KRITIS: WELP & H.P. Wüst stellen hochmobile C-UAV-Plattform vor

Die WELP Group, der Spezialist für Schutz und Entwicklung und den Umbau von sondergeschützten und gepanzerten Fahrzeugen in Klein- und Kleinstserien, stellt mit dem Drone Defence Vehicle ein hochmobiles Drohnenabwehr-Schutzfahrzeug auf Basis des Toyota Land Cruiser 300 vor. 

Das Fahrzeugkonzept vereint den geschützten Toyota Land Cruiser 300 aus dem Hause WELP mit dem Störsystem H.P. Marketing & Consulting Wüst GmbH.
Das Fahrzeugkonzept vereint den geschützten Toyota Land Cruiser 300 aus dem Hause WELP mit dem Störsystem H.P. Marketing & Consulting Wüst GmbH.
Foto: WELP

Zusammen mit der H.P. Marketing & Consulting Wüst GmbH als Partner, präsentieren die beiden Firmen mit der „Counter UAS Plattform“ ein zukunftsweisendes Konzeptfahrzeug, das den Schutz vor unbemannten Luftfahrzeugen (Drohnen) mit einem hochwirksamen ballistischen und explosiven Schutzkonzept vereint. So die Firmen bei der Vorstellung. Der Fokus liegt dabei klar auf der Entwicklung einer praxistauglichen, mobilen Lösung für aktuelle und zukünftige Bedrohungsszenarien – insbesondere im Kontext zunehmend verfügbarer und leistungsfähiger Drohnentechnologie, so die WELP Group weiter.

Erprobung bei der Marine – zum Schutz Kritischer Infrastruktur (KRITIS)

Ein wesentlicher Meilenstein in der Entwicklung des Systems war die erfolgreiche Erprobung im Rahmen der SeaSec in Rostock. Diese Veranstaltung der deutschen Marine wurde kürzlich in Zusammenarbeit mit dem Rostock Institute for Ocean Technology (RIOT) sowie dem Seabed Security Experimentation Center (SeaSEC) in Rostock ausgerichtet.

Ein wichtiger Bestandteil war die diesjährige „Industrie-Challenge“. Daran beteiligten sich 47 Unternehmen aus Industrie und Forschung. Gemeinsam mit der Marine sowie Partnern aus den Niederlanden, Schweden und Dänemark sollten neue Ansätze für den Einsatz unbemannter maritimer Systeme entwickeln werden. Damit diese abgestimmt agieren und unter Wasser effektiv schützen können, braucht es ein ressort-, nationen- und domänenübergreifendes Lagebild auf der Grundlage gemeinsam nutzbarer Daten, so die Marine während der Veranstaltung. Deshalb liegt der Schwerpunkt in 2026 auf Data2Sea mit Themen wie Interoperabilität, Datenfusion und Lagebildbeitrag.

Dort wurde die Plattform von WELP bereits unter realitätsnahen Bedingungen eingesetzt und von Nutzern aus NATO-Staaten begutachtet. Die Ergebnisse dieser Anwendungen bestätigen die hohe Einsatzrelevanz sowie die technische Leistungsfähigkeit des Systems im operativen Umfeld. Insbesondere die Kombination aus mobiler Plattform und integrierter Drohnenabwehr stieß auf großes Interesse bei internationalen Anwendern, so WELP.

Die Kombination aus Jammer und Fahrzeug bei der SeaSEC in Rostock.
Die Kombination aus Jammer und Fahrzeug bei der SeaSEC in Rostock.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Darüber hinaus wurde das Fahrzeugkonzept von WELP bereits im Rahmen der Enforce Tac der Fachöffentlichkeit vorgestellt, wo es auf großes Interesse bei Vertretern von Sicherheitsbehörden und militärischen Organisationen stieß. Die dort geführten Gespräche sowie das Feedback aus dem Markt fließen kontinuierlich in die Weiterentwicklung des Systems ein.

Im Zentrum der C-UAS-Plattform von WELP steht eine vollständig integrierte Drohnenabwehrlösung, die speziell für den mobilen Einsatz konzipiert wurde. Im Kontext der SeaSEC bildete dabei die Plattform „Elysion C-UAS Mission Core“ von HENSOLDT das operative Herzstück, von dem aus das Drone Defence Vehicle gesteuert wurde.

Elysion C-UAS Mission Core ist die C2-Software als zentrales Element des C-UAS-Systems. Die hochspezialisierte Softwarelösung bietet eine leistungsstarke Sensordatenfusion sowie ein intuitives Lagebild mit integriertem Videofeed. Die hochentwickelten Algorithmen sorgen in der Kernintelligenz für einen hohen Automatisierungsgrad, während die einsatzerprobte Software und IT-Architektur die Interoperabilität mehrerer Systeme gewährleistet – sowohl für komplexe, großflächige Einsätze als auch zur Gewinnung einer zentralen Lageübersicht über weit verteilte Kräfte im Einsatzraum.

