GORE-TEX: „Mit der Konzeptstudie wollen wir zeigen was aktuell machbar ist“

Die Marke GORE-TEX präsentierte auf der Milipol 2025 seine Konzeptstudie für die nächste Generation von Kampf- und Sicherheitsschuhen. Damals hieß es, der Prototyp unterstreicht Gore’s Anspruch, Innovation durch kontinuierliche Forschung und Entwicklung konsequent voranzutreiben – mit Materialien und Konstruktionsmethoden, die den Anforderungen moderner Einsatzprofile, extremer Klimabedingungen und wachsender Komforterwartungen gerecht werden. Er zeigt, wie Leistung, Schutz und modernes Design vereint werden können. Auch auf der Enforce Tac 2026 ist diese Studie am Stand von W. L. Gore & Associates (7A-537) zu sehen.

Der Stiefel aus der Konzeptstudie von GORE-TEX, wie er auf der Messe gezeigt wird.
Der Stiefel aus der Konzeptstudie von GORE-TEX, wie er auf der Messe gezeigt wird.
Foto: af
Defence Network sprach im Interview mit David Bastias, Strategic Marketing Footwear bei der W. L. Gore & Associates GmbH.

 

Defence Network: Gore zeigt eine Konzeptstudie, was genau heißt Konzeptstudie und was soll damit erreicht werden?

Bastias: Wir arbeiten kontinuierlich an der Entwicklung von unserem Obermaterial Extraguard weiter. Das heißt, wir arbeiten an Material Updates, die uns dann in Zukunft andere Konstruktionen erlauben. Das Konzept zeigt was aktuell möglich ist. Unser Ziel ist das Kalenderjahr 27, dort wollen wird dann erneut einen Sachstand zur Milipol in Paris und zur Enforce Tac zeigen. Dort werden wir dann mit einem neuen Aufschlag an weiteren Designs erneut inspirieren.

Wir zeigen Extraguard jetzt seit drei oder vier Jahren für den Polizei- und Militärmarkt. Mit der Konzeptstudie wollen wir aufzeigen was mit Extraguard machbar ist, und natürlich unsere Partner von dieser Technologie überzeugen, genauso wie die Endnutzer, in dem Fall Polizisten und Soldaten. Und es klappt in manchen Segmenten ganz gut und in anderen ist es noch ein bisschen behäbig. Aber was diese Konzeptstudie vor allem erzielen will, ist, dass wir inspirieren. Wir wollen unseren Partner zeigen, dass man mit Extraguard nicht nur Leder ersetzt, sondern dass man dieses Material vor allem von der Basis aus neu denken müsste.

 

Defence Network: Warum wird der Kampfstiefel von Gore neu gedacht, oder erfunden, mit neuem Obermaterial, neuem Sohlendesign und weiteren Ausstattungsmerkmalen?

Bastias: Es ist nicht einfach nur ein eins-zu-eins Ersatz von Leder, da würde man der Technologie nicht gerecht. Man muss sich mit dem Material beschäftigen, um das Maximum rauszuholen. Und dieses Material ist eben aktuell unserer Meinung nach das Nonplusultra auf dem Markt, wenn es darum geht, Wasserdichtigkeit, Protection und andere Benefits miteinander zu kombinieren. Genau das wollen wir mit dieser Konzeptstudie zeigen. Auch weil sich die Ansprüche an eine Mission geändert haben, die sind jetzt sehr mannigfaltig. Dementsprechend muss man auch mit modernen Technologien das Thema Kampfstiefel oder den Tactical Boot angehen. Wenn man sich Konstruktion von Partnern anschaut, die haben alle ihre Berechtigung und haben ihre Eigenarten. Deswegen sind sie über Jahre etabliert, und werden gekauft. Aber aus reiner Schumacher Sicht sind die Konstruktionen in die Jahre gekommen und da gibt es neue Methoden, die man mit neuen Materialien eben besser angehen kann und das wollten wir damit zeigen.

 

Defence Network: Jetzt ist Gore aber ein Lieferant von hochwertigen Materialien und kein Schuhmacher, oder Schuhhersteller. Warum eine Konzeptstudie von Gore und nicht von ihren produzierenden Partnern?

