Vier Jahre nach der Eskalation des Krieges in der Ukraine leidet die Bevölkerung weiter unter den zunehmenden Angriffen, die immer öfter gezielt die Bevölkerung und zivile Infrastruktur wie Wasser-, Strom- und Heizwerke sowie medizinische Einrichtungen, Schulen und Kindergärten treffen. Jetzt im Winter sind die Folgen dieser Angriffe besonders deutlich. Die Johanniter sind an der zivilen Hilfe beteiligt.
Den kältesten Winter seit Beginn des Krieges müssen viele Menschen ohne Strom, Heizung und warmes Wasser überstehen. Bei Temperaturen um minus 20 Grad ist das eine enorme zusätzliche psychische und körperliche Belastung neben der Angst vor Luftangriffen und der Sorge um Familienangehörige an der Front.
„Wir Johanniter verurteilen die Angriffe und die massiven Auswirkungen auf die Bevölkerung. Die psychischen Belastungen spüren wir auch bei unseren Mitarbeitenden und Partnern. Trotz allem versuchen sie täglich für die Menschen da zu sein und ihnen Schutz, Wärme und medizinische Hilfe zu ermöglichen“, sagt Oliver Meermann, Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
Johanniter – Medizinische Hilfe im Fokus
Besonders die weitreichende Zerstörung von Krankenhäusern und anderer gesundheitlicher Einrichtungen führt dazu, dass Menschen mit schweren Verletzungen oder Erkrankungen nur noch eine eingeschränkte medizinische Versorgung erhalten. Die Johanniter und ihre Partner kümmern sich um sie in der Ukraine und in Deutschland.
So wird in vier Kliniken in verschiedenen Regionen der Ukraine eine kostenlose Hepatis C-Behandlung für Frauen angeboten sowie deren psychologische und rechtliche Unterstützung sichergestellt. Schlaganfallpatienten- und patientinnen erhalten in einer sanierten Neurologieabteilung des St. Lukes Krankenhauses in Lwiw eine umfassende Versorgung. Zudem wurden 16 medizinische Einrichtungen in der frontnahen Region Sumy über die Wintermonate mit Holzbriketts versorgt, um die durchgehende Behandlung der Menschen sicherzustellen.
Daneben unterstützten die Johanniter im vergangenen Jahr gemeinsam mit ihren vier Partnern die Menschen in der Ukraine mit dem Lebensnotwendigsten. 1.158 Menschen wurden aus Dörfern nahe der Frontlinie evakuiert und an sicherere Orte gebracht. 20.000 Menschen erhielten Hilfspakete, Gutscheine, Saatgut und landwirtschaftliche Geräte. Zudem unterstützten die Johanniter 1.815 Vertriebene bei der Wiederherstellung ihrer Ausweisdokumente und boten 1.267 Frauen und ihren Kindern Schutz vor Gewalt in Frauenhäusern.
Medizinische Behandlung von Schwerstverletzten in Deutschland
Aufgrund der Versorgungsengpässe in der Ukraine werden seit dem Jahr 2022 über die medizinische Evakuierung der Europäischen Union (MEDEVAC) schwer Verletzte und Erkrankte nach Deutschland transportiert und hier über das Kleeblattsytem auf Krankenhäuser verteilt.
Gemeinsam mit den Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Deutsche Lebens-Rettung-Gesellschaft (DLRG), Deutsches Rotes Kreuz (DRK) und Malteser Hilfsdienst (MHD) setzen die Johanniter sowohl eine ergänzende soziale Betreuung als auch medizinische Rücktransporte für diese schwer erkrankten und verletzten Patientinnen und Patienten aus der Ukraine um.
Seit 2022 wurden über 1.700 MEDEVAC-Patientinnen und Patienten nach Deutschland transportiert. Mehr als 1.000 von ihnen erhielten eine ergänzende Sozialbetreuung durch die Hilfsorganisationen, 115 ihrer Angehörigen wurden ebenfalls unterstützt. Darüber hinaus wurden 336 Rücktransporte in die Ukraine durchgeführt, bei denen 74 Angehörige mit zurücktransportiert wurden.
Das Projekt wird in enger Abstimmung mit dem Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) und dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) aus Mitteln der Europäischen Union und des Auswärtigen Amts finanziert.
Quelle: Johanniter Unfall Hilfe e.V.
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