Dunkelfeldstudie SKiD 2024: LKA-NRW stellt erste Ergebnisse vor

Die Mehrheit der Menschen in Nordrhein-Westfalen fühlt sich in ihrer Wohngegend sicher und vertraut der Polizei. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Ergebnisse der über den Fond für die Innere Sicherheit der Europäischen Union kofinanzierten Dunkelfeldstudie „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland 2024“ (SKiD 2024) für Nordrhein-Westfalen, dass ein Teil der erlebten Straftaten nicht angezeigt wird und somit im sogenannten Dunkelfeld bleibt. Die Studie ergänzt die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), indem sie Erfahrungen mit Kriminalität, das Anzeigeverhalten, Einstellungen zur Polizei und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung erfasst. Die periodisch angelegte bundesweite Studie wird in Nordrhein-Westfalen durch die Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle (KKF) des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen begleitet.

Das Landeskriminalamt NRW stellt erste Ergebnisse der Dunkelfeldstudie "Sicherheit und Kriminalität in Deutschland 2024" (SKiD 2024) vor.
Das Landeskriminalamt NRW stellt erste Ergebnisse der Dunkelfeldstudie "Sicherheit und Kriminalität in Deutschland 2024" (SKiD 2024) vor.
Grafik: Polizei NRW

Die zweite Erhebungswelle der Studie fand im Frühjahr 2024 statt. Bundesweit wurden mehr als 186.000 Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren befragt. Davon entfielen rund 40.000 Befragte auf Nordrhein-Westfalen. Der Rücklauf in Nordrhein-Westfalen betrug 35,6 % und umfasste rund 14.000 auswertbare Fragebögen. Damit wurde erneut eine sehr große Datengrundlage geschaffen. Die Ergebnisse sind für die nordrhein-westfälische Wohnbevölkerung ab 16 Jahren repräsentativ.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Menschen in Nordrhein-Westfalen überwiegend sicher in ihrer Wohngegend fühlen. Unsicherheitsgefühle treten insbesondere nachts an bestimmten Örtlichkeiten auf – etwa in Parks oder Parkanlagen sowie im öffentlichen Personennahverkehr. Insgesamt fühlen sich die Bürgerinnen und Bürger im Vergleich zur ersten Erhebung im Jahr 2020 im öffentlichen Raum etwas sicherer.

Befragte waren durchschnittlich eher wenig beunruhigt davor, Opfer bestimmter Straftaten zu werden. Am stärksten war dabei die Sorge vor Kriminalität ohne Gewalt, etwa Betrug im Internet oder Sachbeschädigungen. Die deliktspezifische Unsicherheit der Bürgerinnen und Bürger ist dabei im Vergleich zur ersten Erhebungswelle etwas angestiegen.

Studie zeigt, wie viele Menschen tatsächlich Opfer von Straftaten werden

Die Befragung zeigt auch, wie viele Menschen tatsächlich Opfer von Straftaten werden. 35,2 Prozent der Befragten in Nordrhein-Westfalen gaben an, im Referenzjahr 2023 mindestens einmal Opfer von einer der abgefragten Formen von Kriminalität ohne Gewaltanwendung geworden zu sein. Erfahrungen mit mindestens einer der abgefragten Formen von Gewaltkriminalität gaben rund 22,1 Prozent der nordrhein-westfälischen Bürgerinnen und Bürger an.

Zu den am häufigsten berichteten Delikten gehören:

  • Beleidigung außerhalb des Internets: 13,6 %
  • Sachbeschädigung an Kraftfahrzeugen: 10,5 %
  • Waren- und Dienstleistungsbetrug im Internet: 8,3 %
  • Missbrauch persönlicher Daten im Internet: 7,6 %
  • Fahrraddiebstahl: 6,8 %
  • Beleidigung im Internet: 4,9 %

Die Ergebnisse zeigen zugleich: Ein erheblicher Teil der Straftaten wird nicht angezeigt. Von 12.154 berichteten Viktimisierungserfahrungen mit Formen von Kriminalität ohne Gewaltanwendung wurden 33,7 Prozent der Fälle der Polizei gemeldet. Erfahrungen mit Gewaltkriminalität (insgesamt 2.437 Fälle) wurden sogar nur in 7,4 Prozent der Fälle der Polizei gemeldet.

„Das Bild ist überwiegend positiv“

Innenminister Herbert Reul sagte: „Die Studie zeigt, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger in Nordrhein-Westfalen sicher fühlen. Das sind gute Ergebnisse und passen zu den aktuellen Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik: Gewaltdelikte und Straßenkriminalität sind zurückgegangen. Gleichzeitig ist klar: Nicht überall ist alles top. Denn sich sicher fühlen und sicher sein sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Die Polizei ist rund um die Uhr unterwegs, um Sicherheit zu gewährleisten und das Sicherheitsgefühl der Menschen zu stärken. Wie wirksam allein ihre sichtbare Präsenz ist, wird oft unterschätzt. Die Studie hat auch das Vertrauen in die Polizei beleuchtet: Das Bild ist überwiegend positiv, aber viele sehen, dass die Polizei an ihre Grenzen kommt. Genau deshalb habe ich die Effizienzinitiative gestartet: Wir prüfen sehr konkret, welche Aufgaben die Polizei heute erledigt, für die eigentlich andere zuständig sind. Von solchen Altlasten wollen wir sie befreien, damit sie mehr Zeit für ihre Kernaufgabe hat: Sicherheit.“

Direktor des Landeskriminalamt NRW Ingo Wünsch sagte: „Dunkelfeldstudien sind ein wichtiger Baustein moderner Kriminalitätsforschung. Sie helfen uns noch besser zu verstehen, welche Straftaten nicht angezeigt werden und wo Menschen Unsicherheiten wahrnehmen. Diese Erkenntnisse sind somit mitentscheidend für eine wirksame Präventions- und Polizeiarbeit.“

Ausblick

Die Studie „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland“ ist periodisch angelegt, um Entwicklungen über die Zeit beobachten zu können. In Nordrhein-Westfalen wurde der bundesweit eingesetzte Fragebogen in der aktuellen Erhebung zusätzlich um vertiefende Fragen zur Zivilcourage und zum Verhalten bei einem Notruf erweitert. Die Ergebnisse hierzu werden in einem gesonderten Bericht veröffentlicht. Die nächste Erhebungswelle wird im Frühjahr 2026 durchgeführt.

 

Quelle: Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen

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