Bastias: Weil wir hier der Meinung sind, dass wir inspirieren können, wie es sein könnte. Wir wollen nicht unseren Partnern ihre Designsprache reinreden, da hat natürlich jeder seine Hoheit und verteidigt diesen Designsprache auch mit allem was er hat. Das macht ja letztendlich auch jede Marke im Speziellen aus. Und unsere Partner, egal ob Meindl, Lowa oder Haix sind damit ja auch erfolgreich. Deshalb schwören die Fans, die Träger eben auch auf diese Modelle oder Hersteller., weil sie eben für diese Träger besonders empfehlenswert sind, sich besonders sich bewährt haben. Aber wir wollen zu Anpassungen inspirieren.

Auch wir haben intern Experten, Schumacher, oder Application Engineers, wie wir sie hier nennen. Und wir arbeiten auch mit modernen Agenturen zusammen, die uns bei der Designsprache helfen, weil wir unsere Vision von einem neuen Boot zeigen wollen. Das heißt nicht, dass die Partner das eins-zu-eins übernehmen sollen. Es geht eher darum, einen Eindruck von einem modularen und flexiblen Werkzeugkasten zu vermitteln. Wie kann man heute konstruieren, weil man als Beispiel Extraguard verwendet. Das bedeutet zum Beispiel die Anzahl der Nähte zu reduzieren. Aber auch weil das Material natürlich anders geliefert wird, als Rolle. Damit kann man in der Produktion allein schon anderer Wege gehen. Und es bedeutet weniger Verschnitt und Einsparungen. Das müsste vielleicht auch erstmal gezeigt werden, damit es auch anders verstanden und adaptiert wird von unseren Partnern oder von der Industrie als solches.

Natürlich wollen wir auch damit einen kleinen Triggerpunkt setzen. Der moderne Soldat, oder der junge Soldat, der ist durch so viele Dinge in seinem Alltag inspiriert. Egal ob er ein Läufer ist oder Trail Running macht, oder sonst was, er kennt von dort diese modernen Technologien, diese Sohleneinheit wie wir sie zum Beispiel genutzt haben. Diese ist ja inspiriert von diesen Performance Running-Schuhen. Und der Soldat kennt den Komfort seiner Laufschuhe. Und dann fragen die sich in ihrem Beruf, als Profi, warum muss ich mit schweren, alten Lederstiefel meinen Dienst als Profi versehen, wenn es so etwas auf dem Markt gibt. Und wir haben diese Technologie und können sie anbieten.

 

Defence Network: Wenn ich diese Konzeptstudie von Gore neben die eines Leder-Kampfstiefels stellen würde, würde ich den Unterschied sehen, oder vielleicht wichtiger, beim Tragen spüren?

Bastias: Hier auf der Messe würde man beim Anziehen in erster Linie die Leichtigkeit spüren. Das Material ist einfach viel leichter im Vergleich zu Leder oder anderen traditionellen Materialien als Obermaterial. Das fällt eben am Ende des Tages nicht so schwer, wenn man so vielen Stunden auf den Beinen ist. Weniger Gewicht am Fuß macht eben auch nicht so schnell müde, oder belastet einfach insgesamt weniger. Man trägt weniger Ballast mit sich herum. Gerade bei lange Patrouillen. Allein das Rohmaterial, als Extraguard als Obermaterial ist so ungefähr 40% leiste als Leder oder vergleichbares Material. Es kommt immer drauf an, mit welchem Sampel man es vergleicht. Aber auch unsere Konzeptschuhe sind insgesamt rund 40% leichter.

Hinzu kommt das Thema Duarbility und Einfachheit des Materials. Es braucht praktisch keine Pflege, Wasser und Bürste reichen. Und es bietet einen sehr guten Schutz. Das ist die Politik dieses Materials, Einfachheit, man muss es nicht pflegen, es ist weniger empfindlich.

Wenn man in die Schuh hineinschlüpft, dann fühlt er sich gleich wie ein eingetragener Schuh an. Er hat kein Breaking Time, wie wir es auf Englisch nennen. Er muss nicht eingelaufen werden, ganz im Gegensatz zu einem Lederstiefel. Wir wissen alle gute Lederstiefel, die haben ihre Haltbarkeit, aber es braucht auch eben seine Zeit bis diese wirklich passen und bequem sind. Wie man sieht, es sind mehrere Vorteile, die diese Technologie in unserem Konzept vereint.

