CP-Konferenz 2026 gestartet – Fokus auf zivile Resilienz

„Die geopolitische Lage, wie wir sie heute erleben, zwingt uns dazu, Bevölkerungsschutz wieder viel breiter zu denken“, stellte Christoph de Vries, MdB und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, zum Auftakt der CP-Konferenz in Hannover fest. „Robustere Strukturen, schnellere Reaktionsfähigkeit, krisenfeste Kommunikation, belastbare Versorgungssysteme und insgesamt ein deutlich höheres Maß an Resilienz“ seien die Punkte, welche von der Bundesregierung jetzt angegangen würden – Wie das gelingen kann, diskutieren die Konferenzteilnehmer inmitten der Interschutz.

CP-Konferenz in Hannover gestartet: Tobias Ehlke (3. v. l.), Inhaber CPM Verlag, im Gespräch mit Christoph de Vries MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern.
CP-Konferenz in Hannover gestartet: Tobias Ehlke (3. v. l.), Inhaber CPM Verlag, im Gespräch mit Christoph de Vries MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern.
Foto: CPM / Sascha Schuermann

Die CP-Konferenz 2026 steht unter dem Titel „Zivile Kräfte voraus: Operationsplan Deutschland 2.0!“ Doch während der OPLAN DEU bei der Bundeswehr Fahrt aufnimmt, haben zivile Akteure – Kommunen, Rettungsdienste, THW – noch kaum Berührungspunkte. Um Verteidigung tatsächlich gesamtgesellschaftlich zu begreifen, muss auch das Bedrohungsbewusstsein in der gesamten Gesellschaft vorhanden sein.

Tobias Ehlke, Inhaber und Geschäftsführer der CPM Verlag GmbH, fragte genau deshalb die Wahrnehmung der aktuellen Lage ab. Mit Handzeichen sollten die rund 200 Teilnehmenden der CP-Konferenz kundtun, wie sie die Bedrohung durch Russland abschätzen.

Von 1 – es droht keine Gefahr – bis 10 – Russlands Panzer rollen zeitnah Richtung Berlin. Ein Großteil der Anwesenden hob die Hand bei sieben und acht. Eine Einschätzung, wie sie bei den überwiegend zivilen Vertretern von Behörden, Feuerwehren und Rettungsdiensten vor wenigen Jahren noch anders ausgefallen wäre.

Ein eindringlicher Appell an die zivilen Akteure ist heute nicht mehr notwendig. Vielmehr geht es um die Frage, welche Rolle Kommunen, Hilfsorganisationen, Betreiber kritischer Infrastrukturen und die Wirtschaft künftig in der gesamtstaatlichen Verteidigung Deutschlands übernehmen sollen.

Die Lage: Deutschland im Jahr 2029

Um dies zu diskutieren, steckte Organisator und leitender Redakteur des Security Networks, Björn Stahlhut, mit einem bewusst zugespitzten Zukunftsszenario den inhaltlichen Rahmen ab. In einem „Zeitsprung“ versetzte er die Teilnehmer in das Jahr 2029.

Organisator und leitender Redakteur des Security Networks, Björn Stahlhut setzte die Lage.
Organisator und leitender Redakteur des Security Networks, Björn Stahlhut setzte die Lage.
Foto: CPM / Sascha Schuermann

In diesem Szenario hat sich die Sicherheitslage in Europa weiter verschärft. Die Bundeswehr sieht sich mit ihrer Präsenz in Litauen wiederholt mit Zwischenfällen konfrontiert, während gezielte Desinformationskampagnen das Vertrauen in staatliche Institutionen untergraben.

Gleichzeitig geraten Verwaltungen in Deutschland durch Cyberangriffe unter Druck, kritische Infrastrukturen werden gestört, und Handels- sowie Versorgungsrouten in Nord- und Ostsee sind zunehmend Ziel hybrider Operationen. Stahlhut betonte, dass diese Entwicklungen nicht mehr als rein theoretisch betrachtet werden könnten. Die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine hätten gezeigt, wie verletzlich moderne, hochvernetzte Gesellschaften seien.

Seine zentrale Botschaft lautete daher: Militärische Fähigkeiten allein reichen nicht aus. Widerstandsfähigkeit müsse gesamtgesellschaftlich gedacht werden – als Zusammenspiel von Staat, Wirtschaft, Hilfsorganisationen und Bevölkerung. Diese Punkte werden die von ihm zusammengestellte Redner-Liste in den kommenden zwei Tagen diskutieren.

Stand der Dinge: De Vries fordert gesamtstaatliche Resilienz

Den politischen Auftakt auf der CP-Konferenz übernahm Christoph de Vries. Er skizzierte aktuelle Initiativen der Bundesregierung zur Stärkung der Krisen- und Verteidigungsfähigkeit.

