Schon in der Schule kommt die hohe Bedeutung einer verlässlichen Notfallversorgung zum Tragen. Schulsanitäterinnen und -sanitäter übernehmen bereits in jungen Jahren Verantwortung für ihr tägliches Umfeld. – Roman Poseck
Innenminister Roman Poseck und Kultusminister Armin Schwarz besuchten heute den ersten hessenweiten Schulsanitätsdienst-Tag im nordhessischen Fritzlar. In Grußworten und in verschiedenen Gesprächen vor Ort sprachen beide den Schulsanitäterinnen und -sanitätern ihren Dank und Respekt für ihren wertvollen Gemeinschaftsdienst aus. Der Einladung des hessischen Landesverbandes des Deutschen Roten Kreuzes folgten rund 100 Schulsanitäterinnen und -sanitäter zusammen mit ihren Lehrkräften und Betreuern aus ganz Hessen. Den ganzen Tag über konnten sie im Rahmen von verschiedenen Workshops einen Einblick in die Praxis von Erster Hilfe und Katastrophenschutz sowie die Arbeit des DRK im Allgemeinen erhalten. Innenminister Poseck übergab zudem einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 400 Euro im Rahmen der Hessischen Landesinitiative „Mehr Feuerwehr in die Schule“, die auch Kooperationen mit Rettungs- und Hilfsorganisationen unterstützt.
Innenminister Roman Poseck würdigte in seinen Grußworten den bedeutungsvollen Einsatz der Schulsanitäterinnen und -sanitäter: „Für Erste Hilfe und Sicherheit im Schulalltag sorgen die zahlreichen Schulsanitäterinnen und Schulsanitäter in Hessen mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz. Das verdient Respekt und Anerkennung. Ob auf dem Pausenhof oder im Unterricht – diese jungen und engagierten Schülerinnen und Schüler sind nicht nur im schulischen Umfeld jederzeit auf eine Notsituation vorbereitet. Sie werden regelmäßig zu Erste-Hilfe-Maßnahmen geschult, treffen sich in Arbeitsgemeinschaften während und außerhalb der Schulzeiten und tragen zur Sicherheit im Schulalltag bei.
Viele von ihnen sind bereits Teil der landesgeförderten Katastrophenschutz-AGs. Beim heutigen Schulsanitätsdiensttag haben die jungen Sanitäterinnen und Sanitäter die Möglichkeit, auf den dort erlernten Kenntnissen aufzubauen. Das DRK beweist und demonstriert heute in verschiedenen Workshops, wie auf Krisen- und Katastrophenfälle zu reagieren ist. Wie stelle ich eine Trinkwasserversorgung her? Wie wird ein Rettungszelt aufgebaut und wie wird zum Beispiel ein Rettungshund gezielt eingesetzt? All das können die tüchtigen Nachwuchskatastrophenschützer heute hautnah erleben, mitmachen und dabei sein.
Ein besonderer Dank gilt dabei den vielen Einsatzkräften, die tagtäglich ihr Leben für den Schutz der Bevölkerung aufs Spiel setzen. Die angespannte Klimalage hat sich in den vergangenen Wochen bemerkbar gemacht. Niedrigwasser, Waldbrände, Hitzebelastung. All diese Lagen erfordern den Einsatz von geschulten und mutigen Menschen aus Feuerwehr, Rettungs- und Sanitätsdiensten sowie dem Katastrophenschutz. Dass heute so viele junge interessierte und engagierte Menschen zum ersten hessenweiten Schulsanitätsdiensttag des Jugendrotkreuzes gefunden haben, zeigt, dass wir gut vorbereitet und zukunftsfähig sind. Helfen ist keine Frage des Alters und das stellt die heutige Veranstaltung unter Beweis.“
Die Bedeutung des Schulsanitätsdienst reicht weit über die unmittelbare Erste Hilfe innerhalb des Schulalltages hinaus. Denn wer Verantwortung für andere übernimmt, lernt gleichzeitig Entscheidungen zu treffen. – Armin Schwarz
Kultusminister Armin Schwarz sagte zum Abschluss der Veranstaltung: „Engagement im Schulsanitätsdienst bedeutet weit mehr als nur einen Druckverband korrekt anlegen zu können, eine Verletzung erstzuversorgen oder in einem Notfall richtig zu reagieren. Es bedeutet, hinzusehen, Ruhe zu bewahren und zu handeln, wenn Mitmenschen Hilfe benötigen. Und es bedeutet auch, sich belastenden Situationen auszusetzen. Dies ist eine besondere Form der Verantwortungsübernahme, die Risiken in sich birgt – gerade in emotionaler Hinsicht – und die oftmals sehr spontan gefordert sein kann. Denn ein Notfall lässt sich nicht planen. Um in einer solchen Ausnahmesituation sicher handeln zu können, bedarf es eines hohen Maßes an Lernbereitschaft, regelmäßigen Übens und vor allem ist der Mut erforderlich, eben diese Verantwortung zu übernehmen. Es