Pyrad bezeichnet dabei nicht eine bestimmte Uniform, sondern eine Technologie, die in unterschiedlichen Laminaten zum Einsatz kommt. Dazu gehören sowohl Gore-Tex Pyrad-Produkte mit Membran, die dauerhaft wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv sind, als auch membranfreie Laminate für Einsatz-/Kampfuniformen. Die Pyrad-Technologie basiert auf einem physikalischen Effekt: Kleine reaktive Graphitpartikel sind gleichmäßig in das Material eingebunden. Bei Kontakt mit Hitze oder einer Stichflamme bilden sie eine stabile, selbstverlöschende Karbonisierungsschicht. Diese reduziert den Wärmedurchgang und stoppt die Ausbreitung der Flammen. Das Laminat brennt nicht zurück und tropft nicht ab.
Die Pyrad-Technologie kann mit unterschiedlichen Textilien wie beispielsweise Nylon oder Polyester kombiniert werden, um den flammhemmenden Schutz mit zusätzlichen Eigenschaften wie Abriebfestigkeit, geringem Gewicht, Farbbeständigkeit (Tarnfarben werden nicht ausgewaschen) und guter Bedruckbarkeit zu verbinden. Eine hohe Abriebfestigkeit oder Haltbarkeit bedeutet auch geringere Beschaffungskosten, da die Uniform seltener ersetzt werden muss. Neben der Flammhemmung (nach ISO 15025-A) wurde aber auch auf einen hohen Tragekomfort sowie lange Haltbarkeit Wert gelegt.
Uniformen mit der Pyrad-Technologie sind zum Beispiel bei den Spezialkräften der Bundeswehr, der Deutschen Marine oder Spezialkräften der Polizei im In- und Ausland in Nutzung. Auch bei der Nordic Combat Uniform (NCU) der Nordefco-Staaten Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark kommt eine robuste Variante der Pyrad-Technologie zum Einsatz, die vor allem für gemäßigte bis kalte Klimazonen konzipiert wurde.
Bei hohen Temperaturen und/oder starker körperlicher Aktivität kann ein solches Material jedoch zu warm sein und damit die körperliche Belastung erhöhen. Davon zu unterscheiden ist ein grundsätzliches Problem konventioneller flammhemmender Materialien, beispielsweise aus Aramid: Sie werden von Soldaten häufig als schwer, steif und unbequem empfunden.
Gerade in der Infanterie und bei Spezialkräften kann dies die Akzeptanz beeinträchtigen, da dort leichte und bewegliche Uniformen gefragt sind. Die unterschiedlichen Anforderungen zeigen, dass nicht ein Material für alle Klima- und Einsatzprofile gleichermaßen geeignet ist.
Leichtere Variante für warme Klimazonen
Flammhemmender Schutz ist nicht bei jedem Einsatz und für alle Soldaten gleichermaßen gefordert. Gleichzeitig hat sich die Gefährdungslage verändert: Die Bedrohung durch IEDs steht heute weniger im Vordergrund, Drohnenangriffe können jedoch ebenfalls jederzeit zu Explosionen und Feuer führen. Streitkräfte wägen deshalb je nach Mission das Risiko gegen Tragekomfort, Bewegungsfreiheit und Kosten ab.
Das Fehlen leichter und komfortabler FR-Optionen kann dabei die Entscheidung gegen zusätzlichen Flammschutz begünstigen. Entscheidend ist daher, für das jeweilige Klima, Aktivitätsniveau und Einsatzprofil eine geeignete Lösung anzubieten.

Vor diesem Hintergrund stellte Gore im November 2025 eine neue, deutlich leichtere Pyrad Battle Dress Uniform (BDU) by Gore-Tex Labs vor. Sie ist speziell für warme bis heiße Klimazonen sowie für Einsätze mit hoher körperlicher Belastung konzipiert. Das Material verbindet flammhemmenden Schutz mit geringem Gewicht, hoher Luftdurchlässigkeit, schnellem Trocknen und Stretch für mehr Bewegungsfreiheit.
Die neue Variante ersetzt die bereits eingesetzten robusteren Pyrad-Laminate nicht, sondern ergänzt sie. Nutzer können damit je nach Umgebung, körperlicher Aktivität und Mission zwischen unterschiedlichen Lösungen mit Pyrad-Flammschutz wählen.
„Bei Schutzbekleidung gibt es nicht die eine Lösung für jede Mission. Entscheidend ist, Flammschutz, Klimakomfort und Robustheit so auszubalancieren, dass die Uniform zum Klima und zum Aktivitätsniveau passt. Die neue leichte Variante wurde deshalb gezielt für warme Bedingungen und hohe körperliche Belastung entwickelt“, sagt Bastian Richter, Produktspezialist bei W. L. Gore & Associates.
