50 Mitarbeiter, drei Produktlinien, ein Prinzip: Bei Teksam im belgischen Genk entstehen Teleskop- und Sektionalmasten für anspruchsvollste Einsätze – von militärischen Anwendungen bis zu kompletten Beleuchtungssystemen für Feuerwehfahrzeuge. Das Security Network durfte einen Blick in die Produktion werfen, wo Fertigungstiefe auf Serviceorientierung trifft.
In der Produktionshalle riecht es nach Gummi und Metall. CNC-Maschinen surren leise, während Vollrohre präzise bearbeitet werden. An den Wänden hängen Werkzeuge und Pläne, lackierte Bauteile in verschiedenen Farben liegen sortiert in Kisten oder auf Rollständern.
Die Gänge wirken eng und unübersichtlich, doch wer einmal durch die Produktion von Teksam geführt wurde, versteht, dass hier ein Rädchen ins andere greift, um solide und erstaunlich vielseitige Produkte für eine anspruchsvolle Aufgabe herzustellen. Stets mit dem Anspruch, Wirkung in die Höhe zu bringen.
„Das hier ist nicht einfach nur ein Mast“, erklärt ein Teksam-Mitarbeiter, „das sind über 60 Jahre Erfahrung.“ Teksam steht heute für drei Produktlinien:
- Teklite: Beleuchtungssysteme (Mast + Leuchten) für Feuerwehren und Rettungskräfte
- TekMast: mobile Mastsysteme bis 30 Meter Höhe und
- Clark Masts für pneumatische Teleskopmasten bis 30 Meter.
Alles mobil, alles schnell einsetzbar. 50 Mitarbeiter in Produktion, Entwicklung, Versand und Vertrieb arbeiten im Werk. Sie bauen pneumatische Teleskopmaste und mechanische Sektionalmaste für unterschiedliche Nutzungszwecke und mit verschiedenen produktspezifischen Herausforderungen.
In Genk kann Teksam schmieden, schweißen, stanzen, fräßen und lackieren – viele Schritte sind nötig, um alle Teile eines Mastsystems herzustellen und zusammenzufügen. Was hier produziert wird, verkauft sich später dann auch über die deutsche Niederlassung in Bergisch-Gladbach.
Fertigungstiefe als Philosophie
Der Rundgang durch die Produktionshallen offenbart: Bei Teksam wird fast alles selbst gefertigt. Was bei Teleskopmasten zuerst ins Auge fällt, spiegelt sich auch in der Produktionshalle wider: Aluminiumrohe in unterschiedlichen Stärken. Diese werden aus Deutschland angeliefert.
Das Besondere daran ist, dass die Rohre nahtlos aus einer Aluminiumstange getrieben werden. Das Werkzeug im Alu-Werk gehört Teksam – eine Spezialanfertigung. Ohne Naht entfällt auch eine mögliche Bruchstelle.
Drei CNC-Maschinen stehen nebeneinander, ihre Displays leuchten. Die angelieferten Vollrohre werden auf Maß geschnitten, dann gefräst – alles automatisch. Die Maschine nimmt das Rohr, bearbeitet es von allen Seiten und spuckt es fertig aus.
„Das läuft so den ganzen Tag, bei Bedarf auch nachts und am Wochenende“, erklärt ein Mitarbeiter. Für die Steuerung der Maschinen und die Organisation der gesamten Produktion kommt Spezialsoftware zum Einsatz. Sie behält den Überblick.
An jeder Station zeigt ein Bildschirm das für die Produktion ausgewählte Programm. Jeder Mitarbeiter sieht, was als nächstes produziert werden muss, wo im Lager welche Teile liegen. Ein QR-Code-System koordiniert den gesamten Materialfluss. Das System sagt auch: Jetzt muss wieder bestellt werden.
Die Effizienz zeigt sich in Details. „Wenn wir einen Kragen produzieren, machen wir nicht zehn Stück für zehn Masten. Wir machen sofort 50 oder 100 Stück.“ Die überzähligen Teile wandern ins Lager – der nächste Auftrag geht dann schneller.
Spezialmaschinen für besondere Anforderungen
In einer anderen Ecke stehen zwei Maschinen aus Polen – Eigenentwicklungen, maßgeschneidert für Teksam. „Die gibt es so nicht auf dem Markt“, erklärt der Mitarbeiter. „Wir haben die bauen lassen, weil es keine Firma gibt, die so etwas für Mastenrohre herstellt.“
Die Maschinen fräsen Nutführungen in dickwandige Rohre. Die Rohre der Masten sind unterschiedlich stark, sie sollen ineinandergesteckt und ausgefahren werden können – aber nur bis zu einem gewissen Punkt und nicht gegeneinander verdreht. Hier kommen die Nuten ins Spiel. Für dünnwandige Rohre gibt es eine andere Lösung: Dimples. An einer eigenen Maschine werden kleine Vertiefungen ins Rohr gepresst – alles mit Luftdruck, alle gleichzeitig.