Moderne Einsatzlagen zeigen deutlich, dass Bedrohungen durch unbemannte Luftfahrzeuge nicht nur stationär, sondern zunehmend auch in dynamischen Szenarien auftreten. Genau hier setzt das System an: Es ermöglicht die Detektion, Verfolgung, Klassifizierung und Neutralisierung von Drohnen direkt aus einem geschützten, beweglichen Fahrzeug heraus.

Die zugrunde liegende Systemarchitektur basiert auf einer durchgängigen Sensor-zu-Effektor-Kette. Verschiedene Sensoren – darunter Radar-, RF-Detektions- und optische Systeme – erfassen potenzielle Bedrohungen frühzeitig und führen die gewonnenen Daten in einem zentralen Lagebild zusammen. Auf dieser Grundlage kann eine schnelle und fundierte Entscheidung über geeignete Gegenmaßnahmen getroffen werden. Die eingesetzten Effektoren sind dabei modular wählbar und können je nach Einsatzanforderung angepasst werden.

Ein zentraler Bestandteil des Systems ist der integrierte Operatorarbeitsplatz. Dieser befindet sich vollständig geschützt im Fahrzeuginneren und bietet dem Bediener eine ergonomisch optimierte Steuerumgebung. Über einen Monitor und eine Joystick-basierte Steuerung kann der Operator sämtliche Funktionen der Drohnenabwehr in Echtzeit bedienen. Die Bedienlogik orientiert sich an etablierten Systemen aus dem militärischen und behördlichen Umfeld, wodurch eine intuitive Nutzung und schnelle Einsatzbereitschaft gewährleistet werden.

Neben der technologischen Leistungsfähigkeit der Drohnenabwehr überzeugt das Fahrzeug durch sein umfassendes Schutzkonzept. Die Plattform basiert auf dem Toyota Land Cruiser 300 und wurde auf höchste Sicherheitsanforderungen ausgelegt. Sie erfüllt die Schutzklasse VPAM BRV Edition 3 VR7 und ist optional bis VR9 verfügbar. Damit bietet das Fahrzeug zuverlässigen Schutz gegen verschiedenste ballistische Bedrohungen. Ergänzend dazu erfüllt es die Anforderungen nach VPAM ERV Edition 3 sowie STANAG 4569 und schützt somit auch vor Explosionseinwirkungen durch Landminen und Handgranaten. Diese Kombination aus Schutz, Mobilität und integrierter Technologie stellt einen entscheidenden Mehrwert für Einsatzkräfte dar.

Die Counter UAS Platform ist vielseitig einsetzbar und adressiert eine breite Palette von Anwendungsszenarien. Dazu zählen der Schutz kritischer Infrastrukturen, die Absicherung von Flughäfen und militärischen Einrichtungen, Grenzschutzmissionen sowie der Begleitschutz von Konvois. Besonders in dynamischen Einsatzlagen, in denen Bedrohungen aus der Luft schnell auftreten und ebenso schnell neutralisiert werden müssen, spielt die mobile Plattform ihre Stärken aus.

Blick ins „Innere“.
Blick ins „Innere“.

Der Effektor

Als Effektor kommt der Jammer HP 1107 von H.P. Wüst zum Einsatz. Dieser ist vergleichbar mit dem ASUL-System (Abwehrsystem gegen unbemannte Luftfahrzeuge), das bereits bei der Bundeswehr im Einsatz ist.

Die Bundeswehr schreibt dazu: ASUL ist Teil eines ganzheitlichen Ansatzes zur Luftverteidigung und ermöglicht durch seinen modularen Aufbau die Abwehr sogenannter «small Unmanned Aircraft Systems» (sUAS). Das System kombiniert Radarsysteme und weitere Sensoren mit einem sich erweiternden Spektrum sogenannter Effektoren – so können sUAS in Echtzeit detektiert, klassifiziert, identifiziert und wirksam bekämpft werden.

Bereits seit seiner Einführung im Jahr 2022 befindet sich ASUL in der Nutzung durch die Bundeswehr und hat sich bereits in einer Vielzahl
von Missionen als wirksames System zur Drohnenabwehr bewährt. Aufbauend auf den dabei gewonnenen Erkenntnissen und aktuellen technologischen Entwicklungen wird ASUL nun zielgerichtet weiterentwickelt und noch besser an die operationellen Anforderungen der Truppe angepasst.

Wird ein Luftfahrzeug von Radaren und Peiler detektiert, werden dessen Daten vom System zunächst mithilfe von Datenbanken abgeglichen. So wird festgestellt, ob es sich grundsätzlich um eine Drohne handeln könnte.