Pyrad FR-Version noch leichter
Die neue FR BDU nutzt ein besonders leichtes, zweilagiges Laminat mit Stretch. Es besitzt keine Gore-Tex Membran und ist daher nicht dauerhaft wasserdicht. Das Material wiegt weniger als 185 g/m² und ist auf hohen Klimakomfort bei warmen Bedingungen und intensiver Bewegung ausgelegt.
Ein bereits eingesetztes robustes Pyrad-Laminat, beispielsweise beim NCU, wiegt dagegen rund 230 g/m². Es ist vor allem für gemäßigte bis kühle Klimazonen sowie Tätigkeiten mit geringerem Aktivitätsniveau konzipiert und setzt stärkere Schwerpunkte bei Robustheit, Feuchtigkeitsmanagement und Schutz vor Auskühlung.
Daneben umfasst das Pyrad-Portfolio auch wasserdichte Gore-Tex Pyrad-Bekleidung mit Membran sowie Isolationslösungen. Die Pyrad-Technologie kommt damit in unterschiedlichen Laminaten zum Einsatz, die jeweils auf bestimmte Klima-, Aktivitäts- und Schutzanforderungen abgestimmt sind.

Die Wahl zwischen den Varianten ist deshalb kein Vergleich zwischen einer besseren und einer schlechteren Uniform. Bei einem statischen Dienst unter kühlen und windigen Bedingungen kann die robustere Variante geeigneter sein. Beim Klettern, bei Eilmärschen oder in warmen Regionen bietet dagegen die leichtere Variante Vorteile. Beim flammhemmenden Schutz wird in beiden Fällen kein Kompromiss eingegangen.
Als wichtige Produktmerkmale der leichteren Variante gibt Gore an:
- Thermischer Komfort bei warmem bis heißem Klima sowie bei aktiven, hochintensiven Einsätzen.
- Leicht
- Schnelltrocknend
- Elastisch und bequem mit hoher Bewegungsfreiheit dank Stretch-Eigenschaften
- Hohe Abriebfestigkeit
- Hohe Farbechtheit
- Zuverlässiger Hitze- und Flammenschutz
Im Gegensatz dazu steht bei der robusteren Variante im Vordergrund:
- Effizienter Wärmekomfort in gemäßigten bis kühlen Klimazonen sowie bei Tätigkeiten mit geringer bis keiner Bewegung
- Robustere Konstruktion für intensive Beanspruchung
- Ausgewogenes Feuchtigkeitsmanagement
- Schutz vor Auskühlung bei geringer Aktivität
- Sehr hohe Abriebfestigkeit
- Hohe Farbechtheit
- Zuverlässiger Hitze- und Flammenschutz
Seit der Vorstellung letztes Jahr lässt Gore die neue FR BDU durch verschiedene Streitkräfte und Polizeieinheiten unter Realbedingungen testen. Und auch wir haben Uniformsätze für Tragetests erhalten.
Erste Bewährungsprobe war der diesjährige 108. Nijmegen-Marsch. Hier galt es, vier Tage nacheinander mit Gepäck und unter warmen Bedingungen von um die 24°C bis 26°C jeden Tag Strecken von 50 km zu bezwingen.
Einer der Tester war der ehemalige Gebirgsjäger Sandro S. Sein Fazit nach vier Tagen: „Uniformen sollen heute eine Vielzahl an schützenden Eigenschaften besitzen, die meine körperliche Belastbarkeit auch unter schwierigsten Bedingungen unterstützen. Ein fester Stoff, eine wasserabweisende Schicht und ein eingenähter Schoner sind jedoch wenig wert, wenn mich das Gewicht, der Geruch, die Reibung auf der Haut oder kaputtes Material körperlich und damit auch geistig mehr belasten, als dass sie mir helfen. Man kann dies als Bequemlichkeit zusammenfassen; es meint im militärischen Kontext allerdings weit mehr als das bequeme Sitzen auf dem Bürostuhl. Mit einem einzigen Satz der Pyrad-Uniform war ich komfortabel vier Tage unterwegs, wobei ich bei aus meiner aktiven Zeit gewohnten Uniform spätestens nach zwei Tagen gewechselt hätte. Die Uniform wäre muffig und steif gewesen und hätte so gereizte Hautstellen hervorgebracht. Dies hatte ich bei der Pyrad-Uniform selbst nach vier Tagen nicht.“
Weitere Tests werden in den kommenden Wochen in verschiedenen Bergregionen und Ländern folgen.
Text: Redaktion / af
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