Auch Abspannseile konfektioniert Teksam in Belgien: Ein Mitarbeiter stellt die gewünschte Länge ein, das Seil wird von einer Rolle genommen und präzise gewickelt. Am Ende hält man ein durchdachtes System in der Hand: Seilhaspel, Seilspanner und Karabiner.
„Wir bieten Terylene- und Kevlar-Seile an“, erklärt ein Mitarbeiter. Der Unterschied ist entscheidend: Kevlar längt sich bei Nässe nicht – ein normales Seil dehnt sich aus. Mitgeliefert wird auch ein spezieller Radius-Messer: An der Mastbasis angelegt, zeigt er automatisch den richtigen Abstand für die Verankerung.
In der hauseigenen Gießerei wird es heiß. Hier entstehen weitere Aluminiumteile – Manschetten, Kragen und andere Komponenten, die nicht gefräst werden können. „Wir machen nicht ein Stück, wir machen sofort 50“, lautet das Prinzip. Der Ofen läuft nur, wenn größere Mengen produziert werden. Effizienz durch Chargenproduktion.
Wenn Präzision auf Handarbeit trifft
In einem abgetrennten Bereich der Halle steht eine unscheinbare Maschine. Hier entstehen die Naturkautschukdichtungen – eine der großen Stärken von Teksam. „Naturkautschuk verhärtet bei Kälte nicht und wird bei Hitze nicht porös“, erklärt ein Mitarbeiter. „Synthetische Dichtungen sind bei Temperaturen unter 0° weniger elastisch – unsere hingegen schon“
Die Maschine presst das Material in Form, doch dann beginnt die mühsame Handarbeit. Der Mitarbeiter nimmt eine der frisch gepressten Dichtungen und beginnt mit einer kleinen Schere die überstehenden Ränder zu entfernen. Millimeterarbeit. Es gibt keine Stanze, die diese Arbeit übernehmen könnte – zu speziell, zu individuell sind die Formen.
Diese Individualität ist auch nötig: Wenn ein Nutzer einen 30 Jahre alten Mast hat und für die Instandsetzung eine Dichtung braucht, ist das für Teksam kein Problem. Diese Produktionstiefe macht das Unternehmen unabhängig von Zulieferern. Man sei hier nur auf das Rohmaterial angewiesen. Alles andere wird selbst erledigt.
Vom Formel-1-Paddock bis Afghanistan
Die Vielseitigkeit der Masten zeigt sich in ihrer Anwendung. Eine Firma aus Wuppertal nutzt Teksam-Masten für Formel 1 und DTM. In jedem Trailer beim Rennsport stehen zwei Masten – einer für den Kontakt zum Fahrzeug, einer zum Fahrer. Unterschiedliche Höhen, damit die Kommunikationssignale sich nicht gegenseitig stören.
Doch die Masten dienen nicht nur der Unterhaltung. In Afghanistan wurden TekMast-Systeme von der französischen Armee zur Perimeterkontrolle eingesetzt. Mit Kameras ausgestattet, überwachten sie Militärbasen rund um die Uhr.
Individuallösungen als Prinzip
Ein Beispiel für Teksams Lösungsorientierung: Ein militärischer Kunde hatte bei Point-to-Point-Kommunikation ein Problem. Die Antennen mussten exakt aufeinander ausgerichtet sein. Die Lösung war pragmatisch, aber nicht gut für die Masten: „Die haben einfach an den Seilen gezogen, um die Masten schräg zu stellen.“
Teksam entwickelte eine Neige-Einheit – ein Seilzugsystem mit Schneckengetriebe, das auch bei voll ausgefahrenem Mast Feinjustierungen erlaubt. „Andere sagen: Wir stecken da unsere Zeit nicht rein, weil wir nachher nicht 1.000 Stück verkaufen. Aber wir machen es trotzdem“, erklärt der Mitarbeiter nicht ohne Stolz.
Diese Philosophie zieht sich durch das gesamte Unternehmen. „Lieber haben wir einen Kunden, bei dem wir vielleicht etwas weniger verdienen, der aber zweimal im Jahr wiederkommt, als dass wir ihn verprellen. Dann machen wir lieber 20 Jahre lang ein kleines Geschäft als 20 Jahre gar keins.“
Service, der überzeugt
Kürzlich gab es einen Einsatz bei der französischen Armee. Die Meldung: Mast ist unsicher, wird blockiert. Ein Teksam-Techniker fuhr hin und analysierte die Situation. Das Problem: Die Abspannungsanker waren nicht im richtigen Abstand zum Mast gesetzt worden.