Und natürlich die Wasseraufnahme. Das Material lässt den Fuß einfach länger trocken bleiben, nimmt weniger Wasser auf und bleibt so leichter. Und wenn es draußen nass wird, dann bietet es eine deutlich schnellere Rücktrocknung als Leder im Vergleich.

 

Defence Network: Sehen wir uns doch einmal die einzelnen Anteile an. Welche Vorteile bringt das neue Sohlendesign, die eingearbeiteten Schutzbereiche, das Schnürsystem und ganz wichtig das neue Obermaterial Extraguard von Gore?

Bastias: Auf die Sohle bin ich schon eingegangen. Wenn man in einer Umfrage 100 Soldaten fragt, dann hört man, das Wichtigste ist der Komfort, oder Laufkomfort. Es ist bei allen Marktforschungsumfragen immer das Argument Nummer Eins. Daher waren wir der Meinung, lass uns doch einmal das Nonplusultra auf den Markt nehmen, und verbinden. Wir wissen aber auch, dass für aktuelle Ausschreibungen eine flache Laufsohle eigentlich noch nicht relevant ist, und wenn überhaupt dann im Polizeibereich. Wir bieten auch Varianten mit dem sogenannten Ladder-Grip an. Das wird zum Beispiel oft in Ausschreibungen gefordert. Wir sind flexible und können auf die unterschiedlichen Anforderungen einer Ausschreibung reagieren. Das Prunkstück der Konzeptstudie ist auf jeden Fall die Sohle, diese wurde eigens für uns konzipierte und vereint die ganzen Benefits.

Bei dem Schnürsystem haben wir unterschiedliche ausprobiert, es gibt verschiedene Varianten, selbst Zulieferer wie Boa werden immer beliebter. Das sind diese Schnellschnürsysteme, wie man sie aus dem Sport- oder Skischuhbereich kennt. Wir haben versucht, Systeme zu entwickeln, die auch moderne Nutzer zufrieden stellen. Im Militärbereich geht es auch darum, wie wir es schaffen, die neue Generation anzulocken. Mit dem modernen Design versuchen wir die Attraktivität der Uniform zu steigern. Wir haben mit der Studie einfach zeigen wollen, was in den Bereichen Komfort, Haltbarkeit, Schutz, Attraktivität, usw. einfach möglich ist. Wir wollten eine moderne Designsprache integrieren, und ich glaube, dass ist uns mit dieser Studie ganz gut gelungen. Natürlich gibt es dabei Diskussionen, wo genau wird jetzt wieviel Schutz benötigt?

 

Defence Network: Lassen wir den möglichen Kaufpreis einmal außen vor, warum sollte sich ein Soldat für diesen Stiefel von Gore entscheiden, welche Vorteile bringt er ihm im Gelände, auf Patrouille?

Bastias: Es ist für mich das Nonplusultra für den modernen Soldaten und Polizisten. Es ist die nächste Generation an Kampfstiefeln oder Tactical Stiefel. Wenn Du als Nutzer, als Profi in dem Einsatzbereich, Wert darauflegst, das modernste am Fuß zu tragen, dann ist dies die Zukunft.

 

Defence Network: Jetzt sehen wir hier eine Konzeptstudie. Was muss noch erfolgen, um daraus einen kaufbaren Kampfstiefel im Fachgeschäft zu machen?

Bastias: Wir hatten auf der Milipol 2025 von unseren Partner und auch aus der Endnutzercommunity schon sehr positive Resonanzen. Viele sagten, das würde ich sofort anziehen, wenn es durch den Dienstherren erlaubt wäre. Die nächsten Schritte sind abhängig von unseren Partnern, dass diese sich inspirieren lassen und sagen, ich kann mir vorstellen einzelne Elemente zu übernehmen und so umzulegen, dass daraus eine neue Serie an Kampfstiefeln entwickelt wird, oder eine bestehende Serie weiterentwickelt.

Wir erwarten hier keine eins-zu-eins Übersetzungen durch unsere Partner. Aber es wird demnächst bestehende Modelle eben auch mit Extraguard als neues Obermaterial geben. Es liegt bei der Industrie zu sagen: Ja, wir wollen diesen Weg gehen. Und natürlich an den Endnutzern, den Soldaten und Polizisten, den Beschaffern, die sagen: Das will ich für meine Truppen haben.

 

Text: Redaktion /af

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