25 Jahre Malteser-Medizin: Immer mehr Menschen ohne Versicherungsschutz suchen Hilfe

Die Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung half 2025 so vielen Menschen wie nie zuvor. Bundesweit stiegen die Erstkontakte um 4,2 Prozent, die Gesamtbehandlungen um 10,2 Prozent. Besonders stark wuchs die Zahl der Hilfesuchenden aus Asien und Afrika.

Malteser-Arzt misst in einem Behandlungszimmer den Blutdruck einer Patientin mit einer Oberarmmanschette
Die Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung half 2025 so vielen Menschen wie nie zuvor.
Foto: Wolf Lux/Malteser Berlin

Seit 25 Jahren bieten die Malteser Menschen ohne Krankenversicherung medizinische Hilfe an – kostenlos, anonym und unabhängig von Herkunft oder Aufenthaltsstatus. Der aktuelle Jahresbericht zeigt: Die Nachfrage nach diesem Angebot wächst weiter, deutlich stärker als noch vor wenigen Jahren.

Die Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung (MMM) ging 2001 in Berlin an den Start, damals noch unter dem Namen „Malteser Migranten Medizin“. Seit Februar 2025 bieten bundesweit 21 Standorte Sprechstunden an, zuletzt kam eine Einrichtung in Düren hinzu. Über 390 ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeitende – Ärztinnen und Ärzte, Arzthelferinnen und -helfer sowie Pflegekräfte – kümmern sich dort um Menschen in medizinischen Notlagen, etwa bei plötzlichen Erkrankungen, Verletzungen oder Schwangerschaften.

Deutlicher Anstieg der Patientenzahlen

Die Jahresstatistik 2025 verzeichnet einen klaren Aufwärtstrend: 7.665 Menschen wurden erstmals beraten und behandelt, ein Plus von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rechnet man Wiedervorstellungen hinzu, kommt die MMM auf insgesamt 17.893 Behandlungen – ein Anstieg von 10,2 Prozent. Seit 2020 haben sich die Erstkontakte um rund 55 Prozent erhöht, die Gesamtkontakte sogar um knapp 62 Prozent.

Unter den Patientinnen und Patienten sind mehr Frauen als Männer vertreten. 1.061 der Patientinnen waren schwanger, mehr als drei Viertel von ihnen konnten die Malteser-Teams selbst begleiten. In Frankfurt und Köln gibt es dafür eine Sonderregelung: Schwangere werden dort an das städtische Gesundheitsamt verwiesen.

Die meisten Hilfesuchenden sind zwischen 18 und 60 Jahre alt, gefolgt von unter 18-Jährigen und Menschen über 60. Bei den Kindern und Jugendlichen gab es 2025 den stärksten relativen Zuwachs.

Woher die Patientinnen und Patienten kommen

Die größte Gruppe der Erstkontakte stammt aus EU-Mitgliedsstaaten ohne Deutschland, gefolgt von Menschen aus Asien, deren Anteil binnen fünf Jahren von 17,5 auf 22,3 Prozent gestiegen ist. Auch aus afrikanischen Ländern kamen 2025 wieder mehr Hilfesuchende, nachdem die Zahl im Jahr zuvor gesunken war. Rund 11,5 Prozent der Erstkontakte waren deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger – ein leicht rückläufiger Anteil.

Mehr als die Hälfte der Erstkontakte hatte keinen gesicherten Aufenthaltsstatus in Deutschland oder machte dazu keine Angabe. Genau hier liegt eine der zentralen Herausforderungen des Angebots: Viele Betroffene tauchen in offiziellen Statistiken gar nicht auf, weil sie keine Meldeadresse haben, kaum Deutsch sprechen oder sich aus Scham nicht an reguläre Praxen wenden.

Das Statistische Bundesamt zählte zuletzt rund 72.000 Menschen ohne Krankenversicherung in Deutschland – basierend auf Daten von 2023. Die Angaben zur tatsächlichen Dunkelziffer schwanken je nach Quelle erheblich: Während der Malteser-Jahresbericht von bis zu 200.000 Betroffenen ausgeht, sprechen andere Fachleute und Hilfsorganisationen von mehr als 800.000 Menschen, also rund einem Prozent der Bevölkerung.

Mehr als medizinische Versorgung

Die Arbeit der MMM-Teams beschränkt sich nicht auf die reine Behandlung. An mehreren Standorten gibt es zusätzlich eine Sozialberatung in Kooperation mit Clearingstellen, die Betroffenen dabei hilft, wieder in eine reguläre Krankenversicherung zurückzufinden. Wo die medizinische Versorgung vor Ort nicht ausreicht, greift ein Netzwerk aus Fachärztinnen und -ärzten, Zahnärztinnen und Zahnärzten sowie Krankenhäusern, die mit der MMM kooperieren.

Auch sprachliche Barrieren werden zunehmend überbrückt: 13 Standorte nutzen den telefonischen Übersetzungsdienst Triaphon, über den vergangenes Jahr fast 200 Gespräche vermittelt wurden – am häufigsten auf Vietnamesisch, Rumänisch sowie Bosnisch und Serbisch.

Finanziert wird die Arbeit unter anderem über einen Notfallfonds sowie private Spenden in Höhe von rund 16.900 Euro im vergangenen Jahr. Damit konnten etwa chirurgische Eingriffe oder zahnärztliche Behandlungen finanziert werden, die Betroffene sonst nicht hätten bezahlen können.

Für 2026 ist bei der MMM eine digitale Patientenakte geplant, die im ersten Quartal in den Probelauf gehen und im zweiten Quartal ausgerollt werden soll.

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