Der Mann soll den Mast dann in der richtigen Entfernung für die Franzosen aufgebaut und das bei 35 km/h Windgeschwindigkeit.
In einer Nebenhalle liegen gebrauchte, teils Jahre alte Mastsysteme. Die europäischen Streitkräfte schicken alle drei bis vier Monate rund 40 Masten zur Revision, erklärt ein Mitarbeiter.
„Die könnten einfach sagen: Ein Mast kaputt, einen Mast neu kaufen“, so der Mitarbeiter, während er die pneumatischen Funktionen eines Mastes testet. „Wir sagen unseren Kunden allerdings: Wenn wir aus zwei Masten einen machen können, dann machen wir das auch.“ Das spart Geld und Ressourcen, auch wenn ein Neukauf für Teksam natürlich lukrativer wäre.
Teklite – Licht, das Leben rettet
Das eingangs erwähnte Teklite soll an dieser Stelle noch eine eigene Betrachtung erhalten. Denn Teksam legt einen besonderen Fokus Beleuchtungssysteme für Rettungskräfte. Zwei Lichtarten stehen zur Auswahl: Hochdruck-Natriumdampfleuchten in kräftigem Gelborange und grellweiße LED.
Beides hat seine speziellen Einsatzszenarien: „In einem verrauchten Keller sieht man mit gelblichem Licht sehr gut“, erklärt der Leuchtexperte bei Teksam. „Mit weißem Licht sieht man hingegen nichts.“ Für Sanitäter hingegen kann das Leben ihrer Patienten davon abhängen, ob sie die Venen sehen oder nicht. Hierfür wird gelbliches Licht genutzt. Aus diesem Grund bietet Teksam oft beide Lichtarten zusammen an.
In einem eigenen Bereich der Produktionshallen bei Teksam stapeln sich Steuerungseinheiten für die Lichtmasten. Die Elektronik kommt von einem Zulieferer, der auch die komplette Software mitliefert. Je nach Mastgröße und Anwendung variieren die Steuerungen. Die Bedienungen werden bei Teksam selbst gefertigt.
In Belgien kommt alles zusammen: Die Masten aus dem eigenen Werk, Leuchtmittel und Kabel. Je nach Bedarf werden die Beleuchtungssysteme außen an die Fahrzeugwand montiert oder als versenkbares Beleuchtungssystem an die Fahrzeughersteller geliefert. Es gibt verschieden schwere Systeme, manche starr, manche mit Schwenk-/Neigekopf und Fokussierung.
Ganz gleich, ob Unfall auf der stockfinsteren Landstraße oder Großschadenslage in der Innenstadt – Feuerwehr und Rettungsdienste können gezielt das Licht verwenden, welches sie für den jeweiligen Einsatz benötigen.
Teksam – Expansion und Zukunft
Im unscheinbaren gelben Backsteinbau mitten in Belgien passiert sehr viel, was man von außen nicht so recht vermuten mag. Von echten Schmiedearbeiten bis zu filigranen Elektrosteuerungen. Teksam verbindet Know-how mit dem Ehrgeiz, Qualität zu liefern. Grundlage dafür ist eine Jahrzehnte lange Erfahrung, die allmählich an ihre räumlichen Grenzen stößt.
Teksam plant die Modernisierung: Eine freie Fläche auf dem großen Gelände ist für eine neue Halle vorgesehen. Wenn alles gut läuft, rollen bald die ersten Bagger. Die neue Halle soll die Produktion unter ein großes Dach bringen; das am Anfang dieses Artikels beschriebene Chaos ein Stück weit ordnen. Auch das Lager könnte vergrößert werden.
Mehr als nur Masten
Ein Coin der Niederländer liegt im Büro eines Angestellten. Er sagt: „Es ist heute nicht mehr Standard, diesen Service zu bieten.“ Service als Standard, eine Einstellung, die Teksam von anderen Anbietern unterscheidet, die auf schnelleres – dafür aber weniger nachhaltiges – Geld aus sind. „Unsere Philosophie“, so der Teksam-Mitarbeiter, „lautet: Dem Kunden eine Lösung und den passenden Service verkaufen.“
Teksam bringt die Höhe für welche Fähigkeit auch immer – Lautsprecher, Radare, Kameras. Der Kunde sagt: Ich brauche so viel Kilo auf diese Höhe. Teksam liefert den passenden Mast dafür.
Hinweis: Teksam stellt in dieser Woche auch auf der AFCEA-Fachaustellung in Bonn aus.
Eindrücke aus der Teksam-Produktion
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