Erdbeben in Südostasien: Eine Jahrhundert-Katastrophe

Am vergangenen Freitag ereignete sich in Südostasien ein schweres Erdbeben mit der Stärke 7,7. Das Epizentrum wird in Myanmar nahe Sagaing verortet, der Erdbebenherd liegt nur etwa zehn Kilometer tief unter der Erde. Auswirkungen des Bebens waren neben den stark betroffenen Gebieten in Myanmar und Thailand auch in China, Indien und Bangladesch zu vernehmen. Nachbeben werden für weitere zwei bis drei Monate erwartet.

Ursächlich für das Erdbeben ist die Sagaing-Verwerfung, in der sich die indische und die eurasische Kontinentalplatte mit einer Geschwindigkeit von etwa 18 Millimeter pro Jahr aneinander vorbei bewegen. Dort hatte sich eine sehr große Menge an Energie angestaut, die sich in Form des besonders schweren Erdbebens einen Weg bahnte. Neben den extrem hohen Schäden durch das Erdbeben erschwert die schon vorher bestehende Konfliktlage vor Ort die Bewältigung der Katastrophe.

Durch die Schäden des verheerenden Erdbebens droht in Myanmar eine humanitäre Katastrophe.
Durch die Schäden des verheerenden Erdbebens droht in Myanmar eine humanitäre Katastrophe.
Foto: Caritas / KMSS

Mittlerweile ist die bestätigte Opferzahl in Myanmar auf mehr als 2000 Menschen angestiegen. Weitere 3900 Menschen seien verletzt und über 270 Menschen würden vermisst. In der gesamten Erdbebenregion könnte es mehr als 10.000 Todesopfer geben, befürchtet die US-Erdbebenwarte (USGS). Besonders kritisch seien die zahllosen Beschädigungen an Brücken, Straßen und Gesundheitseinrichtungen sowie an der Transport-, Kommunikations- und Elektrizitätsinfrastruktur, die enorme Schwierigkeiten in der humanitären Notversorgung bereiteten.

Was wir hier in Burma sehen, ist ein Ausmaß an Zerstörung, wie es in Asien seit über einem Jahrhundert nicht mehr vorgekommen ist,

schreibt die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) auf der Kurznachrichtenplattform X.

Erdbebenkatastrophe: Ein kaum zu bewältigender Massenanfall von Verletzten (MANV)

Sofort nach dem ersten Erdbebenereignis hat das Myanmarische Rote Kreuz (MRCS) eine Notfalleinsatzzentrale aktiviert, um den humanitären Bedarf zu erfassen und die Einsätze zu organisieren. Dies gestalte sich als äußerst schwierig, da durch die Schäden teilweise die Internet- und Kommunikationsverbindung unterbrochen seien.

Einigen Medienberichten zufolge seien die Krankenhäuser in Mandalay mit der Unmenge an Verletzten überfordert. Da zahlreiche Krankenhäuser durch das Beben stark beschädigt wurden oder ganze Gebäude eingestürzt sind, müssten hunderte Verletzte unter freiem Himmel behandelt werden. Außerdem fehle es an dringend benötigten Blutkonserven. Die Vereinten Nationen warnen zudem vor einem Mangel an medizinischen Gütern. Es sei dringend notwendig, mobile chirurgische und medizinische Einsatzteams aus dem Ausland in die Katastrophenregion zu bringen und Feldspitäler aufzubauen, um einer humanitären Katastrophe entgegenzuwirken.

Humanitäre Krise und andauernder Krieg

Die schon vor dem Beben schwierige humanitäre Lage würde durch die Erdbebenkatastrophe ins Extreme erschwert. Seit dem Militärputsch im Februar 2021 bestimmten in Myanmar Gewalt und Chaos den Alltag. Es sei allerdings ein wichtiger Schritt, dass die Militärjunta für weite Teile des Landes den Notstand ausgerufen und um internationale Hilfe gebeten habe. Allerdings gelte im Land noch keine einvernehmliche Waffenruhe, sodass der Zugang zu vielen Gebieten schwierig bleibe.

Die WHO hat mittlerweile die höchste Notfallstufe für Myanmar ausgerufen. Von Seiten der EU wurde Unterstützung mittels Satellitenaufnahmen des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus zugesichert, während Frankreich, Deutschland und Indien ebenfalls ihre Bereitschaft zu Hilfeleistungen erklärt haben. Seitens der Hilfsorganisationen wurden bereits finanzielle Sofort-Nothilfen transferiert: Der Malteser Hilfsdienst stellte 250.000 Euro und Caritas international 100.000 Euro zur Verfügung. Auch privat kann auf das Spendenkonto von „Bündnis Entwicklung Hilft“ und „Aktion Deutschland Hilft“ gespendet werden: www.spendenkonto-nothilfe.de.

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