Der Brand auf dem MAN-Gelände in Erfurt im Juni 2025 hätte als Weckruf dienen müssen. Sechs Bundeswehr-Lastwagen wurden bei dem Sabotageakt zerstört, der Schaden beläuft sich auf mehrere Millionen Euro. Doch mehr als ein halbes Jahr später sind die Täter noch immer nicht gefasst – und eine heute veröffentlichte Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Der Fall ist kein Ausreißer, sondern Symptom eines systemischen Problems.
Die Zahlen aus der IW-Analyse sind alarmierend. Nur 54 Prozent der befragten Unternehmen haben überhaupt Schutzmaßnahmen gegen Sabotage implementiert. Beim Werksschutz sieht es noch dramatischer aus: Lediglich 14,6 Prozent aller Unternehmen haben hier Vorkehrungen getroffen. Selbst bei Großunternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern liegt dieser Wert nur bei 33,2 Prozent.
Privatwirtschaft in der Verantwortung
Das IW definiert in seiner Studie vier zentrale Verantwortungsbereiche der Privatwirtschaft für die Gesamtverteidigung. An vorderster Stelle steht die Abwehr von Sabotage, Spionage, Cyberangriffen und physischen Attacken auf Produktionsanlagen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassische Rüstungskonzerne. Die Studie richtet sich explizit an die gesamte Privatwirtschaft – ein wichtiger Perspektivwechsel, denn immer mehr Unternehmen, die traditionell keine Verbindung zum Verteidigungssektor hatten, agieren heute in diesem Markt oder planen dies.
Mittelstand besonders gefährdet
Fabriken, Wartungsbetriebe, Logistikdienstleister und industrielle Servicezentren sind integrale Bestandteile der Verteidigungsfähigkeit. Sie werden damit automatisch zu potenziellen Zielen im hybriden Krieg. Doch vielen fehlt es an Sensibilisierung für diese neue Realität.
Ein Lichtblick findet sich in der Studie beim Thema Cybersicherheit. Hier haben 85,8 Prozent aller und sogar 96,8 Prozent der großen Unternehmen bereits Maßnahmen umgesetzt. Das zeigt: Wo jahrelanges mediales Interesse und öffentliche Aufmerksamkeit bestehen, reagiert die Wirtschaft. Beim physischen Schutz fehlt diese Aufmerksamkeit bislang weitgehend.
Erste Schritte in die richtige Richtung
Die IW-Forscher stellen jedoch auch fest, dass die Botschaft langsam ankommt. Zusätzliche 9,1 Prozent der Unternehmen planen, in den Schutz vor Sabotage zu investieren, weitere 5,5 Prozent wollen den Werksschutz ausbauen. Besonders betroffen sind mittelständische Betriebe, die bisher unter dem Radar liefen, aber zunehmend sicherheitsrelevante Aufträge übernehmen.
Der Fall Erfurt mahnt eindringlich: Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Unternehmen müssen den physischen Schutz ihrer sicherheitsrelevanten Standorte dringend neu bewerten. Die Verantwortung liegt nicht allein beim Staat oder den Sicherheitsbehörden – die Privatwirtschaft muss ihre Rolle in der Gesamtverteidigung ernst nehmen. Die IW-Studie liefert dafür die wissenschaftliche Grundlage.
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