Arztpraxis im mobilen WC: Die KABINE

Wie kann medizinische Versorgung funktionieren, wenn Arztpraxen und Krankenhäuser nach einer Katastrophe ausfallen? Mit dem Projekt KABINE präsentiert das DRK auf der INTERSCHUTZ 2026 eine telemedizinische Behandlungskabine, die auch bei zerstörter Infrastruktur einsatzfähig bleiben soll. Satelliteninternet, digitale Diagnostik und Drohnenlogistik könnten die Versorgung von Betroffenen künftig deutlich erleichtern.

KABINE auf der INTERSCHUTZ 2026
Die KABINE auf der INTERSCHUTZ 2026
Foto: CPM/ Lena Berghoff

Medizinische Versorgung trotz Katastrophe

Das DRK stellt auf der INTERSCHUTZ 2026 in Hannover einen Prototypen des Projekts „Die KABINE“ vor. Die rote Box, welche auf den ersten Blick exakt wie ein mobiles WC aussieht, könnte in Zukunft ein wichtiges Hilfsmittel in Katastrophengebieten sein. Das Projekt, welches vom DRK, der Docs in Clouds TeleCare GmbH, der Uniklinik RWTH Aachen sowie der Rudolf Riester GmbH ins Leben gerufen wurde, soll die medizinische Versorgung in Katastrophenlagen in Zukunft revolutionieren.

Ein Beispielfall ist die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal. Laut DRK hätte hier die Hälfte der Arztkontakte in KABINEN stattfinden können, denn oft fallen kritische Infrastrukturen wie Arztpraxen oder Krankenhäuser komplett oder zum Teil aus. Die KABINE ist davon nicht betroffen, denn dank Alternativverbindungen wie Starlink kann die medizinische Self-Service-Station trotz ausgefallener Infrastruktur betrieben werden. Laut Angaben des DRK kann durch den Einsatz der KABINE die medizinische Versorgung etwa 48 Stunden nach dem Ausfall kritischer Infrastruktur wiederhergestellt werden.

Telemedizin auf Knopfdruck

Dazu können sich Patientinnen und Patienten via Docs in Clouds direkt mit einer Ärztin oder einem Arzt verbinden lassen und die vorhandenen Beschwerden schildern. Instrumente wie ein Stethoskop, ein Fieberthermometer oder ein Blutdruckmessgerät senden die gemessenen Werte direkt an den behandelnden Arzt und ermöglichen damit eine Diagnose mit anschließender Therapieplanung. Benötigte Medikamente können beispielsweise per Drohne an die Kabine geliefert werden, sollten Straßen nicht nutzbar sein.

Im Inneren der KABINE kann sich direkt mit einem Arzt verbunden werden. Zur Diagnosestellung stehen verschidene medizinesche Instrumente zur Verfügung
Im Inneren der KABINE kann sich direkt mit einem Arzt verbunden werden. Zur Diagnosestellung stehen verschidene medizinesche Instrumente zur Verfügung
Foto: CPM/ Lena Berghoff
Auf der anderen Seite hat der behandelnde Arzt die Möglichkeit direkt mit dem Patienten in Kontakt zu treten. Die Verbindung ist auch bei zusammengebrochener Infrastruktur über Starlink möglich.
Auf der anderen Seite hat der behandelnde Arzt die Möglichkeit direkt mit dem Patienten in Kontakt zu treten. Die Verbindung ist auch bei zusammengebrochener Infrastruktur über Starlink möglich.
Foto: CPM/ Lena Berghoff

Einsatz über die Akutphase hinaus

Die KABINE soll dabei nicht nur in den ersten Stunden nach einer Katastrophe eingesetzt werden. Das Konzept sieht verschiedene Einsatzphasen vor. Während in der Akutphase zunächst die Versorgung von Verletzten und die medizinische Ersteinschätzung im Vordergrund stehen, soll die KABINE in den darauffolgenden Tagen die Wiederaufnahme der regulären Gesundheitsversorgung unterstützen. Insbesondere Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck können so weiterhin ärztlich betreut werden, auch wenn lokale Praxen noch nicht wieder einsatzfähig sind.

In einer weiteren Phase soll die KABINE zudem hausärztliche und psychologische Betreuung ermöglichen. Gerade nach Naturkatastrophen leiden viele Betroffene unter psychischen Belastungen oder Traumata. Durch die telemedizinische Anbindung können Fachkräfte auch in schwer erreichbaren Gebieten Unterstützung leisten. Langfristig soll die KABINE damit dazu beitragen, die medizinische Infrastruktur schrittweise wieder aufzubauen und die Zeit bis zur vollständigen Wiederherstellung regulärer Versorgungsstrukturen zu überbrücken.

Antwort auf zunehmende Extremwetterereignisse

Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse und Naturkatastrophen gewinnt die Aufrechterhaltung kritischer Infrastruktur zunehmend an Bedeutung. Projekte wie die KABINE sollen dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit des Gesundheitswesens gegenüber solchen Krisensituationen zu erhöhen. Das Deutsche Rote Kreuz bringt dabei seine Erfahrungen aus dem Bevölkerungsschutz und dem Katastrophenmanagement in das Projekt ein.

Noch in der Erprobungsphase

Noch befindet sich die KABINE in der Erprobungsphase. Auf der INTERSCHUTZ 2026 präsentiert das Projektkonsortium einen funktionsfähigen Demonstrator, der die Einsatzmöglichkeiten der telemedizinischen Behandlungskabine veranschaulichen soll. Ob und wann das System flächendeckend eingesetzt werden kann, ist derzeit noch offen.

Innenansicht der KABINE
Innenansicht der KABINE
Foto: CPM/ Lena Berghoff

Chancen und offene Fragen

Trotz der vielversprechenden Ansätze bleiben einige Fragen unbeantwortet. Nicht alle medizinischen Untersuchungen können aus der Ferne durchgeführt werden. Auch die Kosten eines späteren flächendeckenden Einsatzes sind bislang nicht bekannt.

Digitale Hilfe für den Katastrophenschutz

Ob sich die KABINE künftig als fester Bestandteil des Katastrophenschutzes etablieren wird, bleibt abzuwarten. Die auf der INTERSCHUTZ vorgestellte Lösung zeigt jedoch, wie digitale Technologien dazu beitragen können, die medizinische Versorgung auch unter schwierigen Bedingungen aufrechtzuerhalten. Angesichts zunehmender Naturkatastrophen könnte die telemedizinische Behandlungskabine künftig eine wichtige Rolle im Bevölkerungsschutz spielen.

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