Hamburg öffnet 700 zusätzliche Notschlafplätze für den Winter

Lena BerghoffLena Berghoff

Vom 1. November bis 31. März öffnet Hamburg wieder zusätzliche Schlafplätze für Obdachlose.
Neue Standorte gibt es in der Friesenstraße und der Châu-und-Lân-Straße.
Wer bleibt, muss spätestens nach drei Nächten zur Sozialberatung.

Behelfsmäßiges Schlaflager mit Matratzen und persönlichen Gegenständen auf dem Betonboden eines mit Graffiti verzierten Rohbaus. Gefahr im Winter
Schlafplätze im Freien können im Winter zur echten Gefahr für obdachlose Menschen werden.
Foto: pexels/ MART PRODUCTION

Hamburg: Winternotprogramm für Obdachlose startet am 1. November

Wenn die Temperaturen sinken, öffnet Hamburg wieder zusätzliche Schlafplätze für Menschen ohne Wohnung: Vom 1. November 2026 bis zum 31. März 2027 läuft das städtische Winternotprogramm. Eine Änderung betrifft den Ablauf. Wer bleibt, muss spätestens nach der dritten Nacht ein Beratungsgespräch führen. Die Stadt will damit früher klären, ob jemand Anspruch auf Sozialleistungen hat, und mehr Menschen dauerhaft von der Straße holen.

Wo es Schlafplätze gibt

Zwei Einrichtungen sind das ganze Jahr geöffnet: das Pik As in der Neustädter Straße mit bis zu 330 Plätzen und das FrauenZimmer in der Hinrichsenstraße 4a mit bis zu 60 Plätzen. Zum Winterbeginn kommen zwei große Standorte des städtischen Unternehmens Fördern & Wohnen (F&W) dazu. In der Friesenstraße 22 entstehen 400 Plätze, in der Châu-und-Lân-Straße 6 weitere 300. Kirchengemeinden und Hochschulen stellen außerdem rund 90 Containerplätze bereit. Die Stadt beziffert das Gesamtangebot auf rund 1.100 Übernachtungsplätze.

Die Containerplätze werden persönlich vergeben. Paare kommen am 27. Oktober an die Reihe, Männer am 28. Oktober, jeweils ab 10:00 Uhr in der Tagesaufenthaltsstätte der Diakonie, Bundesstraße 101. Frauen melden sich am 28. Oktober im Tagestreff Kemenate, Charlottenstraße 30.

Beratung wird zur Pflicht

Aufgenommen wird man zunächst ohne Formalitäten. Nach spätestens drei Nächten ist dann aber ein Gespräch mit der Sozialberatung vorgeschrieben. Dabei wird auch die Identität geprüft, um mögliche Leistungsansprüche beurteilen zu können. Besteht ein Anspruch, helfen die Berater bei den Anträgen. Das Ziel ist die Vermittlung in die Regelversorgung, vor allem in eine öffentlich-rechtliche Unterkunft, sowie in weitere soziale und gesundheitliche Hilfen.

Wer in Hamburg keinen Anspruch auf Sozialleistungen hat, soll zu anderen Möglichkeiten beraten werden. Dazu gehören Hilfen im Herkunftsland und Unterstützung bei einer freiwilligen Rückkehr. F&W kooperiert dafür unter anderem mit der Beratungsstelle Plata und der Servicestelle Arbeitnehmerfreizügigkeit. Gesprochen wird mehrsprachig oder mit Sprachmittlern. Plata ist zudem einmal pro Woche in der Friesenstraße 22 vor Ort.

Ausstattung und Tagesablauf

Die beiden F&W-Standorte sind täglich von 17:00 bis 9:30 Uhr geöffnet. Tagsüber, von 9:30 bis 16:30 Uhr, können sich Obdachlose in den Tagesaufenthaltsstätten aufhalten. Bei extremem Wetter sollen die Zeiten ausgeweitet werden. Ein Busshuttle verbindet täglich den Hauptbahnhof/ZOB mit den beiden Unterkünften.

Geschlafen wird meist in Zwei- oder Dreibettzimmern, es gibt abschließbare Schränke und Gemeinschaftssanitäranlagen. Frauen und LSBTIQ* haben eigene geschützte Bereiche. Menschen, die besonders gefährdet sind oder gesundheitlich oder psychisch beeinträchtigt, können im Einzelfall ein Einzelzimmer bekommen. Wer auf Barrierefreiheit angewiesen ist, findet sie in der Friesenstraße 22.

Hinzu kommen medizinische und pflegerische Grundversorgung, eine Kleiderkammer, kostenlose Waschmaschinen und Trockner, Hygieneartikel und Getränke. Das Frühstück übernehmen an beiden Standorten Ehrenamtliche des Fördervereins Winternotprogramm e. V., in der Friesenstraße auch das Abendessen. In der Châu-und-Lân-Straße kommt das Abendessen von F&W.

So kommt man ins Programm

Wer ab dem 1. November einen Platz braucht, geht zur Friesenstraße 22. Dort wird entschieden, in welcher Unterkunft er unterkommt. Das Angebot kostet nichts. Alkohol und andere Suchtmittel sind in den Schlafräumen verboten, ein Sicherheitsdienst ist rund um die Uhr vor Ort. Im vergangenen Winter musste nach Angaben der Stadt niemand abgewiesen werden, weil es immer freie Plätze gab.

Rechtlich versteht die Stadt das Programm als Gefahrenabwehr, es soll Erfrierungen verhindern. Es gilt deshalb nur für obdachlose Menschen in Hamburg, die einen Schlafplatz suchen und sich nicht anders helfen können. Weitere Hilfsangebote sind unter www.hamburg.de/obdachlosigkeit gesammelt.

Mit WhatsApp immer auf dem neuesten Stand bleiben!

Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal, um die Neuigkeiten direkt auf Ihr Handy zu erhalten. Einfach den QR-Code auf Ihrem Smartphone einscannen oder – sollten Sie hier bereits mit Ihrem Mobile lesen – diesem Link folgen:

Kennen Sie schon unser Crisis Prevention Printmagazin?

Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Verwendete Schlagwörter

Fördern & WohnenFriesenstraßeGefahrenabwehrHamburgKälteschutzNotübernachtungObdachlosigkeitSozialberatungWinternotprogramm

Ähnliche Posts