Extremwetterereignisse, Großschadenslagen und wachsende Anforderungen an den Bevölkerungsschutz stellen Feuerwehren und Hilfsorganisationen vor immer komplexere Aufgaben. Mercedes-Benz Trucks begegnet dem mit einem breiten Portfolio spezialisierter Einsatzfahrzeuge, das auf der Interschutz 2026 in Hannover am Stand R66 auf dem Außengelände zu sehen ist.
Unter dem Dach der Organisationseinheit Custom Tailored Trucks (CTT) entwickelt der Hersteller gemeinsam mit renommierten Aufbauherstellern wie Rosenbauer, Magirus, Schlingmann, BAI und Göbel Fahrzeugbau maßgeschneiderte Lösungen – von der robusten Basis bis zum einsatzfertigen Sonderfahrzeug.
Die Mercedes Benz Truck-Familie auf der Interschutz
Das in Hannover gezeigte Spektrum reicht von der vierachsigen Schwerlastlösung bis zum hochmobilen Offroader und deckt nahezu alle Szenarien moderner Gefahrenabwehr ab. Security Network hat sich die Fahrzeuge vor Ort angesehen.
Arocs 4158 – Großtanklöschfahrzeug für Salzburg
Das erste Exponat auf der Messe ist das von Rosenbauer aufgebaute Großtanklöschfahrzeug GTLF-A 16000 auf Basis des Mercedes-Benz Arocs 4158 8×6/4. Im Dienst der Feuerwehr Salzburg verfügt es über einen 16.000-Liter-Wassertank, einen 500-Liter-Schaumtank sowie eine leistungsstarke Pumpe mit 5.500 Litern pro Minute im Pump-and-Roll-Betrieb.
Die Wasserwerfer an Stoßstange und Aufbau erreichen Förderleistungen von 1.600 bzw. 4.000 Litern pro Minute – Dimensionen, die bei großflächigen Brandereignissen den entscheidenden Unterschied machen können.
Unimog U 530 – Schmaler Allrounder von BAI
Der von BAI Brescia Antincendi International aufgebaute Unimog U 530 als TLF 4000 besticht durch seine geringe Fahrzeugbreite von nur 2,3 Metern – konsequent auch in der Aufbauphilosophie beibehalten.
Mit 299 PS, permanentem Allradantrieb, Portalachsen und einem 4.000-Liter-Wassertank inklusive Frontwasserwerfer eignet er sich gleichermaßen für enge Waldwege wie für städtische Wohngebiete und Altstadtbereiche.
Bemerkenswert ist die werkseitig verbaute höhenverstellbare Hydrofeder an der Hinterachse, die erstmals die Vorbereitung zur aufbauseitigen Erfüllung der Geländekategorie 3 ermöglicht und ergonomische Geräteentnahme erleichtert.
Unimog U 5025 – Tanklöschfahrzeug für Wald und Wasser
Der Schlingmann-Aufbau auf dem Mercedes-Benz Trucks Unimog U 5025 4×4 ist als TLF 3000 konzipiert, verfügt aber über eine auf 4.000 Liter vergrößerte Wassertankkapazität. Mit 252 PS, Portalachsen mit 500 mm Bodenfreiheit, schaltbaren Differenzialsperren, einer Reifendruckregelanlage sowie 1.200 mm Watfähigkeit ist der Unimog für anspruchsvollstes Terrain ausgelegt.
Das werkseitige Hitzeschutzpaket und die Erfüllung der GSR-II-Vorgaben machen ihn zur robusten Wahl bei Waldbränden und Überschwemmungen. Der Edelstahl-Aufbau ist auf dem verwindungsfähigen Rahmen montiert.
Atego 1630 AF – Tanklöschfahrzeug mit 16-Tonnen-Einzelbereifung
Schlingmann ist verantwortlich für den Aufbau des zweiten Exponats: ein Mercedes-Benz Atego 1630 AF 4×4 als TLF 4000 in der neuen, einzelbereiften 16-Tonnen-Gewichtsvariante mit geländegängiger Bereifung der Dimension 365/85 R20.
Der bewährte 300-PS-Reihensechszylindermotor mit 1.200 Nm Drehmoment arbeitet mit einem Allison-Vollautomatikgetriebe und zuschaltbarem Verteilergetriebe zusammen. Das Fahrzeug erfüllt die aktuellen GSR-II-Anforderungen.
Was für die Fahrzeuge der Serie Unimog bereits Standard ist, wurde jetzt auch für den Atego gezeigt: Optional können Käufer das Fahrzeug mit einer Hitzeschutzummantelung aller relevanten Leitungen im Unterbodenbereich bestellen – ein Upgrade, welches den Kaufpreis um rund 10.000 Euro erhöht.
Durch die zusätzliche Wasserdurchfahrtsfähigkeit bis 800 mm präsentiert sich der Atego als ideal für Vegetationsbrände und Hochwassereinsätze.
Zetros 2745 – Logistikfahrzeug für Niedersachsen
Wenn man in der Reihenfolge A bis Z bleibt, dann würde der Mercedes-Benz Zetros 2745 6×6 als Gerätewagen Logistik groß (GW-L gr) den Abschluss bilden. Das in Hannover gezeigte Exemplar wurde von Göbel Fahrzeugbau für das Land Niedersachsen aufgebaut.
Der 450-PS-Sechszylindermotor treibt das Fahrzeug über ein permanentes Allradsystem mit mechanischen Differenzialsperren an. Bis zu 1.000 mm Watfähigkeit, eine Reifendruckregelanlage sowie ein Logistikaufbau mit Vertikallift machen den Zetros zur zuverlässigen Basis für Großschadenslagen und logistisch anspruchsvolle Katastrophenschutzeinsätze.
Econic 2635 L – Drehleiter für die Innenstadt
Als letztes Fahrzeug zeigen die Nutzfahrzeug-Spezialisten eine von Magirus aufgebaute Drehleiter DLAK 42 auf Basis des Mercedes-Benz Econic 2635 L – hier also ein Fahrzeug ohne besondere Geländegängigkeit.
Das Fahrzeug verbindet eine Leiterlänge von 42 Metern mit einer Gesamthöhe unter den normierten 3,30 Metern – ermöglicht durch die charakteristische Niederflurkabine des Econic. Das Direct-Vision-Fahrerhaus mit Panoramaverglasung bringt den Fahrer auf Augenhöhe mit dem übrigen Stadtverkehr und ermöglicht direkten Blickkontakt.
Elektrifizierung: Noch Zukunft, aber näher als man denkt
Während die auf der Interschutz von Mercedes Benz Special Trucks gezeigten Fahrzeuge allesamt konventionell motorisiert sind, rückt die Elektrifizierung auch im Feuerwehrbereich spürbar näher. Erste Pilotprojekte laufen bereits.
Mercedes-Benz Trucks treibt die Elektrifizierung seiner Baureihen unterdessen konsequent voran: Mit dem eEconic 400 und dem eActros 400 der zweiten Modellgeneration stehen bereits batterieelektrische Plattformen bereit, die perspektivisch auch als Basis für Einsatzfahrzeuge dienen könnten. Bei den geländegängigen Feuerwehrfahrzeugen ist der Hersteller noch zurückhaltend.
Bis elektrische Feuerwehrfahrzeuge flächendeckend zum Standard werden, sind jedoch noch Fragen zu Ladeinfrastruktur, Reichweite unter Volllast und Einsatzdauer zu lösen – die Branche beobachtet die laufenden Praxistests mit großem Interesse
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