Anschlag auf Flughafen Leipzig/Halle: Ermittler finden dritte Drohne und Spuren von Sprengstoff
Beim Anschlagsversuch auf den Flughafen Leipzig/Halle Anfang August sind offenbar mehr Drohnen zum Einsatz gekommen als bislang bekannt. Nach übereinstimmenden Berichten von NDR, WDR, „Süddeutscher Zeitung“ und SPIEGEL haben Ermittler eine dritte Drohne sowie Spuren eines militärischen Sprengstoffs gefunden.
Auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle war am 4. August gegen 23:42 Uhr eine erste Drohne in der Nähe eines ukrainischen Antonow-Frachtflugzeugs entdeckt worden. Das Fluggerät war mit Sprengstoff präpariert und sollte den Ermittlungen zufolge die Maschine angreifen, die für den Transport von Rüstungsgütern genutzt wird. Der Anschlag misslang jedoch, da der Zünder der Bombe offenbar defekt war. Das Bundeskriminalamt (BKA) klärt im Auftrag von Generalbundesanwalt Jens Rommel weiterhin, wie der Anschlag ablaufen sollte und wer dafür verantwortlich ist.
Zweifel an Kollision mit DHL-Frachtflugzeug
Wenig später, um etwa 00:03 Uhr, soll eine zweite Drohne mit einem Frachtflugzeug von DHL kollidiert sein, das aufgrund der sofortigen Sperrung des Flughafens nach dem Fund der ersten Drohne seine Landung abbrechen musste und durchstarten sollte. Das Flugzeug prallte auf Höhe des Flughafenzauns mit mehreren Hundert Stundenkilometern mit dem Objekt zusammen. Die Piloten sollen wenige Sekunden zuvor ein etwa 30 Zentimeter großes Objekt gesehen haben, eine Auswertung des Radarbildes ergab ebenfalls Hinweise auf ein kleines Flugobjekt.
Nach der Umleitung nach Hannover wurde am Leitwerk der Maschine eine Beschädigung festgestellt. Eine erste Untersuchung hatte einen Vogelschlag als Ursache ausgeschlossen. Nach SPIEGEL-Informationen herrscht unter den Ermittlern inzwischen jedoch große Skepsis, ob das DHL-Flugzeug tatsächlich mit einer Drohne kollidierte: Entgegen bisheriger Meldungen sollen sich an der beschädigten Stelle des Flugzeugs doch organische Spuren befunden haben. Die Drohne selbst oder Teile von ihr wurden bislang nicht gefunden. Die Ermittler halten es für möglich, dass das Fluggerät beim Zusammenstoß in die Triebwerke geraten und dabei zerstört worden sein könnte.
Verdächtige Antenne und Explosion in Kursdorf
In Kursdorf, nördlich des Flughafens, hatten Ermittler eine technische Konstruktion sichergestellt, die möglicherweise der Steuerung der zweiten Drohne diente: An einem Baum waren mit Klebeband eine Antenne und weitere Elektronik befestigt. Nicht weit davon entfernt wurden verbrannte Erde und Metallteile entdeckt, die als mögliche Detonationsstelle gelten. Zeugen hatten gegen 19:20 Uhr, wenige Stunden vor dem Fund der ersten Drohne, einen lauten Knall gehört. Am 11. August entdeckte die Polizei bei einer weiteren Absuche der Gegend zudem einen Motor und einen Rotor, die einer Drohne zugeordnet werden. Ob es sich bei der Explosion um einen Unfall handelte oder die Täter damit Beweismittel vernichten wollten, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Dritte Drohne im Kabelsketal gefunden
Eine dritte Drohne, deren Fund bislang nicht bekannt war, wurde nach Angaben aus Sicherheitskreisen am frühen Abend des 14. August auf einem Feld im Kabelsketal entdeckt – einer Gegend im Saalekreis in Sachsen-Anhalt, die unmittelbar an den westlichen Teil des Flughafens Leipzig/Halle grenzt. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.
Am selben Tag rückten Kriminaltechniker des BKA sowie weitere Polizeikräfte an der Fundstelle an. Am Folgetag, dem 15. August, entdeckten die Ermittler dort eine Substanz, bei der es sich nach ersten Einschätzungen um rund 50 Gramm des hochexplosiven militärischen Sprengstoffs Hexogen gehandelt haben könnte. Die gefundene Drohne soll defekt gewesen sein. Die Täter hatten den Erkenntnissen zufolge womöglich einen weitaus größeren Anschlag im Sinn, als bislang öffentlich bekannt war.
Ermittler vermuten russische Geheimdienste
Wie der Anschlag im Detail ablaufen sollte und wer dahintersteckt, ist weiterhin unklar. Sicherheitskreise gehen davon aus, dass russische Geheimdienste an der Planung beteiligt waren. Russland hat jegliche Verantwortung öffentlich zurückgewiesen. Die Ermittler verfolgen derzeit mehrere Spuren, die unter anderem auf gefundener DNA beruhen.
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