Wir kamen als Helfer und gingen als Freunde.
Dieser Satz fasst einen Einsatz zusammen, den die Mitglieder des DeathCare Embalmingteam Germany e. V. wohl nie vergessen werden. Nach dem verheerenden Erdbeben in der Türkei und Syrien am 6. Februar 2023, bei dem Zehntausende Menschen ihr Leben verloren, gehörten die Spezialisten aus Deutschland zu den Helfern vor Ort. Doch ihre Aufgabe begann dort, wo die Arbeit vieler Rettungskräfte endete.
Während Einsatzkräfte nach Überlebenden suchten, kümmerte sich DeathCare um die Bergung, Identifizierung und Versorgung der Verstorbenen. Eine Arbeit, die selten im Mittelpunkt steht, für Angehörige, Behörden und Hilfsorganisationen jedoch von unschätzbarem Wert ist. Security-Network.com hat auf der INTERSCHUTZ 2026 in Hannover mit dem Team von DeathCare Embalmingteam Germany e. V. gesprochen und erfahren, wie wichtig die Arbeit jener Menschen ist, die dort beginnen, wo die Arbeit der Rettungskräfte endet.
Spezialisten für den Ernstfall
Das DeathCare Embalmingteam Germany e. V. ist eine ehrenamtliche humanitäre Hilfsorganisation, die sich auf das sogenannte „Management of Dead Bodies“ spezialisiert hat. Zum Team gehören Bestatter, Thanatopraktiker, Mediziner, Forensiker und Psychologen. Gemeinsam unterstützen sie weltweit bei Katastrophen, Großschadenslagen und humanitären Krisen. Ihr Ziel ist es, Verstorbene würdevoll zu versorgen, Angehörigen Gewissheit zu verschaffen und gleichzeitig Rettungsdienste sowie Behörden zu entlasten.
Einsatz zwischen Kahramanmaraş und Gaziantep
Nur wenige Tage nach dem Erdbeben bot DeathCare gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Bestatter seine Unterstützung an. Das türkische Generalkonsulat nahm das Hilfsangebot an und akkreditierte die Organisation für den Einsatz. Seit dem 10. Februar 2023 arbeiteten die Spezialisten im Katastrophengebiet zwischen Kahramanmaraş und Gaziantep. In enger Abstimmung mit örtlichen Hilfskräften und Ermittlungsbehörden unterstützten sie bei der Bergung der Opfer und bei deren Identifizierung.
Die Aufgabe war ebenso anspruchsvoll wie belastend. Zerstörte Gebäude mussten zunächst von lokalen Einsatzkräften mit schwerem Gerät geöffnet werden. Anschließend übernahm DeathCare die verstorbenen Opfer, organisierte deren Transport zu zentralen Identifizierungsstellen und unterstützte die Behörden bei der Dokumentation und Zuordnung der Toten.
Würde für die Verstorbenen, Gewissheit für die Angehörigen
Die Arbeit der Einsatzkräfte beschränkte sich nicht auf die Bergung. Nach der Identifizierung wurden die Verstorbenen desinfiziert, für die Bestattung vorbereitet und zu den Friedhöfen transportiert. Diese Maßnahmen dienen nicht nur der Würde der Opfer. Sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen Gesundheit, indem sie hygienische Standards sicherstellen und das Risiko von Krankheitsausbrüchen reduzieren. Gleichzeitig ermöglichen sie Angehörigen, Gewissheit über das Schicksal ihrer Familienmitglieder zu erhalten – ein oft schmerzhafter, aber wichtiger Schritt bei der Bewältigung einer Katastrophe.
Arbeiten unter extremen Bedingungen
Der Einsatz verlangte den Helfern alles ab. Nachtschichten, körperlich anstrengende Bergungsarbeiten und nur wenige Stunden Schlaf gehörten zum Alltag. Neben der körperlichen Belastung stellte vor allem die emotionale Dimension eine Herausforderung dar. Die Helfer wurden täglich mit menschlichen Tragödien konfrontiert. Umso wichtiger war die gegenseitige Unterstützung innerhalb des Teams.
Ein Einsatz mit nachhaltiger Wirkung
Am 19. Februar 2023 zeichnete sich ab, dass die meisten Bergungsarbeiten abgeschlossen waren. Da DeathCare für die Arbeit in den Trümmern auf schweres Gerät der örtlichen Einsatzkräfte angewiesen war, wurde der Einsatz beendet. Bevor die Helfer abreisten, hinterließen sie jedoch mehr als ihre Arbeitsleistung. Das Einsatzzelt sowie Feldbetten wurden den Menschen vor Ort gespendet, die durch das Erdbeben ihr Zuhause verloren hatten.
Insgesamt begleiteten die beiden eingesetzten Teams schätzungsweise bis zu 2.000 Verstorbene und bereiteten sie auf ihre Bestattung vor. Damit leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Seuchenprävention, zur Entlastung der Rettungskräfte und zu einer würdevollen Versorgung der Opfer.
Eine oft unsichtbare, aber unverzichtbare Hilfe
Katastrophenhilfe wird häufig mit Rettungsteams, Suchhunden und medizinischer Versorgung verbunden. Weniger sichtbar ist die Arbeit derjenigen, die sich um die Verstorbenen kümmern. Doch gerade diese Aufgabe ist entscheidend, um Angehörigen Antworten zu geben, Behörden zu unterstützen und inmitten von Chaos und Leid ein Stück Menschlichkeit zu bewahren. Für die Mitglieder von DeathCare ist dies nicht nur ein Auftrag, sondern eine Verantwortung. Die Erfahrungen aus der Türkei haben gezeigt, wie wichtig spezialisierte Hilfe auch nach dem Ende der Lebensrettung ist.
Oder, wie die Helfer selbst ihren Einsatz zusammenfassen:
„Wir kamen als Helfer und gingen als Freunde.“
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