Christoph de Vries, MdB und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, zum Auftakt der CP-Konferenz.
Christoph de Vries, MdB und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, zum Auftakt der CP-Konferenz.
Foto: CPM / Sascha Schuermann

Im Zentrum stehen grundlegende Fragen zur Verwundbarkeit des Landes: Wie resilient ist Deutschland tatsächlich? Und wie gut sind kritische Infrastrukturen, Kommunen und staatliche Strukturen auf Krisen vorbereitet? Eine engere Verzahnung von militärischer und ziviler Verteidigung sei ein wichtiger Schritt dazu.

Besonders hob de Vries auf der CP-Konferenz den jüngst vorgestellten geplanten Pakt für Bevölkerungsschutz hervor, der Bund, Länder, Kommunen sowie Hilfsorganisationen enger vernetzen soll. Ziel sei es, bestehende Fähigkeiten im Bevölkerungsschutz systematisch auszubauen und besser aufeinander abzustimmen. Resilienz dürfe nicht als Aufgabe einzelner Behörden verstanden werden, sondern müsse als dauerhafte gesamtstaatliche Verpflichtung gelten.

Er ergänzte zudem, dass Krisenvorsorge künftig stärker präventiv gedacht werden müsse. Es gehe nicht nur darum, auf Ereignisse zu reagieren, sondern deren Auswirkungen bereits im Vorfeld zu begrenzen. De Vries machte deutlich: „Resilienz entsteht natürlich nicht spontan in der Krise, Resilienz entsteht durch sorgfältige Vorbereitung und genau darum geht es jetzt.“

Blick aus Europa auf der CP-Konferenz

Die europäische Perspektive brachte Lena Düpont, Mitglied des Europäischen Parlaments, in die Diskussion ein. Sie machte deutlich, dass viele der in Deutschland diskutierten Szenarien in anderen EU-Mitgliedstaaten längst Realität seien. Staaten im Osten der Europäischen Union seien seit Jahren mit hybriden Angriffen, Cyberoperationen, Desinformation, instrumentalisierter Migration und Sabotageakten konfrontiert.

Lena Düpont, Mitglied des Europäischen Parlaments, lieferte die europäische Perspektive.
Lena Düpont, Mitglied des Europäischen Parlaments, lieferte die europäische Perspektive.
Foto: CPM / Sascha Schuermann

„Das Szenario, welches eingangs beschrieben wurde, mag für Deutschland an vielen Stellen noch ein kleiner Blick in die Zukunft sein“, so Düpont, „für viele Länder der Europäischen Union ist es schon heute Realität und war es übrigens auch gestern schon.“ Besonders die baltischen Staaten verfügten über umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit solchen Bedrohungen und könnten wichtige Impulse für die europäische Sicherheitsarchitektur liefern.

Die Politikerin betonte zudem, dass Deutschlands Stabilität unmittelbare Auswirkungen auf die Sicherheit der gesamten EU habe. Als wirtschaftliches und politisches Zentrum Europas trage die Bundesrepublik eine besondere Verantwortung für die gemeinsame Resilienz. Parallel dazu entwickle die Europäische Union zunehmend Strukturen, um Verteidigungsfähigkeit, innere Sicherheit und Krisenmanagement enger zu verzahnen.

Ausblick auf die kommenden zwei Konferenztage

Der Auftakt machte bereits deutlich, dass die CP-Konferenz 2026 über den titelgebenden Operationsplan Deutschland 2.0 hinausgeht. Im Mittelpunkt steht die umfassende Frage, wie die zivile Seite Deutschlands auf eine verschärfte Sicherheitslage vorbereitet werden kann.

Zwei Tage geht es in Hannover auf der CP-Konferenz um Bevölkerungsschutz.
Zwei Tage geht es in Hannover auf der CP-Konferenz um Bevölkerungsschutz.
Foto: CPM / Sascha Schuermann

In den kommenden zwei Tagen diskutieren neben den Vertretern aus der Politik auch Stimmen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Bundeswehr und Hilfsorganisationen über konkrete Fähigkeiten und Strukturen, die für eine gesamtgesellschaftliche Resilienz erforderlich sind.

Schwerpunkte der CP-Konferenz sind unter anderem Bevölkerungsschutz, Gesundheitsversorgung, Schutz kritischer Infrastrukturen, Logistik, Versorgungssicherheit sowie die Kooperation zwischen staatlichen und privaten Akteuren.

Dabei wird auch – aber nicht nur – die praktische Umsetzung des Operationsplans Deutschland im zivilen Umfeld eine zentrale Rolle spielen.

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