geht darum, das Gelernte abrufen zu können, gemeinsam im Team zu handeln und zu wissen, was zu tun ist. Und genau das leisten die Schulsanitäterinnen und Schulsanitäter an unseren Schulen. Die Bedeutung des Schulsanitätsdienst reicht weit über die unmittelbare Erste Hilfe innerhalb des Schulalltages hinaus. Denn wer Verantwortung für andere übernimmt, lernt gleichzeitig Entscheidungen zu treffen. Wer gemeinsam Einsätze bewältigt, erlebt, wie wichtig Teamarbeit und Verlässlichkeit sind und wer erlebt, dass das eigene Wissen und Handeln einen Unterschied machen können, der merkt: Ich kann selbst etwas bewirken und verändern. Diese Haltung wollen wir in Hessen möglichst vielen jungen Menschen vermitteln.“
Praxisnahe Ausbildung und Förderung
Das Land Hessen hat im Jahr 2016 gemeinsam mit dem Landesfeuerwehrverband Hessen sowie in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium das Projekt „Mehr Feuerwehr in die Schule“ initiiert, um Kooperationen von Feuerwehren und Schulen zu erleichtern und zu unterstützen. Ergebnis einer Pilotphase im Schuljahr 2017/18 ist neben einem Leitfaden eine Förderrichtlinie. Kommunen, Landkreise, der Landesfeuerwehrverband und die Landesverbände der Hilfsorganisationen können damit eine Zuwendung für ihre Schulangebote beantragen. Je nach Anzahl der Schulstunden gibt es eine Förderung von maximal 400 bis maximal 800 Euro. Sogenannte Dauerangebote – wie beispielsweise in der Bad Homburger Humboldtschule – werden im ersten Jahr mit bis zu 5.000 Euro und im Jahr zwei und drei mit bis zu 2.500 Euro pro Jahr gefördert. Im Rahmen dieses Projekts hat das Land seit dem Jahr 2018 bis heute knapp 270 Bewilligungen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 860.000 Euro ausgesprochen. Die Bewilligungen verteilen sich hessenweit auf 141 Schulen. In vielen hessischen Schulen ist das Projekt dauerhaft über mehrere Jahre angelegt. Die Bewilligungen gingen zu rund zwei Drittel an Hilfsorganisationen im Katastrophenschutz und zu einem Drittel an hessische Feuerwehren. Für 2025 standen 100.000 Euro für Bewilligungen aus der Förderrichtlinie zur Verfügung. Zudem hat das Land die Online-Plattform „Feuerwehr in die Schule“ speziell für dieses Projekt entwickelt, die relevante Informationen, Tipps und Arbeitsmaterialien gebündelt zur Verfügung stellt.
Mit der bestehenden Richtlinie haben Feuerwehren auch die Möglichkeit, die Absolvierung des Grundlehrgangs in den Schulen anzubieten. Inhaltlich umfasst der Grundlehrgang „Truppmannausbildung Teil 1“ u. a. die Themen „Brennen und Löschen“, „Fahrzeug- und Gerätekunde“, „Löscheinsatz“ und „Technische Hilfeleistung“ sowie Rechtsgrundlagen der Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren in Hessen. Sofern alle anderen Bedingungen (zum Beispiel das Mindestalter von 17 Jahren) erfüllt sind, können die Schülerinnen und Schüler dann sehr schnell und einfach den Einsatzabteilungen der Feuerwehren beitreten.
Förderprogramm „Mehr Feuerwehr in die Schule“
Nach dem Hessischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz (HBKG) sind Kommunen, Kreise und das Land im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags verpflichtet, gemeinsam für die Durchführung der Brandschutzerziehung in Hessen zu sorgen. Dies funktioniert wie folgt: Die weit überwiegend ehrenamtlichen Brandschutzerzieherinnen und -erzieher auf kommunaler Ebene leisten die Brandschutzerziehung, die Kreise unterstützen und koordinieren dies und das Land wiederum unterstützt Kommunen und Kreise bei der Umsetzung dieser Aufgaben.
Seit Februar 2024 besteht im Jugendfeuerwehrausbildungszentrums (JFAZ) in Marburg-Cappel, einer Außenstelle der Hessischen Landesfeuerwehrschule, die neu geschaffene „Kompetenzstelle Brandschutzerziehung und -aufklärung“. Sie führt u. a. Lehrgänge für Ehrenamtliche durch, wirkt bei der Weiterentwicklung der Brandschutzerziehungskonzepte mit und fungiert als Ansprechpartnerin für Schulen sowie die Lehrkräfteakademie. So sollen die ehrenamtlichen Brandschutzerzieherinnen und Brandschutzerzieher entlastet und die Brandschutzerziehungsangebote weiterentwickelt werden.
Quelle: Hessisches Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz
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