Vom Kuhstall in die Feuerlinie: Feuerwehr baut Milchlaster zum Löschtank um

Trockenheit und Wind lassen die Waldbrandgefahr in NRW steigen. Kommunen wie Schleiden investieren in neue Ausrüstung – teils mit ungewöhnlichen Lösungen wie einem umgebauten Milchlaster. Die Finanzierung bleibt eine offene Frage.

Der umgebaute Milchlaster der Feuerwehr Schleiden dient nun als Löschwasser-Tankfahrzeug.
Der umgebaute Milchlaster der Feuerwehr Schleiden dient nun als Löschwasser-Tankfahrzeug.
Foto: Feuerwehr Schleiden

Trockenheit setzt NRW-Wälder unter Druck: Kommunen investieren in neue Löschtechnik

Wochen ohne nennenswerten Regen, dazu böiger Wind – die Waldbrandgefahr in Nordrhein-Westfalen steigt in den kommenden Tagen vielerorts auf die zweithöchste Warnstufe. Für die örtlichen Feuerwehren bedeutet das vor allem eines: Sie müssen investieren, und zwar schnell. Doch woher das Geld nehmen?

Waldbrandgefahr: Ein Blick in die Eifel zeigt das Ausmaß

Im Nationalpark Eifel kennt Wolfgang Fuchs, Leiter der Feuerwehr Schleiden, die Waldbrand-Risiken genau. Bei seinen Kontrollfahrten sieht er ausgetrocknete, strohfarbene Wiesenflächen so weit das Auge reicht. Sein Fazit, gegenüber dem WDR: Kommt zur Trockenheit noch Wind hinzu, kann sich ein kleiner Brand binnen kürzester Zeit zu einer ernsten Gefahrenlage entwickeln.

Die Zahlen geben ihm recht – bundesweit verbrannten im vergangenen Jahr nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums knapp 2.700 Hektar Wald, das Dreifache des langjährigen Mittels.

Improvisation statt teurer Spezialtechnik

Weil klassische Feuerwehrausrüstung für Gebäudebrände bei Vegetationsbränden an ihre Grenzen stößt, hat die Feuerwehr Schleiden nachgerüstet: tragbare Löschrucksäcke, Äxte für Schneisen, Feuerpatschen sowie überarbeitete persönliche Schutzausrüstung gehören inzwischen zur Standardausstattung.

Dieser Milchlaster wurde von der Feuerwehr Schleiden zu einem Löschwasser-Tankfahrzeug umgebaut.
Dieser Milchlaster wurde von der Feuerwehr Schleiden zu einem Löschwasser-Tankfahrzeug umgebaut.
Foto: Feuerwehr Schleiden

Auffällig ist vor allem eine pragmatische Lösung beim Löschwassertransport: Da es in der Region kaum natürliche Löschteiche gibt, wurde ein ausgemusterter Milchlaster kurzerhand zum Wassertankfahrzeug umfunktioniert – deutlich günstiger als ein neu beschafftes Spezialfahrzeug.

Ähnliche Investitionen laufen auch anderswo in NRW: Bonn hat sein Fuhrpark um ein geländegängiges Löschfahrzeug erweitert, im Oberbergischen Kreis kamen neue Tanklöschfahrzeuge sowie ein geländetaugliches Mehrzweckfahrzeug mit mobilem Wasserwerfer hinzu.

Ausrüster spüren steigende Nachfrage

Von der wachsenden Investitionsbereitschaft der Kommunen profitiert unter anderem die Firma Dönges aus Wermelskirchen, einer der größeren Ausstatter deutscher Feuerwehren. Laut Carsten Schlabach, der dort den Bereich Fire and Rescue verantwortet und selbst freiwilliger Feuerwehrmann ist, wächst die Nachfrage nach spezieller Waldbrandausrüstung schon seit Jahren kontinuierlich.

Blick auf das Heck.
Blick auf das Heck.
Foto: Feuerwehr Schleiden

Besonders gefragt: das feuerhemmende Löschmittel Retardant, dazu Werkzeuge, Löschrucksäcke und Schutzanzüge. Um von den Erfahrungen erfahrenerer Waldbrand-Nationen zu profitieren, kooperiert das Unternehmen auch mit Ausrüstern aus den USA und Spanien – Ländern, die durch häufigere und größere Waldbrände bereits mehr Praxiswissen aufgebaut haben.

Kommunen fordern zentrale Beschaffung

Ein grundsätzliches Problem bleibt jedoch bestehen: Die Ausstattung der Feuerwehren ist überwiegend Sache der einzelnen Städte und Gemeinden. Schleidens Feuerwehrchef Fuchs würde sich wünschen, dass Land oder Bund die Beschaffung von Fahrzeugen und Material zentral bündeln – nicht nur, um den Verwaltungsaufwand für kleine Kommunen zu senken, sondern auch, um durch größere Bestellmengen bessere Preise zu erzielen.

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