CP-Konferenz 2026 in Hannover – Zusammenfassung erster Tag

Wie widerstandsfähig ist Deutschland in Zeiten hybrider Bedrohungen, Cyberangriffe und wachsender geopolitischer Spannungen? Die CP-Konferenz 2026 auf der INTERSCHUTZ in Hannover widmete sich am ersten Veranstaltungstag den zentralen Fragen von Resilienz, Krisenvorsorge und Bevölkerungsschutz. Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Einsatzorganisationen diskutierten, wie Staat und Gesellschaft ihre Handlungsfähigkeit in Krisen stärken können.

CP-Konferenz 2026
Eindrücke der CP-Konferenz im Rahmen der Messe INTERSCHUTZ 2026 am 02.06.2026 und 03.06.2026 in Hannover. Unter den Motto „Zivile Kräfte voraus: Operationsplan Deutschland 2.0!“ kommen Entscheiderinnen und Entscheider, Fach- und Führungskräfte sowie Interessierte im Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement, die sich mit der Weiterentwicklung ziviler Sicherheitsarchitekturen befassen und den fachlichen Austausch auf Augenhöhe suche zusammen.
Foto: CPM/ Sascha Schuermann

Am 2. Juni 2026 fand der erste Tag der CP-Konferenz 2026 im Rahmen der INTERSCHUTZ in Hannover statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Fragen der Resilienz, Krisenvorsorge und des Bevölkerungsschutzes vor dem Hintergrund aktueller sicherheitspolitischer und gesellschaftlicher Herausforderungen. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Einsatzorganisationen diskutierten unterschiedliche Ansätze zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Staat und Gesellschaft. Die Veranstaltung wurde von Tobias Ehlke, Geschäftsführer der CPM Verlag GmbH, eröffnet.

Anschließend begrüßte Moderator Björn Stahlhut die Teilnehmenden der CP-Konferenz 2026 und führte durch das Tagesprogramm. Christoph de Vries, Mitglied des Deutschen Bundestages und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium des Innern, beleuchtete die Wichtigkeit des Zusammendenkens von militärischer und ziviler Verteidigung. Danach folgte Lena Düpont, Mitglied des Europäischen Parlaments, mit einem Beitrag zum Thema „Resilienz – Die europäische Lage“.

Björn Stahlhut führte durch das Programm der Veranstaltung
Foto: CPM/ Sascha Schuermann

CP-Konferenz 2026: Innenpolitische Perspektiven auf Krisenvorsorge und Bevölkerungsschutz

Der erste Teil der CP-Konferenz 2026 setzte seinen Fokus auf die innenpolitische Perspektive. Beschäftigt wurde sich unter anderem mit der Stärkung der Resilienz von Verwaltungsstäben. Dazu stellte Prof. Dr. Gesine Hofinger das Forschungsprojekt „ReVerSy“ vor.

„Berlin ohne Strom“: Lehren aus einem großflächigen Stromausfall

Einen besonders praxisnahen Einblick in die Herausforderungen moderner Krisenvorsorge bot Gollaleh Ahmadi mit ihrem Vortrag „Berlin ohne Strom“.Ausgangspunkt ihrer Ausführungen war ein mehrtägiger Stromausfall im Berliner Bezirk Zehlendorf Anfang Januar 2026, von dem über 100.000 Menschen betroffen waren. Anhand dieses Ereignisses verdeutlichte sie, wie stark das öffentliche Leben inzwischen von einer funktionierenden Stromversorgung und digitalen Infrastruktur abhängig ist.

Ausgefallene Ampeln, eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten, geschlossene Geschäfte sowie Beeinträchtigungen in Pflegeeinrichtungen und anderen kritischen Einrichtungen zeigten bereits bei einem lokal begrenzten Stromausfall die Verwundbarkeit moderner Gesellschaften auf. Ahmadi betonte jedoch, dass Berlin in diesem Fall vergleichsweise glimpflich davongekommen sei. Da lediglich ein Teilbereich der Hauptstadt betroffen war, konnten andere Bezirke Unterstützung leisten und wichtige Infrastrukturen weiterhin genutzt werden.

Die eigentliche Herausforderung bestehe jedoch in der Frage, welche Auswirkungen ein großflächiger Stromausfall auf eine Millionenmetropole hätte. Ein solcher Ausfall würde nicht nur die Stromversorgung betreffen, sondern gleichzeitig Kommunikationsnetze, Verkehrssysteme, Wasser- und Gesundheitsversorgung sowie zahlreiche digitale Dienste beeinträchtigen. Moderne Krisen seien daher nicht isoliert zu betrachten, sondern durch ihre enge Vernetzung und die Gefahr von Kaskadeneffekten geprägt.

Im weiteren Verlauf ihres Vortrags spannte Ahmadi den Bogen zu aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen. Sie verwies auf hybride Bedrohungen wie Cyberangriffe auf Verwaltungen und kritische Infrastrukturen, Desinformationskampagnen sowie gezielte Angriffe auf das Vertrauen in staatliche Institutionen. Krisen würden heute nicht mehr ausschließlich durch physische Ereignisse ausgelöst, sondern entstünden zunehmend an den Schnittstellen von digitaler, technischer und gesellschaftlicher Verwundbarkeit.

Besonders in Krisensituationen könne die Verbreitung von Falschinformationen erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Wahrnehmung und die Handlungsfähigkeit staatlicher Stellen haben. Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags lag auf dem Begriff der Resilienz. „Resilienz ist mehr als ein Modewort“ betont Gollaleh Ahmadi. Sie beginne bereits bei der Planung und Absicherung kritischer Infrastrukturen, bei redundanten Versorgungssystemen und der Fähigkeit von Behörden, auch bei Ausfällen digitaler Systeme handlungsfähig zu bleiben.

Gleichzeitig sei Resilienz eine gesellschaftliche Aufgabe. Eine gut informierte Bevölkerung, funktionierende Nachbarschaftsnetzwerke sowie die Fähigkeit zur Eigenvorsorge seien wesentliche Voraussetzungen, um Krisen erfolgreich bewältigen zu können. Abschließend plädierte Ahmadi für ein breiteres Verständnis von Sicherheitspolitik.

Neben militärischen Fähigkeiten müssten insbesondere der Schutz kritischer Infrastrukturen, die Krisenkommunikation, die Cybersicherheit sowie die gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit stärker in den Fokus rücken. Der Stromausfall in Berlin sei dabei weniger als Ausnahmeereignis zu verstehen, sondern vielmehr als Warnsignal dafür, wie wichtig vorausschauende Krisenvorsorge und eine resiliente Gesellschaft für die Bewältigung zukünftiger Herausforderungen sind.

Gollaleh Ahmadi, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin
Foto: CPM/ Sascha Schuermann

Kommunales Krisenmanagement und zivil-militärische Zusammenarbeit

Im Folgenden wurde die Wichtigkeit von kommunalem Krisenmanagement anhand eines Lagebilds (Jan Paschen, André Stadsholt; KomRe AG) sowie die zivil-militärische Zusammenarbeit anhand der Vorstellung des Grünbuchs ZMZ 4.0 (Staatssekretär a.D. Christian Seel, Wolfgang Lohmann; Zukunftsforum Öffentliche Sicherheit e.V.) beleuchtet.

Wirtschaft und Industrie als Bausteine der Krisenvorsorge

Nach einer Mittagspause und der Möglichkeit des Besuchs der Industrieausstellung startete das Programm der CP-Konferenz 2026 in den zweiten Teil. Dieser beschäftigte sich mit den Zweigen Wirtschaft und Industrie. Dr. Julian Weidinger machte dabei den Anfang mit dem Lageboard der YconX GmbH, einem Tool zur automatisierten Lagebeurteilung in Krisensituationen. Der nächste thematische Punkt beleuchtete die Herausforderungen für einen resilienten Standort, referiert von Benjamin Baykal.

Pharmaindustrie als kritische Infrastruktur im Krisenfall

Unter dem Motto „Gemeinsam krisenfest“ startete der nächste Vortrag von Anna Wehage von Pharma Deutschland, Referentin für nationale und europäische Gesetzgebung sowie internationale und sicherheitspolitische Fragestellungen. Im Mittelpunkt ihres Vortrags stand die Rolle der Pharmaindustrie als systemrelevanter Bestandteil kritischer Infrastruktur im Krisen- und Verteidigungsfall.

Sie machte deutlich, dass die Branche eine doppelte Verantwortung trage: Einerseits müsse sie ihre eigene Resilienz gegenüber Krisen stärken, insbesondere im Hinblick auf Produktions- und Lieferketten, andererseits sei sie essenziell für die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung in Ausnahmesituationen. Arzneimittelversorgung, insbesondere mit Antibiotika, Schmerzmitteln, Impfstoffen, Notfallmedikamenten und spezifischen Antidoten, sei ein zentraler Stabilitätsfaktor für Staat und Gesellschaft.

Anhand des zuvor diskutierten Lagebilds zeigte Wehage auf, welche konkreten Auswirkungen Krisenszenarien auf die Pharmaindustrie haben können. So könnten Cyberangriffe auf Verwaltungsstrukturen, etwa auf das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, erhebliche Folgen für die Zulassung und Produktion von Medikamenten haben, da Genehmigungs- und Kontrollprozesse zunehmend digitalisiert ablaufen.

Auch Desinformation und Vertrauensverluste stellten ein erhebliches Risiko dar, wie bereits während der COVID-19-Pandemie deutlich geworden sei, insbesondere im Kontext der Impfstoffdebatten. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Verwundbarkeit globaler Lieferketten. Wehage verwies auf die starke Abhängigkeit Europas von Wirkstofflieferungen aus Ländern wie China und Indien sowie auf bereits spürbare Störungen internationaler Handelsrouten.

Diese Entwicklungen könnten schnell zu Rohstoff- und Versorgungsengpässen führen. Gleichzeitig hob sie hervor, dass die Industrie in vielen Bereichen bereits Vorsorgemaßnahmen getroffen habe, etwa durch Lagerhaltung und angepasste Logistikstrukturen. Darüber hinaus thematisierte sie die zunehmende gesellschaftliche und politische Sensibilität für Arzneimittelversorgung. Beispiele wie Lieferengpässe bei Fiebersäften zeigten, wie schnell einzelne Produkte in den Fokus öffentlicher Debatten geraten können und wie stark politische Reaktionen darauf ausfallen.

In diesem Zusammenhang verwies sie auch auf regulatorische Anpassungen und die Diskussion über faire Preisstrukturen, insbesondere im Bereich der Kinderarzneimittel. Im europäischen Kontext hob Wehage die Bedeutung neuer regulatorischer Initiativen hervor, insbesondere den sogenannten „Critical Medicines Act“ sowie geplante Maßnahmen im Rahmen eines „Biotech Acts“. Diese Instrumente sollten dazu beitragen, die Produktion versorgungskritischer Arzneimittel in Europa zu stärken und Innovationsprozesse zu beschleunigen.

Gleichzeitig verwies sie auf die Rolle europäischer Behörden wie der HERA (Health Emergency Preparedness and Response Authority), die Krisenszenarien klassifizieren und koordinierte Reaktionen im Gesundheitsbereich unterstützen. Ein weiterer zentraler Punkt war die Forderung nach einer stärkeren industriepolitischen Flankierung der pharmazeutischen Produktion in Europa.

Wehage betonte, dass Standortentscheidungen zunehmend unter internationalem Wettbewerbsdruck stünden und politische Rahmenbedingungen – etwa im Bereich der Krankenkassenfinanzierung oder Preisregulierung – direkten Einfluss auf Investitionen hätten. Gleichzeitig plädierte sie für flexiblere regulatorische Verfahren, um in Krisensituationen schneller reagieren zu können. Abschließend unterstrich sie die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen Industrie, Politik und weiteren Akteuren des Gesundheitssystems. Die Pharmaindustrie verstehe sich dabei nicht nur als wirtschaftlicher Akteur, sondern auch als Teil des Bevölkerungsschutzes.

Als kritische Infrastruktur sei sie darauf angewiesen, frühzeitig in Krisenplanungen eingebunden zu werden und gleichzeitig selbst aktiv zur Versorgungssicherheit beizutragen. Nur durch abgestimmte Prozesse zwischen Unternehmen, Behörden, Krankenhäusern und politischen Entscheidungsträgern könne eine stabile Arzneimittelversorgung auch in Krisensituationen gewährleistet werden.

Optimismus ist keine Strategie“: Krisenvorsorge als Führungsaufgabe

Nach einer Kaffeepause und einer weiteren Möglichkeit, die Industrieausstellung zu besuchen, startete der letzte Vortrag in Session zwei mit dem Titel „Optimismus ist keine Strategie!“, referiert von Susanne Kufeld, CSO der Messe Berlin und Expertin für Business Continuity Management und Krisenbewältigung. Geschlossen wurde der zweite Teil der CP-Konferenz 2026 mit einer Q&A-Runde, geleitet von Björn Stahlhut.

Resilienz als Zukunftsaufgabe der Berliner Feuerwehr

Nach einem Get-together zum Austausch und zur Vernetzung beendeten die Leiterin des Forschungsbereichs Dr. Rebecca Prell und der Leitende Branddirektor Thomas Kirstein der Berliner Feuerwehr den ersten Tag der CP-Konferenz 2026 mit ihrem Beitrag zum Thema „Wandel in Krisen: Neue Anforderungen an Feuerwehren und der Weg zur resilienten Organisation“.

Die CP-Konferenz wird am folgenden Tag fortgesetzt und widmet diesmal den Schwerpunkten „Ehrenamt und Hilfeleistungspotenzial“ sowie „Cyber und Drohnen“.

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