Milliardenschwere Investments, Technologiesprünge und ein Markt ohne Limit: Die XPONENTIAL Europe trifft den Nerv der Zeit. Nach zwei erfolgreichen Ausgaben spricht Director Malte Seifert über die Balance zwischen Rüstung und ziviler Innovation – und was 2027 neu wird.

Milliardenschwere Investitionen in Verteidigung und Sicherheit, Technologiesprünge in der zivilen Nutzung autonomer Systeme und ein Kapitalmarkt, der bei allem, was künstlich denkt oder lenkt, nahezu kein Limit kennt: Die Zeichen für die XPONENTIAL Europe, die vor zwei Jahren in Düsseldorf als neue Technologiemesse für autonome Systeme und Robotik an den Start ging, könnten kaum besser sein. Mehr als verdoppelt haben sich seit dem Lift-off vor zwei Jahren die Erfolgskennzahlen, die im Messegeschäft zählen – mehr Aussteller, mehr Fläche, mehr Besucher. Auch für die kommende Messe im März erwarten die Veranstalter weiteres Wachstum.
„Kein Limit“: Messe Düsseldorf über die Zukunft der XPONENTIAL Europe
Über Profil, Positionierung und Perspektiven der XPONENTIAL Europe sprachen wir mit Malte Seifert. Er ist Director Metals & Autonomous Technologies der Messe Düsseldorf.
Helsing-Chef Gundbert Scherf, dessen Rüstungs-Start-Up derzeit mit 18 Mrd. Euro bewertet wird, hat kürzlich gesagt, Menschen würden dazu neigen, die Zukunft aus der Perspektive der Gegenwart zu betrachten, deshalb lägen sie so oft falsch. Was sehen Sie, wenn Sie an die Zukunft der Branche und der XPONENTIAL Europe denken?
Malte Seifert:
Ich bin zunächst einmal froh, dass wir in Deutschland und Europa eine wirklich starke Basis an Start-ups und milliardenschweren High-Tech-Unternehmen haben, wie beispielsweise Helsing, Quantum Systems und Germandrones. Sie zeigen, dass Deutschland als Technologiestandort entgegen aller liturgischen Abgesänge international zur Spitzengruppe in Forschung und Entwicklung zählt. Und natürlich haben wir Schwergewichte wie Rheinmetall und KNDS. Beide sind auf der XPONENTIAL Europe präsent und zeigen ein umfassendes Portfolio unbemannter Systeme.
Auch im zivilen Bereich verfügen wir über Cluster in der autonomen Mobilität, im Einsatz autonomer Systeme oder im New Space, die international zu den First Movern zählen. Gleiches gilt für eine Reihe deutscher KI-Start-ups. Wir sollten es uns in Deutschland etwas abgewöhnen, den Technologie- und Innovationsstandort regelmäßig schlechter zu reden als er in Wirklichkeit ist. Die Welt beneidet uns in vielen Bereichen um F&E-Leistungen und Institutionen wie die RWTH Aachen, das DLR, die Fraunhofer Institute und das Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme (DST). Diese breite Ausrichtung ist auch die Basis der XPONENTIAL Europe.
Im Maßstab globaler Entwicklungen kommt noch eine weitaus größere Dimension dazu, wenn wir an die US-Tech-Giganten denken.
Malte Seifert:
Ja, globale Tech-Konzerne wie SpaceX, Google, Microsoft und Amazon investieren massiv. Sie sind weltweit Treiber der Disruption – im New Space, in der Mobilität, in der Logistik. Die Börse zeigt, welche enormen Kräfte hier freigesetzt werden. Sie wirken wie Teilchenbeschleuniger. Technologie, Kapital und Visionen kommen hier zusammen.
Tritt man einen Schritt zurück, zeigt sich das große Bild: Autonome Systeme werden unserem Leben in Zukunft ein völlig neues Gesicht geben. So viel ist bereits heute zu erkennen: Bis zu einer halben Milliarde Pakete will Amazon Prime Air in den kommenden drei Jahren per Drohne zustellen. Mehr als 320 Millionen Kilometer haben Waymo-Robotaxis bislang in San Francisco größtenteils problemlos und unfallfrei zurückgelegt. Und wir haben Seehäfen wie in Singapur, deren gesamte Logistikketten inzwischen von Künstlicher Intelligenz und autonomen Fahrzeugen gesteuert werden.
Ich bin stolz darauf, dass Unternehmen wie Amazon und Zulieferer der genannten Projekte auf der XPONENTIAL Europe und in unseren Messebeiräten vertreten sind und uns bei der Weiterentwicklung der Messe begleiten.
Eine „Zeitenwende“ markiert die XPONENTIAL Europe auch in anderer Hinsicht. Bislang waren Rüstungsmessen in Deutschland tabu. Das hat sich seit Beginn des russischen Angriffskriegs geändert. Wie geht die Messe Düsseldorf damit um?
