Ein besonderer Sirenenalarm hat die Bewohner von Halle (Saale) in Aufregung versetzt. Was zunächst nach einem technischen Defekt aussah, entpuppt sich nun als ein Fall für die Spezialisten des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt (LKA). Im Raum steht der Verdacht eines gezielten digitalen Angriffs auf die kritische Infrastruktur der Stadt.
Am 10. Januar 2026 heulten in Halle alle betriebsfähigen Sirenen im Stadtgebiet. Doch es blieb nicht beim Sirenenton. Über das System wurden unberechtigte Durchsagen in englischer Sprache verbreitet. Laut LKA waren folgende hochsensible Warnmeldungen zu hören: „Active shooter in progress“ (Amoklauf im Gange) und „Lockdown“ (Abriegelung).
Diese Warnungen wurden offenbar durch Hacker manipuliert, um Unruhe in der Bevölkerung zu stiften, denn sie gehören nicht zum vorhandenen Set an Sprachdurchsagen, die über Warnsirenen geteilt werden können.
LKA übernimmt Ermittlungen
In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Halle hat das LKA das Ermittlungsverfahren von der Polizeiinspektion Halle übernommen. Der Grund für diesen Schritt ist die Schwere des Vorfalls. Die Behörden gehen derzeit Hinweisen auf einen unberechtigten digitalen Zugriff nach. Es besteht der dringende Verdacht, dass das Katastrophenschutzsystem der Stadt Ziel eines beabsichtigten Cyberangriffs wurde.
Spezialisten für Cyberkriminalität haben bereits umfassende Maßnahmen eingeleitet, um die Täter ausfindig zu machen. Die betroffenen Systeme und die Servertechnik wurden sichergestellt, um digitale Spuren auszuwerten. „Es werden derzeit umfangreichere Ermittlungen vorgenommen, da die Möglichkeit eines unberechtigten digitalen Zugriffes besteht“, so ein Sprecher der Behörde.
Die Ermittler halten sich mit weiteren Details aktuell zurück. Um die laufenden Untersuchungen nicht zu gefährden, macht das LKA derzeit keine Angaben dazu, wie tief die Angreifer in das System eindringen konnten oder ob es bereits Hinweise auf die Herkunft der Attacke gibt.
Auch Querfurt betroffen
Am vergangenen Freitagabend gingen dann auch die Sirenen in Querfurt im Saalekreis los. Auch hier gab es eine Durchsage. Beide Städte nutzen jedoch unterschiedliche Systeme, demnach müssten hier andere Schwachstellen ausgenutzt worden sein. Dies deutet darauf hin, dass möglicherweise mehrere Warnsysteme in der Region anfällig für gezielte Angriffe sein könnten.
Feuerwehrverband unterstützt Ermittlungen
Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) nimmt den unerwarteten Sirenenalarm sehr ernst und bietet umfassende Hilfe im weiteren Prozess an: „Als zivilgesellschaftlicher Fachverband unterstützen wir gemeinsam mit Partnern die laufenden Ermittlungen und stehen den beteiligten Behörden beratend zur Seite“, erklärt DFV-Präsident Karl-Heinz Banse.
Der DFV hat umgehend seine Experten für Cybersicherheit und kritische Infrastrukturen aktiviert. „In enger Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt (LKA) Sachsen-Anhalt und der Berufsfeuerwehr Halle begleiten und beraten wir die technischen und forensischen Untersuchungen. Gemeinsam werden Informationen ausgewertet, um die genaue Ursache des Vorfalls zu identifizieren und künftige Angriffe abzuwehren“, so Dr. Alexander Beck, DFV-Experte für Cybersicherheit.
Umfassende Sicherheitsanalyse läuft
Im Fokus der Untersuchungen stehen dabei mehrere Bereiche: DFV-Sicherheitsexperten analysieren die betroffenen Systeme und bewerten potenzielle Sicherheitslücken. Offene Quellen und Bedrohungsinformationen werden systematisch ausgewertet, um Muster, mögliche Angreiferprofile und weitere Gefährdungspotenziale zu erkennen. Mithilfe dieser Erkenntnisse bewertet der DFV, in welchem Umfang weitere Kommunen, Landkreise oder vergleichbare Infrastrukturen betroffen sein könnten und welche Schutz- und Abwehrmaßnahmen sinnvoll sind.
„Die Kooperation zwischen den Strafverfolgungsbehörden und der Gefahrenabwehr hat höchste Priorität, um sowohl die Ursachen des Vorfalls schnell aufzuklären als auch weitere Risiken für kritische Infrastrukturen zu minimieren“, so Beck. Die bisherigen Untersuchungen hätten bestätigt, dass keine reale Gefahrenlage bestanden habe, der Alarm jedoch bei der Bevölkerung deutliche Verunsicherung ausgelöst habe.
Maßnahmen für die Zukunft
Die Stadtverwaltung prüft parallel, wie die Sicherheitsprotokolle der Sirenensteuerung künftig verstärkt werden können, um eine Wiederholung eines solchen Vorfalls zu verhindern. Parallel zu den technischen Untersuchungen wird auch der Umgang mit Warn- und Informationskanälen sowie die Resilienz von Leitstellen- und Sirenensystemen erneut geprüft.
Der DFV wird die Ergebnisse der Analysen fortlaufend mit den relevanten Partnern teilen und sich weiterhin aktiv in die Aufarbeitung einbringen. Ziel ist es, aus diesem Vorfall zu lernen, die Robustheit kritischer Systeme weiter zu erhöhen und die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren deutschlandweit langfristig zu stärken.
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