Unsichtbar und gefährlich: Wie Kohlenmonoxid in Wohnräume gelangt

Lena BerghoffLena Berghoff

Mit dem Start der Heizsaison rückt Kohlenmonoxid in den Fokus: Das farb-, geruchs- und geschmacklose Gas kann bei unvollständiger Verbrennung in Gasheizungen, Kaminen und Öfen entstehen und wird oft mit Erkältungssymptomen verwechselt. Wie schnell daraus ein Notfall wird, zeigt der Fall in Stutensee: Ein Vogel blockierte das Abgasrohr einer Gasheizung, zwei Menschen kamen mit CO-Vergiftungen ins Krankenhaus. Die Initiative „CO macht K.O.“ empfiehlt regelmäßige Wartung der Heizung und den Einsatz von CO-Meldern, denn nur sie warnen vor der Gefahr, die Menschen selbst nicht wahrnehmen können.

Kohlenmonoxid in der Heizsaison: Die Gefahr, die man nicht wahrnimmt
CO-Gefahr zur Heizsaison: Fall in Stutensee zeigt, wie schnell es passieren kann
Foto: pexels/ Kate Filatova

Kohlenmonoxid: Die unsichtbare Gefahr in der Heizsaison

Mit dem Start der Heizsaison rückt eine Gefahr in den Fokus, die Menschen selbst nicht wahrnehmen können: Kohlenmonoxid (CO). Überall dort, wo Gas, Öl, Holz oder Kohle verbrannt werden, kann bei unvollständiger Verbrennung das giftige Gas entstehen. Wie schnell daraus ein Notfall werden kann, zeigt ein aktueller Fall aus Stutensee (Landkreis Karlsruhe). Dort kamen zwei Menschen mit CO-Vergiftungen ins Krankenhaus, nachdem ein Vogel das Abgasrohr einer Gasheizung blockiert hatte.

Wie Kohlenmonoxid entsteht

CO bildet sich, wenn die Verbrennung durch verminderte Sauerstoffversorgung nicht vollständig abläuft. Mögliche Quellen sind laut der Initiative „CO macht K.O.“ Gasheizungen und Gas-Thermen, Kamine und Öfen. Der Heizungshersteller Buderus nennt zusätzlich Heizpilze, Katalytöfen und Gasherde. Der SWR führt außerdem Defekte an Öl- und Gasheizungen, nicht ausreichend belüftete Pelletlager und Grillqualm auf, der ins Haus zieht.

Zu einer Gefahr wird das Gas, wenn es in Innenräume gelangt, etwa bei einem technischen Defekt oder wenn die Zu- oder Abluftwege der Feuerstätte blockiert sind, so die Initiative. Laut Buderus ist das Risiko bei fachgerechter Installation und Nutzung praktisch gleich null. Bei korrekter Funktion oxidiere CO sofort zu CO₂ weiter.

Unsichtbar und schwer zu erkennen

CO ist farb-, geruchs- und geschmacklos. Die Initiative weist darauf hin, dass die Ursache einer erhöhten Konzentration nicht in der eigenen Wohnung liegen muss: Das Gas kann durch Wände und Decken dringen, laut SWR auch durch Böden. Buderus erklärt, dass sich das Gas, das leichter als Luft sei, zudem über Lüftungssysteme in angrenzende Räume verbreitet.

Eine Vergiftung macht sich zunächst durch unspezifische Beschwerden bemerkbar: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Müdigkeit. Im Herbst und Winter besteht die Gefahr, diese mit einer Erkältung oder Grippe zu verwechseln. Steigt die Konzentration weiter, können Bewusstlosigkeit und schwere gesundheitliche Schäden folgen, im schlimmsten Fall ist die Vergiftung tödlich. Laut Buderus behindert CO den Sauerstofftransport durch die roten Blutkörperchen. Der SWR ergänzt, dass auch eine geringe Belastung über längere Zeit erhebliche Langzeitschäden verursachen kann.

Vergiftungen werden dem SWR zufolge meist weder von den Betroffenen noch von Ersthelfern als solche erkannt. Erst seit Rettungsdienste mobile CO-Warner zum Selbstschutz mitführen, würden mehr Fälle entdeckt.

Beispiel Stutensee: Vogel im Abgasrohr

Wie die Polizei Karlsruhe mitteilte, klagte am Sonntagnachmittag zunächst eine ältere Frau über Kopfschmerzen und Schwindel. Der hinzugerufene ärztliche Bereitschaftsdienst wies sie ins Krankenhaus ein. Kurz darauf alarmierte ihr Ehemann mit ähnlichen Symptomen den Rettungsdienst.

Das Rettungsdienstpersonal war mit einem CO-Melder ausgestattet und erkannte damit den Ernst der Lage. Es alarmierte die Feuerwehr nach, das Wohnhaus wurde evakuiert. Neben den beiden Schwerverletzten kamen vier Einsatzkräfte und zwei Nachbarn vorsorglich ins Krankenhaus. Wie die Feuerwehr später feststellte, blockierte ein Vogel das Abgasrohr der Gasheizung.

Das raten Initiative und Fachleute

Zur Zeitumstellung am 25. Oktober empfahl die Initiative „CO macht K.O.“, den Termin als festen Anlass für einen Sicherheitscheck zu Hause zu nutzen. Dazu gehört die regelmäßige fachgerechte Überprüfung und Wartung von Heizungsanlagen und Feuerstätten. CO-Melder seien die einzige Möglichkeit, zu Hause vor einer CO-Vergiftung gewarnt zu werden. Sie messen die CO-Konzentration in der Raumluft und warnen bei erhöhten Werten akustisch. Bereits vorhandene Geräte sollten nach den Herstellerangaben kontrolliert werden.

„Die Zeitumstellung ist der perfekte Anlass für einen kurzen Sicherheitscheck zu Hause. Regelmäßige Wartung macht Heizungsanlagen und Feuerstätten sicherer und effizienter. CO-Melder ergänzen diesen Schutz und warnen vor einer Gefahr, die wir selbst nicht wahrnehmen können“, erklärt Andreas Walburg vom Landesverband des Schornsteinfegerhandwerks Niedersachsen.

Wer mit Kohle, Gas oder Holz heizt, sollte laut SWR zudem intensiv lüften. Hinweise zur Montage und Bedienung von CO-Meldern gibt es unter co-macht-ko.de/schutz-vor-kohlenmonoxid.

Über die Initiative

„CO macht K.O.“ wurde 2018 gegründet. Mitglieder sind unter anderem der Deutsche Feuerwehrverband (DFV), der Bundesverband der Ärztlichen Leiter Rettungsdienst (ÄLRD), die Bundesarbeitsgemeinschaft Notärzte (BAND), der BHE Bundesverband Sicherheitstechnik, die Deutsche Pelletinstitut GmbH (DEPI), die Vereinigung zur Förderung des deutschen Brandschutzes (vfdb), der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV) sowie verschiedene Hersteller von CO-Meldern.

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