Malte Seifert:
Zunächst ist festzustellen: Die XPONENTIAL Europe war und ist keine Rüstungsmesse. Wir haben die Veranstaltung von Beginn an als Technologieplattform positioniert: Im ersten Jahr mit dem Ziel, uns vom Profil einer Drohnenmesse zu einer Messe für autonome Mobilität und Systeme zu entwickeln; im zweiten Jahr mit dem Ziel, die Anwendungsfälle Verteidigung und der Schutz kritischer Infrastruktur im Kontext von Dual-Use-Technologien darzustellen und einzuordnen. Das ist ein enormer Spagat. Denn neben Verteidigung und Perimeterschutz verzeichnen wir die größten Besuchergruppen aus den Anwendungsbereichen Land- und Forstwirtschaft, Logistik und Transport sowie der Mobilität zu Wasser, zu Lande und in der Luft.
In dieser austarierten Form zählt die XPONENTIAL Europe nach nur zwei Veranstaltungen zum Kreis der weltweit führenden Messen dieser Industrie. Diese Balance zu halten, ist ganz wichtig für die weitere Entwicklung der Messe. Ich bin froh, dass uns die Zeit gegeben wird, dieser Dynamik gezielt und mit Fingerspitzengefühl den richtigen Rahmen zu geben. Nur so ist ein nachhaltiges Wachstum möglich.
Dieser Rahmen wächst offenbar. Im kommenden Jahr wird die XPONENTIAL Europe eine zusätzliche Halle belegen. Was erwartet uns hier?
Malte Seifert:
Derzeit gibt es wahrscheinlich keine Messe, deren Themen so stark im Fokus von Politik, Industrie und Medien stehen wie die Inhalte der XPONENTIAL Europe. Egal, ob militärische Verteidigung, der Schutz kritischer Infrastruktur und Cyberkriminalität oder auf der anderen Seite autonome Mobilität, Transport und Logistik – bei all diesen Themen sind Technologien und Lösungen gefragt, die auf der XPONENTIAL Europe zu sehen sind.
Damit übernimmt sie eine zentrale Funktion, wenn es darum geht, einem fragmentierten Markt einen Rahmen zu geben, auf dessen Basis skalierbare Lösungen entwickelt werden können. Die XPONENTIAL Europe vereint, was die Branche voranbringt: ein interdisziplinärer Austausch zwischen Industrie, Regulierungsbehörden und Politik, konkrete Ergebnisse und eine hohe Innovationsdichte.
Entsprechend sind wir auf Wachstum programmiert: Wir schaffen mehr Platz für internationale Unternehmen und Delegationen. Wir erweitern das Themenspektrum im Messe- und Konferenzprogramm. Und wir schaffen neue Schwerpunkte zu mariner Autonomie sowie zu Quantentechnologie und KI.
Dabei setzen wir auch auf Erfahrungswerte, die wir mit bestehenden Formaten und Partnern gewonnen haben. Etwa in der engen Verzahnung von Messe und Konferenz. Die Integration des European Drone Forum in das Gesamtkonzept ist äußerst erfolgreich. Gemeinsam mit UAV DACH e.V. ist es gelungen, Europas führende Fachkonferenz für die unbemannte Luftfahrt nahtlos in die XPONENTIAL Europe einzubetten. Eine weitere Blaupause ist das „German Defence and Innovation Forum“, welches wir in enger Kooperation mit der Bundeswehr als strategischem Partner entwickelt haben. Hochrangige Besucherdelegationen aus aller Welt, insgesamt 61 Nationen waren vertreten, zeigen, dass unser Kurs stimmt. Diesen gilt es fortzusetzen.
Auch im Bereich der Start-ups tut sich in Deutschland und Europa eine Menge. Europäische Investoren sind sehr aktiv am Markt. Mehr als 5,1 Milliarden Euro werden laut des Finanzierungsspezialisten FCF Fox Corporate Finance im laufenden Jahr für europäische Start-ups im Bereich Defense eingeworben. Hinzu kommen beträchtliche Investitionen in zivilen Anwendungen. Wie bildet sich das auf der XPONENTIAL Europe ab?
Malte Seifert:
Europa erlebt einen fundamentalen Wandel im Verständnis von Sicherheit, Technologie und Investition. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine 2022 haben sich die Investitionen in europäische Start-ups im Bereich Defense verzehnfacht. Insgesamt beläuft sich die Summe aktuell auf die von Ihnen genannten 5,1 Milliarden Euro.
Vor diesem Hintergrund haben wir die XPONENTIAL Europe von Beginn an als einen Inkubator für Innovationen und Investitionen verstanden. Das ist auch für viele Start-ups attraktiv, denen wir auf der Messe mit dem XPO+ Launcher eine eigene Area als Treffpunkt für Start-ups und Investoren einrichten. Start-ups in der Frühphase können sich hier bewerben, um auszustellen, sich mit globalen Branchenführern zu vernetzen und live um den renommierten XPO+ Launcher Award anzutreten. Gerade für junge Unternehmen ist sie ein ideales Sprungbrett zum Markteintritt. Der XPO+ Launcher ist damit beides – ein Technologie LAB und ein Ökosystem zur Finanzierung von Start-ups.
Quelle: Messe Düsseldorf GmbH
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