Standort-Check für Extremwetter: Was das neue Tool für Betriebe leistet
Hochwasser, Starkregen, Sturmböen: Für die meisten Unternehmen ist bislang schwer einzuschätzen, welches Risiko der eigene Betriebsstandort konkret trägt. Amtliche Gefahrenkarten liegen meist als komplexe Behördenportale vor, bundesweite Schadensstatistiken sprechen über Regionen und nicht über einzelne Standorte. Der Anbieter SETON (Brady GmbH) hat mit dem Naturgefahren-Check eine kostenlose Web-Anwendung veröffentlicht, die diese Lücke schließen und sich gezielt an betriebliche Entscheider richten soll.
Der Check läuft in zwei Schritten ab. Zunächst wählt man auf einer interaktiven Deutschlandkarte ein Bundesland aus oder gibt eine Postleitzahl ein und erhält sofort eine erste regionale Risikoeinschätzung. Diese Basiseinstufung stützt sich auf öffentlich zugängliche Behördendaten: die Hochwassergefahrenkarten des BfG-Geoportals, die Starkregenwerte des KOSTRA-DWD-2020-Katalogs sowie historische Schadensstatistiken des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).
Im zweiten Schritt beantwortet man 8 bis 10 kurze Fragen zum eigenen Betrieb: Gibt es einen Keller oder ein Untergeschoss? Befinden sich elektrische Anlagen im Erdgeschoss? Existiert ein aktueller Notfallplan für Unwetterereignisse? Aus den Antworten ergibt sich ein individuelles Risikoprofil mit priorisierten Handlungsempfehlungen. Wer den Check abschließt, kann ein personalisiertes PDF-Infoblatt herunterladen, ohne sich registrieren oder Pflichtangaben machen zu müssen.
Beispiele aus der Praxis
Ein mittelständischer Logistiker im Rheintal gibt seine Postleitzahl ein und erhält die Basiseinstufung Rot: Flusshochwasser und Starkregen gehören dort zu den häufigsten Schadensursachen. Weil sein Lager im Erdgeschoss liegt und elektrische Steuerungsanlagen im Keller stehen, landen diese beiden Punkte ganz oben in seiner Prioritätenliste. Das Tool empfiehlt konkret, Schaltanlagen erhöht zu montieren und Rückstauverschlüsse prüfen zu lassen, jeweils mit Quellenhinweis auf einschlägige Normen und Behördenempfehlungen.
Ein Handwerksbetrieb im Ruhrgebiet erfährt, dass sein Standort vorrangig durch urbane Überflutung und Starkregen gefährdet ist, nicht durch Flusshochwasser. Die Check-Fragen decken auf, dass sein Hof großflächig versiegelt ist und Lichtschächte ins Untergeschoss führen. Beides sind typische Schwachstellen bei Starkregenereignissen. Das Tool priorisiert entsprechend die Lichtschachtsicherung und empfiehlt, die Versicherungsdeckung auf Elementarschäden zu prüfen.
Eine Klinik in Schleswig-Holstein nahe der Nordseeküste erhält für Sturmflut und Küstenüberflutung die Einstufung Rot. Im Betriebs-Check zeigt sich, dass kein aktueller Notfallplan für Unwetterereignisse existiert. Das Tool stellt die Notfallplanung daher an erste Stelle der Handlungsfelder und verlinkt auf weiterführende Informationen zur betrieblichen Vorsorge.
Was das Infoblatt enthält
Am Ende des Checks steht ein personalisiertes PDF zum Download bereit. Es fasst die gewählte Region, die Risikoklasse und die wichtigsten Check-Antworten kompakt zusammen und listet mehrere priorisierte Handlungsfelder mit kurzen Empfehlungstexten auf. Das Infoblatt lässt sich intern weitergeben, in Besprechungen nutzen oder als Grundlage für die Gefährdungsbeurteilung verwenden. Da das PDF direkt im Browser erstellt wird, verlassen keine Eingabedaten den eigenen Rechner.
Datenbasis und Transparenz
Das Tool erhebt keine eigenen Daten und erstellt keine amtliche Gefahrenklasse. Es aggregiert stattdessen behördliche Grundlagen und übersetzt sie in einen betrieblichen Kontext. Im Interface und im herunterladbaren Infoblatt erscheint ein deutlicher Hinweis auf diesen Unterschied. Wer tiefer einsteigen möchte, findet direkte Verweise auf das BfG-Geoportal, den Deutschen Wetterdienst und die GDV-Schadensstatistiken.
Für wen der Check besonders relevant ist
Facility Manager, Sicherheitsbeauftragte, KMU-Leitende sowie Verantwortliche in Logistik und Produktion können den Check in weniger als fünf Minuten durchlaufen. Er liefert keinen Ersatz für eine professionelle Gefährdungsbeurteilung, aber eine fundierte Orientierung darüber, welche Maßnahmen am dringendsten sind und welche warten können. Den kostenlosen Naturgefahren-Check von SETON gibt es hier.
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