorge

Seit 1956 begleitet das Bevölkerungsschutz-Magazin die Entwicklung des Zivil- und Katastrophenschutzes in Deutschland. In sieben Jahrzehnten änderten sich nicht nur Name und Erscheinungsbild der Zeitschrift. Auch die Themen spiegelten immer wieder die jeweiligen Herausforderungen des Bevölkerungsschutzes wider. Was mit der „ZB-Illustrierten“ und einem starken Fokus auf das Atomzeitalter begann, entwickelte sich zu einem Magazin, das heute die gesamte Bandbreite des Bevölkerungsschutzes abbildet.

Start im Atomzeitalter

Die erste Ausgabe erschien 1956 unter dem Namen „ZB-Illustrierte“. Bereits der Untertitel „Zeit-Berichte und Zeit-Bilder für Menschen im Atomzeitalter“ machte deutlich, welche Bedeutung das Thema Radioaktivität damals hatte.

Die Zeitschrift entstand als Aufklärungsorgan des Bundesluftschutzverbandes (BLSV) nach den Weisungen des Bundesministeriums des Innern. Zunächst erschien sie monatlich, ab Oktober 1956 dann alle zwei Wochen. Inhaltlich unterschied sich die Publikation deutlich von einer heutigen Fachzeitschrift. Neben Artikeln zum Zivilschutz fanden sich Fortsetzungsromane sowie Witze- und Rätselseiten.

Die Zeitschrift sollte vor allem für den BLSV werben. Nach Angaben des Beitrags gelang es dadurch innerhalb weniger Monate, die Zahl der aktiven Helfer im BLSV zu verdoppeln und eine Helferreserve aufzubauen. In den Jahren 1957 und 1958 kamen weitere Beilagen hinzu, darunter „ZB Information“, „ZB Luftschutzberater“ und „ZB Helferdienst“.

Von der Illustrierten zur Fachzeitschrift

Bereits 1959 endete das Illustriertenformat. An seine Stelle trat die Fachzeitschrift „Ziviler Bevölkerungsschutz ZB“. Unterhaltung verlor an Bedeutung, während Informationen stärker in den Mittelpunkt rückten. Die Zeitschrift entwickelte sich damit zu einem Kommunikationskanal des BLSV für Politik, Gesellschaft und Helferschaft.

Auch das Bundesministerium des Innern trat erstmals als Auftraggeber der Zeitschrift auf und blieb dies laut Beitrag bis heute.

Das Thema radioaktive Gefahren blieb zunächst präsent. Gleichzeitig wurde das Themenspektrum breiter. Neben dem Luftschutz gewann zunehmend der Katastrophenschutz an Bedeutung. Ein Beispiel dafür ist der Beitrag „Katastrophen und wir“ aus dem Jahr 1969.

Eine wichtige Entwicklung setzte nach der schweren Sturmflut im Norden der Bundesrepublik 1962 ein, bei der insgesamt 347 Menschen starben. Der Bevölkerungsschutz wurde zunehmend umfassender verstanden.

Ein breiteres Verständnis von Bevölkerungsschutz

1971 wurde aus der „ZB“ das „ZS-Magazin – Zeitschrift für Zivilschutz, Katastrophenschutz und Selbstschutz“. Bereits der neue Name machte die breitere Ausrichtung deutlich.

In dieser Zeit übernahm das Magazin auch Fach- und Helferzeitschriften des THW sowie des Warn- und Alarmdienstes. Dadurch erreichte die monatliche Auflage 102.000 Exemplare. Zum Vergleich: Heute liegt sie laut dem Beitrag bei 30.000 Exemplaren.

1980 folgte die nächste Umbenennung zum „Zivilschutzmagazin“. Der Untertitel „Zeitschrift für Zivilschutz, Katastrophenschutz und Selbstschutz“ entfiel. Nach Darstellung des Beitrags stand diese Phase im Zusammenhang mit der erneuten Zuspitzung der Blockkonfrontation im Kalten Krieg.

Mit dem Fall der Mauer 1989 und dem Ende der Blockkonfrontation veränderte sich die Themenausrichtung erneut. Der Katastrophenschutz gewann wieder mehr Raum.

