Das BKA hat im Rahmen der internationalen Operation Medusa 156 Täter und Opfer sexualisierter Gewalt an sedierten Personen identifiziert. Die Ermittler gewannen zudem 274 neue Ermittlungsansätze. Betroffene sollen bei einem Verdacht schnell ärztliche Hilfe und die Polizei einschalten.
Mit der internationalen Operation Medusa gehen das Bundeskriminalamt (BKA) und Polizeibehörden aus mehreren Ländern gezielt gegen sexualisierte Straftaten an sedierten Personen vor. Bei einem gemeinsamen Einsatz vom 22. bis 24. Juni 2026 im Hauptquartier der britischen National Crime Agency (NCA) in London identifizierten 29 Ermittlerinnen und Ermittler 156 Täter und Opfer. Zudem wurden 274 neue Ermittlungsansätze gewonnen.
Das im April 2026 gestartete Projekt wird von Deutschland und dem Vereinigten Königreich geleitet. Beteiligt sind außerdem Brasilien, Kanada, Frankreich, Ungarn, die Niederlande, Spanien, die Vereinigten Staaten sowie Europol. Ziel ist es, internationale Online-Netzwerke aufzudecken und zu zerschlagen, in denen Täter Aufnahmen ihrer Taten verbreiten und sich über ihr Vorgehen austauschen.
Opfer werden gezielt betäubt
Nach Angaben des BKA verabreichen die Täter ihren Opfern häufig Medikamente oder Schmerzmittel, oftmals in Kombination mit Alkohol. Die Übergriffe finden meist im sozialen Nahbereich statt und ziehen sich in einigen Fällen über Jahre hinweg. Die Opfer sind nach Erkenntnissen der Ermittler überwiegend Frauen.
Durch die Sedierung können sich viele Betroffene nicht an die Taten erinnern oder nehmen körperliche Folgen zunächst nicht wahr. Die Täter filmen die sexuellen Übergriffe und verbreiten die Aufnahmen anschließend über Messenger-Dienste, Chatgruppen oder Pornoplattformen. Dort tauschen sie sich auch über verwendete Betäubungsmittel aus.
Operation Medusa: Verdachtsfälle sollen schneller erkannt werden
Das BKA weist darauf hin, dass viele Betroffene zunächst nichts von den Taten wissen und deshalb keine Anzeige erstatten. Um das Dunkelfeld zu verringern, wurden beim BKA und den Polizeien der Länder spezialisierte Kontaktstellen eingerichtet. Zudem sollen Ärztinnen und Ärzte sowie Beratungsstellen aufgeklärt werden, damit Verdachtsfälle frühzeitig auffallen.
Als mögliche Warnzeichen nennt das BKA unter anderem ungewöhnlich langen Schlaf, starke Benommenheit nach dem Aufwachen, Erinnerungslücken, das Erwachen an unbekannten Orten sowie unerklärliche Verletzungen oder gesundheitliche Auffälligkeiten. Da viele der verwendeten Substanzen nur kurze Zeit im Blut oder Urin nachweisbar sind, sollten Betroffene bei einem Verdacht möglichst schnell ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und die Polizei informieren.
Das BKA betont, dass Hinweise aus der Bevölkerung und Anzeigen von Betroffenen oder Zeugen entscheidend sind, um Täter zu identifizieren, weitere Opfer zu schützen und die internationalen Ermittlungen voranzutreiben.
Taten wie diese stellen Machtmissbrauch in seiner schlimmsten Form dar, der Opfer nachhaltig Psychisch sowie Körperlich schädigt. Das BKA empfiehlt bei Verdacht sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, da viele Betäubungsmittel nach kürzester Zeit nicht mehr nachzuweisen sind.
Mögliche Beweise müssen zudem umgehend gesichert werden. In Notfällen ist die Polizei jederzeit über den Notruf 110, ansonsten über jede Polizeidienststelle oder die Onlinewache zu erreichen. Auch eine Vertrauensperson oder Beratungsstelle kann bei der Anzeigenerstattung unterstützen. Zudem weist das BKA unteranderem auf Beratungsangebote, wie den Weißen Ring (Opferhilfe) mit der kostenlosen Telefonnummer 116 006 und das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016 hin.
Mit WhatsApp immer auf dem neuesten Stand bleiben!
Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal, um die Neuigkeiten direkt auf Ihr Handy zu erhalten. Einfach den QR-Code auf Ihrem Smartphone einscannen oder – sollten Sie hier bereits mit Ihrem Mobile lesen – diesem Link folgen:












