Ein Stromausfall ist nicht nur ein technisches, sondern vor allem in der heutigen Zeit ein Kommunikations- und Logistik-Problem. Wenn die Netze stillstehen, hängt die Handlungsfähigkeit von Einsatzkräften und Infrastrukturbetreibern zunehmend davon ab, welche Informationen und Ressourcen (bspw. Kraftstoff) verfügbar sind. Mit dem Projekt KriKom-LK-Meißen verfolgt der Landkreis unter anderem das Ziel, die Versorgungssicherheit seiner BOS- und KRITIS-Einrichtungen durch NotstromErsatzAnlagen (NEA) auch im Krisenfall aufrechtzuerhalten. Gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Technik wird ein System etabliert, das autarke, energieeffiziente Funk- und Sensor-Technik in das krisenfeste Kri-Kom-Netz kombiniert – um selbst bei einem Blackout die Handlungs- und Kommunikations-Fähigkeit zu erhalten.
Vom Szenario zur Vorsorge
Ein großflächiger Stromausfall gehört zu den wahrscheinlichsten und zugleich folgenreichsten Katastrophenszenarien in Deutschland. Was passiert, wenn das Licht ausgeht – nicht nur für Minuten, sondern für Tage? Die im Auftrag des Freistaates Sachsen erstellte Studie „Stromausfall – Sachstandserhebung und Planungshilfe für Gefahrenabwehrbehörden“ hat diese Frage eindringlich beantwortet: Ohne Energie bricht binnen kurzer Zeit das Rückgrat der modernen Gesellschaft zusammen. Kommunikation, Wasserversorgung, Verkehr, medizinische Versorgung und öffentliche Sicherheit geraten in kritische Abhängigkeiten – und das bereits nach wenigen Stunden.
Besonders empfindlich reagieren dabei auch unschein bare, aber systemrelevante Glieder der Infrastruktur: Tankstellen. Denn ohne elektrische Energie können Zapfsäulen, Pumpen und Kassensysteme nicht betrieben werden. Damit fehlt der Treibstoff für Einsatzfahrzeuge, Notstromaggregate und logistische Versorgungsketten.
Genau an dieser Schwachstelle setzt das Projekt TankNotStrom im Landkreis Meißen an. Es ist ein Beispiel für vorausschauendes Krisenmanagement, das aus wissenschaftlicher Analyse konkrete Vorsorgemaßnahmen ableitet. Das System sorgt dafür, dass ausgewählte Tankstellen und Notstromaggregate auch im Falle eines Blackouts mit Energie und Treibstoff versorgt bleiben. So wird eine entscheidende Lücke im Katastrophenschutz geschlossen – zwischen Einsatzplanung und praktischer Umsetzbarkeit.
Das TankNotStrom-System – Schlüsseltechnologie für Versorgungssicherheit
Mit dem TankNotStrom-System wurde eine Lösung geschaffen, die den Betrieb kritischer Infrastrukturen im Krisenfall dauerhaft absichert. So sorgt das System dafür, dass die Kraftstoffversorgung für Notstromaggregate und Einsatzfahrzeuge auch dann aufrechterhalten werden kann, wenn herkömmliche Kommunikations- und Energieverbindungen nicht mehr funktionieren. Herzstück ist das autarke KriKom-Netz, ein von der öffentlichen Strom- und Datenversorgung unabhängiges Kommunikationssystem, das selbst bei einem vollständigen Infrastrukturausfall die Steuerung und Koordination ermöglicht.
Über dieses Netz werden in Echtzeit die Füllstände von stationären und mobilen Notstromaggregaten überwacht. Intelligente Sensoren erfassen kontinuierlich den Kraftstoffbedarf, während der zentrale TankNotStrom-Leitstand die Daten auswertet und automatisch Tankaufträge generiert. Diese werden unmittelbar an die Fahrer von Tankwagen übermittelt, die über mobile Kommunikationseinheiten geortet, gesteuert und überwacht werden.
So entsteht ein geschlossenes System, das Kraftstoffbedarfe erkennt, priorisiert und logistisch umsetzt – auch bei reduziertem Personalbestand und unter erschwerten Bedingungen.
Das TankNotStrom-System ist modular aufgebaut und kann an die Anforderungen der jeweiligen Region angepasst werden. Zu den zentralen Komponenten gehören:
- Leitstand: Zentrale Überwachung, Treibstofflogistik, Textkommunikation und Datenbankmanagement.
- Sensoreinheiten: Für stationäre und mobile Aggregate, mit IP66-Schutz, GPS und Batterieüberwachung.
- Kommunikationsterminals: Touchbasierte Steuer- und Kommunikationsgeräte mit optischer Benachrichtigung.
- Mobile Komponenten: Tragbare Einheiten zur Koordination der Tanklogistik im Feldbetrieb.
Umsetzung im Landkreis Meißen – Vernetzte Krisenvorsorge mit System
Der Landkreis Meißen gehört zu den ersten Regionen in Deutschland, die das TankNotStrom-System flächendeckend in ihre Katastrophenschutzstruktur integrieren. Der Aufbau des Systems erfolgt im Rahmen des KriKom-LK-Mei-Projekts (Krisenkommunikation Landkreis Meißen, www.krikom-lkm.de) – einer Initiative, die darauf abzielt, ein robustes, krisenfestes Kommunikations- und Versorgungssystem für Behörden, Rettungsdienste und kritische Infrastrukturen zu schaffen. Ziel ist es, die Handlungsfähigkeit des Landkreises auch in Szenarien langanhaltender Stromausfälle oder großflächiger Infrastrukturausfälle sicherzustellen.
In einer ersten Ausbaustufe wird das TankNotStrom-System (TNS) mit den notstromversorgten Standorten der Landkreisverwaltung in Großenhain, Meißen und Riesa verbunden. Zusätzlich werden alle fünf Rettungswachen sowie drei Standorte der Elblandkliniken – Meißen, Riesa und Radebeul – in das System integriert. Auch die Elbland-Reha-Klinik in Großenhain wird an das Netzwerk angeschlossen. Damit entsteht ein überregional vernetztes System, das die Versorgung der wichtigsten medizinischen und administrativen Einrichtungen des Landkreises sicherstellt.
Als erster Standort wurde das TankNotStrom-System im Zentrum für Brand- und Katastrophenschutz (ZBK) Glaubitz erfolgreich realisiert. Dort dient es als Pilotinstallation und Demonstrator für die weiteren Ausbaustufe.
Die Erfahrungen aus Glaubitz zeigen, dass sich das System reibungslos in bestehende Abläufe einfügt und eine erhebliche Erleichterung in der Krisenlogistik schafft: Füllstände der Notstromaggregate können jederzeit digital überwacht werden, die Kraftstoffversorgung erfolgt bedarfsorientiert und priorisiert – ohne zusätzliche Kommunikationsaufwände.
3D-Scan des FTZ Glaubitz zur Optimierung von Planungsabläufen
Die Einbindung des TNS in das KriKom-Projekt schafft eine technische und organisatorische Plattform, die über die reine Kraftstofflogistik hinausgeht. Über das zugrundeliegende KriKom-Netz lassen sich künftig auch weitere sicherheitsrelevante Anwendungen realisieren – etwa für Alarmierung, Lagebildübertragung oder Informationsverteilung an Einsatzkräfte und Bevölkerung. Damit setzt der Landkreis Meißen ein deutliches Signal: Krisenvorsorge wird nicht nur geplant, sondern konkret umgesetzt – vernetzt, redundant und praxistauglich.
Fazit und Ausblick – Modellregion für resiliente Infrastruktur
Mit der Einführung des TankNotStrom-Systems hat der Landkreis Meißen einen wichtigen Schritt in Richtung moderner, technisch gestützter Krisenvorsorge getan. Das Projekt zeigt, dass wirksamer Katastrophenschutz heute nicht nur von Einsatzbereitschaft, sondern ebenso von digitaler Vernetzung und intelligenter Infrastruktur abhängt. Durch die Verbindung von Notstromtechnik, Kommunikationsnetz und automatisierter Logistik ent- steht ein System, das auch unter Extrembedingungen funktionsfähig bleibt – ein entscheidender Faktor für die Aufrechterhaltung öffentlicher Sicherheit und Versorgung.
Der Landkreis fungiert dabei als Modellregion, in der Theorie und Praxis des Bevölkerungsschutzes erfolgreich zusammengeführt werden. Die Integration in das KriKom-LK-Mei-Projekt ermöglicht es, das TankNotStrom-System nicht als isolierte Lösung, sondern als Teil einer umfassenden Krisenarchitektur zu betreiben. Damit wird der Weg bereitet, ähnliche Systeme auch in anderen Land- kreisen und Bundesländern einzuführen – angepasst an lokale Gegebenheiten, aber mit derselben Grundidee: die Sicherstellung der Handlungsfähigkeit im Krisenfall.
Die ersten praktischen Erfahrungen zeigen, dass die Kombination aus technischer Robustheit und organisatorischer Klarheit den Ausschlag gibt. Das System vereinfacht Abläufe, reduziert Kommunikationsaufwand und schafft Transparenz über verfügbare Ressourcen – genau das, was in einer Krisensituation zählt.
So wird aus einem technischen Konzept ein greifbarer Fortschritt: Der Landkreis Meißen demonstriert, wie kommunale Resilienz im 21. Jahrhundert aussehen kann – vernetzt, vorausschauend und verlässlich.
Autor: Ronald Voigt und Thomas Leitert
Erstmals erschienen in: Crisis Prevention 4/2025
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