Krankenhaus aus dem Nichts: Wie das DRK in 72 Stunden einsatzbereit ist

Wo Naturkatastrophen oder Konflikte die Gesundheitsversorgung zum Erliegen bringen, schafft das DRK innerhalb weniger Tage eine funktionierende Klinik – inklusive Notaufnahme, Operationsbereich und eigener Infrastruktur. Auf der INTERSCHUTZ 2026 stellte das DRK das gesamte Feldkrankenhaus aus und zeigte damit, wie beeindruckend die medizinische Versorgung in Krisengebieten sein kann.

DRK: nach Ankunft der Patienten werden diese anhand ihrer Symptome in Kategorien eingeteilt. Danach startet die Behandlung.
Das Feldkrankenhaus des DRK: nach Ankunft der Patienten werden diese anhand ihrer Symptome in Kategorien eingeteilt. Danach startet die Behandlung.
Foto: CPM/ André Luhmer

Wenn Naturkatastrophen, bewaffnete Konflikte oder humanitäre Krisen die Gesundheitsversorgung vor Ort lahmlegen, zählt jede Stunde. Um in solchen Situationen schnell medizinische Hilfe leisten zu können, verfügt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) über ein mobiles Feldkrankenhaus, das innerhalb von 72 Stunden einsatzbereit sein kann. Das DRK stellte das mobile Krankenhaus vergangene Woche auf der INTERSCHUTZ  2026 in Hannover aus. 

Mit einer Fläche von rund 7.500 Quadratmetern – etwa so groß wie ein Fußballfeld – zählt die Anlage zu den leistungsfähigsten mobilen Gesundheitseinrichtungen des DRK. Auf der INTERSCHUTZ erstreckte sich die mobile Gesundheitseinrichtung innerhalb einer kompletten Messehalle. Besucherinnen und Besucher waren eingeladen, sich das Krankenhaus in seinem vollen Umfang anzuschauen und mehr über die Gesundheitsversorgung in Krisengebieten zu erfahren.

Insgesamt besteht das Feldkrankenhaus aus 42 Zelten und rund 400 bis 450 Transportkisten. Das gesamte Material bringt etwa 50 Tonnen auf die Waage und wird künftig im neuen DRK-Logistikzentrum in Luckenwalde gelagert.

In solchen Kisten wird das Feldkrankenhaus gelagert und transportiert.
Foto: CPM/ André Luhmer

Medizinische Versorgung unter extremen Bedingungen

Das Feldkrankenhaus dient als temporärer Ersatz oder als Ergänzung bestehender Gesundheitseinrichtungen, wenn diese durch Naturkatastrophen, Konflikte oder andere Krisenereignisse beschädigt oder überlastet sind. Dabei arbeitet das DRK eng mit der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften sowie dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz zusammen.

Die medizinischen Möglichkeiten reichen von der ambulanten Versorgung bis hin zur stationären Behandlung. Täglich können zwischen 150 und 200 Patientinnen und Patienten ambulant behandelt werden. Standardmäßig stehen 20 stationäre Betten zur Verfügung. Das System ist jedoch modular aufgebaut und kann flexibel erweitert werden. In vergangenen Einsätzen, etwa im Gazastreifen, wurden zeitweise bis zu 400 bis 500 Menschen pro Tag versorgt.

Zum medizinischen Angebot gehören unter anderem eine Notaufnahme, Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie, Pädiatrie, Anästhesie sowie die allgemeine Notfallversorgung. Patientinnen und Patienten können bei Bedarf mehrere Tage oder sogar Wochen stationär betreut werden. Für komplexere Behandlungen erfolgt eine Verlegung in andere medizinische Einrichtungen.

Die Mobile Krankenstation des Feldkrankenhauses
Die Mobile Krankenstation des Feldkrankenhauses
Foto: CPM/ André Luhmer

Internationale Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg

Der Aufbau und Betrieb eines Feldkrankenhauses erfordert eine enge Zusammenarbeit internationaler und lokaler Kräfte. In der Anfangsphase kommen etwa 60 internationale Fachkräfte zum Einsatz. Unterstützt werden sie von 100 bis 150 lokalen Mitarbeitenden. Zum Team gehören Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Techniker, Logistiker sowie Verwaltungspersonal.

Gleichzeitig verfolgt das DRK das Ziel, lokale Strukturen langfristig zu stärken. Während des Einsatzes werden deshalb Mitarbeitende vor Ort geschult, um medizinisches Wissen und organisatorische Kompetenzen nachhaltig weiterzugeben.

Eigene Wasser- und Energieversorgung

Damit das Krankenhaus unabhängig von zerstörter Infrastruktur betrieben werden kann, verfügt es über eine eigene Wasser- und Energieversorgung. Wasser kann aus Flüssen, Seen oder Tankfahrzeugen gewonnen und anschließend mithilfe moderner Umkehrosmoseanlagen aufbereitet werden. Dabei können sowohl Süß- als auch Brack- oder Meerwasser genutzt werden.

Die Stromversorgung erfolgt hauptsächlich über Generatoren. Ergänzend können Solarsysteme eingesetzt werden. Durch diese Kombination bleibt die medizinische Versorgung auch unter schwierigen Bedingungen sichergestellt.

Das gefilterte Wasser wird im Labor regelmäßig kontrolliert .

Sicherheit und würdevolle Betreuung

Das Krankenhausgelände wird grundsätzlich eingezäunt und durch unbewaffnete Sicherheitskräfte geschützt. Die Sicherheitsmaßnahmen werden jeweils an die Lage vor Ort angepasst und orientieren sich an den Grundsätzen der internationalen Rotkreuzbewegung.

Auch für den Umgang mit Verstorbenen wurden besondere Vorkehrungen getroffen. Neben einer mobilen gekühlten Leichenhalle verfügt das Feldkrankenhaus über ein separates Abschiedszelt, in dem Angehörige in einem geschützten Rahmen Abschied nehmen können. Dabei werden kulturelle und religiöse Besonderheiten berücksichtigt.

Hohe Investitionen für schnelle Hilfe

Der Materialwert des Feldkrankenhauses liegt bei rund 2,5 Millionen Euro. Für einen Einsatz von drei bis vier Monaten fallen weitere Kosten in ähnlicher Höhe an. Insgesamt können sich die Ausgaben für einen Einsatz somit auf rund fünf Millionen Euro belaufen. Finanziert wird das System durch öffentliche Mittel, unter anderem des Auswärtigen Amtes, sowie durch Spenden.

Als von der Weltgesundheitsorganisation anerkanntes Emergency Medical Team (EMT) erfüllt das Feldkrankenhaus internationale Standards für medizinische Nothilfe. Dabei setzt das DRK bewusst auf robuste und wartungsarme Technik. Statt hochkomplexer Systeme stehen Zuverlässigkeit, schnelle Einsatzbereitschaft und Anpassungsfähigkeit im Vordergrund.

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