Neue Aufgaben nach der Wiedervereinigung

Nach der Wiedervereinigung musste sich auch das Bevölkerungsschutz-Magazin neu ausrichten. In der DDR waren Zivil- und Katastrophenschutz militärisch verstanden und politisch-ideologisch geprägt worden. Das Magazin hatte nach der Wiedervereinigung unter anderem die Aufgabe, das System des Zivil- und Katastrophenschutzes der Bundesrepublik und der einzelnen Hilfsorganisationen im vereinten Deutschland zu vermitteln.

Ab 1989 kehrte deshalb auch der Begriff Katastrophenschutz in den Untertitel zurück. Das Magazin hieß nun „Bevölkerungsschutz – Magazin für Zivil- und Katastrophenschutz“.

Gleichzeitig war der Bevölkerungsschutz im wiedervereinigten Deutschland mit einem Abbau von Strukturen konfrontiert. Mit dem Ende des Kalten Krieges entfiel die unmittelbare atomare Bedrohung durch eine mögliche Eskalation zwischen den USA und der Sowjetunion und damit auch der ursprüngliche Grund für den Ausbau der Zivilen Verteidigung in Deutschland.

Auch die Herausgeberschaft wechselte mehrfach. Nach 1990 lag die Verantwortung zunächst beim Bundesverband für den Selbstschutz (BVS), der 1997 aufgelöst wurde. Anschließend ging sie an das Bundesamt für Zivilschutz (BZS). Im Jahr 2000 wurde dieses aus Einsparungsgründen in die Zentralstelle für Zivilschutz (ZfZ) eingegliedert.

Auch am Erscheinungsrhythmus waren die Veränderungen abzulesen: Seit 1997 erscheint das Magazin nur noch vierteljährlich.

Das BBK übernimmt das Magazin

Eine weitere Zäsur folgte 2004. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und dem Elbehochwasser 2002 wurde das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gegründet.

Das BBK führte das mittlerweile fast 50 Jahre alte Magazin weiter. Mit der Übernahme entfiel der Untertitel und damit erfolgte die vorerst letzte Namensänderung.

Auch inhaltlich hatte sich die Perspektive inzwischen verändert. Das Thema Radioaktivität spielte in den vergangenen beiden Jahrzehnten eine geringere Rolle und wurde vor allem im Zusammenhang mit dem Schutz vor CBRN-Gefahren behandelt. Die im Titel der ersten Ausgabe beschworene „Rache der Atome“ war damit nicht mehr das prägende Thema des Magazins.

Zusammenarbeit als Bestandteil des Bevölkerungsschutzes

Der Blick auf die vergangenen 70 Jahre zeigt laut dem Beitrag, wie stark sich sowohl das Magazin als auch der Bevölkerungsschutz verändert haben.

Als Beispiel nennt der Autor die Zusammenarbeit mit der Ukraine. Ein internationaler Austausch im Bevölkerungsschutz mit einem Land der Sowjetunion wäre zur Zeit der „ZB-Illustrierten“ während des Kalten Krieges ein unmögliches Thema gewesen. In der aktuellen Ausgabe wird dagegen bereits auf eine Dekade Projektkooperation mit der Ukraine zurückgeblickt.

Die Zusammenarbeit spielt auch innerhalb des Magazins eine wichtige Rolle. Beiträge von ASB, DRK, DLRG, JUH, DFV, MHD, den Regieeinheiten und dem THW sind weiterhin Bestandteil des Magazins. Das sogenannte Forum richtet sich dabei insbesondere an ehrenamtlich engagierte Menschen und informiert über die Aktivitäten der Hilfsorganisationen.

Vorbereitung auf Krisen

Heute steht nach Darstellung des Beitrags die Stärkung der Resilienz und die Vorbereitung auf Krisen im Mittelpunkt. Diese Vorbereitung geschieht vor allem durch Zusammenarbeit, die auch im Bevölkerungsschutz-Magazin sichtbar wird.

Gleichzeitig verweist der Beitrag auf den gesetzlichen Auftrag zur Information der Bevölkerung aus § 4 Absatz 4 des Gesetzes über den Zivilschutz und die Katastrophenhilfe des Bundes (ZSKG).

Das Bevölkerungsschutz-Magazin ist damit seit 1956 in unterschiedlichen Formen und unter wechselnder Herausgeberschaft ein Bestandteil der Krisenvorbereitung. Von einer Illustrierten mit starkem Fokus auf das Atomzeitalter entwickelte es sich über eine Fachzeitschrift für Zivilschutz, Katastrophenschutz und Selbstschutz zu einem Magazin für den heutigen Bevölkerungsschutz.

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