Rund einhundert Kommunikationsverantwortliche, Pressesprecher und Krisenmanager diskutierten über zentrale Herausforderungen der Gegenwart: wirtschaftliche Unsicherheit, geopolitische Spannungen und tiefgreifende Transformationsprozesse.
Der Gipfel stand unter der Leitfrage, wie Organisationen Veränderungsprozesse kommunikativ begleiten und Vertrauen sichern können. Im Zentrum stand dabei die Erkenntnis, dass Krisenkommunikation zunehmend nicht nur reaktiv, sondern strategisch-transformativ gedacht werden muss.
Hintergrund sind strukturelle Entwicklungen wie wirtschaftliche Unsicherheiten, zunehmender Protektionismus sowie geopolitische Spannungen, die Unternehmen und Institutionen zu Anpassungen zwingen. Der Konferenztag gliederte sich in mehrere inhaltliche Blöcke und bot eine Mischung aus Keynotes, Praxisvorträgen und interaktiven Formaten.
Unter der Moderation von Frank Roselieb, Geschäftsführender Direktor des Krisennavigator – Institut für Krisenforschung, wurde klar, dass koordinierte und vorbereitete Krisenkommunikation ein wesentlicher Schlüssel für Behörden und Unternehmen zur Krisenbewältigung ist.
Ein zentrales Element des Programms waren Erfahrungsberichte aus unterschiedlichen Organisationen. So berichtete Martin Zander wie die OTTO Group die interne und externe Kommunikation in Zeiten multipler Krisen meistert. Dabei spielt aus seiner Sicht ein vertrauensbildendes Reputation Building eine große Rolle. Dr. Annabel Oelmann, Stadtwerke Bremen, beleuchtete die Erfahrungen ihres Unternehmens nach notwendigen Preiserhöhungen für Endkunden. Sie skizzierte das Management eines Erwartungsdreiecks:
- Bürger fragen nach Bezahlbarkeit, Sicherheit, Ehrlichkeit und Verständlichkeit,
- Politik fordert Verlässlichkeit und Verantwortung und
- Mitarbeitern sollte Orientierung gegeben werden.
Diese Beiträge verdeutlichten, dass erfolgreiche Krisenkommunikation eng mit Change-Management verzahnt ist und interne Kommunikation eine Schlüsselrolle spielt.
Gipfelgespräch mit politischer Perspektive
Ein Highlight des Programms war das politische Gipfelgespräch zwischen Frank Roselieb und Wolfgang Kubicki, stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP und ehemaliger Vizepräsident des Deutschen Bundestages.
Im Fokus standen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland, die strategische Neuausrichtung politischer Akteure und Kommunikation in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheit. Kubicki verwies darauf, dass politische Parteien nicht mit Unternehmen verglichen werden könnten. Derzeit haben viele Menschen kein Vertrauen in die Kompetenzen der etablierten Parteien, führte er aus.
In vielen Bereichen handele der Staat unglücklich, beispielsweise bei einem beabsichtigten Social Media-Verbot für Jugendliche, gleichzeitig sollten diese schon im Alter von 16 Jahren wählen dürfen, wie passe das zusammen, gab Kubicki zu bedenken. Er führte weiter aus, dass er zunehmend beobachte, wie Parteifreunde lieber keinen Kommentar abgeben, weil sie einen Shitstorm befürchten. Außerdem sei die Reichweite in sozialen Medien nicht mit einer Wirkung in der Bevölkerung gleichzusetzen.
Heiko Lossie, Pressesprecher des Betriebsrats der VW AG, erläuterte seine Erfahrungen aus der Tarifkrise und dem Plan des Konzerns, umfangreich Stellen abzubauen und Werke schließen zu wollen. Bis zur kindgerechten Sprache in Sonderveröffentlichungen für Familien von Betriebsangehörigen reichte das Spektrum der Kommunikation nach innen. Die hohe Mobilisierung von Mitarbeitern für Protestveranstaltungen am Werk stärkte den Anspruch des Betriebsrates, die gesamte Belegschaft zu vertreten.
Interaktive Breakout-Sessions: Vertiefung und Austausch
Ergänzend zu den Vorträgen bot der Gipfel interaktive Sessions mit praxisnahen Schwerpunkten, z.B. der Einsatz von KI-Tools in der Krisenkommunikation, die Positionierung von Führungskräften in kritischen Situationen und medienrechtliche Aspekte der Krisenkommunikation. Diese Formate ermöglichten einen intensiven Erfahrungsaustausch und Networking zwischen den Teilnehmenden.
Aus den Beiträgen und Diskussionen lassen sich mehrere übergreifende Trends ableiten:
1. Krisenkommunikation wird zur Daueraufgabe
Organisationen befinden sich in einem Zustand dauerhafter Transformation. Kommunikation ist nicht mehr nur Krisenreaktion, sondern als kontinuierlicher Prozess zu beschreiben.
2. Vertrauen ist die zentrale Währung
Der Aufbau und Erhalt von Vertrauen – intern wie extern – entscheidet über den Erfolg von Veränderungsprozessen.
3. Interne Kommunikation gewinnt massiv an Bedeutung
Mitarbeiter sind zentrale Multiplikatoren. Ihre Einbindung ist entscheidend für die Akzeptanz von Maßnahmen.
4. Künstliche Intelligenz verändert Kommunikationsprozesse
KI wird zunehmend als Werkzeug in Analyse, Monitoring und Content-Erstellung eingesetzt – erfordert aber klare Regelungen.
Die Verbindung von Kommunikation, Risikomanagement und operativer Krisenbewältigung wird zunehmend enger. Insbesondere bei komplexen Lagen, etwa hybriden Bedrohungen oder Versorgungsrisiken, entscheidet die Qualität der Kommunikation maßgeblich über den Handlungserfolg.
Fazit
Organisationen stehen vor der Herausforderung, Wandel nicht nur zu managen, sondern kommunikativ aktiv zu gestalten. Die Veranstaltung lieferte praxisnahe Einblicke, strategische Impulse und konkrete Werkzeuge und bestätigt ihre Rolle als zentrale Plattform für den Austausch zwischen Praxis, Wissenschaft und Politik.
Der nächste Krisenkommunikationsgipfel findet am 17.03.2027 in Köln statt. Link zum Veranstalter: https://www.krisennavigator.de/Startseite.krisennavigator.0.html
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