Sobald ein vermeintliches Zielobjekt erkannt wurde, wird die oder der Bedienende vom System in Echtzeit informiert und kann mit dem Kamerasystem verifizieren, ob die Drohne als bedrohlich einzustufen ist. Dabei wird klar, ob es sich beispielsweise um eine Ausspähdrohne handelt oder das Luftfahrzeug mit Sprengstoff bestückt ist.

Der Effektor im Detail: HP 1107.
Der Effektor im Detail: HP 1107.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Danach kann der Jammer (hier: HP 1107 von H.P. Wüst) auf das Zielobjekt ausgerichtet werden, um die Drohne zu bekämpfen. Dazu wird ein Signal ausgesendet, das die Funkverbindung zwischen der Drohne und deren Bediengerät stört, blockiert oder überlagert. Dies führt dazu, dass die Drohne zunächst in der Luft verharrt und je nach Bedrohung dann unschädlich gemacht werden kann.

Viele Details zum Effektor sind nicht bekannt. Aber die H.P. Wuest GmbH bietet Stand-alone-Lösungen (z. B. die Drohnenabwehrwaffe HP 47) oder integrierte Systemlösungen an wie den HP 1107 mit Richtantenne an.

Zum Vergleich, die Drohnenabwehrwaffe HP47 ist seit vielen Jahren in der Bundeswehr in Nutzung, unter anderem in Litauen. Diese Lösung kann via Akku auch hochmobil eingesetzt werden, oder als feste Installation auf Fahrzeugen. Dank einem Schwenk-Neigekopf ist eine 360°-Wirkung möglich. Die Bedienung erfolgt dann manuell via Joystick oder automatisiert über die HP Command Lagesoftware (C2).

Der HP-47 stört auf drei Arten: Zum einen unterdrückt er das Global Navigation Satellite System (GNSS) Signal, wodurch die Drohne nicht mehr über GPS gesteuert werden kann. Bei dieser Störvariante überträgt die Drohne zwar weiterhin Daten und Bilder, der Pilot kann sie nach wie vor steuern. Allerdings kann die Drohne keine programmierten Routen mit GNSS/GPS-Unterstützung und außerhalb der Sichtlinie verfolgen.

Bei der zweiten Störvariante wird die Verbindung der Fernsteuerung (RC – Remote Control) unterbrochen. Dabei wird das Signal zwischen Drohne und Bediener gestört. Steuerung sowie Bild- und Datenübertragung sind dann nicht mehr möglich. Je nach Programmierung der Drohne werden nach der Trennung der Fernsteuerungsverbindung automatische Notfallprogramme aktiviert. Entweder kehrt die Drohne zum Startpunkt zurück oder sie leitet eine automatisierte Notfalllandung vor Ort ein. Bei einigen – vor allem älteren Modellen – kann dieser Störeinsatz auch zum Absturz des Fluggerätes führen.

Die dritte Einsatzmöglichkeit zur Störung ist das Senden der GNSS- und RC-Störsignale. In diesem Fall wird die Drohne umgehend eine Notlandung einleiten, da sie den Weg zu ihrem Startpunkt nicht mehr findet.

Ein weiterer Vorteil liegt in der hohen Flexibilität und Skalierbarkeit des Systems. Durch den modularen Aufbau können unterschiedliche Technologien integriert und an spezifische Kundenanforderungen angepasst werden. Zudem ist eine zukünftige Anbindung an übergeordnete Führungs- und Einsatzsysteme vorgesehen, wodurch sich das Fahrzeug nahtlos in bestehende Sicherheitsarchitekturen einfügen lässt.

Mit der Counter UAS Plattform verfolgen die WELP Group und die H.P. Marketing & Consulting Wüst GmbH das Ziel, eine ganzheitliche Lösung für die Abwehr moderner Bedrohungen zu schaffen. Die Kombination aus real erprobter Drohnenabwehrtechnologie, geschützter Mobilität und modularer Systemarchitektur stellt einen innovativen Ansatz dar, der den Anforderungen heutiger und zukünftiger Einsatzszenarien gerecht wird.

 

Text: Redaktion / af

Mit WhatsApp immer auf dem neuesten Stand bleiben!

Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal, um die Neuigkeiten direkt auf Ihr Handy zu erhalten. Einfach den QR-Code auf Ihrem Smartphone einscannen oder – sollten Sie hier bereits mit Ihrem Mobile lesen – diesem Link folgen:

Kennen Sie schon unser Crisis Prevention Printmagazin?

Beitrag teilen

Anzeige

 

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

 

Verwendete Schlagwörter

 

Drohnenabwehr-SchutzfahrzeugDrone Defence VehicleH.P. Marketing & Consulting Wüst GmbHSeaSECWELP

Ähnliche Posts

Index
Anzeige
Anzeige