“Wir alle wissen: Nur mit starken Partnern klappt die Krise!”, erklärte Karl-Heinz Banse, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), bei der 73. Delegiertenversammlung des DFV. Im Roten Rathaus in Berlin waren 163 Delegierte aus ganz Deutschland, Gäste aus Frankreich, Österreich, Kroatien und Polen sowie aus Politik und Wirtschaft zusammengekommen. Bevölkerungsschutz und zivil-militärische Zusammenarbeit waren die vorherrschenden politischen Themen. Im verbandlichen Teil stand die Wahl eines Nachfolgers an der Spitze des Fachverbandes für 1,4 Millionen Feuerwehrangehörige auf dem Programm. Dr. Christoph Weltecke (Hessen) wird am 26. Februar 2027 die Amtsgeschäfte von Karl-Heinz Banse übernehmen.
Banse fordert verlässliche Finanzierung vom Bund
“Dass die Bevölkerung resilienter werden muss, ist eine dringende Aufgabe, derer sich auch die Feuerwehren annehmen”, berichtete Banse in seiner Rede von zahlreichen Maßnahmen, mit denen die Feuerwehren im Bevölkerungsschutz aktiv sind: Von Informationsmaterialien auf Bundesebene bis hin zu einem Wahl-Pflicht-Fach in der Schule lobte er das große Angebot. “Geben Sie bitte meinen herzlichen Dank an all die Menschen weiter, die sich hier vor Ort dafür einsetzen, die Arbeit der Feuerwehren auch in Krisensituationen weiter zu ermöglichen, indem die Bevölkerung sich zu einem Teil selbst helfen kann!”, so der DFV-Präsident.
Er richtete die dringende Forderung an die Politik: “Um Leistungen zu bringen, müssen auch Gelder da sein. Wir übernehmen mittlerweile in großem Maße auch Aufgaben auf nationaler Ebene. Nichtsdestotrotz hat der Bund einer institutionellen Förderung des Deutschen Feuerwehrverbandes wiederholt eine Absage erteilt. Wir haben hier Erwartungen im operativen und administrativen Bereich an geeignete Projektförderungen!”, stellte Banse unter Applaus fest.
Handbuch zur Zivil-Militärischen Zusammenarbeit angekündigt
Wie wichtig umfassende Ausbildung für sicheres Handeln ist, zeigt sich auch im Bereich der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit: Banses Ankündigung des durch den gleichnamigen Arbeitskreis aus Feuerwehr und Bundeswehr erarbeitete Handbuch zur Zivil-Militärischen Zusammenarbeit stieß auf großes Interesse in der Versammlung. Die Publikation soll allen Akteuren Hilfestellung im gemeinsamen Miteinander auch im Einsatzfall geben.
De Vries: Bund setzt auf Zivile Alarmplanung und Ehrenamt
“Wir müssen die Grundlagen der Zivilen Verteidigung wieder stärken und die Bevölkerung widerstandsfähiger machen”, stimmte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, Christoph de Vries, zu. “Dies kann dem Bund nicht alleine gelingen. Wir sind auf Sie als Akteure in der zivilen Verteidigung angewiesen”, wandte er sich an die Delegierten aus ganz Deutschland. De Vries berichtete von der Umsetzung der Maßnahmen zur zivilen Verteidigung vor allem über die “Zivile Alarmplanung”. “Dieser wichtige Instrumentenkasten im Verwaltungshandeln berücksichtigt lokale Gegebenheiten und eigene Krisenplanungen”, erläuterte der Parlamentarische Staatssekretär. “Sie alle hier sind von der Überzeugung getragen, Verantwortung zu übernehmen. Wir müssen das Ehrenamt nicht nur loben, sondern auch schützen und fördern”, dankte de Vries abschließend.
Berlin: Nachwuchsarbeit und starke Stimme in der Lobbyarbeit
“Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren leisten etwas, das man nicht verordnen kann: Sie schenken der Gesellschaft ihre Zeit”, konstatierte Thilo Cablitz, Abteilungsleiter der Senatsverwaltung für Inneres und Sport des Landes Berlin. “Die Nachwuchsarbeit beginnt bei den Jugendfeuerwehren. Wer junge Menschen für das Team begeistert, leistet Nachwuchsarbeit nicht nur für die Feuerwehr, sondern auch für die Gesellschaft”, betonte er die Bedeutung der Feuerwehr nicht nur als Beruf in einer Metropole, sondern auch als attraktives Ehrenamt in ganz Deutschland. “Wir müssen dafür sorgen, dass ehrenamtliches Engagement nicht an bürokratischen Hürden scheitert”, so Cablitz.
