Zu Beginn des Jahres 2026 dürfen wir feststellen: Die Bundesregierung und weite Teile der Bevölkerung haben begriffen, dass Sicherheit ein Wert an sich ist. Und um Werte zu verteidigen, muss massiv investiert werden. Denn Sicherheit und Resilienz gibt es nicht zum Nulltarif.
Für die Zukunft der einsatzkritischen Kommunikation wurden im vergangenen Jahr entscheidende Weichen gestellt: Die Bundeshaushalte für die Jahre 2025 und 2026 enthalten eine massive Steigerung bei den Ausgaben für Militär, Polizei, Rettungskräfte, den gesamten Zivil- und Bevölkerungsschutz sowie für den Ausbau der digitalen Infrastruktur.
Beispielsweise sind im Bundeshaushalt 2025 allein für die Themen Digitalfunk der BOS und den Erhalt bzw. Ausbau der Netze des Bundes knapp eine Milliarde Euro vorgesehen; im Bundeshaushalt 2026
sind es sogar 1,16 Milliarden Euro – mehr Mittel als jemals zuvor. Infolge der Lockerung der Schuldenbremse kann der Bund quasi unbegrenzt Geld für Katastrophenschutz und die zivile Sicherheit ausgeben und damit eine massive Welle notwendiger Investitionen anstoßen.
Resilienz erfordert Umsetzung über alle Verantwortungsebenen hinweg
Die Bundeshaushalte 2025 und 2026 schaffen somit eine gute Ausgangsbasis zur Stärkung der staatlichen Resilienz. Diese ist ein notwendiger Pfeiler unseres gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und demokratischen Zusammenlebens. Sie beginnt lange bevor ein Krisenstab einberufen wird.
Dies gilt insbesondere für kritische Kommunikationslösungen, die unseren Sicherheitskräften und den relevanten Akteuren der Privatwirtschaft erlauben, Informationen jederzeit sicher, geschützt und priorisiert zu übertragen. Denn in einer modernen Welt gilt: Ohne sichere Kommunikation gibt es keine Sicherheit. Ohne verlässliche und hochverfügbare Kommunikationsnetze gibt es keine Resilienz. Und ohne Resilienz gibt es keinen souveränen
und handlungsfähigen Staat. Resilienz entsteht durch Umsetzung, belastbare Mittel, klare Zuständigkeiten, Beschaffung und eine Änderung der Mindsets über alle Verantwortungsebenen hinweg. Einsatzkritische Kommunikation ist kein technisches Detail, sondern ein staatlicher Kernauftrag. Sie beschreibt die Fähigkeit, auch dann zu kommunizieren,
wenn alles andere nicht mehr funktioniert: bei Hochwasser, bei Stromausfall, bei Sabotage, bei Überlastung oder im Falle hybrider Bedrohungen. Einsatzkritische Kommunikation muss unabhängig von Marktlogik und wirtschaftlichen Interessen funktionieren – auch beim
Ausfall öffentlicher Netze. Und sie bedarf der Stabilität gegen digitale und physische Angriffe. Ein souveräner Staat benötigt deshalb ein eigenbeherrschtes, langfristig finanziertes, dediziertes und hochverfügbares BOS-Breitbandnetz.
Zunehmende Überlappung von Krisen
Es gibt eine steigende Intensität einzelner Ereignisse und eine zunehmende Überlappung von Krisen: Eine durch einen Cyberangriff lahmgelegte Verwaltung ist nicht mehr in der Lage, angemessen auf ein Großschadensereignis zu reagieren. Diese gegenseitige Verstärkung
offenbart immer häufiger die Schwachstellen staatlicher und gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit. Der daraus resultierende Vertrauensverlust in unsere staatlichen Strukturen wird von Akteuren genutzt, die unsere Gesellschaft, Wirtschaft und demokratisches politische System in Frage stellen oder gar bekämpfen.
Verantwortung für Menschenleben, kritischen Infrastrukturen, Wirtschaft und Stabilität
Sicherheit, Resilienz und Verlässlichkeit sind keine abstrakten Begriffe mehr, sondern tägliche Realität für alljene, die Verantwortung für Menschenleben, kritische Infrastrukturen, Wirtschaftskraft sowie die Stabilität und Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und Europas tragen. Russland testet unsere Abwehrfähigkeit beinahe täglich: an der Ostflanke der NATO-Mitgliedsstaaten, in der Ostsee und an Flughäfen, auf militärischem Gelände sowie Industrieanlagen in ganz Deutschland.
Zudem nehmen staatlich gesteuerte Cyberoperationen auf Energieversorger, Krankenhäuser, Leitstellen, Behörden oder Verkehrsnetze zu. Darüber hinaus haben globale Handelskonflikte Auswirkungen auf die heimische Produktion und Exporte, Lieferketten und Märkte. Hinzu kommen Großschadensereignisse wie etwa der flächendeckende Stromausfall in Spanien im Frühjahr 2025 oder jüngst – im Januar 2026 – der tagelange Stromausfall im Berliner Südwesten.
Bei wetter- und klimabedingten Schäden sehen wir ebenfalls eine seit Jahren steigende Tendenz. Laut eines Naturkatastrophenberichts des Rückversicherers „Munich Re“ ist das erste Halbjahr 2025 global gesehen das Jahr mit der zweithöchsten Schadenssumme seit 1980. Der gesamtwirtschaftliche Schaden beträgt 131 Milliarden Euro. Auch für Deutschland prognostiziert die Versicherungswirtschaft für 2025 eine hohe Schadenssumme.
Schutz strategisch wichtiger Frequenzen für die kritische Kommunikation
5G-Campusnetze müssen als Instrument regionaler Resilienz gestärkt werden: für Kommunen, für Kritische Infrastrukturen, für die Industrie. Hier fehlen konkrete Investitionsanreize. Und es braucht sogenannte „nomadische“ Frequenzen, die es ermöglichen, 5G-Campusnetze für einen begrenzten Zeitraum und an spezifischen Orten einzurichten.
Das betrifft sowohl Anwender im Bereich der Inneren Sicherheit im Fall einer Großschadenslage, aber auch die Wirtschaft – etwa auf Baustellen, in der Landwirtschaft oder auf Festivals. Daneben bedarf es eines langfristigen politischen Schutzes strategisch wichtiger Frequenzen für die kritische Kommunikation – insbesondere für Anwendungen
in der Fläche. Zudem müssen die Sicherheitsanforderungen für Kritische Infrastrukturen so definiert werden, dass hochverfügbare Kommunikation nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. Schließlich muss die Kommunikation zwischen den verantwortlichen Stellen – Bund, Länder
und Kommunen – und die Kommunikation mit der Wirtschaft grundsätzlich verbessert werden. Im Hinblick auf die Umsetzbarkeit ist es unabdingbar, die Hersteller so früh wie möglich in politische Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Ohne kritische Kommunikation würde unser Land stillstehen. Wenn sie funktioniert, fällt sie nicht auf. Doch wenn sie ausfällt, fehlt der entscheidende Faktor – für Leben,
für Sicherheit, Versorgung und damit für das Funktionieren des Staates. Die Branche für kritische Kommunikation ist daher nicht nur ein technologisches Ökosystem – sie ist ein strategisch relevantes Ökosystem. Sie stärkt die Handlungsfähigkeit unseres Landes und steht für ein sicheres und resilientes Europa.
Autor: Bernhard Klinger, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Professioneller Mobilfunk
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