Interschutz: Hörmann Warnsysteme – Sirenen, Software und eine deutsche Bestandsaufnahme

Was passiert mit Sirenen, wenn der Strom ausfällt? Welche Möglichkeiten gibt es jenseits des Sirenenwarntons? Hörmann Warnsysteme aus Kirchseeon hat auf der Interschutz gezeigt, dass eine resiliente Bevölkerungswarnung weit mehr erfordert als eine Sirene auf dem Dach. Autarke Hardware, eine zentrale Steuersoftware und neue Funktionen zeigte das süddeutsche Familienunternehmen in Hannover. Dabei kam auch eine politisch unbequemen Bestandsaufnahme der deutschen Warnsituation ans Licht.

Der Messestand von Hörmann auf der Interschutz 2026.
Der Messestand von Hörmann auf der Interschutz 2026.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Das Hardware-Highlight am Hörmann-Stand war eine elektronische Sirene der ECN-D-Serie, die mit einem integrierten Windkraftwerk und einem Solarpanel ausgestattet war. Das Ziel: maximale Autarkie auch bei Stromausfall – im Katastrophenfall keine Seltenheit.

Hörmanns elektronische Sirenen sind mit Batteriepuffer ausgestattet und bleiben damit auch bei Stromausfall über eine Woche betriebsfähig. Die Kombination aus Windkraft und Photovoltaik verlängert diese Autarkie zusätzlich – relevant für abgelegene Gemeinden, Industrieanlagen oder Bereiche, in denen die Netzstromversorgung als erstes ausfällt.

Mit über 60.000 installierten und gewarteten Sirenen weltweit bezeichnet sich Hörmann Warnsysteme selbst als Marktführer im Bereich elektronischer Sirenen.

CCCS von Hörmann: Überblick für ganze Länder

Die Stärke von Hörmann liegt jedoch nicht nur in der Hardware, sondern ebenso in der Steuersoftware. Auf der Interschutz erhielten Messebesucher tiefe Einblicke in die Bediensoftware CCCS. Die computergestützte Sirenenzentrale wurde laut Hörmann in enger Zusammenarbeit mit Kunden aus dem Zivilschutz entwickelt.

In Bulgarien konnte Hörmann das landesweite Warnnetz installieren und mit der eigenen Software betreiben.
In Bulgarien konnte Hörmann das landesweite Warnnetz installieren und mit der eigenen Software betreiben.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Am Demo-System auf dem Messestand war eindrucksvoll zu sehen, was das bedeutet: Auf einer GIS-basierten Landkarte werden alle Sirenen eines Warnsystems dargestellt. Der Systemstatus jeder einzelnen Sirene ist sichtbar, und im Ernstfall lassen sich einzelne oder mehrere Sirenen in Sekunden auslösen.

Das System ist mehrstufig aufgebaut: Ein National Control Center kann den Gesamtstatus aller Regionen überwachen, während Regional Control Center die lokale Auslösung übernehmen – entweder auf Anweisung der nationalen Ebene oder eigenständig. Im Ernstfall kann beispielsweise ein nationaler Fliegeralarm ohne Rücksprache landesweit alle Sirenen auslösen; bei regional begrenzten Ereignissen wie Hochwassern entscheidet die regionale Stelle selbst.

Sprachdurchsagen per Mikrofon sind bei Hörmann schon lange möglich – relativ neu ist die Funktion Text-to-Speech. Der zuvor eingegebene Text wird durch eine computergenerierte Stimme ausgegeben und bei Bedarf mit dem Alarmsignal kombinieren. Der Vorteil laut Hörmann: In Krisensituationen neigen Menschen beim Sprechen zu mehr Fehlern, als wenn sie eine entsprechende Textzeile schreiben müssen.

Das Live-Demo-System nutzte als Referenz das Sirenennetz Bulgariens: Rund 1.000 Sirenen werden dort aktiv überwacht, farblich nach Ampelprinzip kategorisiert. Jede Sirene lässt sich einzeln ansteuern, kontrollieren und nutzen – mit wenigen Klicks.

Deutschland: Sirenen noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen

Ein zweites Beispiel beeindruckt: In Singapur werden die von Hörmann Warnssysteme installierten Sirenen monatlich auf ihre Einsatzfähigkeit getestet. Das Ziel: 99,5 Prozent der dortigen Sirenen müssen im CCCS auf grün stehen. Ein Standard, der Deutschland derzeit noch fehlt.

Mit einer kleinen Windkraftanlage und einem Solarmodul versorgt sich die Sirene über lange Zeit selbst.
Mit einer kleinen Windkraftanlage und einem Solarmodul versorgt sich die Sirene über lange Zeit selbst.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Laut Hörmann liegt die Ansteuerbarkeit deutscher Sirenen über die nationale MoWaS-Plattform unter 50 Prozent, die Gesamtabdeckung der Bevölkerung ebenfalls. Die Ursache liegt nicht zuletzt in der föderalen Struktur:

Während auf Bundesebene TETRA als Kommunikationsstandard gilt, setzen einzelne Länder noch auf ältere Protokolle. Solange eine Sirene kein TETRA-Call-Out-Protokoll empfangen kann, bleibt sie außerhalb der zentralen Steuerung. Ein Problem, bei dem Hörmann auf mehreren Ebenen Abhilfe schaffen möchte.

Dass die angebotenen Produkte leistungsfähig sind, konnten Messebesucher auf der Interschutz selbst ausprobieren: Die Demo-Software war an die ausgestellte elektronische Sirene aus der ECN-D-Serie angeschlossen. Testdurchsagen und Alarme konnten – wenn auch leise – durchgeführt werden.

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1. - 06. Juni 2026

Deutsche Messe
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30521 Hannover

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