Der Berliner Landesbranddirektor Prof. Dr. Karsten Homrighausen blickte im Jahr des 175-jährigen Jubiläums der Berliner Feuerwehr, aus dessen Anlass die DFV-Delegiertenversammlung in der Hauptstadt stattfand, auch in die Geschichte. “Wir sind als Feuerwehren im Rahmen der Selbsthilfe gegründet worden und haben das Vertrauen der Bevölkerung. Mit diesem Vertrauen können wir daran mitwirken, die Bevölkerung resilienter zu machen”, stellte er fest. “Die Menschen müssen auch selbst Verantwortung übernehmen!”, so der Landesbranddirektor. “Wenn es den Deutschen Feuerwehrverband nicht gäbe, müsste man ihn gründen”, erklärte Homrighausen mit Blick auf die nötigen starken Stimmen in der Lobbyarbeit, um ein gemeinsames Bewusstsein für Resilienz zu schaffen.
Internationale Gäste würdigen Banse
“Veränderungen haben immer stattgefunden, aber die Dynamik, Geschwindigkeit und Dimensionen haben sich verändert. Jetzt braucht es ein Miteinander von allen, die Verantwortung tragen”, erläuterte Robert Mayer, Präsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes, in seinem Grußwort im Namen der internationalen Gäste. “Die Überlegung, was die Herausforderungen in diesen neuen Lagen sind, findet in Österreich derzeit nicht statt”, zeigte er sich froh über den internationalen Austausch. “Ich bin sehr dankbar, dass es uns gelungen ist, den Verband der Feuerwehren in der Europäischen Union zu gründen. Die Feuerwehrfamilie wächst auch in der EU immer weiter zusammen, da uns die Herausforderungen alle betreffen. Es ist wichtig, gemeinsam eine Stimme haben”, so Mayer.
Im Anschluss zeichneten Vertreter der nationalen Feuerwehrverbände aus Polen und Kroatien den DFV-Präsidenten Karl-Heinz Banse für sein internationales Engagement aus. Sabine Lackner, Präsidentin des Technischen Hilfswerks, vergab an Karl-Heinz Banse das Ehrenzeichen in Gold des Technischen Hilfswerks als höchste THW-Auszeichnung. “Identität und Zusammenhalt schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen sich”, dankte sie für die Zusammenarbeit.
IF Star und Vortrag von Weltschiedsrichter Merk
Im Rahmen der 73. Delegiertenversammlung wurde durch den Verband öffentlicher Versicherer und den DFV der “IF Star” als Preis für innovative Feuerwehren vergeben. Informationen hierzu werden unter https://www.voev.de/aktuelles/#presse veröffentlicht.
“Sich(er) und verantwortungsvoll entscheiden” lautete der Titel des Vortrags des dreifachen Weltschiedsrichters Dr. Markus Merk. Er sprach kurzweilig über seine Wurzeln, die ihm Halt geben, über Begeisterung und Identifikation, die Lebensentscheidungen vereinfachen. “Druck ist trainierbar: Aus Stress und Belastung werden Motivation!”, zeigte er sich überzeugt. Merk zeigte seine Bewunderung für die Jugendfeuerwehren in Deutschland, deren Mitglieder Vorbilder für andere junge Menschen seien.
Crawford wird Ehrenmitglied, Möller und Guzy ausgezeichnet
Im verbandlichen Teil der Veranstaltung standen unter anderem die Finanzen des Verbandes und die Bestätigung der Wahl der Bundesjugendleitung der Deutschen Jugendfeuerwehr auf der Tagesordnung. Claudia Crawford wurde für ihre langjährige Arbeit als Vorsitzende des DFV-Beirats zum Ehrenmitglied ernannt. Hannes Möller (Mecklenburg-Vorpommern) wurde mit der Goldenen Ehrennadel des DFV ausgezeichnet. Bereits am Freitag beim Länderabend des Landesfeuerwehrverbandes Berlin war dessen Vorsitzender Sascha Guzy mit der Silbernen Ehrennadel des DFV geehrt worden.
Ökumenischer Gottesdienst und Totengedenken
Im Vorfeld der Delegiertenversammlung fand zudem ein ökumenischer Gottesdienst in der St. Marienkirche statt. Dr. Frank Conrads, Pastor und DFV-Bundesbeauftragter für Feuerwehrseelsorge, gestaltete den Gottesdienst gemeinsam mit DFV-Vizepräsident und Diakon Frank Hachemer. Conrads appellierte beim Totengedenken im Rahmen der Delegiertenversammlung: “In unserem Dienst stellen wir uns dem Tod entgegen. Manchmal ist es vergeblich, aber wir haben Hoffnung, halten uns gegenseitig und lassen niemanden zurück.”
Quelle: DFV
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