Angesichts neuer sicherheitspolitischer Bedrohungen probten die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. mit Bundeswehr und THW den Ernstfall im Zivilschutz. Die Großübung „ZusammenStark 2025“ zeigt, wie komplex die Versorgung hunderter Verletzter unter realistischen Bedingungen ist.
Der Krieg in der Ukraine, gezielte Störungen des Luftverkehrs, digitale Angriffe auf die Infrastruktur: Die sicherheitspolitische Situation in Europa hat sich verändert.Durch die angedachten Aufgaben im Bereich des Host Nation Supports könnten Einsatzkräfte der Johanniter-Unfall-Hilfe in Zukunft zusätzlich verstärkt gefordert werden.
Als anerkannte Hilfsorganisation planten die Johanniter in Bayern deshalb eine großangelegte Übung, die auf ein Szenario mit Zivilschutzkontext ausgerichtet war.
Großübung auf dem Gelände der Staatlichen Feuerwehrschule
„ZusammenStark 2025“: Vom 3. bis 5. Oktober fand die erste bayernweite Großübung der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. zusammen mit dem 3. Feldjägerregiment der Bundeswehr sowie dem Technischen Hilfswerk Landesverband Bayern statt. An der Zivilschutzübung auf dem Gelände der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried beteiligten sich rund 400 Johanniter.
Übungsszenario
Das vorgegebene Übungsszenario lautete: Die Teilnehmenden befinden sich in Phase III eines Gesamtszenarios Zivile Verteidigung. Über einen Zeitraum von 24 Stunden treffen alle zwei Stunden Hospitalzüge aus einem Kriegsgebiet ein.
Sie transportieren jeweils 25 verwundete Soldaten und Zivilisten, die bereits erstversorgt sind. Über den gesamten Zeitraum der Großübung kommen insgesamt 300 Patienten an. Der Schwerpunkt liegt auf der Übernahme der Patienten.
Das Gelände der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried bot mit der Kulisse eines Bahnhofs und Zügen gute Möglichkeiten für die Umsetzung des Szenarios. Aus dem gesamten Freistaat Bayern waren für die Aufgabe Johanniter-Einheiten zu einer Behandlungsbereitschaft der Medizinischen Task Force organisiert worden.
Das Übungsszenario beinhaltete den Umgang der Übernahme der Patienten aus dem Zug und der damit verbundene Umgang mit medizinischen Dokumenten der NATO sowie die Schnittstelle der zivilmilitärischen Zusammenarbeit im Bereich Medizin.
Wie im Ernstfall mussten die Patienten an Bahnhöfen in Empfang genommen und nach der Zwischenversorgung in geeignete weiterbehandelnde Einrichtungen abtransportiert werden.
Für das gestellte Szenario wurde bewusst eine Behandlungsbereitschaft der Medizinischen Task-Force gewählt, die speziell für Begebenheiten des Zivilschutzes konzipiert worden ist. Hier ist auch die Johanniter-Unfall-Hilfe als Hilfsorganisation in verschiedenen Regierungsbezirken in Bayern mit eingebunden.
Durch diese Einheiten wurden die verwundeten Soldaten und Zivilisten aus den ankommenden Hospitalzügen übernommen, versorgt und an die Patiententransportgruppe zur Verlegung in entsprechende Patienten-Hubs übergeben.
Vorbereitung auf die Landesübung
In der Vorbereitung für die Großübung erhielten die ehrenamtlichen Helfer gezielte Schulungen auf mögliche Verletzungsmuster oder Herausforderungen im Kontext der zivilen Verteidigung. Diese dienten der Sensibilisierung und der Erhöhung der Handlungssicherheit im Übungs- aber auch im Ernstfall.
Weitere Themen waren Medienarbeit im Bevölkerungsschutz, Aufbau der eigenen und der familiären Resilienz sowie Rechtsgrundlagen.
Der Übungszeitraum und Erprobung des Bereitstellungsraums 250
Über 24-Stunden stellten Einsatzkräfte den Betrieb der Behandlungsbereitschaft sicher, um Erfahrungen bezüglich Perseveranz von Material und Personal zu sammeln. Damit konnte unter anderem auch die Anforderung von Verbrauchsmaterial über das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe simuliert werden.
