„Eine echte Zeitenwende im Bevölkerungsschutz täte uns wirklich gut“, sagte Christoph Bahlmann, Direktor der Feuerwehr Hannover, heute beim Pressetag zur Interschutz 2026 in Hannover. Neben ihm setzten auch Jürgen Christmann, Vizepräsident Deutsches Rotes Kreuz (DRK), und Oberst i. G. Armin Schaus, Abteilungsleiter J9 (Zivil-Militärische-Zusammenarbeit) die inhaltliche Rahmenlage für die anstehende Messe – in Teilen auch für die begleitend stattfindende CP-Konferenz. Die diesjährige Interschutz soll eine Rekordmesse werden, wie die Veranstalter heute versprachen.
Rund neun Wochen vor der Weltleitmesse für Feuerwehr, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz gaben beteiligte Organisationen in Hannover einen Ausblick auf das, was die Interschutz 2026 prägen wird: die Frage, wie Deutschland und seine Bürgerinnen und Bürger widerstandsfähiger gegenüber Krisen werden können.
Unter dem Motto „Safeguarding tomorrow“ öffnet die Messe vom 1. bis 6. Juni 2026 ihre Tore. Der heutige Pressetag machte deutlich, dass das Thema Bevölkerungsschutz längst nicht mehr abstrakt ist, sondern konkrete politische und operative Antworten erfordert.
Die Interschutz 2026 – Mensch und Technik gemeinsam denken
Mit 1.525 Ausstellern aus 51 Nationen auf über 112.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche soll die Interschutz 2026 einen neuen Rekord aufstellen. Rund 30 nationale und internationale Delegationen haben sich bereits angemeldet – aus Singapur, Taiwan, Schweden, Dänemark und Südamerika. Es könnte die größte Interschutz aller Zeiten werden.
Deutsche Messe-CEO Dr. Jochen Köckler brachte die Stimmung auf den Punkt: „Die Interschutz ist mehr als eine Messe – sie ist DER internationale Treffpunkt der Branche für Sicherheit in zunehmend unsicheren Zeiten.“
Zeitenwende als ein zentrales Thema
Was einst als reine Feuerwehrmesse unter dem Titel „Der Rote Hahn“ begann, ist heute ein Großereignis mit mehreren – unterschiedlichen, aber zusammengehörenden – Bereichen. Geplant ist, dass Bundesinnenminister Alexander Dobrindt die Messe eröffnet. In Hannover wertet man das heute als ein Signal für den gewachsenen gesamtgesellschaftlichen Stellenwert des Bevölkerungsschutzes.
Neben den klassischen Themen Brandschutz und Rettungswesen rückt die Interschutz 2026 die Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ), den Klimawandel, Künstliche Intelligenz und hybride Bedrohungslagen in den Vordergrund. Jedes der vier Themen wird in diesem Jahr als Fokusthema behandelt.
Köckler betonte: „Geopolitischen Spannungen, Klimawandel, Krisen, Katastrophen und hybriden Bedrohungen kann nur gemeinsam wirksam begegnet werden.“ Damit werde die Interschutz „mehr denn je auch eine politische Messe“.
Mehr als eine Herstellermesse
Das Rahmenprogramm spiegelt diese Breite wider: Neben Fachvorträgen im Interschutz-Forum, dem Smart Public Safety Hub zur Zukunft der Einsatzleitung und den FireFit European Championships sind erstmals ein Höhenretter-Pavillon und die HOLMATRO Rescue Challenge dabei.
Auch fachlich wird auf hohem Niveau diskutiert. Unter dem Titel „Zivile Kräfte voraus: Operationsplan Deutschland 2.0!“ greift die begleitende CP-Konferenz aktuelle Entwicklungen auf und bietet eine Plattform für den Austausch über Resilienz, Vorsorge und Handlungsfähigkeit im Krisenfall. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie zivile Strukturen in Deutschland künftig wirksam, koordiniert und belastbar aufgestellt werden können.
Das Deutsche Rote Kreuz auf der Interschutz
Das Deutsche Rote Kreuz präsentiert sich auf der Interschutz in den Hallen 17, 26 und – als besonderem Highlight – in Halle 23. Dort wird erstmals ein vollständig aufgebautes mobiles Feldkrankenhaus gezeigt, das auf rund 20 Zelten Platz für bis zu 5.000 Personen bietet. Besucher können dabei nicht nur Technik und Logistik besichtigen, sondern auch den Klinikalltag unter Krisenbedingungen erleben – vom Aufnahmeprozess bis zum Operationssaal.
