Welttag der humanitären Hilfe: DRK fordert Schutz für Helfende nach Rekordzahl an Toten

2024 starben weltweit so viele humanitäre Helfer wie nie zuvor – 387 Tote laut Aid Worker Security Database. Zum Welttag der humanitären Hilfe fordert das DRK konsequenten Schutz für Helfende und die Einhaltung des humanitären Völkerrechts. Gleichzeitig drohen den deutschen Mitteln für humanitäre Hilfe drastische Kürzungen.

DRK: Humanitäre Helferin versorgt Menschen in einem Krisengebiet
Symbolbild: Humanitäre Helferin bei einem Einsatz in einem Krisengebiet.
Foto: Internationales Komitee vom Roten Kreuz

Anlässlich des Welttags der humanitären Hilfe am 19. August richtet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) einen eindringlichen Appell an Staaten und Konfliktparteien: Das humanitäre Völkerrecht müsse konsequent eingehalten und humanitäre Helfende wirksam geschützt werden. Hintergrund des Gedenktags ist der Anschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad am 19. August 2003, bei dem 22 Menschen ums Leben kamen.

Höchststand an getöteten Helfenden

Die Lage humanitärer Helferinnen und Helfer hat sich laut Aid Worker Security Database drastisch zugespitzt. 2024 wurden weltweit 387 humanitäre Helfende gewaltsam getötet – der höchste Wert seit Beginn der Erfassung. Auch 2025 blieb die Zahl mit rund 350 Getöteten auf hohem Niveau. Besonders betroffen sind lokale Mitarbeitende und Freiwillige, die den Großteil der humanitären Hilfe vor Ort leisten.

Auch die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung selbst zählt zu den Betroffenen: 2025 wurden mindestens 31 Mitarbeitende und Freiwillige der Bewegung während ihrer humanitären Arbeit getötet, im laufenden Jahr 2026 sind es bereits 21. Viele der Opfer trugen dabei sichtbar das Zeichen des Roten Kreuzes oder Roten Halbmonds oder befanden sich in entsprechend gekennzeichneten Fahrzeugen und Einrichtungen.

DRK-Generalsekretär: „Dürfen niemals zum Ziel werden“

DRK-Generalsekretär Christian Reuter äußerte sich deutlich zur Entwicklung: „Humanitäre Helferinnen und Helfer, die Verwundete versorgen, Lebensmittel verteilen oder Familien in größter Not beistehen, dürfen niemals zum Ziel werden. Dass immer wieder Helferinnen und Helfer bei ihrer Arbeit gezielt bedroht, verletzt oder getötet werden, ist unerträglich.“

Weiter appellierte er: „Das humanitäre Völkerrecht ist eindeutig: Humanitäres Personal muss respektiert und geschützt werden. Wir appellieren deshalb an alle Konfliktparteien, das Recht ausnahmslos einzuhalten – und an die Staatengemeinschaft, Verstöße nicht hinzunehmen, sondern konsequent aufzuklären und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen.“

Schutzzeichen und humanitärer Zugang gefordert

Reuter betonte zudem die Bedeutung sicherer Arbeitsbedingungen für Helfende: „Unsere Kolleginnen und Kollegen gehen dorthin, wo Menschen dringend Hilfe brauchen – oftmals unter enormen persönlichen Risiken. Voraussetzung dafür ist, dass sie sicher arbeiten und die betroffene Bevölkerung erreichen können. Wer humanitär Helfende angreift, gefährdet deshalb nicht nur einzelne Menschen, sondern nimmt ganzen Bevölkerungsgruppen lebenswichtige Unterstützung. Wir brauchen sicheren und ungehinderten humanitären Zugang, den Schutz unserer Mitarbeitenden und Freiwilligen sowie die uneingeschränkte Achtung der anerkannten Schutzzeichen etwa des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds. Diese Grenzen dürfen auch im bewaffneten Konflikt nicht zur Disposition stehen.“

Lokale Strukturen als Schlüssel

Das DRK leistet gemeinsam mit seinen Schwestergesellschaften weltweit humanitäre Hilfe allein nach dem Maß der Not – unabhängig von Herkunft, Religion, politischer Überzeugung oder sozialem Status. Eine besondere Stärke der Bewegung liegt in ihren lokal verankerten Strukturen und Freiwilligen: Nationale Gesellschaften sind bereits vor einer Krise vor Ort präsent und bleiben häufig auch dann an der Seite der Bevölkerung, wenn internationale Organisationen ihre Arbeit aufgrund der Sicherheitslage einschränken oder ganz einstellen müssen. Genau deshalb sei es entscheidend, diese lokalen Strukturen zu schützen und langfristig zu stärken.

Finanzierung unter Druck

Neben der Sicherheitslage sieht das DRK auch die Finanzierung humanitärer Hilfe in einer kritischen Phase. Weltweit sind mindestens rund 240 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Dennoch sollen die deutschen Mittel für humanitäre Hilfe nach aktuellen Haushaltsplanungen auch 2027 auf einem Niveau bleiben, das gegenüber 2024 einer Kürzung um mehr als die Hälfte entspricht.

Das DRK appelliert daher an die Bundesregierung und die internationale Staatengemeinschaft, die Achtung des humanitären Völkerrechts, den Schutz humanitär Helfender sowie eine verlässliche Finanzierung humanitärer Hilfe gemeinsam in den Mittelpunkt zu stellen. Nur wenn diejenigen geschützt würden, die Hilfe leisten, könne Hilfe auch diejenigen erreichen, die sie am dringendsten benötigen.

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