Für die Unterbringung und Versorgung der Einsatzkräfte während der gesamten Übung wurde erstmalig der Bereitstellungsraum 250 der Landesvorhaltung erprobt. Er bietet, wie der Name vermuten lässt, bis zu 250 Einsatzkräften die Möglichkeit der Übernachtung und der Verpflegung. Hierfür wurden spezielle Küchenelemente sowie Dusch- und Toilettenanhänger angeschafft.
Begleitende Veranstaltung während der Übung
Neben Fachvorträgen zu verschiedenen Themen, fand nach der eigentlichen Übung eine Podiumsdiskussion zum Thema Zivilschutz statt, an der Vertreter des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, des THW-Landesverbandes Bayern, des Sanitätsdienstes der Bundeswehr sowie der Wirtschaft teilnahmen.
Zusammenarbeit mit Bundeswehr und THW
Ein Ziel der Großübung war die Zusammenarbeit mit anderen Organsiationen. Neben den Einsatzkräften der Johanniter war das Feldjägerregiment 3 mit dabei. Diese Einheit der Bundeswehr beübte spezielle Auf-gabenstellungen im Bereich des Militärpolizeiwesens.
Schwerpunkte waren dabei die Dokumentation von militärpolizeilich relevanten Punkten oder auch die Absuche und Sicherung von Waffen bei Militärangehörigen. Weiterhin unterstützte das Technische Hilfswerk aus der Regionalstelle Bad Tölz mit dem Bau von Rampen zur Überwindung des Bahnsteiges sowie der Bereitstellung des Logistikzuges.
Hierbei konnten Erkenntnisse für zukünftige Einsätze dieser Art bezüglich des Baus von Behelfsbauwerken und Anforderungen daran gewonnen werden. Zum Beispiel sind die standardisierten Rampen für gehfähige Personen ausgelegt und auf Grund ihres Neigungswinkels nicht für den Transport von liegenden oder sitzenden Patienten geeignet.
Erkenntnisse aus der Landesübung
Oberstes Ziel der Übung war es, Erfahrungen zu sammeln, um die Einsatzkräfte noch besser auf veränderte Rahmenbedingungen vorzubereiten. Ebenso stand die Zusammenarbeit mit externen Partnern im Fokus.
Durch den Einsatz von speziell geschulten Kräften im Bereich PSNV konnten wertvolle Problemfelder identifiziert werden, die zu weiteren Schulungsmaßnahmen und somit resilienteren Einsatzkräften führen.
Zur systematischen und unabhängigen Auswertung der Großübung wurde ein umfassendes Evaluationskonzept entwickelt. Dabei sollen sowohl operative Abläufe, menschliche Faktoren aber auch Lerneffekte zu Koordinationsstrukturen kritisch betrachtet werden.
Für die externe Evaluation stehen als Partner die Akkon Hochschule für Humanwissenschaften, die Technische Hochschule Würzburg/Schweinfurt, das Universitätsklinikum Augsburg, das Bayerische Zentrum für besondere Einsatzlagen (BayZBE) sowie eine Vielzahl weiterer Beobachter aus allen Bereichen der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr zur Verfügung.
Ausblick
In der anstehenden Nachbereitung und Auswertung werden aus den Ergebnissen konkrete Optimierungsvorschläge für künftige Übungen und reale Einsätze abgeleitet.
Die gewonnenen Erkenntnisse werden in einem Abschlussbericht zusammengefasst und allen bayerischen – und auch außerbayerischen – Institutionen im Bereich Bevölkerungsschutz zur Verfügung gestellt, um die Resilienz und Einsatzfähigkeit im Zivilschutz weiter zu stärken.
Die Großübung stellt auf Grund der Vielzahl an gewonnenen Erkenntnissen einen entscheidenden Beitrag zur Krisenvorsorge in Bayern dar.
Sie bereitete die an der Übung beteiligten Einsatzkräfte praxisnah auf mögliche Einsatzlagen im Zusammenhang mit sicherheits-politischen Bedrohungen vor und förderte die Interoperabilität der beteiligten Institutionen.
Die Johanniter im Landesverband Bayern setzen auf weitere Kontinuität, um die Einsatzkräfte auf die geänderten Gegebenheiten und Herausforderungen konsequent vorzubereiten.
Angepasste Übungsszenarien, Online-Schulungen und Austausch mit anderen Organisationen dienen dazu, die Johanniter-Unfall-Hilfe und ihre Helfenden weiterhin professionell einsatzsicher zu halten.
Carolin Mauz, Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Landesverband Bayern
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