DKKV diskutiert naturwissenschaftliche Seite des CBRN-Schutzes

Beim Online-Lunch-Talk des DKKV sprach Oliver Meisenberg vom Bundesamt für Strahlenschutz über naturwissenschaftliche Anforderungen im CBRN-Schutz. Im Fokus stand die häufige Fehlerquelle beim Ablesen und Übermitteln von Messwerten, etwa bei Strahlendosis oder Gaskonzentrationen. Zudem stellte er aktuelle Projekte wie den Detektorchip ACDC sowie die neue DKKV-Themenseite zu CBRN-Gefahren vor.

CBRN
Zwei Einsatzkräfte in orangefarbenen Chemikalienschutzanzügen und Atemschutzmasken untersuchen mit mobilen Messgeräten zwei auf dem Boden stehende Kanister. Im Hintergrund eines Industriegeländes sind Holzpaletten, ein Container sowie ein rotes Einsatzfahrzeug zu sehen.
Foto: BBK/BKW/Bernd Lammel

DKKV-Lunch-Talk beleuchtet naturwissenschaftliche Perspektiven auf CBRN-Gefahren

Das Deutsche Komitee Katastrophenvorsorge e.V. (DKKV) hat am Donnerstag zu einem Online-Lunch-Talk unter dem Titel „Naturwissenschaftliche Perspektiven auf CBRN-Gefahren“ eingeladen. Die Veranstaltung fand per Zoom statt und richtete sich an Interessierte aus dem Bereich Katastrophenschutz.

Referent mit praktischer Einsatzerfahrung

Zu Gast war Oliver Meisenberg, Fachgebietsleiter im Bundesamt für Strahlenschutz. Er ist zudem ehrenamtlich als Einsatzkraft im ABC-Zug des Landkreises München tätig, insbesondere als Ausbilder und Fachberater im Bereich Strahlenschutz, sowie Bundesvorsitzender von ARKAT, der Interessenvertretung der Regieeinheiten des Katastrophenschutzes.

Drei Bereiche des CBRN-Schutzes im Fokus

In seinem Vortrag ging Meisenberg auf die besonderen Anforderungen ein, die die Naturwissenschaften im CBRN-Schutz stellen – im Vergleich zu anderen Fachdiensten des Katastrophenschutzes. Er unterschied dabei drei Bereiche: den chemischen Gefahrstoffschutz mit Identifikation und Konzentrationsmessung von Gasen, Dämpfen, Flüssigkeiten und Feststoffen, den radiologischen und nuklearen Schutz mit Messung von Dosisleistung und Kontamination, sowie den Schutz vor biologischen Gefahren, in dem laut Meisenberg die geringsten Handlungsmöglichkeiten vor Ort bestehen.

Messwerte als häufige Fehlerquelle

Ein zentrales Thema des Vortrags war die korrekte Interpretation von Messwerten. Meisenberg zeigte anhand von Beispielen aus dem Strahlenschutz- und Chemieeinsatz, dass es regelmäßig zu Fehlern beim Ablesen und Übermitteln von Einheiten kommt – etwa wenn nur der Zahlenwert ohne Einheit weitergegeben wird oder Einheitenvorsätze wie Mikro, Milli oder Nano verwechselt werden. Solche Fehler könnten laut Meisenberg dazu führen, dass Einsätze einen falschen Verlauf nehmen. In der anschließenden Fragerunde bekräftigte er, dass vor allem das Verständnis für die Bedeutung der Einheiten fehle, weniger für den reinen Zahlenwert.

Ausbildung und aktuelle Projekte

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, stellte Meisenberg verschiedene Ansätze aus der Einsatzvorbereitung vor: die direkte Vermittlung naturwissenschaftlicher Grundlagen, Nachschlagewerke für komplexes Fachwissen, fehlbedienungssichere Ausrüstung sowie die Auslagerung von Bewertungen an Fachberaterinnen und Fachberater. Als Beispiel für technische Entwicklungen nannte er das Projekt ACDC, einen Detektorchip zur Warnung von Einsatzkräften vor Gefahrstoffen und Strahlung, der an der Universität der Bundeswehr München entwickelt und vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Weitere vorgestellte Initiativen waren der Qualifizierungsverbund Strahlenschutz des Bundesamts für Strahlenschutz, das Kliniknetzwerk Strahlennotfall sowie das Deutsche Netzwerk für gesundheitlichen CBRN-Schutz der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin.

Fragerunde zu Fachkräften und Sicherheitslage

In der Diskussion mit den Teilnehmenden ging Meisenberg auch auf die Frage ein, welche Voraussetzungen Einsatzkräfte im Bereich CBRN mitbringen müssen. Fachkräfte aus Chemie, Strahlenschutz und Biologie kämen häufig aus Betrieben, Behörden oder Forschungseinrichtungen; er warb dafür, gezielt Kontakt zu weiterführenden Schulen aufzunehmen, um Nachwuchs zu gewinnen. Zur Frage nach besonderen Gefahren durch die veränderte Sicherheitslage verwies Meisenberg auf die Bedrohung durch terroristische Anschläge, etwa den Sarin-Anschlag auf die U-Bahn in Tokio, aus dem viele Lehren für den heutigen CBRN-Schutz gezogen worden seien.

Neue DKKV-Themenseite zu CBRN-Gefahren vorgestellt

Im Anschluss an den Vortrag stellte das DKKV seine neue Themenseite zu CBRN-Gefahren vor, die gemeinsam mit Meisenberg erstellt wurde. Sie erläutert die einzelnen Gefahrenkategorien und ordnet die Relevanz des Themas anhand historischer Beispiele wie der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl und dem Sarin-Anschlag in der Tokioter U-Bahn ein. Zudem wies das DKKV auf seine neue, seit Kurzem online verfügbare Themenseite zu Landschaftsbränden hin, die in Zusammenarbeit mit dem Global Fire Monitoring Center der Universität Freiburg entstanden ist.

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