DRK-Vizepräsident Jürgen Christmann bezeichnete es als „Krankenhaus aus der Kiste“ und wies in diesem Zusammenhang auch auf die Problematik der Mobilen Betreuungsmodule (MBM 5.000) hin. Ein dringend benötigtes Vorhaben, welches momentan nur teilweise finanziert ist.
Kommunaler Bevölkerungsschutz – Zwischen Anspruch und Ressourcenrealität
Christoph Bahlmann schilderte heute auf dem Gelände der Flughafenfeuerwehr Hannover, vor welchen Herausforderungen Kommunen im Bevölkerungsschutz täglich stehen. Kommunen seien es, die zuerst aktiv werden, der Bund oft nicht zuständig.
Eine für den Bevölkerungsschutz relevante Krisenlage trifft die Menschen vor allem zu Hause.
– Christoph Bahlmann, Direktor der Feuerwehr Hannover
Hannover sei dabei stellvertretend für alle Feuerwehren in Deutschland zu sehen. Die Landeshauptstadt mit rund 580.000 Einwohnern hat seit 2022 einen eigenen Bereich „Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement“ aufgebaut – mit erheblichem personellem und finanziellem Aufwand.
Die Bandbreite der Aufgaben reicht von der Warnung der Bevölkerung über analoge und digitale Kanäle, der Planung von Notfallpunkten und Schutzräumen, der Sicherstellung der Trinkwasserversorgung bis hin zu Notfallplänen für großflächige Stromausfälle und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Gesundheitsversorgung.
Rechtliche Rahmenbedingungen – etwa ein nationales Schutzraumkonzept oder ein KRITIS-Dachgesetz – lassen dabei vielfach noch auf sich warten.
ZMZ: Zivil-Militärische Zusammenarbeit als strategische Säule
Den vielleicht weitreichendsten Vortrag des Tages hielt Oberst i. G. Armin Schaus, Abteilungsleiter J9 für Zivil-Militärische Zusammenarbeit im Operativen Führungskommando der Bundeswehr.
„Der klassische konventionelle Krieg in Deutschland ist nicht zu erwarten“, stellte Oberst Schaus fest. „Heißt das denn, dass wir uns jetzt zurücklehnen können und sagen, hier passiert nichts? Da muss man deutlich sagen, das heißt es natürlich nicht.“
Oberst Schaus zeichnete ein nüchternes Bild der heutigen Sicherheitslage, die – obwohl juristisch im Frieden – längst von Angriffen gezeichnet ist: Sabotage an Infrastruktur, Cyberangriffe auf Kommunalverwaltungen und Krankenhäuser, Drohnenüberflüge über Militärgelände, gezielte Desinformationskampagnen. Es sind diese hybriden Bedrohungen im Alltag, gegen die man sich schon heute wehren muss.
Der V-Fall im Kontext der ZMZ
Im Verteidigungsfall wäre Deutschland nicht nur für die Verlegung eigener Streitkräfte verantwortlich, sondern müsste bis zu 800.000 Kräfte verbündeter NATO-Partner durch das Bundesgebiet durchleiten – mit allen logistischen, infrastrukturellen und koordinativen Anforderungen, die das mit sich bringt. Ohne funktionierende Kommunen, stabile Verwaltungen und eine resiliente Zivilbevölkerung ist das schlicht nicht leistbar.
Schaus‘ Botschaft war dabei unmissverständlich: „Unsere Sicherheit können wir nur gemeinsam gewährleisten. Hier müssen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft eng und resilient zusammenstehen.“
Die Interschutz kommt genau zum richtigen Zeitpunkt.
– Oberst i.G. Armin Schaus, Operatives Führungskommando
Die Interschutz 2026 bietet nach Einschätzung der heute anwesenden Beteiligten genau dafür die richtige Bühne: Sie bringt erstmals in dieser Breite Hilfsorganisationen, Feuerwehren, kommunale Verwaltungen und die Bundeswehr zusammen – und macht damit sichtbar, dass Bevölkerungsschutz im Jahr 2026 eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die niemand allein stemmen kann.
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