CP-Konferenz Tag 2: Ehrenamt, Cyber, Drohnen und Notfallversorgung im Fokus

Stromausfall, Cyberangriffe, CBRN-Lagen und prähospitale Notfallversorgung: Der zweite Tag der CP-Konferenz ließ keine sicherheitspolitisch relevante Frage aus. Renommierte Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Bundeswehr und Zivilschutz beleuchteten Deutschlands Krisenresilienz – und deckten dabei strukturelle Schwächen auf, die dringend politisches Handeln erfordern. Ein Tag, der klarmachte: Im Ernstfall zählt nicht nur das Material, sondern vor allem Planung, Kommunikation und der Mensch dahinter.

CP-Konferenz auf der INTERSCHUTZ 2026 in Hannover an Tag zwei
Die CP-Konferenz auf der INTERSCHUTZ 2026 in Hannover an Tag zwei
Foto: CPM/ Sascha Schuermann

Auch der zweite Veranstaltungstag der CP-Konferenz wurde von Fachleuten und Interessierten zahlreich besucht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden wie am gestrigen Tag von Björn Stahlhut begrüßt und durch das Programm geführt. Der erste Teil der Veranstaltung beschäftigte sich mit den Themen Ehrenamt und Hilfeleistungspotenzial.

CP-Konferenz: Ehrenamt und Hilfeleistungspotenzial

Den Anfang machte Anne Ernst, Mitglied der Geschäftsführung des Johanniter-Bundeszentrums für Krisenmanagement, unter dem Titel „Auf das Ehrenamt angewiesen…!“. Anschließend sprach Albrecht Broemme, Vorstandsvorsitzender des Zukunftsforums Öffentliche Sicherheit e.V., zum Thema „Deutschland in der Krise“. Broemme zeichnete ein nüchternes Bild der deutschen Vorsorgelage.

Als zentrales Fallbeispiel wählte er den Berliner Stromausfall vom Januar – den 72. Anschlag auf Einrichtungen der Verkehrsinfrastruktur in der Hauptstadt innerhalb von zehn Jahren. Bereits bei diesem vergleichsweise begrenzten Ereignis, das nur 2,5 Prozent der Bevölkerung betraf, waren 50 Prozent der Berliner Feuerwehr und 20 Prozent der Polizei im Einsatz. Die Frage, was bei einem flächendeckenden Ausfall passiert wäre, blieb bewusst im Raum stehen.

Besonders scharf kritisierte Broemme die Krisenkommunikation: Der Verweis auf das Internet als Informationsquelle während eines Stromausfalls sei schlicht realitätsfern. Stattdessen plädierte er für professionell vorbereitete, mehrsprachige Konzepte – etwa Lautsprecherwagen, die gezielt feste Anlaufpunkte anfahren und vorbereitete Informationsblätter in verschiedenen Sprachen bereithalten. Mit fünf Sprachen, so Broemme, lassen sich in den meisten deutschen Städten über 90 Prozent der Bevölkerung erreichen.

Mit Blick auf das Ehrenamt betonte er dessen enormes Potenzial, mahnte aber zugleich dringend notwendige Reformen an: Uneinheitliche Freistellungsregelungen, mangelnde Übungspraxis und die fehlende Fähigkeit zu mehrmonatigen Rotationseinsätzen seien strukturelle Schwächen, die politisch gelöst werden müssten. „Solange wir diese Unterschiede nicht wegkriegen, hat die Politik die Aufgaben noch nicht erledigt, von denen wir das eigentlich erwarten.“

CBRN(E) und prähospitale Notfallversorgung

Nach einer Kaffeepause folgte der Vortrag „CBRN(E) – Erkenntnisse und Handlungsnotwendigkeiten“ von Generalarzt Dr. Bruno Most, Kommandeur des Kommandos Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung. Den Abschluss der dritten Session bildete der Vortrag „Prähospitale-Notfall-Blutstillung der 3. Generation, Erweiterte Sicherheits- und Leistungsmerkmale für den Bevölkerungsschutz am Beispiel der SpeedM®-Technologie“.

Die Bedeutung moderner Blutstillungsprodukte für den Bevölkerungsschutz und die militärische Einsatzmedizin ist ein Thema, welches man bei der Diskussion auf politischer oder strategischer Ebene nicht unbedingt auf dem Schirm hat. Der Vortrag des Geschäftsführers der Speedcare Mineral GmbH, Siegfried Kruse, war dementsprechend ein krasser – aber wichtiger – Bruch in der Vortragsreihe.

Speedcare Mineral entwickelt und produziert in Deutschland hämostatische Wundauflagen, die ursprünglich für die Anforderungen der Bundeswehr und der NATO konzipiert wurden. Produkte, die heute weit über den militärischen Bereich hinaus relevant sind. „Es kommt darauf an“, betonte Kruse, „dass tatsächlich ein Produkt dieser Güte prähospital einfach einsetzbar und sicher in der Anwendung ist.“ Ziel sei es, lebensbedrohliche Blutungen bereits durch Ersthelfer wirksam kontrollieren zu können.

Cyber und Drohnen

Im Anschluss fand die Mittagspause mit der Möglichkeit des Besuchs der Industrieausstellung statt. Die vierte Session der CP-Konferenz stand unter dem Thema „Cyber und Drohnen“. Den ersten Vortrag hielt Ferdinand Gehringer, Director Lead Defense and Security bei FTI Consulting, unter dem Titel „Deutschland im Ernstfall“. Es folgte der Vortrag „Gibt es einen Cyber-Spannungsfall?“ von Vanessa Vohs, LL.M., Wissenschaftliche Mitarbeiterin im EU-Projekt AI4DEF und Doktorandin am Lehrstuhl für internationale Politik der Universität der Bundeswehr München.

Anschließend präsentierte Dr.-Ing. Jonas Hielscher, Leitender Wissenschaftler am CISPA Helmholtz Center for Information Security, Forschungsergebnisse aus der ersten Studie zum Thema IT-Sicherheit und Cyberresilienz in deutschen Feuerwehren. Letztendlich schloss Björn Stahlhut mit einer Zusammenfassung und einem Abschiedswort die CP-Konferenz und dankte allen Referentinnen und Referenten für ihre erkenntnisreichen Beiträge.

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